Rebecca Michele: Der Weg der verlorenen Träume

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Rebecca Michele: Der Weg der verlorenen Träume
ET (D)
2018
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783958131347

Informationen zum Buch

Seiten
500

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Still und blau bereitete sich der See vor ihm aus.

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Masuren, Ostpreußen – 1918: Trotz zahlreicher Entbehrungen führt die junge Hedwig ein glückliches Leben. Nach der Heirat mit einem aufstrebenden Musiker und der Geburt zweier Kinder muss sie jedoch ihren eigenen Weg im Leben gehen. Als Hedwig sich endlich angekommen fühlt, zerstört das nahende Ende des 2. Weltkrieges alles. Hedwig und ihrer Tochter Margarethe gelingt die Flucht nach Norddeutschland. Dort kämpfen die beiden Frauen um ein neues Glück, doch auch Margarethes Leben verläuft nicht gradlinig …

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Historischer Roman über wahre Schicksale



Masuren, 1918. Die junge Hedwig lebt im deutschen Teil von Polen und will vor allem eins: ein glückliches Leben führen. Dafür gehört sie aber auch Selbstbestimmung, was zu dieser Zeit für junge Frauen schwierig ist. Doch dann trifft sie auf Albert, der auch nach den Sternen greifen will und sie in ihren Träumen unterstützt. Doch reicht seine Unterstützung aus in einer Zeit, die aus lauter politischen Unruhen und Umbrüchen besteht und die gerade für Frauen ganz andere Wege sieht?


Hedwig ist von Anfang an eine starke Persönlichkeit, die mit ihrem Schicksal zwar hadert, aber nicht sich unterkriegen lässt. Sie steckt voller Tatendrang, so dass sie auf jeden Fall über das ganze Buch hinweg die Person ist, die die Handlung voran treibt. Mal bleiben ihre Handlungsmotive aus heutiger moderner Sicht unklar, aber da es sich hier um eine wahre Persönlichkeit handelt, wird vieles nicht anders gegangen sein. Spannend an diesem Roman ist, dass Hedwig einer realen Person nachempfunden ist, genauso wie alle anderen Figuren, aber es sich hier nicht um "große" Persönlichkeiten handelt. So erhält der Roman ganz automatisch eine Authentizität, die man sich als Leserin nur wünschen kann.


Der Erzähltempo ist schnell, aber die Autorin hat sich auf diesen paar hundert Seiten auch viel Zeit vorgenommen, in der unglaublich viel passiert. Fast 60 Jahre umfasst die Zeitspanne der Haupthandlung, die in eine kleine Rahmenhandlung eingebettet ist. Dennoch verliert man als Leserin nicht den Faden und der rote Faden ist stets sichtbar. Durch die schnelle Erzählweise bleibt auch der Spannungsbogen konstant groß, ohne das für mich Tiefe verloren gegangen ist.


Für mich ein schönes Buch, das vor allem durch die Authentizität der Charaktere lebt. Auch wenn manche Ereignisse so unglaublich klingen, beruht die gesamte Geschichte auf historischen Tatsachen, was das Buch für mich zu einem seltenen Kleinod macht. Und wer Rebecca Michéles Schreibstil kennt, der weiß, dass man auch hier ihr Können bemerken wird.

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Ein bewegendes Zeitzeugnis

Masuren, Ostpreußen 1918: Der erste Weltkrieg ist endlich vorüber, aber er hat auch seine Spuren in der ostpreußischen Familie Mahnstein hinterlassen. An der jungen Hedwig, eine der Mahnstein-Töchter, bleibt zudem viel Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister hängen, da die Mutter kränklich ist. Dennoch verfolgt sie gegen alle Widerstände ihren Traum von einer Ausbildung als Schneiderin, obwohl es zur damaligen Zeit verpönt war, dass Frauen einer Arbeit nachgingen. Auch durch ihre Heirat mit einem aufstrebenden Musiker und der Geburt zweier Kinder denkt Hedwig nicht ans Aufgeben, obwohl sie es mit ihren Schwiegereltern alles andere als leicht hat.
Als Hedwig endlich ihre Ziele verwirklicht sieht, zerstört der Zweite Weltkrieg alles, was sich die Familie aufgebaut hat.

