Minette Walters: Die letzte Stunde

Minette Walters: Die letzte Stunde

 
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Minette Walters: Die letzte Stunde
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Last Hours
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783453271685

Informationen zum Buch

Seiten
656

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Die Sommerhitze sog alles Leben aus Develish.

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Handlungsort

Kontinent
Handlungsorte
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Südengland, Juli 1348: An der Küste ist die Pest ins Land gekrochen. Binnen kürzester Zeit entvölkert sie ganze Landstriche, Angst und Panik regieren. Allein Lady Anne, die Herrin von Develish, nimmt das Heft in die Hand. Sie bringt all ihre Schutzbefohlenen auf ihrem Anwesen in Sicherheit und lässt die Zugangsbrücke verbrennen. In ihrem kleinen Reich zählen nicht mehr gesellschaftliche Konvention und Rang, sondern Einsatz für die anderen. Als neuen Verwalter setzt Anne Thaddeus ein, den niedrigsten, aber klügsten ihrer Diener. Doch kann sich die Schicksalsgemeinschaft gegen die schreckliche Krankheit behaupten, die vor ihren Toren tobt? Gegen die Verzweifelten und Raffgierigen, die Develish angreifen? Werden die kargen Vorräte reichen? Dann geschieht ein grausamer Mord und droht Lady Annes Gemeinschaft endgültig zu zerreißen ...

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Sozialexperiment im Mittelalter

?Wir befinden uns im 14. Jahrhundert. Die Pest wütet in ganz England. Doch das kleine Dorf unter der Herrschaft von Lady Anne schottet sich ab, um der Pest keine Chance zu geben, auch ihr eigenes Dorf zu befallen...


Für mich ist der Roman kein wirklicher historischer Roman. Das Setting im Spätmittelalter Englands mit der Pest und allem ist eher ein Mittel zum Zweck. Das zeigt für mich allein schon das besondere Dorf, in dem Leibeigene gebildet sind und eine Frau als Herrscherin akzeptieren. Auch wie die Pest von ihnen studiert wird, ist besonders. So wird in diesem Buch auch nicht, dass mittelalterliche Leben aus Sicht der Zeitgenossen beschrieben. In dem Buch geht es für mich viel mehr um ein Sozialexperiment. Was passiert, wenn ein Dorf sich auf engstem Raum sich über längere Zeit verbarikadiert? Wer schafft es, sich zum Anführer zu entwickeln? Wie vertreibt man sich die Zeit? Und später kommen noch Fragen hinzu, wie: Wie verhalten sich die Menschen, wenn sie einige von wenigen Überlebenden sind? Wie groß ist die Angst vor Bestrafung bei Abstinenz der Gesetzgebenden? Eine Menge solcher Fragen werden aufgeworfen und beantwortet. Fragen und Themen, die ich so noch nie in einem historischen Roman vorgefunden haben.


Der Stil von Minette Walters ist großartig. Flüssig und spannend erzählt er von dem Schicksal des Dorfes aus den verschiedenen Perspektiven. Der Perspektivenwechsel macht gerade unter dem Fokus der oben erwähnten Fragen viel Sinn, da die Personen verschiedene Ränge bekleiden und unterschiedliche soziale Hintergründe aufweisen. Lediglich kommt es dadurch teilweise auch zu langweiligen Wiederholungen, die aber vor allem dann stören, wenn man das Buch wie ich innerhalb von drei Tagen durchliest. Wenn man sich für die fast 700 Seiten etwas mehr Zeit lässt, sind diese ganz wunderbar, weil man immer im Geschehen drin ist und nichts Relevantes überlesen oder vergessen kann.


Im Endeffekt hat mir das Buch wirklich gefallen, auch wenn ich mir etwas absolut anderes unter diesem Werk vorgestellt habe. Ich habe mit einer mittelalterlichen Geschichte gerechnet, die die Pest zum Thema hat. In diesem Buch spielt die Pest aber nur als Schreckensgespenst in der Ferne eine Rolle und hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Hauptcharaktere - höchstens auf den ersten paar Seiten. Wenn man sich aber auf das Buch einlässt, ist es durchaus interessant und hochspannend zu lesen, wie die Personen agieren. Zwischenzeitlich empfand ich eine zu krasse schwarz/weiß Malerei vor, aber am Ende wird auch das aufgedrosselt und es ergeben sich Erklärungen und Wendungen, die kaum einen Platz für Fragen am Ende lassen.


