Astrid Fritz: Henkersmarie

 
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Astrid Fritz: Henkersmarie
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783463406510

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Morgensonne schob sich langsam durch die grauen Wolkenberge, bis die Stromschnellen der Pegnitz, die mitten durch die Reichsstadt floss, aufgleißten und das grelle Licht den Menschen in den Augen schmerzte.

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Das Henkerswesen im 16. Jahrhundert: Bestsellerautorin Astrid Fritz wagt sich an ein faszinierendes Thema. Wer "die Hexe von Freiburg" liebte, wird diesen Roman verschlingen!
Eine Henkerstochter auf der Flucht vor ihrem Schicksal
Rothenburg ob der Tauber, um 1540. Maria wächst als Henkerstochter in einer schäbigen Gasse heran. Dem Mädchen ist der Beruf des Vaters eine fremde Welt. Nur zu deutlich spürt sie, dass sie gemieden wird - gelten Henker und ihre Familien doch als "Unehrliche", mit denen man nicht in Berührung kommen soll. Als sie alt genug ist, nimmt ihr Vater sie zum ersten Mal zu einer Hinrichtung mit. Danach schwört sie sich, die Henkerswelt für immer hinter sich zu lassen, sobald sie erwachsen ist. Aber ihre Eltern haben andere Pläne: Sie soll den Sohn und baldigen Nachfolger des Freiburger Henkers heiraten. Bleibt ihr nur die Flucht?

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Aus dem Leben einer Henkerstochter

Maria wächst im 16. Jahrhundert in Rothenburg ob der Tauber, als Tochter des Henkers auf. Sie lernt früh, was es heißt, zu den unehrlichen Leuten zu gehören. Die Eltern versuchen, ihr und ihrem Brüdern eine einigermaßen glückliche Kindheit zu bescheren. Aber die Umwelt und die Menschen mit ihrer Angst vor dem Henker lassen dies nicht zu. So muss Maria früh lernen, mit ihrem Stand zu leben. Sie selbst hat sich aber geschworen, sie würde nie und nimmer einen Henker zum Mann nehmen. Sie sucht verzweifelt nach einer Lösung ihres Problems und ein Entkommen aus dieser Bevölkerungsschicht.

Die Autorin Astrid Fritz schildert in einem flüssigen und bildhaften Erzählstil von dem Leben als Henkerstochter. Von ihren Sorgen und Nöten. Sie schildert das Leben von Maria, von ihrer Kindheit, ihrer Jugend und als junge Frau. Viele Höhen und Tiefen hatte die Familie durchzustehen. Einige Umzüge gab es zu bewältigen, denn ein geheimnisvoller Fremder macht ihnen das Leben schwer. Das Leben als Henkersfamilie war nicht immer einfach.
Auch wenn sie finanziell gesehen ihr Auskommen hatten und es ihnen besser ging als so manch anderem. Aber damit, dass sie von der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden, nicht mit den Menschen leben durften, nur wenige Freunde hatten und immer ausgegrenzt wurden, konnte Maria sich nur schlecht abfinden. Davon wie sie damit klarkam, schildert die Autorin hier. Sie hat zwar ein glaubwürdiges Bild dieser Bevölkerungsschicht geschaffen, denn es gab ja noch so einige andere, die dem Henker zur Hand gingen, es war auch interessant zu lesen, aber zeitweilig nicht so spannend wie ich es mir gewünscht hätte.

Echte Geheimnisse gab es nicht, dafür ganz viele kleine Alltagsgeschichten der Familie. Diese auch facettenreich geschildert. So lernt der interessierte Leser einiges über den Beruf des Henkers und was alles damit verbunden war. Durch die Umzüge wird auch einiges von der Landschaft geschildert und der Leser bekommt eine leise Ahnung davon, wie schwer gerade das Reisen zu dieser Zeit war.

Die einzelnen Charaktere hat Fritz liebevoll gestaltet, es macht Spaß mit ihnen auf die Reise zu gehen. Neben Maria und ihrer Familie gab es auch noch einige andere Menschen im Leben von Maria. Da waren die wenigen Freundinnen, die sie hatte, und natürlich Caspar, der Sohn des Henkers zu Freiburg. Sie alle geben der Geschichte ein buntes Bild.

