Mary Morris: Die Musik der verlorenen Kinder

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Mary Morris: Die Musik der verlorenen Kinder
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Jazz Palace
ISBN-13
9783746632728

Informationen zum Buch

Seiten
400

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Pressestimmen
„Eine schillernde Geschichte voller Poesie und Feuer.“ New York Times
Erster Satz
Es war ein heißer Morgen im Juli.

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Amerika, um 1920: Fasziniert von der neuen Musik, die ganz Chicago erobert, widersetzt sich Benny Lehrman dem Willen seines Vaters und kämpft darum, Pianist werden zu dürfen. Im Nachtclub der Familie der jungen Pearl findet er Zuflucht, Freundschaft – und erlebt seine erste Liebe. Doch schon bald steht er vor der Wahl zwischen der Musik und denen, die ihm nahestehen.

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Jazz im Chicago der 20er Jahre

Im Jahr 1915 teilen der 15jährige Benny Lehrman und die einige Jahre jüngere Pearl ein schockierendes Erlebnis: sie werden Augenzeugen des Untergangs der "Eastland" im Chicago River. Viele Jahre soll es dauern, bis sie sich wiederbegegnen und die Folgen dieses traumatisierenden Ereignisses überwinden.

Benny hat es auch sonst nicht leicht im Leben: er kann seinem Vater nichts mehr recht machen, seitdem dieser ihn für den Tod des jüngeren Bruders verantwortlich macht. Außerdem möchte Benny, der seit seiner Kindheit Klavierunterricht erhält, lieber die neue aufkommende Jazzmusik spielen als Klassik. Wenn er durch die schwarzen Viertel Chicagos läuft, um die Waren aus Vaters Mützenfabrik auszuliefern, lauscht er immer wieder dieser neuen Musik. Gegen den Willen seiner Eltern, die eigentlich wollen, dass er Vaters Fabrik übernimmt, wird er zum gefragten Jazzpianisten, der auch selber komponiert.

Auch Pearls Leben ist nach dem Schiffsunglück, bei dem sie drei Brüder verlor, nicht mehr wie zuvor. Ihre Familie führt ein Lokal in Chicago, in dem abends musiziert wird und wo die beiden jungen Leute sich in den 1920er Jahren wiederbegegnen.

Mary Morris' Roman transportiert jede Menge Atmosphäre aus dem Chicago der 20er Jahre, vor und während der Prohibition und Weltwirtschaftskrise. Wir begegnen aus den Südstaaten in den Norden übergesiedelten Schwarzen, die zwar der Sklaverei entkommen, aber immer noch Objekte von Rassismus sind, wir begegnen europäischen und jüdischen Einwanderern und ihren Nachkommen, wir begegnen Gangstern und Arbeitern, Armen und Reichen. Auch echte historische Personen wie Al Capone, Louis Armstrong, King Oliver und Bix Beiderbecke haben ihre Auftritte in diesem Roman.

In Bennys Kapiteln wird gut veranschaulicht, wie sein eigenes Erleben und das Leben der Menschen um ihn herum sich in seinen Jazz- und Blueskompositionen niederschlägt. Pearls Familie bietet den Rahmen für die Musik, mit ihrem Lokal, in dem allabendlich musiziert wird und in dessen Hinterzimmer auch während der Prohibition Alkohol ausgeschenkt wurde. Das Lebensgefühl der 20er Jahre erscheint plastisch vor dem inneren Auge des Lesers. Dazu tragen auch Nebenfiguren wie der schwarze Trompeter Napoleon Hill bei, der im Lauf der Zeit Bennys Freund wird, sowie Bennys und Pearls Geschwister und Freunde, und andere. Es geht sehr viel um Musik, wenn auch nicht besonders tiefgründig und einiges wiederholt sich auch.

