Silvia Stolzenburg: Die Salbenmacherin

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Silvia Stolzenburg: Die Salbenmacherin
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783839217313

Informationen zum Buch

Seiten
505

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Als die sechzehnjährige Olivera aus Konstantinopel ihren Vater mit einer List dazu bringt, sie mit einem seiner Handelspartner zu verheiraten, ahnt sie nicht, welche lebensverändernden Folgen dies haben wird. Schon bald nimmt sie Abschied von der Heimat und bricht mit ihrem Gemahl auf zu einer langen Reise ins ferne Tübingen. Dort angekommen stößt sie nicht nur auf das Misstrauen der Einheimischen, auch ihr Liebster scheint sich mehr und mehr zu verändern. Es dauert nicht lange, bis Olivera herausfindet, dass er ein furchtbares Geheimnis hütet. Ihre Entdeckung bringt nicht nur sie in höchste Lebensgefahr …

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Spannender Mittelalterroman

Konstantinopel 1408: die sechzehnjährige Olivera hat sich Hals über Kopf in den adretten Laurenz Nidhard, einen Geschäftspartner ihres Vaters verliebt, der ebenfalls von der jungen Dame sehr angetan ist. Mit einer List gelingt es Olivera, Laurenz zu heiraten und zieht mit ihm nach Tübingen. Ihre romantische Vorstellung von einem gemeinsamen Leben in Tübingen bekommen aber bald einen Dämpfer: nicht nur das kalte Wetter, auch die Feindseligkeit der Einheimischen macht ihr zu schaffen. Außerdem verändert sich Laurenz zunehmend, er wird unberechenbarer und zieht sich immer mehr von Olivera zurück. Was Olivera nicht weiß: ihr Gemahl hütet ein furchtbares Geheimnis.

Dieses Buch ist nicht nur ein historischer Roman, er ist eher ein Krimi vor mittelalterlicher Kulisse. Das wird schon im Prolog klar, als der Leser Zeuge eines schaurigen Verbrechens in Tübingen wird, das direkt die ersten Fragen aufwirft, die im Laufe der Lektüre beantwortet werden. So ist die Handlung auch fesselnd und ohne Längen, das Ende des Buches konnte mich ebenfalls überzeugen.

Die junge Olivera führt zusammen mit ihrem Vater und ihrer Großmutter ein relativ behütetes Leben in Konstantinopel. Ihre Großmutter ist in der Zubereitung von Heilsalben und -tränken sehr bewandert und gibt das Wissen gerne an ihre Enkelin weiter. Ein Wissen, das es ihr ermöglicht, in Tübingen dieser Berufung ebenfalls nachzugehen.

Olivera ist zu Beginn des Buches ziemlich naiv-romantisch, ihre größte Sorge ist es, dass sie mit 16 Jahren immer noch nicht verheiratet ist, außerdem träumt sie von Reisen in ferne Länder. Zusammen mit Laurenz erhofft sie sich die Erfüllung ihrer Träume. Als sie die Wirklichkeit einholt, erkennt sie ihren Irrtum und durchläuft eine tolle Entwicklung. Olivera ist aber auch sehr klug und stellt oftmals die richtigen Fragen und erkennt mögliche Zusammenhänge. Neugierig wie sie ist, versucht sie, der Wahrheit auf den Grund zu kommen, was nicht ganz ungefährlich ist.

Ein tolles Buch, das mir spannende Lesestunden bereitet hat.

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Ein starker Roman!

Konstantinopel 1408:
Die schöne Oliviera hat sich unsterblich in einen Handelspartner ihres Vaters verliebt. Nun setzt die Sechzehnjährige alles daran, ihn für sich zu gewinnen und ihren Vater dazu zu bewegen, sie mit dem attraktiven Deutschen zu verheiraten. Ihr Plan geht wirklich auf, und so begibt sich das frisch vermählte junge Paar schon bald auf die lange und anstrengende Reise nach Tübingen, wo Laurenz seine Niederlassung hat. Schon während der Reise merkt Oliviera, dass sich ihr Gemahl verändert. Immer öfter hat sie den Eindruck, dass er ihr nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden lässt wie in Konstantinopel. Sie schiebt Laurenz' Stimmungsschwankungen und Alpträume auf die Anstrengungen der Reise und hofft, dass sich in Tübingen alles zum Guten wendet. Aber bei ihrer Ankunft erwartet die junge Frau eine herbe Enttäuschung. Das Haus ihres Ehemanns ist dunkel und feucht, und die Einheimischen begegnen ihr zum Großteil feindselig. Einen eigenen Bereich, wo sie ihre Salben und Heiltinkturen herstellen kann, wie sie es von ihrer Großmutter gelernt hat, muss sie sich hart erkämpfen. Verständnis und Unterstützung findet Oliviera nur bei ihrem Schwager Götz. Schon bald erkennt sie aber, dass sich die Brüder nicht besonders zugetan sind. Zudem verhält Laurenz sich immer seltsamer und entfremdet sich seiner jungen Frau von Tag zu Tag mehr. Schon bald muss Oliviera feststellen, dass ihr Gatte ein dunkles Geheimnis hütet, und ihr Wissen darum bringt sie in große Gefahr.