Diesmal entführt die Autorin die Leser nicht auf die britischen Inseln, sondern in das Ostpreußen der Weimarer Republik und des anschließenden Dritten Reichs. Dabei erzählt sie eine ergreifende und bewegende Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt Hedwig Mahnstein und später ihre Tochter Margarethe steht. Sie erzählt von Hedwigs Kampf gegen die gesellschaftlichen Zwänge ihrer Zeit, die das Ziel der Frauen in einer Heirat und ihren Platz am heimischen Herd und bei ihren Kindern sehen. Man muss Hedwig bewundern, mit welcher Stärke und Vehemenz sie ihren Weg verfolgt. Überhaupt kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Mahnstein-Frauen Kämpferinnen und auch stolz darauf sind. Gerade für Margarethe ist das Durchhaltevermögen der Frauen ihrer Familie immer wieder ein Vorbild, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Ganz stark ist die Darstellung der Charaktere: sie sind sehr vielschichtig gezeichnet und immer wieder für Überraschungen gut. Besonders widersprüchlich empfand ich dabei den Vater von Hedwig, der sich überhaupt nicht damit anfreunden kann, dass seine Tochter einen Beruf und die Selbständigkeit anstrebt, aber ihr dennoch in wirklich gefährlichen Situationen den Rücken stärkt.
Oder auch Hedwigs Bruder Karl, der sich desillusioniert von der Politik der Weimarer Republik empfänglich für die Propaganda von Hitler zeigt, was beim Rest der Familie auf Unverständnis stößt. Und doch, wenn es darauf ankommt, beweisen die Mahnsteins, dass sie eine Familie sind.

Zwiespältig hat mich auch Hedwigs späterer Ehemann zurückgelassen, der zwar Hedwig in ihren Träumen unterstützt, wenn es jedoch um seine eigenen Lebensziele geht, äußerst egoistisch vorgeht. Albert ist einfach zu leichtlebig und zu optimistisch, ganz das Gegenteil der starken Hedwig, die ihm jedoch viel zu lange alles durchgehen lässt.

Die Geschichte endet nicht mit der nervenaufreibenden Flucht aus Ostpreußen am Ende des Zweiten Weltkriegs, vielmehr begleitet der Leser Hedwig und Margarethe noch viele Jahre durch das Nachkriegsdeutschland und die Bundesrepublik und erlebt dabei einige Momente, die man schon als kleine Wunder bezeichnen kann.

Sehr interessant ist aber auch das Nachwort der Autorin, das für mich eine Überraschung bereithielt. Und wieder mal zeigt, dass das Leben die spannendsten und unglaublichsten Geschichten erzählt.

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Starke Frauen

Masuren, 1918: Die junge Hedwig hat es nicht leicht. Neben ihrer Ausbildung muss sie sich auch noch um die kranke Mutter und ihre jüngeren Geschwister kümmern. Gerne hätte sie das Geschäft ihrer Meisterin übernommen, als diese schließen muss. Aber ihr dominanter Vater lässt das nicht zu. Dann lernt Hedwig Albert kennen. Sie wird schwanger und muss heiraten. Das Leben wird nicht leichter für sie, denn Albert geht seiner Wege und Hedwig muss sehen, wie sie sich und ihre Kinder durchbringt. Die politischen Verhältnisse gefallen ihr nicht, aber sie muss sich anpassen, um ihre Familie nicht zu gefährden. Sie übersteht auch den zweiten Weltkrieg und flieht kurz vor dem Ende vor der Roten Armee mit ihrer Tochter Margarethe von Masuren nach Westen. Sie erleben Schreckliches und überstehen auch das. Sie baut sich ein neues Leben auf und muss auch hier mit Widrigkeiten fertig werden.
Es ist die Geschichte ihrer Familie, die Rebecca Michéle in diesem Buch erzählt. Ich mag ihren wunderbaren Schreibstil.
Hedwig ist eine sehr starke Frau, die schon früh Verantwortung übernehmen muss. Ihr Vater bestimmt in der Familie, wo es langgeht und jeder hat sich zu fügen, auch Hedwig. Trotzdem besteht sie die Meisterprüfung als Schneiderin. Sie ist auch intelligent und sieht, was in der nazi-Zeit nicht richtig ist. Aber sie muss die Ihren schützen und hält den Mund. Doch kaum denkt sie, dass es besser wird, wirft das Schicksal ihr die nächsten Knüppel zwischen die Beine. Hedwig aber gibt nicht auf. Sie beißt die Zähne zusammen und kämpft weiter. Ihre Tochter ist eine ebenso starke Frau, die auch einiges einstecken muss.
Ich habe mitgelitten und mitgehofft und habe mich oft gewundert, wie sie das alles überstehen konnten und trotzdem mit Zuversicht in die Zukunft geschaut haben.
Ein Stück Zeitgeschichte an das man sich erinnern sollte und eine wunderbare Familiengeschichte. Ich kann das Buch nur empfehlen.

