Pamela Schoenewaldt: Die Tochter der Nachtigall

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Pamela Schoenewaldt: Die Tochter der Nachtigall
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Swimming in the Moon
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783959670111

Informationen zum Buch

Seiten
368

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Mittlerweile verbringe ich Stunden in Eisenbahnen oder holpere fröstelnd in geliehenen Model Ts über ausgefahrene Straßen zwischen Städten, die auf gefrorene Felder geworfenen Steinen gleichen.

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Handlungsort

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Cleveland, 1905. Als „Neapels Nachtigall“ bezaubert die italienische Sängerin Teresa mit ihrer Stimme die Neue Welt. Aber ihre Tochter Lucia kennt auch die dunkle Seite ihrer Mutter, ihr unkontrolliertes Temperament, das sie beide gezwungen hat, aus Italien zu fliehen. Als Teresas Wahnhaftigkeit zum zweiten Mal alles zu zerstören droht, setzt Lucia sich zur Wehr: Sie will nicht länger der Spielball von Launen sein, sondern sich ihren Traum von Bildung und einem selbstbestimmten Leben erfüllen. Ein Traum, den sie mit denjenigen teilt, die in Zeiten der wachsenden Industrialisierung nach menschenwürdigen Bedingungen verlangen. Ein Lied von Recht und Respekt wird lauter …

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Gelungener Einwandererroman

Anfang des 20. Jahrhunderts lebt die 14jährige Lucia Esposito gemeinsam mit ihrer Mutter Teresa in einem noblen Palazzo Neapels. Dort arbeiten die beiden für den Grafen Filippo Monforte und dessen Ehefrau. Lucia liebt das Leben am Golf von Neapel, wo der Himmel im Sommer strahlend blau und die Sonne kräftig ist, während vom Wasser eine stetige, sanfte Brise weht...
Doch Teresas Temperament bringt sowohl sie selbst als auch ihre Tochter in die Bredouille: der Graf holt einen nicht minder grausamen Nervenarzt, der die junge Mutter kurieren soll. Einziger Ausweg aus der zu erwartenden Tortur ist die Flucht - und so wandern Teresa und Lucia notgedrungen in die Vereinigten Staaten aus.
Auf dem Weg von Ellis Island nach Cleveland zerreißen die beiden nicht nur ihre Ausweispapiere und werfen ihren Nachnamen über Bord, sondern Teresa, die mit 14 Jahren Lucia bekam und bis heute immer neue Geschichten über den angeblichen Vater ihrer Tochter erzählt, schöpft wieder neue Hoffnung. Sie, die mit einer wunderschönen Stimme gesegnet ist, könnte es ja in den USA endlich schaffen, mit ihrem Talent Geld zu verdienen.
Doch in der Stadt im Nordosten Ohios angekommen, sieht die Realität anders aus: Mutter und Tochter finden eine Unterkunft - ein dunkles, kleines Zimmer in einem Haus voller Einwanderer - und Teresa schon bald eine Arbeit in einer Schokoladenfabrik. Lucia immerhin kann ihrem Traum erst einmal folgen, denn sie besucht die Highschool und zusätzlich eine Sonntagsschule, in der sie mit anderen Einwandererkindern aus unterschiedlichsten europäischen Ländern rasch Englisch lernen möchte. Im Gegensatz zu ihrer Mutter findet Lucia schnell Freunde: Irena, die ebenfalls ein Zimmer in derselben Unterkunft hat und den ganzen Tag Knöpfe fertigt, Henryk, einen jüdischen Jungen, der aus Polen stammt, oder Yolanda, die ebenfalls aus Italien kommt. Aber auch mit den Erwachsenen hat Lucia einen guten Draht. Teresa hingegen ist eine Art tickende Zeitbombe, denn sie ist nach wie vor psychisch angeschlagen und dadurch unberechenbar. Als sich dann doch alles zum Guten wendet und Teresa "entdeckt" wird und mit ihrer phänomenalen Stimme im Varieté von Cleveland auftreten darf, schöpft Lucia wieder Hoffnung, dass ihnen eine bessere Zukunft bevorstehen und sie selbst ihren Traum leben darf...