Ich würde sagen: Lest es, wenn es euch anspricht. Ihr werdet schnell merken, ob das Buch etwas für euch ist oder nicht. ;)

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Dystopie im 14. Jahrhundert

Die Pest hat sich über England ausgebreitet und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Lady Anne of Develish hat sich und ihre Leute so von der Außenwelt ausgesperrt, dass sie eine gute Chance haben, diese Krankheit heil zu überstehen. Dabei sind die Ansichten der Lady wohl schon sehr modern zu nennen. Sie hat gelernt, dass Sauberkeit immer ein gutes Mittel gegen Krankheiten ist. Auch weiß sie, dass man Kranke isolieren muss, um andere nicht anzustecken. Die Autorin begründet das Verhalten der Lady damit, dass diese im Kloster erzogen worden ist und die Nonnen dort dies eben alles schon praktiziert haben. Vermutlich wird es wohl wirklich so gewesen sein. Es klingt in jedem Fall schlüssig.

Mir hat gut gefallen, wie Lady Anne ihre Leute behandelt hat und durch ihren Einsatz viel dazu betrug, dass es ihren Bauern gut ging. Minette Walters erzählt eine eigentlich düstere Geschichte, aber auf so faszinierende Weise, dass ich das Buch nur schwer mal zur Seite legen konnte. Sie beschreibt die Pest mit allem was dazu gehört. Manchmal bedarf es schon starker Nerven, um die kleinen Details, auch lesen zu können. Die Autorin hat nichts beschönigt oder weggelassen.

Das Schicksal der Menschen von Develish hat mich einfach nicht losgelassen. Dazu beigetragen haben sicherlich die vielen unterschiedlichen Charaktere, die die Autorin einfach nachvollziehbar gestaltet hat. Walters zeigt, wie Menschen handeln können, wenn sie in einer extrem Situation sind, was aus ihnen werden kann, wenn niemand sie führt, und wie aus einem noch so kleinen Licht ein Held werden kann. Hier hat die Pest dafür gesorgt, dass die Menschen beginnen sich zu fragen, haben wir das verdient? Hat Gott uns verlassen? Und können wir selbst mehr tun, als nur zu sterben? Eindrucksvoll schildert die Autorin, wie die Menschen dieser kleinen Ortschaft zusammenhalten und so der Krankheit trotzen. Sie wachsen über sich selbst hinaus und hinterfragen gleichzeitig aber auch ihr eigenes Leben. Sie sind Leibeigene und Bauern, aber warum ist das so? Gut schildert die Autorin die Situationen der Menschen, ihr Denken und Handeln.

Ein Nachwort gibt es hier leider nicht und so bleibt die Frage, die mich am meisten interessiert, unbeantwortet, was von dieser Geschichte ist wahr und was entstammt nur Fantasie dieser Autorin. In irgendeiner Form wird es solche Menschen, wie den Leibeigenen Thaddeus und Lady Anne of Develish bestimmt gegeben haben und die große Pestwelle im 14. Jahrhundert gab es schließlich auch, also warum nicht auch Menschen, die um ihr Leben auf diese Weise kämpften, wie es die Bauern dieser kleinen Ortschaft getan haben? Ich hatte das Gefühl, so oder so ähnlich könnte es durchaus gewesen sein.

„Die letzte Stunde“ ist ein spannender historischer Roman aus der Mitte des 14. Jahrhunderts in England. Er hat die Pest als Thema, aber erzählt vielmehr von den Menschen, davon sich selbst zu helfen und zusammen zuhalten, um zu überleben. Einzig der Schluss wirft ein paar Fragen auf. Der letzte Satz erst weißt darauf hin, dass es eine Fortsetzung geben wird. Ich fand für mich, dass dies nicht zwingend nötig ist. Die Pest wird ein Ende finden und die Menschen in ihr altes Leben zurückkehren, ob es wirklich gut ist, diese Geschichte noch weiter auszubauen wage ich leicht zu bezweifeln. Lese würde ich sie vermutlich schon, einfach weil der Erzählstil von Minette Walters mitreißend, bildhaft und spannend ist.