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Tolle Geschichte!

Eine Geschichte über eine starke Frau.

Hedwig, älteste Tochter von Hermann und Auguste Mahnstein wächst in den Masuren zwischen 1920 und 1945 auf. Erzogen im typisch preußischen Zeitgeist hat sie es zu Hause nicht leicht: Sie muss sich um Geschwister, Haushalt, die kränkliche Mutter und ihre Ausbildung kümmern. Während eines Botengangs trifft sie das erste Mal Albert, ihren späteren Mann. Da sie von ihm schwanger wird, ist sie gezwungen Albert zu heiraten und lebt fortan bei ihren Schwiegereltern. Albert kümmert sich lieber um seine Musikkarriere und lässt Frau und Kinder wochenlang alleine. Als er seinen Job in Berlin verliert, kommt er wieder zurück nach Hause. Doch Affairen, Lügen und Alberts lockerer Umgang mit Geld haben die beiden entfremdet. Mitten in diesen persönlichen Problemen drängt sich der zweite Weltkrieg und die menschenverachtende Politik der Nationalsozialisten. Hedwig ist mehr als einmal gezwungen, sich anzupassen, um ihre Kinder zu schützen. Mitten im Winter 1945 flieht sie mit ihrer Tochter, gerade noch rechtzeitig aus den Masuren und schlägt sich nach Westen durch. Mutter und Tochter erleben schreckliches, dennoch ist Hedwig ein „Steh-auf-Männchen“ und baut sich im Westen ein neues Leben auf. Doch auch hier läuft nicht alles geradlinig, doch gerade an den schwierigen Situationen sieht man Hedwigs Stärke.

Fazit: Die Geschichte um Hedwig ist spannend erzählt und absolut perfekt recherchiert. Man merkt, dass die Autorin tatsächlich an den Schauplätzen war und sich mit Zeitzeugen unterhalten hat. Denn die Schauplätze werden sehr bildlich beschrieben und auch Dinge genannt, wie der Fahrplan von Berlin nach Ostpreußen.

Schön ist auch, dass der Leser gleich zu Beginn erfährt, dass Werner den 2. Weltkrieg überlebt, denn auch ohne dies hat der Leser genug spannende Momente. Die Protagonisten wirken glaubwürdig und man fiebert als Leser mit und kann die Geschichte fast nicht aus den Händen legen. Die Geschichte einer Frau vom Ende des ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart.

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Was ist aus den verlorenen Träumen geworden?

.In " Der Weg der verlorenen Träume" , erzählt die Autorin Rebecca Michéle sehr einfühlsam und ungeschönt, die Geschichte ihrer aus den Masuren stammende Familie, die aus ihrer geliebten Heimat flüchten mussten.



