Robert Schneider: Kristus

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Robert Schneider: Kristus
Untertitel
Das unerhörte Leben des Jan Beukels
Verlag
ET (D)
2004
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783746622637

Informationen zum Buch

Seiten
605

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
In ihrer Wohnstatt, nahe der St. Pieterskerk, an der Straße, die zum Blauen Stein führte, hielt die junge Alit Krankenwache am Bett ihres erstgeborenen Sohnes Jan.

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Er wollte das Paradies und brachte die Hölle Die Zeit scheint aus den Fugen im 16. Jahrhundert, als Luther wider den Papst predigt und verzweifelte Menschen nach Münster strömen, wo die Wiedertäufer den Gottesstaat verwirklichen. Ihr prophetischer König ist Jan Beukels. Die düstere Geschichte vom Gottsucher, der zum Despoten wird, hat in Robert Schneider ihren sprachmächtigen Autor gefunden.

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Kristus

Mit acht Jahren wollte er „Kristus“ werden, mit 25 wurde er König der Wiedertäufer, mit 27 errichtet er sich sein eigenes göttliches Reich – Jan Beukels aus Leyden. Seit Jan die ersten Widertäufer getroffen hat, kennt er nur eine Bestimmung: Münster soll eine Stadt der Frömmigkeit, Gleichheit und Freiheit werden --- das neue himmlische Jerusalem.

Ein bewegender Roman ist entstanden der die damaligen Verhältnisse in erstaunlicher Weise nahe zu bringen vermag. Die Geschichte zieht sich von Leyden, einem kleinen sehr gläubigen Dorf in den Niederlanden durch Deutschland, London und Teilen des Orients. Im ersten Teil, den „Weg ohne Aufgabe“ streifen wir durch die Seelenwelt eines Kindes welches nach den Osterfeierlichkeiten nur noch ein Ziel sieht: es will Christus treffen. Heimlich stiehlt er sich davon und findet im Kartausenbewohner Gerrit seinen Anvertrauten. Stolz ist er, als er endlich an den heimlichen Sitzungen seines Vaters mit den höchsten Herren der Stadt teilnehmen und den geistlichen Disputationen lauschen kann. Wir werden Zeuge eines sich immer mehr versteifenden und starrsinnig werdenden Jungen der doch nichts weiter will als mit Hilfe Gottes glücklich zu sein. Dabei lässt er sich leicht von Menschen begeistern und von ihnen einnehmen. Er verlässt seine Heimatstadt..... und verändert sich.

Als er zurück kommt hat sich die Welt für ihn vollständig gewandelt. Und auch der Erzählstil ist ein anderer. Im der zweiten Hälfte geht es vielmehr um die Entscheidungen und Meinungen der Begleiter von Jan. Wie gehen diese mit dem neuen „Sohne Davids“ um? Wie erreicht es Jan tausende in seinen Bann zu ziehen und für seine Sache einzunehmen, Münster zu unterwerfen und einen neuen Gottesstaat zu errichten?

Robert Schneider versucht dieses historische Begebenheit von verschieden Seiten aus zu belichten. Mal taucht der Leser ein in die Gedankenwelt einer Geliebten Jans, in die Gerrits von Kloister oder auch in Kipperdolling, dem geizigen und ich-bezogenen Gewandschneider. Die unterscheidlichen Charakterzüge sind glaubhaft herausgearbeitet, das die Meinungen/Ängste jeder Person leicht nachvollziehbar sind.

Die Geschichte ist mit einer überraschenden Klarheit geschrieben, die einen fesselt und kaum zu Atem kommen lässt. Oft wird der Leser ins kalte Wasser geworfen, und so gezwungen sich die Ausmaße genauer vor Augen zu führen oder die Gedankengänge der einzelnen Personen inniger zu verfolgen. Nicht nur von Seiten der Wiedertäufer oder auch „Taugezeichneten“ wird berichtet sondern auch von Seiten der belagerten Fürsten die die Geschehnisse erst mit einem Schmunzeln verfolgen.

Ein wundervoller Roman den ich mit nichts bisher gelesenem vergleichen kann. Nicht nur geschichtlich hat es mich bereichert, denn das „Reich Zions“ findet nicht allein in der Stadtchronik Münsters einen Platz, sondern auch mein Gedanken und Empfindungen sind während der Lektüre einen ganz anderen Weg gegangen.

Dieses Buch ist ein absoluter Buchtipp und mein bisherige Highlight des Jahres

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Kristus

Holland Anfang des 16. Jahrhunderts: der kleine Jan Beukels schockiert seinen Schulmeister, indem er in einem Aufsatz über seinen Berufswunsch schreibt, er wolle einmal "Kristus" werden. Gotteslästerlich!

Doch Jan ist und bleibt fasziniert von den zahlreichen Prozessionen, die zu verschiedensten Anlässen in seiner Heimatstadt Leiden stattfinden, und vom Glauben überhaupt, und freundet sich schließlich mit einem Kartäusermönch an.

Es ist die Zeit der Reformation in Deutschland, in der auch die Täuferbewegung entsteht (später als Wiedertäufer bekannt), die mit den alten Gewohnheiten der katholischen Kirche brechen will. Jan begegnet einem von ihnen, begeistert sich für diese gänzlich neue Form des Glaubens und zieht mit ihm nach Münster, wo sich schon viele einflussreiche Männer der Bewegung angeschlossen haben.

Recht schnell gewinnt der charismatische junge Mann die Herzen der Münsteraner und steigt zur Führungsfigur der Täufer auf, die Münster zu ihrer Hochburg machen wollen, indem sie alle Menschen in der Stadt bekehren. Dieses Ansinnen artet jedoch mit der Zeit in Gewalt und Fanatismus aus. Die Stadt wird belagert, es kommt zu immer schlimmeren Auswüchsen, Zerstörung und Hunger ...

In der altertümelnden Sprache, die man bereits aus "Schlafes Bruder" kennt, hat Robert Schneider hier einen spannenden, düsteren und blutigen Historienroman von einigem Umfang geschrieben. Zunächst braucht es ein wenig, bis man sich eingelesen hat, und man sollte weder mit Gewalt und Folter noch mit religiösen Thesen Probleme haben, um das Buch zu mögen.

Die Figur des Jan Beukels van Leyden wird facettenreich und vielschichtig gezeichnet, Selbstzweifel wechseln sich ab mit religiösem Eifer, der sich allmählich zum Fanatismus steigert, bis zum regelrechten (Größen)Wahn, in dem er sich völlig in seine Ideen verrennt und niemand mehr auf seine Gnade hoffen kann.

Zunächst erfahren wir im Zeitraffer von seiner Kindheit und Jugend, seiner ständigen Suche nach Gott und sich selbst, bis er schließlich nach Münster geht und die Ereignisse ihren Lauf nehmen, denen der Großteil des Buches gewidmet ist. Wie das friedliche "Himmelreich auf Erden", das sich die Täufer erträumen, in Allzumenschlichem, in Streit, Gewalt und Verblendung endet, liest sich erschreckend und brutal, doch gerade durch die teils ziemlich detaillierten Beschreibungen der Grausamkeiten wird man mitten ins Geschehen hineingerissen bis zum (für Jan und seine Mitanführer) bitteren Ende. (Vielleicht kennt der eine oder andere ja die Täuferkörbe in Münster.)

Um die Zusammenhängen besser verstehen und einordnen zu können, empfiehlt es sich, Namen und Begriffe nachzuschlagen. Ein Glossar fehlt leider im Buch.

Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber wer außergewöhnliche historische Romane mag, kommt hier auf seine Kosten.

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