Jonas Herlin: Krieger des Nordens

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Jonas Herlin: Krieger des Nordens
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783734101892

Informationen zum Buch

Seiten
480

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
"Olav! Thorbrand! Meine Söhne!"

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Handlungsort

Handlungsorte
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Die Langbootflotte des Wikingerfürsten Grimr Schädelspalter befindet sich auf dem Rhein mitten im Reich der Franken, als er nach einer Schlacht an seinen Wunden stirbt. Für seinen Sohn Olav ist klar, dass er nun die Führung der Flotte übernimmt. Doch sein Bruder Thorbrand greift ebenfalls nach der Macht. Plötzlich sind die Nordmänner in zwei Lager gespalten und können sich auf kein gemeinsames Vorgehen einigen, während sich ein Heer der Franken nähert. Was als gewinnbringendes Abenteur begann, endet in einem gewaltigen Kampf. Dem einen bringt er Ruhm, dem anderen den Tod.

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Wir schreiben das Jahr 842.

Einige Wikinger hatten in England erfahren, dass im Reich der Franken Streitigkeiten um die Erbfolge herrschen und dadurch unterschiedliche Herrschaftszonen entstanden sind. Diese Unruhen deuten die Wikinger als gutes Zeichen für einen erfolgreichen Beutezug und begeben sich mit einer größeren Langbootflotte auf einen Beutezug den Rhein entlang.
Unter den Plünderern Xantens finden sich auch ein Anführer namens Grimr Schädelspalter und seine sehr unterschiedlichen Söhne Olav und Thorbrand. Die beiden Halbbrüder können sich nicht ausstehen und streben beide die Nachfolge ihres Vaters an. Als letzterer an den Folgen eines Kampfes stirbt, brechen sich die Streitigkeiten Bahn und teilen auch die Gefolgschaft in zwei Lager. Eine sehr gefährliche Situation - mitten in Feindesland...

Bei "Krieger des Nordens" handelt es sich um einen kriegerischen historischen Roman im klassischen Sinne. Beinahe von der ersten Seite an folgen wir einer sehr rauhen, gewalttätigen Horde. Da werden Halluzinogene verabreicht, um besser und aggressiver zu kämpfen, da Äxte und Schwerter geschwungen, dass das Blut nur so spritzt und Frauen als Kampfesbeute nach Lust und Laune misshandelt und vergewaltigt. All das ist in den Augen der Wikinger "business as usual" - und vermutlich sehr authentisch für die damalige Zeit.

Aber im Mittelpunkt der Handlung steht ganz klar der Zwist der Halbbrüder Olav und Thorbrand. Letzterer hat eine sehr aufbrausende und kämpferische Art - doch er hat auch ein Seite, die etwas mehr über ihn verrät: seine Mutter war eine fränkische Sklavin und somit spricht er nicht nur die Sprache des Feindes, auf dessen Land die Wikinger nun unterwegs sind, sondern er ist auch mit dem christlichen Glauben vertraut. Olav ist etwas gewiefter und sucht erst einmal eine Strategie und manchmal auch seine eigene Absicherung, bevor er sich in einen Kampf begibt. Er hat damit häufig gute Ideen, doch er hat bis zum Tod von Grimr Schädelspalter unter der fehlenden kompletten Anerkennung seines Vaters gelitten. Denn der alte Anführer sah seinen Nachfolger in Thorbrand - also nicht im Sohn mit seiner Frau, sondern in dem Sohn, den er mit einer Sklavin gezeugt hat... Und letztlich ging es mir ganz ähnlich: auch meine Sympathie gehörte dem Hitzkopf Thorbrand, der sich Hals über Kopf in eine kriegerische Auseinandersetzung stürzt, aber auch regelmäßig aufgrund seiner Herkunft aufgezogen oder sogar angefeindet wird. Der stets auf seinen Vorteil bedachte, stichelnde und arrogante Olav hingegen war mit von der ersten Seite an zuwider.