Lucia ist eine bewundernswerte, mutige und intelligente junge Frau. Spätestens mit ihrem Einsatz für ihre kranke Freundin Irena hatte sie mich restlos überzeugt. Sicher, sie hat ihre Träume, möchte lernen und studieren - doch immer wieder kommt ihr etwas in die Quere. So kämpft sie nicht nur für ihre eigene Zukunft, sondern sehr selbstlos für die Menschen in ihrem Umfeld. Lucia setzt sich für ihre Mutter, ihre Freunde und zunehmend auch fremde Menschen ein, wehrt sich gegen Ungerechtigkeiten in den Fabriken und geht schlussendlich in eine Gewerkschaft, um für die einfachen ArbeiterInnen etwas zu bewirken.

Über all dem schweben die dunklen Erlebnisse Teresas wie ein Damoklesschwert, denn es ist schon bald klar, dass diese verantwortlich für die beinahe unkontrollierbaren Launen von Lucias Mutter sind. Auch wenn hier viel menschliche Tragödie durchscheint, ist dieses Geheimnis ein sehr spannendes Moment in der Geschichte.

Doch das für mich Spannendste waren definitiv die Sorgen und Nöte der Einwanderer in der damaligen Zeit. Viele sind mit goldenen Träumen in die Vereinigten Staaten gezogen - um dann schnell ernüchtert zu werden. Die Forderungen der Arbeitgeber, der damals schon ausgeprägte Kapitalismus und die stark fraktionierten Einwanderergruppen wurden für viele Neuankömmlinge ein Problem. Für Menschen wie Teresa, die mit der Sprache nicht vorangekommen sind, wurde es noch einmal doppelt schwierig...

Für mich war Pamela Schoenewaldts Buch ein gelungener Ausflug in das Einwanderermilieu Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Autorin fängt die Stimmung sehr gut ein und hat ein - in Romanen - wenig beleuchtetes Thema zum Anlass genommen, eine bewegende Geschichte zu erzählen. Ihre Hauptfigur mag an der ein oder anderen Stelle etwas unnahbar und auch einen Tick zu perfekt in ihrer Aufopferung sein, aber für mich überwiegt die Faszination für eine solch selbstlose, mitfühlende, kämpferische und intelligente Frau.

Fazit: Pamela Schoenewaldt scheint in den USA eine bekannte Bestseller-Autorin zu sein, deshalb hoffe ich, dass noch mehr ihrer Werke ins Deutsche übersetzt werden. Mir hat dieser Einwandererroman richtig gut gefallen.

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Solides Abbild der Einwanderersituation zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika

Anfang des 20. Jahrhunderts leben Lucia und ihre Mutter Teresa als Dienstmädchen in der Villa des Grafen Monforte in Neapel. Lucia ist ein uneheliches Kind, entstanden durch eine Vergewaltigung ihrer Mutter auf einem Maskenball, und an Teresa sind die damalige Gewalt und die immer wiederkehrenden Demütigungen durch den grausamen Grafen nicht ohne Spuren vorbei gegangen. Als der Graf sie deswegen von einem selbsternannten Irrenarzt foltern lässt und droht auch noch Lucia Grausamkeiten anzutun, rastet Teresa aus und sie und Lucia müssen Hals über Kopf nach Amerika fliehen. Dort angekommen, scheint sich alles zum Guten zu wenden, als endlich Teresa's Stimme entdeckt wird und sie die Möglichkeit bekommt beim Varieté aufzutreten. Jedoch verfolgen die Dämonen der Vergangenheit sie weiterhin und Lucia's Träume drohen zu zerplatzen...

Das Buch wird aus der Sicht von Lucia in der Ich-Perspektive geschildert und beginnt als Rückblick aus der Zukunft, in der Lucia sich mittlerweile befindet, mit ihrem Leben in Neapel. Die Figur ist absolut vorbildlich und setzt sich sehr für ihre Mitmenschen ein, jedoch wurde ich trotzdem nicht so wirklich warm mit ihr. Obwohl ihre Gefühle geschildert wurden und ich auch an ihren Gedanken teilhaben durfte, konnte ich mit dem Charakter nie so richtig mitfühlen. Trotz aller Beschreibungen blieb Lucia für mich irgendwie unnahbar und viele Dinge lasen sich wie eine Aneinanderreihung von beschriebenen Gefühlen, die aber bei mir kein Echo erzeugten.

Teresa ist eine schwierige Figur, für die ich aber trotzdem von Anfang an Verständnis aufbringen konnte und als sich am Ende noch einiges mehr offenbarte, wunderten mich ihre Verhaltensweisen gar nicht mehr. Obwohl sie immer nur aus der Sicht von Lucia geschildert wurde, konnte ich sie mir gut vorstellen und verstehen. Viele weitere Charaktere werden eingeführt und was mir gut gefallen hat, ist die Vielschichtigkeit der Figuren. Keine Person ist nur schwarz oder weiß, sondern es gibt viele Schattierungen.

