Andrzej Sapkowski: Narrenturm

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Andrzej Sapkowski: Narrenturm
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Narrenturm
ET (Original)
2003
ISBN-13
9783423244893

Informationen zum Buch

Seiten
740

Serieninfo

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Die düsteren Prophezeiungen der Chiliasten, die den Weltuntergang ziemlich präzise - nämlich für das Jahr 1420, den Monat Februar und den Montag, der auf den Festtag der heiligen Scholastica folgte - angekündigt hatten, erfüllten sich nicht.

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Handlungsort

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Schlesien, im Jahr des Herrn 1422: Reinmar von Bielau »hieb seinem Grauschimmel die Fersen in die Weichen, ritt im Galopp über die blühende Heide auf die waldbestandene Anhöhe zu, hinter der er segenbringende, ausgedehnte Wälder vermutetete«.

Der junge Medikus, von seinen Freunden auch Reynevan genannt, ist auf der Flucht vor seinen Häschern. Der Liebe wegen, genauer gesagt, weil er in flagranti erwischt wurde, mit der schönen Adele von Sterz, Eheweib des sich gerade auf einem Kreuzzug gegen die feindlichen Hussiten befindenden Gelfrad von Sterz. Doch auch die Inquisition könnte sich für ihn interessieren, denn was man im heimatlichen öls nach seinem stürmischen Abgang bei ihm findet, ist neben medizinischen Schriften so manches, das zumindest den Verdacht auf Hexerei aufkommen lassen könnte.

Der sündige Möchtegern-Lancelot hat also ernsthafte Probleme, vor allem, weil ihm Adele nicht aus dem Kopf gehen will.

So durchquert er auf dem Weg nach Breslau das damalige Mittel-Europa, begegnet dabei allerlei Volk, und auch der Narrenturm der Inquisition bleibt ihm nicht erspart, von dessen Warte aus die Welt bis heute einem einzigen Hauen und Stechen gleicht. Doch halt: Hatten die Chiliasten nicht vorausgesagt, die Welt würde im Februar des Jahres 1420 untergehen?

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Schlesien, 1422:
Der junge Arzt Reinmar von Bielau hat ein Problem - mehrere eigentlich. Erst wird er in flagranti bei einem Schäferstündchen mit einer verheirateten Frau entdeckt, was den Brüdern des gehörnten Ehemannes gar nicht gefällt. Um die Ehre der Familie wiederherzustellen, wollen sie Reinmar, genannt Reynevan, aufknüpfen. Diese Zukunftsaussichten gefallen dem Betroffenen natürlich überhaupt nicht, also macht er sich - etwas überstürzt - vom Acker, verfolgt von der aufgebrachten Brüderschar.
Aber es kommt noch schlimmer: Auch die Inquisition interessiert sich für ihn, hat man doch Bücher in seiner Wohnung gefunden, die den Verdacht erwecken, er könne sich mit verbotenen Praktiken beschäftigen. Und könnte er nicht auch, ebenso wie sein Bruder, ein Hussit sein? Noch ein Grund für gewisse Kreise, ihn genauer befragen zu wollen.
Aber als ob das alles nicht reiche, tritt Reynevan auf seiner Flucht diversen anderen Menschen auf die Füße, die alle leicht reizbar und durchaus gewaltbereit sind; sie alle machen sich zur Verfolgung auf und Reynevans Lebenserwartung würde gegen Null tendieren, wenn er auf seiner Flucht nicht auch Verbündete gewinnen würde...


Als ich mir das Buch kaufte, tat ich das in der Erwartung, ein Fantasybuch vorzufinden, denn ich hatte von Sapkowski nur als Fantasyautor gehört - und polnische Fantasy wollte ich gerne mal kennen lernen. Nun geht aus meiner Inhaltsbeschreibung ja hervor, dass es sich eher um einen Abenteuerroman vor historischer Kulisse handelt, aber auch das ist ja kein Problem, denn auch einem ordentlichen Abenteuerschmöker bin ich ab und an nicht abgeneigt. Nur konnte der "Narrenturm" meinen Ansprüchen an dieses Genre (und an ein gutes Buch ganz allgemein) ganz und garnicht entsprechen, aus diversen Gründen:

1. Die Hauptperson:
Eine unabdingbare Voraussetzung eines gelungenen Abenteuerromans ist für mich ein Held, mit dem ich mitfiebern kann. Dieser darf gerne - wie Reynevan es ist - jung und etwas tolpatschig sein, aber eine gewisse Lernfähigkeit setze ich doch voraus. Diese fehlt Reynevan allerdings vollkommen. Er (um es mal spoilerfrei auszudrücken) rennt wieder und wieder in die falsche Richtung, gegen die Ermahnungen seiner klügeren Freunde. Auch das könnte ich noch akzeptieren, wenn Reyevan zu einer lebendigen Figur würde, aber er blieb in meinem Kopf nur schattenhaft, persönlichkeitsbefreit. Kein Mensch, um den ich besorgt sein konnte, mit dem ich mithoffen und mitleiden konnte.

2. Die Handlung:
Sie ließe sich so zusammenfassen: Der "Held" wird verfolgt, flieht, wird beinahe gefangen, entkommt in letzter Minute, flieht weiter, wird gefangen, entkommt und flieht, wird überfallen aber doch wieder gerettet, nur um beinahe dem nächsten Bösewicht in die Hände zu fallen, wird befreit, flieht, flieht, flieht, wird festgesetzt, befreit, vom nächsten gefangen, entkommt, flieht, etc. bis ins Unendliche. Könnte spannend sein, wenn man mit dem Helden mitfiebern könnte, aber s.o.. So ist das Ergebnis leider keine unerträgliche Spannung sondern unerträgliche Langeweile.
Man galoppelt hin und galoppelt her und kommt im Endeffekt nicht von der Stelle.

3. Der Stil:
"Xs Antlitz war weiß. Und porös. Wie Käse."
Seit Marzis Lycidas-Trilogie reagiere ich allergisch auf solche abgehackten Sätze. Gut, das kann Sapkowski nicht wissen, und es gibt ja durchaus Leute, denen dieses Stilmittel gefällt, also sage ich dazu nichts weiter. Allerdings muss ich doch feststellen, dass ich zwar schon eine ganze Menge Tote gesehen habe, aber ein Gesicht "wie poröser Käse" hatte niemand von ihnen.
"Der Flame [...] warf das letzte Blatt ins Feuer. Reynevan [...] zog es aus dem Feuer und löschte hin- und herwedelnd die Flammen. Wenigstens teilweise."
Aha. Die Flammen sind teilweise gelöscht, das heißt aber doch, dass sie teilweise noch brennen, oder? Also verbrennt das Blatt Papier nun langsam doch noch. Nur ist es nicht das, was gemeint ist. Der Satz "Wenigstens teilweise" soll bedeuten, dass das Blatt teilweise verbrannt ist, nur steht es so nicht da.
Kann man Türme und Mauern einer Stadt, die hinter einem waldbestandenen Hügel hervorlugten, wirklich in ihrer ganzen Pracht bewundern? Etwas, das "hervorlugt", ist meinem Sprachverständnis nach nur teilweise sichtbar, kann also nicht "in seiner ganzen Pracht" gesehen werden.
Kann ein Hund, der die Kehle des Helden zwischen seinen Zähnen hält, gleichzeitig wild bellen?
Ist ein mit einer Armbrust bewaffneter Mann wirklich ein Bogenschütze?
"Der Knecht [...] wies mit dem Kopf in Richtung Tür, die auf den Hof hinausführte. Vergebens, Paszko hatte bereits den Lärm [...] vernommen."
Wieso "vergebens"? Überflüssigerweise müsste es heißen, denn der Knecht und Paszko kämpfen auf der gleichen Seite und der Knecht wollte seinem Herrn nur einen Hinweis geben, ihn nicht etwa, wie das Wort "vergebens" suggeriert, auf eine falsche Fährte locken.
Dies alles nur ein kleiner Teil aller mehr oder weniger misslungenen Formulierungen, über die ich mich ständig geärgert habe. Was davon einer schlechten Übersetzung zuzuschreiben ist und was Sapkopwski selbst verbrochen hat, kann ich nicht entscheiden.