So folgt man den Wikingerbrüdern und ihren Leuten bei ihrem Raubzug und verfolgt die äußerst spannenden Entwicklungen rund um die Nachfolge Grimrs. Allzu zart besaitet sollte man für diese Lektüre nicht sein - hier wird viel gekämpft, verletzt und gestorben. Auch wenn die Szenen nicht bis ins letzte Detail ausgeschlachtet werden: geschont wird man dennoch nicht allzu sehr, denn das Kopfkino funktioniert durch den Stil des Autors hervorragend. Überhaupt hat Jonas Herlin hier ein richtig gutes Debüt vorgelegt, das vor allem durch die Beschreibung und Entwicklung der beiden wichtigsten Charaktere überzeugt. Zur historischen Authentizität kann ich nicht allzu viel sagen, da ich mich für diese Zeit bislang nicht sonderlich interessiert habe und ehrlicherweise auch davon ausgehe, dass es um die Quellenlage - was diese Zeit angeht - eher nicht zum Besten steht... Dennoch empfand ich die Atmosphäre als glaubhaft - ebenso wie die Figuren und die meisten Handlungen. Hier gibt es zumindest keine strahlenden Helden, die nach unserer heutigen Denkweise und Moralvorstellung agieren.

Kurzum, ein geglücktes Debüt, das sich für alle an Schlachten und Wikingern Interessierten gut eignet. Spannend, mit reichlich Säbelrasseln und Herrschaftsstreitigkeiten und einem flüssigen Schreibstil.

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Wikinger wie man sie sich vorstellt

Die drei Söhne von Ludwig dem Frommen streiten sich um die Aufteilung des Frankenreiches.
Zu dieser Zeit macht sich eine Wikingerflotte auf, um Xanten zu plündern. Dem Skarl Grimr Schädelspalter ist dieser Beutezug noch nicht genug. Er segelt den Rhein weiter hinauf, um mehr Beute zu machen.
Die Söhne von Grimr Schädelspalter, Thorbrand und Olav sind mit dabei. Es sind Halbbrüder, Olav ist der Sohn von Grimr und seiner Frau, während Thorbrand ein Kind aus einer Beziehung mit einer fränkischen Sklavin ist.

"Krieger des Nordens" ist ein für meine Begriffe typischer Wikingerroman.

Die Wikinger sind barbarische Krieger, die keine Gnade kennen. Es werden Äxte geschwungen, Gegner enthauptet, Frauen geschändet und Städte dem Erdboden gleichgemacht.
Die ungleichen Brüder Thorbrand und Olav stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Während Thorbrand ein typischer Wikinger ist, aufbrausend und im Kampf immer in vorderster Linie dabei, ist Olav der taktierende, planende Ränkeschmied. Beide Brüder wollen die Nachfolge von Grimr Schädelspalter antreten, wobei Grimr selbst Thorbrand den Vorzug gibt.

Jonas Herlin hat hier einen guten "Erstling" geschrieben. Die Atmosphäre bei den kriegerischen Wikingern und auch die politischen Beziehungen der drei Frankenherrscher auf der anderen Seite sind anschaulich dargestellt.
Die Wikinger sind zwar zahlenmäßig weit in der Unterzahl aber durch ihren unbeugsamen Kampfeswillen machen sie das durchaus wett.

Allzu zimperlich sollte man nicht sein, wenn man sich auf diesen Roman einlässt. Die Wikinger und deren Verhalten und Kampfstil sind brutal und das liest man auch in dieser Form.

Ob die historische Hintergründe um Ludwig, einen Sohn Karls des Großen, und seine Söhne faktisch korrekt sind, kann nicht beurteilen, da ich mir hinsichtlich der Geschichte keine Gedanken gemacht habe. Ich fühlte mich durch den Roman gut unterhalten. Einen bleibenden Eindruck haben die Charaktere bei mir alledings nicht hinterlassen. Obwohl reichlich Blut floss, blieb das Buch für mich etwas farblos.

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Debütroman mit Potenzial, aber auch einigen Schwächen

Inhalt
Niederrhein, 842: Eine Horde Wikinger überfällt die Stadt Xanten und besetzt diese, unter ihnen der Jarl Grimr Schädelspalter mit seinen beiden Söhnen Olav und Thorbrand. Doch Grimr will mehr Beute machen und beschließt, mit seinen Leuten die Gruppe zu verlassen und nach Novaesium zu fahren. Durch die Unruhen im Reich, herbeigeführt durch den Erbstreit der Söhne Ludwigs des Frommen, können die Wikinger ungehindert den Rhein befahren.
Doch auch zwischen den Halbbrüdern Olav und Thorbrand herrscht Unfriede, denn Olav, der lieber plant als sich in einen unnötigen Kampf verwickeln zu lassen, möchte gerne die Nachfolge seines Vaters antreten, doch dieser scheint Thorbrand zu bevorzugen…