Sehr gut haben mir die Beschreibungen der Bedingungen der Einwanderer damals gefallen und das Aufzeigen der ungerechten Behandlung gerade auch der eingwanderten Frauen. Fasziniert war ich über die ersten Streiks, die damals organisiert wurden, zu lesen und mit welchen perfiden Mitteln die Firmenbosse versucht haben, die Streiks zu beenden. Wie hochaktuell das Thema trotz allem noch ist - ungleiche Bezahlung, unmenschliche Arbeitsweisen, Ausbeutung von Bedürftigen - kann man auch heute noch gut in den Medien verfolgen, wenn man über die Bedingungen in manchen Firmen in anderen Ländern liest.

Alles in allem ein schöner historischer Roman, der mich gut unterhalten hat, es jedoch leider nicht geschafft hat mich komplett zu fesseln. Dafür war mir die Hauptfigur zu unnahbar und die Beschreibungen irgendwie sehr distanziert.

Alles in allem vergebe ich dafür drei Sterne.

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Wie stark kann man das eigene Leben beeinflussen?

Teresa und ihre Tochter Lucia arbeiten in Neapel als Dienstmädchen. Nach einem Vorfall sind die beiden gezwungen Neapel zu verlassen, sie beschließen deswegen nach Amerika zu gehen und dort einen Neuanfang zu wagen. Doch auch hier ist das Leben hart und die impulsive Teresa hat den Traum als Sängerin groß rauszukommen, während Lucia ihre schulische Ausbildung fortsetzt. Und so geht das Leben weiter bis die beiden mit der Vergangenheit konfrontiert werden.

"Die Tochter der Nachtigall" ist sehr gut geschrieben und Pamela Schoenewaldt verwendet einen sehr angenehmen Erzählstil. Vor allem Umgebungs- und Landschaftsbeschreibungen sind bei mir hängen geblieben und so wird der Leser sowohl durch das malerische, naturgewaltige Neapel Italiens geführt, als auch durch die ersten Industriestädte Amerikas.
Das Buch erzählt eine Geschichte über Ungerechtigkeiten, die für uns heute schwer vorstellbar sind. Man wird mitgerissen und hat das Gefühl zusammen mit Lucia das Leben in der damaligen Zeit mitzuverfolgen. Die Arbeitszustände und Rolle der Frau Anfang des 20. Jahrhunderts sind teilweise sehr erschreckend, bei genauerer Betrachtung fällt einem aber auf, dass auch in unserer heutigen Zeit Frauen beispielsweise immer noch weniger verdienen als Männer.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von Lucia, die ihr ganzes Leben schon hart gearbeitet hat. Erst als Hausmädchen in Neapel, später als Briefeschreiberin um etwas dazuzuverdienen oder in Fabriken um den Lebensunterhalt zu beistreiten. Ich bewundere ihren Fleiß, Zielstrebigkeit und Hilfsbereitschaft anderen gegenüber. Sie muss viel durchmachen und viele Hürden meistern. Ihre Mutter Teresa, die sich in Amerika als "Neapolitanische Nachtigall" einen Namen gemacht hat, kämpft immer wieder mit inneren Ängsten und Dämonen. Mit Teresa hab ich anfangs etwas Schwierigkeiten gehabt. Gerade weil Lucia oft unter ihrer schwierigen, impulsiven Art leiden musste. Aber im Laufe des Buches versteht man Teresa besser, oder versteht zumindest, mit was sie zu kämpfen hat. Wie es im Buch auch heißt: "Der Verstand ist Inhalt und Ort zugleich, er kann den Himmel zur Hölle machen und die Hölle zum himmel."

Fazit:
Das Buch hat mich vollends gepackt und begeistert. In der damaligen Zeit war das Leben wirklich mehr als hart und ich finde es wichtig, dass man sich das auch vor Augen führt und heutzutage nicht alles als selbstverständlich ansieht. Ich als Leser habe bis zum Schluss mit Lucias Schicksal mitgefiebert. Eine spannende, interessante Geschichte, die ich jedem weiterempfehlen kann.