In einem Nachwort klärt die Autorin noch Fiktion und Wahrheit. Dieses Nachwort ist in sofern spannend, da die Idee zu diesem Buch auf eine wahre Begebenheit beruht. Und so wie die Autorin diese Geschichte hier umgesetzt hat, ist sie glaubwürdig und könnte sich durchaus so zugetragen haben. Ein Glossar der fremden Begriffe ist ebenfalls vorhanden und hilft bestimmt sich im 16. Jahrhundert zu Recht zu finden.




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dicke Leseempfehlung

Anno 1525
Marie ist die einzige Tochter des Henkers von Rothenburg. Von klein auf bekommt sie zu spüren, dass der Beruf ihres Vaters auf sie, ihre Brüder und ihre Eltern gravierende Auswirkungen hat. In vielen Bereichen des täglichen Lebens werden sie ausgegrenzt. Die Menschen fürchten sich vor dem Henker, viele verachten ihn gar. Man möchte nicht, dass sie auf dem Markt die Waren berühren, verbietet ihnen, sich beim Kirchgang oder in Wirtshäusern an die Bänke und Tische neben die anderen Bürger zu setzen, verlangt, dass sie sich durch auffällige Kleidung oder Bänder als Henker und dessen Angehörige kenntlich machen. Das ambivalente Verhältnis der Menschen für diesen Beruf ist tiefgreifend. Sie schätzen es, dass er teils drakonische Strafen an den Verurteilten vollzieht, aber sie wollen persönlich nichts mit ihm zu tun haben. Darunter leidet vor allem Marie sehr und als ihr klar wird, dass sie wahrscheinlich nie aus dieser Zwangslage herauskommen wird, da eine Henkerstochter nur einen Henker ehelichen kann, begehrt alles in ihr auf und sie beschließt, dass ihr Leben anders aussehen soll.
Man hat vom Henker durch viele andere Bücher und Filme sicherlich ein ungefähres Bild dieses Berufsstandes im Kopf. Aber Astrid Fritz rückt dies auf eindringliche und durch gründliche Recherche sehr fundierte Weise zurecht. Der Henker des Mittelalters hat weit mehr geleistet, als nur Leute gehängt und geköpft und das Martern und Rädern waren keineswegs seine Hauptaufgaben. Maries Vater ist ein Mann, der sein Handwerk sehr integer und gottesfürchtig ausübt, der ein großes mitleidiges Herz hat, welches er gleich im Prolog beweist, als er eine Kindsmörderin vor dem für sie vorgesehenen Schicksal bewahrt. Das harte Los des Henkers und seiner Familie, die Ablehnung der Mitmenschen, die Ungerechtigkeit und die vielfältigen Benachteiligungen sind erschütternd zu lesen und man fühlt mit Marie, die ausbrechen möchte.
Astrid Fritz schafft es, dass man große Empathie für die Hauptpersonen verspürt und obwohl die Geschichte viele deprimierende und auch grausig-reale Hintergründe hat und nicht mit Fakten geizt, die einem bei genauerer Betrachtung durchaus das Fürchten lehren, fühlt man dennoch den Lebensmut der Henkersfamilie und freut sich mit ihnen an den kleinen Dingen des Lebens. Die Charaktere sind sehr glaubhaft und abwechslungsreich und eine Vielzahl von starken Nebendarstellern runden das Ensemble harmonisch ab. Der Spannungsbogen hält sich bis zum Finale und am Ende freut man sich nicht nur über den historischen Nährwert dieses hervorragenden Romans sondern auch über den stimmigen Schluss.
Ich war restlos begeistert, hätte mir sehr gewünscht, dass es hierzu eine eigene Leserunde gegeben hätte, denn das Buch bietet jede Menge Aha-Erlebnisse und Gesprächsstoff. Von mir eine ganz dicke Leseempfehlung.

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