Beginnend im Jahr 1918 mit ihrer Großmutter Hedwig, lernen wir ihr Leben und dessen Familie kennen. Der erste Weltkrieg ist beendet und alle legen die Hoffnung in die Zukunft. Hedwig hat ein schweres Päckchen zu tragen, neben ihrer Ausbildung zur Schneiderin, kümmert sie sich auch um den Haushalt und ihre Geschwister. Doch sie macht es gerne, denn die Familie ist ihr wichtig. Die Mutter von Hedwig ist oft krank und geschwächt um die Familie am laufen zu halten. Trotz allem erlebt Hedwig mit ihren Geschwistern eine schöne Zeit in ihrer Heimat.

Auch Jahre später, als der Nationalsozialismus seinen Aufschwung erlebt, geht es den Menschen in den Masuren noch gut. Berlin und Adolf Hitler sind weit weg und keiner ahnt auch nur im geringsten, welch gräßliche und unheilbringende Zeit auf sie zukommen wird.

Ein Freund von Hedwig, Albert, lebt seinen Traum Musiker zu werden. Er hilft Hedwig ihren Traum, Schneidermeisterin zu werden, in die Wirklichkeit umzusetzen. Später verlieben sie sich und kommen sich näher, oder ist es nur geglaubte Liebe? Jedenfalls bleibt es nicht ohne Folgen und Hedwig wird schwanger. Es wird geheiratet und Hedwig hofft auf ein harmonisches Familienleben. Doch schnell muss sie feststellen, dass sie auf sich allein gestellt ist. Auch nach der Geburt des zweiten Kindes ändert sich nichts daran, nicht einmal von die Schwiegereltern bei den sie lebt, bekommt sie Unterstützung.

Doch als das Ende des 2. Weltkrieges schon fast greifbar ist, droht Gefahr von der immer näher rückenden roten Armee. So bleibt Hedwig nichts anderes übrig mit ihren Kindern und ihrer Mutter zu flüchten.

Sind all ihre Träume verloren, oder werden sie nach der Flucht und Ende des Krieges, neu beginnen können?



Meine Meinung:

Leider gibt es zigtausende solcher Schicksale, wie es die Familie Mahnstein erleben musste. Ich habe schon viele Bücher gelesen bei den all die Gräueltaten des Krieges thematisiert wurden. Und doch bin ich immer wieder über jedes einzelne Leid entsetzt und tief berührt. Es macht einem immer wieder aufs Neue bewusst, dass solch eine schreckliche Zeit nie wieder kommen darf.

Für die Autorin stelle ich es mir unwahrscheinlich schwer vor, über das Leben ihrer Großmutter und Mutter zu schreiben. Es ist doch ein gewisse Verarbeitung der Vergangenheit. Ich finde, sie hat es großartig gemacht, mit viel Einfühlungsvermögen und einem bildhaften Schreibstil, nimmt man am Leben von Hedwig und Margarethe teil. Es sind zwei starke Frauen, die alles materielle verloren hatten, aber niemals ihren Stolz. Und das habe ich sehr bewundert, zu viele haben im und nach dem Krieg den Mut verloren. Doch sie haben immer nach vorne geschaut, egal wieviel Entbehrungen es gab. Es gab einen Satz in der Familie....die Mahnsteinfrauen weinen nicht.....! Die Liebe zueinander hat ihnen immer Halt geben und alles durchstehen lassen.

Es ist nicht wie bei einer Liebesgeschichte, wo es ein typisches Happyend gibt, so etwas gab es nicht in dieser schrecklichen Zeit. Es ist die Geschichte einer Familie mit all dem Glück und Leid das sie erlebt haben. Da gehört auch der Verlust geliebter Menschen dazu, sich Heimatlos zu fühlen und in einer neuen Umgebung ( Heimat) akzeptiert zu werden. Mit all seinen Widrigkeiten ein neues Leben aufzubauen und nie die Hoffnung aufzugeben.

All dass hat Rebecca Michéle liebevoll zum Ausdruck gebracht. Immer wenn ich solche Bücher gelesen habe, bleiben sie mir für lange Zeit im Gedächtnis und machen mich nachdenklich.

Eine absolute Leseempehlung, anders kann ich nicht.

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