Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht

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Jessica Fellowes: Die Schwestern von Mitford Manor - Unter Verdacht
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
Originaltitel
The Mitford Murders
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783866124523

Informationen zum Buch

Seiten
495

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Um Viertel vor drei hielt das Taxi vor Victoria Station, und Florence Shore stieg aus.

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Handlungsort

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London, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Krieges jeder etwas zu verbergen hat.

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Zäher Kriminalroman

1920. Louisa will ihrem kleinkriminellen Onkel entkommen und ergattert einen Job als Kindermädchen auf Mitford Manor. Dort ist es ihre Aufgabe auf die sechs quirligen Mitford-Schwestern aufzupassen. Doch am Tag ihrer Anreise wird im Zug Florence Nightingale Shore ermordert. Nancy, Louisa und auch dem Railway Police-Officer Guy lässt dieser unaufgeklärte Mordfall nicht los, so dass sie sich auf eigene Faust an die Ermittlungen begeben...


Der Roman ist für mich eher ein Gesellschaftsroman, dennoch baut sich der ganze Spannungs- und Handlungsbogen als Kriminalroman auf. Und genau dort versagt das Buch für mich enorm. Denn in den ersten 3/4 des Romans dümpelt die Ermittlungsarbeit nur vor sich her und wie sich am Ende herausstellt, waren es nur Kleinigkeiten, warum sie nicht voran gekommen sind, wo ich mir als Leserin schon dachte: Wieso wird da nicht genauer nachgefragt? So kommt auf den letzten 20 Seiten noch eine Überraschung, mit der ich auch erst im letzten Achtel gerechnet habe. Alle anderen Entwicklungen waren ziemlich schnell vorhersehbar. Das fände ich gar nicht weiter schlimm, wenn sich die Ermittlungen nicht so zäh wie Lebertran am Anfang entwickelt hätten. Wenn in dieser Zeit immerhin persönliche Entwicklungen der Schwestern - allen voran natürlich von Nancy, die in diesem Roman neben Louisa den größten Stellenwert einnimmt - voran getrieben wären, dann wäre ich auch zufrieden gewesen. Aber nein, gefühlt passiert nichts.


Die Figuren blieben für mein Empfinden ähnlich blass und ohne Entwicklung. Sie kamen mir alle ein wenig trantütig und naiv daher - selbst der Policeofficer Guy. Auch die Liebes- und Freundschaftsbeziehungen untereinander zogen sich wie Kaugummi. Alles passierte im Endeffekt in den letzten 50 bis 100 Seiten, so dass mir das Tempo dort ein wenig zu schnell war.


Der Schreibstil war hingegen schön. Die Autorin beschwor ein passendes Setting hervor, das mit stark mit dem Inhalt harmonierte. Es hätten schöne Schmökerstunden werden können, wenn der Spannungsbogen besser gebaut gewesen wäre und die Handlung vielleicht noch etwas gestrafft worden wäre.


Aber immerhin habe ich so Einblicke in das Leben der Mitford-Schwestern erhalten, auch wenn die schillernde Familie, von der man so liest, (noch?) nicht durchscheint. Aber vielleicht kommt das mit den anderen geplanten Romanen noch?

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Sehr gelungener Genremix und Auftakt einer glamourösen Familiensaga

"Die Schwestern von Mitford" von Jessica Fellowes, hier mit dem Untertitel von Bd. 1 "Unter Verdacht" ist der Auftakt zu einer Romanserie von 6 Bänden, in dem sich jeder Roman einer der Mitford-Schwestern widmet. Im vorliegenden Début ist es Nancy Mitford, die älteste der Schwestern.


Schon im Prolog begibt man sich in eine andere Zeit, die der 20er Jahre in London, in der ein Mord in einer (Dampf)eisenbahnlinie geschieht: Die Krankenschwester Florence Nightingale Shore wird brutal während der Zugfahrt ermordet; real ist dieser authentische Mordfall bis heute nicht aufgeklärt worden; im Roman jedoch sind die Hauptprotagonisten Louisa Cannon, Nancy Mitford und Guy Sullivan, seines Zeichens Bahnpolizist, dem Mörder auf der Spur....

