Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder

Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder

 
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Linda Winterberg: Das Haus der verlorenen Kinder
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783746632209

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Lisbet stand auf dem Dachboden am Fenster und beobachtete die Schneeflocken bei ihrem Spiel mit dem Wind.

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Handlungsort

Kontinent
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Nimmt man einer Mutter ihr Kind …

Norwegen, 1941: In dem kriegsgebeutelten Land verlieben sich Lisbet und ihre Freundin Oda in die falschen Männer – in deutsche Soldaten. Ihre verbotene Liebe fordert einen hohen Preis, und die beiden jungen Frauen verlieren alles, was ihnen lieb ist. Ausgerechnet bei den deutschen Besatzern scheinen sie Hilfe zu finden, doch dann wird Lisbet von ihrer kleinen Tochter getrennt. Erst lange Zeit später findet sich ihre Spur – in Deutschland.

Eine dramatische Geschichte um zwei junge Frauen in Norwegen im Zweiten Weltkrieg, deren Schicksal bis in die Gegenwart reicht.

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Guter Kern, aber viel verschenktes Potential

Lisbet und Oda sind junge Frauen, die 1941 in Loshavn in Norwegen leben. Beschaulich und friedlich kann man das Leben in diesem kleinen Fischerdorf mit Blick auf den Schärengarten nennen - bis eines Tages die Deutschen über den Hügel kommen. Die verhassten Besetzer, die man bislang weit weg wähnte... Nun werden einige von ihnen bei Dorfbewohnern einquartiert und man muss sich zwangsläufig arrangieren und halbwegs gastfreundlich zeigen. Doch dann passiert, was unweigerlich passieren musste, wenn junge Menschen zusammentreffen: Lisbet und Oda verlieben sich in Wehrmachtssoldaten und machen in den Augen vieler somit alles falsch. Sie verlieren das Leben, das sie bisher kannten - und nicht nur das. Sie folgen ihrer Liebe in die Stadt, finden eine Anstellung, ein etwas moderneres Leben und auch die erhoffte Zweisamkeit. Doch was dann folgt, ist vor allem für die Frauen bitter - und Hilfe scheint es tatsächlich nur bei den Deutschen zu geben...

Die Autorin Linda Winterberg hat sich eines wichtigen Themas gewidmet: dem der sogenannten "Tyskerjente" (Deutschenmädchen) oder "Tyskertøs" (Deutschenflittchen) und ihrer "Tyskerbarna" (Deutschenkinder). Lange ein sehr schwieriges Thema in Norwegen, da man die Kinder in der Nachkriegszeit mehr als übel behandelt hat. Erst 1998 gab es von Seiten der norwegischen Regierung eine offizielle Entschuldigung für die Diskriminierungen. Da ich mich generell für die Zeit des Dritten Reiches interessiere, war es für mich sofort klar, dass ich dieses Buch lesen möchte. Vor allem, da es zu diesem speziellen Thema kaum Literatur gibt - zumindest nicht in Romanform.

Neben dem Strang, dem wir in den 40er Jahren folgen, gibt es noch einen in im Jahr 2005, der in Wiesbaden spielt. Hier absolviert die junge Marie, die eine überaus schwierige Kindheit in Berliner Heimen hinter sich hat, in einem Seniorenheim ein FSJ und nebenbei versucht sie ihr eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen. Mitgebracht hat sie ein altes Tagebuch in norwegischer Sprache und reichlich Fragezeichen zu ihrer Vergangenheit.
Während die Handlung rund 60 Jahre zuvor in Norwegen durchaus realistisch ist, blieben die Figuren dort für mich relativ blass. Sicher, es handelt sich bei Lisbet um eine junge, unerfahrene Frau, aber ich konnte sie auch mit Fortschreiten der Handlung nicht besser greifen. In Wiesbaden war es für mich hingegen andersherum: die Figuren sind für mich aus Fleisch und Blut, während die Handlung für mich etwas zu viele Zufälle und Kuriositäten mit sich brachte.

Die Naivität der jungen Frauen Lisbet und Oda ist das Eine: wenn man jung und verliebt ist, passieren Dinge, die man mit ruhigem, überlegten Kopf vielleicht nicht gutheißen würde - aber auch die deutschen Besatzer wirken dank des sympathischen Erich' beinahe harmlos. Auch wenn die norwegische Bevölkerung in den Augen der Nazis nicht als verabscheuungswürdig oder gar vernichtenswert galt wie beispielsweise die Bevölkerung in sogenannten Ostgebieten - auch Norwegen hatte unter der Besatzung zu leiden. So kommen die Vorurteile und die Ablehnung der Menschen um Lisbet und Oda auch nicht von ungefähr.

Meiner Meinung nach hat die Autorin gut zu einem interessanten und wichtigen Thema recherchiert, aber mich hat die Umsetzung nicht
überzeugt. Zu einfach ist die Sprache gehalten, zu leicht fügt sich die Vergangenheit mit der Gegenwart, zu einfach werden für mich interessante Fäden fallen gelassen und nicht weitererzählt. In meinen Augen sehr schade, da ich finde, dass die Fakten, die Linda Winterberg hier zusammengeführt hat, mehr Substanz für die eigentliche Geschichte geboten hätten. Beispielsweise hätte ich lieber weniger über die ausgeprägte Vorliebe für Zimtschnecken oder den Heißhunger einer Nebenfigur gelesen, dafür dann ein paar Worte mehr über die für mich viel interessanteren Entwicklungen in den einzelnen Leben. Sicher, damals herrschte Krieg und auch in den Nachkriegswirren mag einiges an Zusammenhängen verloren gegangen sein - aber dann hätte es für mich auch kein Aufbauschen unnötiger Szenen gebraucht.

Fazit: Ein guter Kern, aber meiner Erachtens leider viel zu viel verschenktes Potential.

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