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Langweiliger geht's kaum

Wer die früheren Bücher von Minette Walters kennt, erwartete natürlich mit Hochspannung nach so langer Zeit wieder ein neues Buch der Autorin, die bisher durch ihre spannenden und ungewöhnlich intelligenten Krimis bekannt geworden ist.
Leider ist ihr neues Buch, ein historischer Roman, eine bittere Enttäuschung.
Die mit 650 Seiten sehr lange Geschichte kann nur stellenweise fesseln, die Ereignisse des Pestjahres 1348 plätschern so dahin, die Protagonisten sind holzschnittartig getrennt in gut und böse, ohne Zwischentöne, ohne Erklärungen, warum sie so handeln.
Die langatmige Story wirkt im Zusammenhang der Zeitumstände unglaubwürdig. Mich hat sie an die Karl-May-Romane aus dem fiktiven Wilden Westen erinnert. Bis zum Schluss wartete ich zunehmend genervt auf einen Plot und mussste mich geradezu zwingen, das langweilige Buch fertig zu lesen.
Das Buch unterschiedet sich nicht von irgendeinem anderen historischen Roman der Massenproduktion; ohne den Namne der Autorin hätte ich es niemals gekauft.

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Sozialexperiment

Die letzte Stunde von Minette Walters

Pestzeit - Todeszeit! Unter diesem Gräul leben die Menschen in England im 15. Jahrhundert in England. Als Lady Anne - die Herrin von Develish - die Nachricht von der Pest erreicht, sammelt sie die Dorfbewohner auf der Burg und lässt die Zugbrücke verbrennen. Ein eigenes kleines Soziotop entsteht - auf Basis von Können und Tatkraft und nicht auf Standesunterschieden. Doch dann geschieht ein furchtbarer Mord ....

Endlich mal wieder ein Roman im historischen Setting, der mich zu begeistern vermochte. Ich benötigte zwar ein paar Seiten, um von der Geschichte aufgesogen zu werden. Doch meine anfänglichen Bedenken zerstreuten sich rasch. Die Autorin hat eine unglaublich griffige Sprache. Sie weiß mit Worten umzugehen und Bilder in den Köpfen der Leser zu schaffen. Ich hatte hundert Seiten gelesen ehe ich überhaupt auf die Idee kam, auf die Seitenzahl zu schauen. Es liest sich also einfach so weg, ohne ins traschige oder schmalzige zu rutschen! Und das finde ich sehr erfrischend.

Auch positiv zu erwähnen ist der Verzicht, der in Buch geübt wird. Das Buch verzichtet beinahe völlig auf explizite Szenen, obwohl die Geschichte eigentlich auf sexuellen Handlungen und den daraus entstehenden oder vorausgehenden Emotionen. Aber Filler- oder Schmachtszenen, die auf die weibliche Zielgruppe zugeschnitten sind, habe ich wenig gefunden - was mich bezüglich des Buches äußerst positiv gestimmt hat.

Generell weißt die Geschichte relativ mittlere Spannungshöhepunkte auf, aber ist doch ziemlich interessant zu lesen. Doch es ist mehr wie ein Sozialexperiment zu lesen und nicht so historisch, dass man Angst haben muss gleich mit einem Geschichtsbuch erschlagen zu werden. Wie reagiert eine Gruppe, wenn sie von der Außenwelt abgeschnitten überleben muss. Wie agieren einzelne Charaktere in so einem Fall. Das waren eigentlich die hauptsächlichen Fragen, die dort aufgeworfen wurden. Generell haben mir die Figuren ein wenig zu „vernünftig“ für das Mittelalter agiert und reagiert. Hierfür muss eine der Protagonistinnen näher betrachtet werden. Lady Anne war als Mädchen im Kloster und hat allerlei über die Heilkunst gelernt - dieses Wissen hat sie dann in die Ehe mitgetragen und dieses Wissen hat auch die gesamten Bewohner vor der Pest bewahrt. Ob das Wissen über die Sauberkeit nun wirklich vorlag oder nicht, sei dahin gestellt. Den gesunden Menschenverstand will ich Lady Anne nicht absprechen - auch wenn die Schlussfolgerungen meiner Meinung nach etwas weit reichten. Mit der Bevölkerung von Develish hatte die Autorin ein kunterbuntes Sammelsurium von Figuren, an denen sie sich bedienen konnte. Da war zum Beispiel Lady Annes biestige Tochter, die es faustdick hinter den Ohren hat. Die Einblicke in ihr Seelenleben muteten so manches Mal ein bisschen verstörend an.

Alles in allem hat mich das Buch sehr gut unterhalten. Achtung: auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, es ist kein Einzelband, weißt jedoch eine in sich abgeschlossene Geschichte auf. Ich vergebe gerne 4 Sterne.

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