Zum Inhalt:

Louisa Cannon, die in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, erfährt von einer Freundin, dass die glamouröse Familie Mitford ein neues Kindermädchen sucht - und ergreift mutig ihre Chance, sich ein Leben in stabileren und besseren Verhältnissen aufbauen zu können. Sie bekommt die Stelle und freundet sich mit Nancy, der 17jährigen Tochter, an und wird deren Vertraute. Als die jungen Frauen von dem brutalen Mord erfahren, der einer Freundin der Familie zum Verhängnis wurde, sind sie nicht davon abzubringen, den Mörder zu finden. Hilfe finden sie hierbei von Guy Sullivan, einem Bahnpolizisten, der durch Zufall Louisa dabei hilft, die ersehnte Arbeitsstelle auf Mitford Manor zu bekommen - und sich dabei in sie verliebt...
Wer war der Mann im braunen Mantel, der zu Florence Shore in das Abteil stieg? Werden sie den Mörder finden, auch wenn es Guy von seinem Vorgesetzten Jarvis untersagt ist, im Fall Shore weiterzuermitteln, obgleich er abgeschlossen ist?

Meine Meinung:

Bereits von der ersten Seite an fand ich Zugang zu dieser recht spannenden und historischen Geschichte, deren Protagonisten real existieren und die den Leser ins London der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts entführen: Die gesellschaftlichen Gegensätze zwischen reich und arm werden sehr durch die Figur der Louisa deutlich: Ihr gelingt es durch Intelligenz und auch Fleiß, in der Upper Class Fuß zu fassen und Nanny von 6 Mädchen zu werden, besonders Nancy, die sehr schlagfertig ist und gute Geschichten und Abenteuer liebt sowie auf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht, sehr zugetan ist. Gemeinsam mit Guy gelingt es den beiden jungen Frauen, dem Mörder eine Falle zu stellen und im showdown, das bei der Party für Nancy stattfindet, diesen zu enttarnen....

Der Autorin, die eine Nichte von Julian Fellowes ist und die Begleitbücher zu "Downton Abbey" schrieb, gelingt es von Beginn an, den Leser in die Welt der 20er Jahre zu katapultieren: Der Roman ist in 3 Teile gegliedert und hat 79 recht kurze Kapitel, die den Spannungsbogen steigern, da die Erzählperspektiven wechseln. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut zu lesen sowie absolut unterhaltsam. Auch die Spannung kommt m.E. nicht zu kurz; über Louisa, die eine große Sympathieträgerin ist, kann man zuweilen schmunzeln, sich mit ihr vor ihrem üblen Onkel Stephen fürchten - und respektvoll ihre ermittlungstechnischen Fähigkeiten bestaunen! Auch Guy Sullivan ist ein sehr netter, wenn auch kurzsichtiger junger Polizist, der über ungeheure Ausdauer, Kombinationsgabe und Willensstärke verfügt - was ihm letztendlich nicht zum Nachteil gereicht. Das Zeitkolorit spielt ebenfalls sehr authentisch mit Rückblicken in den gerade erst beendeten 1. Weltkrieg durch die Briefe von Florence Shore eine wichtige Rolle, da das Leben von den Auswirkungen dieses schrecklichen Krieges - überall in Europa - geprägt war. Was für die Zeit zwischen den Weltkriegen mit den technischen Entwicklungen, dem Aufatmen und der Lebenslust der Menschen, die sich in neuer Musik und Tänzen z.B. widerspiegelt, sehr gut von der Autorin dargestellt und bildhaft gemacht wird. Andererseits sind die gesellschaftlichen Prägungen sehr eindrucksvoll geschildert und die starken Grenzen zwischen "oben und unten" sowie auch die Stellung der Frau, die sich in diesen Zeiten wandelte...

Fazit:

Eine sehr unterhaltsame und auch spannende Reise in die Vergangenheit des Englands der 20er Jahre in eine glamouröse Familie, in deren Auftakt der Serie die älteste Tochter Nancy Mitford eine der Hauptrollen einnimmt. Eine wirklich gelungene Mixtur aus Gesellschaftsstudie, historischem Roman und Krimi, der mir sehr gut gefallen hat, mich hier und da (ich sage mal nur "Mrs. Stobie" )auch an Downton Abbey erinnerte und den ich sehr gerne weiterempfehlen möchte! 4,5 *

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