An der Geschichte habe ich nichts auszusetzen, zumal ich Alltags- und Familiengeschichten liebe. Mein stärkster Kritikpunkt betrifft den Schreibstil, der mir gar nicht gefiel. Für meinen Geschmack wird hier allzusehr mit Adjektiven, nicht immer zutreffenden Vergleichen und wortreichen Metaphern gearbeitet, so dass Beschreibungen oft zu überladenen Aufzählungen ausufern, die durch Kommata aneinandergereiht werden. Dies trägt nicht zum Verständnis und zur Visualisierung des Gelesenen bei, im Gegenteil. Anfangs fiel es mir deswegen schwer, in einen Lesefluss hineinzukommen.

Abgesehen davon: ein unterhaltsamer, sehr interessanter und atmosphärisch dichter Roman zum Thema Lebensgefühl und Jazz im Chicago der 20er Jahre.

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(Aktualisiert: 03 Januar 2017)
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Eine Hommage an Chicago, den Jazz und die Roaring Twenties

Alles beginnt 1915 mit dem Kentern der komplett ausgelasteten Eastland, einem Passagierschiff, das auf den Großen Seen seinen Dienst tat. Benny Lehrmann hilft die Menschen aus dem Wasser zu bergen und lernt dabei die junge Pearl kennen, die bei dem Unglück gleich drei ihrer Brüder verloren hat. Doch die beiden verlieren sich aus den Augen und begegnen sich erst einige Jahre später im Nachtclub von Pearls Eltern wieder...

Doch auch Bennys Leben ist nicht ungetrübt: für seine Eltern trägt er Schuld am Tod seines kleinen Bruders, der ihm bei einem Schneesturm verloren ging. Benny lebt für die Musik, er liebt die Vorstellung, irgendwann seine Brötchen als Pianist zu verdienen - auch wenn sein Vater erwartet, dass er einmal das Familiengeschäft übernehmen wird. Um seinen Traum zumindest ein Stück weit zu leben, bittet Benny den Vater darum, die Auslieferung in der Southside, dem sogenannten Schwarzenviertel Chicagos, übernehmen zu dürfen - denn hier kann er schon auf der Straße den Klängen des Jazz lauschen. Und mit ihm die Leser, denn man merkt der Autorin an, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hat und die Geschichte des Jazz' recherchiert und gut verarbeitet hat. Wir tanzen quasi Slim Betty und den Charleston, streifen wichtige Chicagoer Persönlichkeiten der damaligen Zeit wie zum Beispiel Al Capone, erfahren vom Aufsehen erregenden Prozess gegen Leopold und Loeb oder lauschen Auftritten beispielsweise von Louis Armstrong.

Mary Morris beweist mit ihrem Roman ihre Liebe für Jazz, die Roaring Twenties und ihre Heimatstadt Chicago. All die real existierenden Personen und die sehr gut recherchierten wahren Begebenheiten machen aus "Die Musik der verlorenen Kinder" einen durch und durch dichten, atmosphärischen und glaubhaften Roman.

Aber nicht nur die Rahmenhandlung und das Einfließen historischer Geschehnisse sind hier stimmig, nein, auch die Figuren sind es! Benny, der Eigenbrötler, der scheinbar nichts außer Musik im Kopf hat und mit diesem immer in den Wolken zu stecken scheint; Napoleon Hill, der schwarze Jazz-Trompeter und intelligenter wie aufmerksamer Bursche, der zu Bennys bestem Freund wird; und Pearl, die so immens wichtig für ihre Familie geworden ist - sie alle lagen der Autorin merklich am Herzen. Dabei erfährt man anhand ihrer Geschichte so viel Interessantes aus der damaligen Zeit - ohne dass die Lektüre überfrachtet ist, im Gegenteil. Ich habe alles aufgesaugt, geschwelgt und beinahe die Musik gehört... Was hätte ich gerne in einem der Speakeasies gesessen und dem Trubel zugesehen - auch wenn wir erfahren, dass längst nicht alles so golden ist, wie es heute gerne verklärt wird.

Kurzum, "Die Musik der verlorenen Kinder" ist ein wunderbarer Roman mit tollen Charakteren. Eine Liebeserklärung an Chicago und die Blütezeit des Jazz.

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