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Spannende Zeitreise

Das Buch:
Eine richtige Kindheit hat Lucia Esposito, die mit ihrer alleinstehenden Mutter Teresa Anfang des 20.Jahrhunderts in Neapel lebt, nie kennengelernt:
Immer schon war sie diejenige, die ihre Mutter aufheitern, ihre überraschenden Stimmungsschwankungen aushalten und Missverständnisse zwischen Teresa und der Außenwelt bereinigen musste. Bisher hat die Arbeitgeberin ihrer Mutter, Gräfin Elisabetta, trotz aller Schwierigkeiten eine schützende Hand über Lucia und deren Mutter gehalten, doch ein tätlicher Angriff Teresas auf einen dubiosen Nervenarzt führt dazu, dass Mutter und Tochter aus Italien und der Reichweite des Grafen fliehen müssen. Amerika lautet das Ziel der beiden, doch hier müssen sie schnell erkennen, dass ihre Aufstiegschancen im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" mittellosen Einwanderern - dazu noch alleinstehende Frauen - sehr begrenzt sind.

Die meisten ihrer Altersgenossinnen werden für minimale Löhne in Fabriken ausgebeutet oder träumen davon, möglichst schnell eine eigene Familie zu gründen. Lucia ist anders: Sie träumt von einer guten Schulbildung und davon, die beschwerlichen Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung zu verbessern. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem echten Interesse an ihren Mitmenschen knüpft Lucia schnell Kontakte zu anderen jungen Einwanderern und kann anderen in Notlagen weiterhelfen.
In der Schule fällt Lucia ebenfalls schnell durch ihren Arbeitseifer und ihren wachen Verstand auf, so dass ihr Traum, eine Highschool zu besuchen und später studieren zu können, gar nicht so abwegig erscheint - wenn da nicht Teresa wäre, deren Verhalten immer unberechenbarer wird. Kann Lucia ihre Träume von einer besseren Zukunft für sich und die Menschen in ihrem Umfeld verwirklichen oder wird sie ihre eigenen Ziele begraben müssen, um sich um ihre Mutter und deren sich rapide verschlechternde psychische Verfassung zu kümmern?

Meine Meinung:
"Die Tochter der Nachtigall" war mein erstes Buch über die Lage der Einwanderer in Amerika Anfang des 20.Jahrhunderts. Anhand von Lucias und Teresas Schicksal zeigt die Autorin die erschreckenden Lebens- und Arbeitsbedingungen im "Land der Unbegrenzten Möglichkeiten" auf: Wer alleinstehend und mittellos ist, ist den Schikanen der Fabrikbesitzer hilflos ausgeliefert und hat oft keine andere Wahl, als die Ausbeuterlöhne und lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, um seine Familie über Wasser zu halten. Lucia hat erkannt, dass der einzige nachhaltige Ausweg aus der Abhängigkeit in Bildung und Aufklärung besteht, doch trotz ihrer Intelligenz werden ihr als mittelloser italienischer Einwanderin Steine in den Weg gelegt.

Lucia ist mir schnell ans Herz gewachsen; sie ist intelligent, mitfühlend, engagiert und kreist trotz ihrer schwierigen Lage nicht ständig mit den Gedanken um sich selbst (wie ihre Mutter, deren Verhalten mich oft wütend gemacht hat). Immer wieder scheint es, als würde Lucia alles verwehrt bleiben, was sie sich vom Leben erhofft: Eine gute Schulbildung, bessere Möglichkeiten für die Menschen in ihrem Umfeld und die Zuneigung des jüdischen Jungen Henryk, dessen Eltern eine andere Verbindung für ihn ins Auge gefasst haben...
Dabei will Lucia gar nicht zu viel vom Leben - wie eine Freundin zu bedenken gibt - ; sie will nur nicht den Weg der anderen Einwanderer in Abhängigkeit und Fremdbestimmung gehen!