4. Die Actionszenen:
Sie waren ebenso häufig wie schlecht. Sapkowski hat wohl zu viele amerikanische Actionfilme gesehen und sich von diesen inspirieren lassen. Er beschreibt jede Verfolgungsjagd und jede Schlägerei so, als würde er einem Blinden schildern, was gerade auf der Leinwand zu sehen ist. Effekte, die im Kino durchaus sehenswert sind, sind in Worte gefasst leider effektlos. Eine ordentliche Schlägerei in einem Buch verlangt eine andere Art der Schilderung als dieselbe auf der Leinwand. Bei Sapkowski klangen diese Szenen wie "das Buch zum Film", und wer so was schon mal gelesen hat, weiß, dass das nicht funktioniert.

5. Der Anspruch:
Zu allem Überfluss hatte ich den Eindruck, dass Sapkowski einen durchaus auch anspruchsvollen Roman schreiben wollte. Die eh' schon langweiligen Abenteuersequenzen werden immer wieder von noch langweiligeren Szenen unterbrochen, in denen Sapkowski ein Bild der Zeit geben will. Dazu befleißigt er sich eines "Name-droppings", das Herrn Eco alle Ehre machen würde, nur dass dieser das viel interessanter macht. Sapkowskis Aufzählungen historischer (?) Gestalten inspirierten mich nicht ein einziges Mal dazu, nach den genannten Personen zu googeln oder mich näher mit den geschichtlichen Ereignissen, die den Hintergrund des Buches bilden, zu beschäftigen.
Allerdings muss ich auch zugeben, dass manche der hinter der Erzählung steckenden Gedanken (z. B. die ganze Welt als Narrenturm) schon etwas haben. In einem anderen Gewand könnten sie tatsächlich lesenswert sein.

6. Der Witz:
Siehe auch: "Der Stil". Immer wieder versucht sich Sapkowski daran, sich witzig auszudrücken. Leider bleibt es meistens bei dem Versuch. Leichtfüßig sollen manche Formulierungen sein, kommen aber mit Bleigewichten daher. Übersetzungsproblem oder originalbedingt?

Die nächsten 3 Ärgernisse hat Sapkowski nicht zu verantworten, die sind Schuld des deutschen Verlages:

7. Die Landkarte:
Grrrh! Wozu muss man unbedingt eine Landkarte abdrucken, wenn diese weder mit den geschilderten geographischen Verhältnissen noch mit der Wirklichkeit übereinstimmt? Wieso sucht man die Hälfte der im Buch genannten Örtlichkeiten auf der Karte vergebens, während drei Viertel aller Ortschaften auf der Karte im Text nicht auftauchen? Auf so eine "Hilfe" kann ich gerne verzichten.

8. Das Glossar:
Im Buch tauchen eine ganze Menge lateinischer und anderssprachiger Ausdrücke und Zitate auf. Da ist man froh, ein Glossar vorzufinden. Aber wieso werden nicht alle kursiv gedruckten Stellen übersetzt? Allzu oft schlug ich vergebens hinten nach. Andererseits fragte ich mich bei den übersetzten Stellen des Öfteren, weshalb sie im Glossar aufgenommen wurden. Denn wenn die Bedeutung der fremden Phrase im Satz davor oder dahinter erklärt wird, braucht man sie nicht im Anhang. Das polnische Glossar ist viel spärlicher; soweit ich das ohne polnische Sprachkenntnisse nachvollziehen konnte, sind im Text erklärte Ausdrücke nicht ins Glossar aufgenommen worden. Dahingegen gab es Erklärungen zu manchen Orten/Namen, die auf Deutsch fehlten.

9. Die wörtliche Rede:
Sie ist nicht markiert, weder durch Anführungsstriche noch durch Gedankenstriche, noch durch irgendetwas anderes. Zur Zeit ist das ja modern, aus Gründen, die mir nicht klar sind. In manchen Büchern, von manchen Autoren geschrieben, hat dieses Stilmittel schon seine Berechtigung, aber in einem Abenteuerroman? Da gehe ich davon aus, dass man sich von der Menge hervorheben will und dabei zu jedem denkbaren Mittel greift. Ärgerlich, sehr ärgerlich! Noch ärgerlicher ist es aber, wenn der Autor dies nicht so gewollt hat, wenn er im Original die wörtliche Rede ganz traditionell markiert und nur die Übersetzung sich dieses Mittel aneignet.

Um das ganze noch mal zusammenzufassen:
Das Buch war schlecht geschrieben und über weite Strecken hinweg unendlich langweilig.

Oder um es noch kürzer auszudrücken: Flop!
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