Meine Meinung
Krieger des Nordens ist der erste Roman von Jonas Herlin. Leider wird hier im Klappentext wieder extrem weit vorgegriffen, große Teile der erwähnten Handlung finden erst etwa nach der Hälfte des Romans, zum Teil erst wenige Seiten vor Schluss statt, weshalb ich dazu raten würde, den Klappentext nicht zu lesen!
Es handelt sich um einen dieser Romane, in denen die Themen Krieg und Eroberung, Missgunst und Verrat eine große Rolle spielen, während Romantik überhaupt nicht vorkommt. Zwar gibt es im Roman einige wenige Frauen, doch wird keine einzige mit Namen genannt.
Im Zentrum der Geschichte steht der Bruderzwist, wobei dieser hauptsächlich von einer Seite ausgeht.
Die Halbbrüder Olav und Thorbrand sind am selben Tag geboren, und da niemand sagen kann, wer der ältere ist, stehen sie in Konkurrenz um die Nachfolge ihres Vaters zueinander.
Thorbrand, der Sohn einer fränkischen Sklavin, der im Christentum unterwiesen wurde und auch die deutsche Sprache spricht, ist seinem Vater sehr ähnlich. Beide stürzen sie sich in den Kampf, wenn es denn gefordert ist, sie sind immer unter ihren Männern, doch Thorbrand lässt sich auch leicht erregen und ist dann in seinem Zorn nicht aufzuhalten. Olav dagegen ist bedächtiger, nachdenklicher. Er bestreitet seine Kämpfe lieber in den hinteren Reihen, um strategisch dort eingreifen zu können, wo es nötig ist. Obwohl seine Pläne oft aufgehen und er sich auf die Unterstützung der Sippe seiner Mutter verlassen kann, ist es doch die Anerkennung seines Vaters, die ihm fehlt.
Wider Erwarten ist es nicht Olav, der hier der Sympathieträger des Romans ist, sondern Thorbrand, der unter den intriganten Art seines eifersüchtigen Bruders gelegentlich zu leiden hat.
Neben den beiden Hauptpersonen gibt es noch zahlreiche Nebencharaktere, die nicht nur einen Namen, sondern tatsächlich auch Ansätze von Persönlichkeit haben, was man bei anderen Romanen dieser Art nicht immer vorfindet. Allerdings fand ich so manche Charaktereinführung ein wenig holprig und nicht ganz elegant gelöst.
Erfreulicherweise wird auf die Einteilung der Charaktere in gut und böse verzichtet, was auch der verwirrenden Umstände geschuldet ist.
In dem Roman gibt es, wie bereits erwähnt, zahlreiche Kämpfe. Diese sind oft recht kurz beschrieben und beschränken sich auf die wichtigsten Handlungen, dennoch sollte man nicht allzu zart besaitet sein. Für meinen Geschmack waren manche der Kämpfe auch ein wenig zu glücklich, wenn dann sechs Männer gegen einen kämpfen und der einzelne Krieger gewinnt.
Den historische Hintergrund liefert der Bruderzwist unter den Erben Ludwigs des Frommen, in deren Länder die Wikinger einfallen. Hintergrundinformationen über die Zusammenhänge erfährt der Leser zusammen mit Thorbrand, allerdings fand ich Thorbrands Abenteuer, während dem er diese Informationen erhält, ein wenig aufgesetzt, als würde diese Reise nur stattfinden, damit der Leser diese Informationen erhalten kann.
Während die politischen Zusammenhänge anscheinend recht gut recherchiert wurden, haben mich doch ein paar Ungereimtheiten und Fehler in anderen Bereichen enttäuscht, beispielsweise die teuren Glasfenster in den kleinen Klosterkirchen oder scharf gewürztes Essen, um Fäulnis zu überdecken.
Neben einem Nachwort zum historischen Kontext ist das Buch mit einer Karte ausgestattet. Leider ist diese so gestaltet, dass gerade die wichtigsten Handlungsorte genau in der Mitte und somit in der Falz des Buches liegen, so dass sie wenig hilfreich ist.

Fazit
Der Debütroman von Jonas Herlin ist nicht frei von Schwächen, insbesondere bei der Einführung der Charaktere und der Art und Weise, wie der historische Hintergrund dargestellt wird, kann dafür jedoch in anderen Bereichen punkten. Wer Romane von Bernard Cornwell und Robert Low mag, könnte auch hier seine Freude haben, wer jedoch zumindest ein wenig Romantik benötigt, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

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