Überzeugend geschildert fand ich auch den teil der Geschichte, der sich mit Teresas labiler psychischer Verfassung beschäftigt. Während es für die oberen Schichten Sanatorien und private Kliniken gab, in denen ihre psychisch kranken Angehörigen zwar nicht geheilt, aber wenigstens mit allem erdenklichen Komfort untergebracht werden konnten, glichen die öffentlichen "Nervenheilanstalten" der Hölle auf Erden. Die Insassen waren dem Sadismus, den Gewalttaten und der Willkür der Mitarbeiter hilflos ausgeliefert. Kein Wunder, dass Lucia alles versucht, um ihre Mutter trotz aller Schwierigkeiten möglichst außerhalb dieser Anstalten zu behalten.
Ich habe stark mit Lucia und ihren Freunden mitgefiebert und war entsetzt über die hilflose Lage gerade der mittellosen Frauen und Kinder. Systematisch hetzen die Fabrikbesitzer die unterschiedlichen Nationalitäten gegeneinander auf, damit die Arbeiter bloß nicht auf die Idee kommen, sich zu solidarisieren und gegen die Fabrikbesitzer zu verbünden. Die enttäuschten Hoffnungen und gescheiterten Träume der Einwanderer haben mich sehr betroffen gestimmt. Inmitten von Ungerechtigkeit und Rückschlägen bildet Lucia eine Lichtfigur für die Menschen in ihrem Umfeld und auch den Leser; sie macht Mut, dass es sich es sich trotz aller Schwierigkeiten lohnt, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen, für das Wohl seiner Mitmenschen und auch für die eigenen Träume.
Trotz der ernsten und traurigen Themen ein Buch, das Hoffnung gibt und aufmuntert, ohne je kitschig oder unrealistisch zu werden.

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Ein schweres Leben

Teresa und Lucia leben als Bedienstete in der Villa von Graf Montforte und seiner Frau Elisabetta in Neapel. Lucia ist das Kind einer Vergewaltigung, die Teresa bei einem Maskenball erdulden musste. Teresa ist temperamentvoll und launenhaft. Statt wie aufgetragen einzukaufen, will Teresa den Meister Toscanini von ihrer Stimme überzeugen, doch der verhöhnt sie und macht sie zum Gespött der Menschen. Die Gräfin behandelt Lucia freundlich und bringt ihr sogar Schreiben und Lesen bei. Als Lucia von einem Spaziergang mit der Gräfin zurückkommt und sieht, wie ihre Mutter vom Grafen und seinem Leibarzt gefoltert wird, um ihr den Irrsinn auszutreiben, will sie dazwischen gehen und gerät auch in Gefahr. Teresa schlägt den Grafen nieder. Sie müssen fliehen. Dank der Hilfe des Butlers Paolo und der finanziellen Unterstützung der Gräfin, können sie mit einem Schiff nach Amerika reisen.
Aber auch in Amerika ist nicht alles Gold was glänzt. Obwohl Teresa Arbeit findet, wird sie immer unsteter. Doch dann kommt sie bei einem Varieté unter und es scheint sich zum Guten zu wenden. Lucia besucht die Schule und will als erstes italienisches Mädchen die High-School beenden. Doch die Vergangenheit verfolgt Teresa und Lucias Wünsche scheinen Träume zu bleiben.
Wir erfahren diese Geschichte aus der Sicht von Lucia. Lucia kämpft für ihre Träume, doch das Schicksal wirft ihr immer wieder Knüppel zwischen die Beine. Sie rackert sich ab und kümmert sich um ihre Mutter und auch um anderen Menschen. Sie sieht die Ungerechtigkeit in den Betrieben, sieht dass sie Frauen ihr Material selbst kaufen oder leasen müssen und dennoch ständig betraft werden aus nichtigen Gründen, so dass am Ende kaum genug zum Leben bleibt. So bleibt es nicht aus, dass sie sich sehr in der Gewerkschaftsarbeit engagiert. Trotz ihres selbstlosen Wirkens bleibt sie für mich ein wenig unnahbar. Auch das Verhältnis zwischen Teresa und Lucia ist distanziert, obwohl sie füreinander da sind.
Teresas Verhalten, schon in Italien extrem, wird in Amerika ständig unverständlicher, doch als ich am Ende ihre ganze Geschichte erfahren habe, tat sie mir leid.
Neben den beiden gab es noch eine ganze Reihe anderer Personen, die alle sehr vielschichtig und authentisch dargestellt wurden.
Es leben damals in Cleveland Einwanderer aus vielen Ländern. Sie bleiben weitestgehend unter sich mit ihren eigenen Regeln und Gebräuchen. Die Fabrikbesitzer versuchen die einzelnen Gruppen gegeneinander auszuspielen. Trotzdem kommt es zu Streiks und die Menschen halten größte Not aus, um ihre Bedingungen zu verbessern. Dennoch versuchen die Firmenchefs, die Streiks zu beenden. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht.
Der Roman hat mir gut gefallen und es ist sehr interessant, mehr über die Arbeitsverhältnisse in Amerika aus der Sicht von Frauen zu erfahren. Doch obwohl die Geschichte voller Emotionen ist, ist sie recht nüchtern erzählt, so dass ich nicht so richtig gepackt wurde.

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