Der Einstieg in den Roman erfolgt mit dem ersten Satz „Die Nacht war wie geschaffen zum Töten“, denn der Prolog führt den Leser nach Tübingen, und man wird Zeuge eines brutalen Verbrechens. Schon nach wenigen Seiten war ich unrettbar in der Handlung gefesselt. Der Kontrast zwischen dem kurzen Prolog und dem ersten Kapitel ist groß, denn vom kalten, dunklen Tübingen kommt man nun in das farbenprächtige und orientalische Konstantinopel, wo man Oliviera und ihre Großmutter begleitet, während sie kostbare Salben und Arzneien herstellen, sich der Frauenheilkunde widmen oder ihre Einkäufe auf dem Basar erledigen. Oliviera ist hier behütet aufgewachsen, liebevoll umsorgt von ihrer Großmutter, wo es immer warm ist und die Luft nach Blüten und Gewürzen duftet.
Mit dem stattlichen Laurenz erlebt sie die erste Verliebtheit und zögert nicht, ihm in seine Heimat zu folgen. Was sie dort, im fernen Tübingen erlebt, ist ein wahrer Kulturschock für die junge Frau. Nie zuvor wurde sie so feindselig und misstrauisch behandelt. Der Fremdenhass, der ihr hier entgegenschlägt, verleiht der Geschichte eine erschreckende Aktualität.
Schnell kommt die Ernüchterung, und ihre Hoffnungen und Träume für die Zukunft zerplatzen wie Seifenblasen. In kurzer Zeit wird in dieser fremden Umgebung aus dem verliebten, eigensinnigen jungen Mädchen eine charakterstarke und desillusionierte Frau, die sich jedoch nicht unterkriegen lässt und trotz der eigenen Sorgen immer ein Herz für die Armen, Schwachen und Kranken hat. Der Entwicklungsprozess ist sehr schön beschrieben und nachvollziehbar.
Auch Laurenz verändert sich sehr. War er anfangs noch der faszinierte junge Mann, geblendet von Olivieras Liebreiz und Schönheit, so erfährt man sehr bald, dass er sich auf eine heikle Angelegenheit eingelassen hat, die ihn in große Gewissensnöte stürzt. Als Leser erhält man faszinierende Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt und erfährt von seinen Ängsten, die so typisch für die damalige Zeit erscheinen, denn Laurenz' größte Furcht ist, in die Hölle zu kommen. Hin- und hergerissen zwischen dieser Angst und seiner Gier nach Erfolg und Anerkennung, verstrickt er sich immer tiefer in ausweglose Situationen. Seine junge Frau verliert er dabei immer mehr aus dem Blickfeld.

Die Handlung ist zum Großteil abwechselnd aus Olivieras und Laurenz' Sicht geschildert. Aber auch ein weiterer, sehr düsterer Charakter kommt zu Wort. Die Art, wie die Autorin ihre Protagonisten charakterisiert und wie sie Stimmungen und Gegebenheiten darstellt, ist so intensiv und ausdrucksstark, dass einem des öfteren ein Schauer über den Rücken läuft. Die Spannung, die sich von der ersten Seite an stetig aufbaut, hält bis zum Schluss, welcher gut und abgerundet ist und doch förmlich nach einer Fortsetzung schreit. Es gibt noch so viel, was ich über Oliviera und ihre künftigen Erlebnisse erfahren möchte, und so war ich hoch erfreut, zu erfahren, dass eine Fortsetzung tatsächlich bereits in Planung ist.

In diesem Roman widmet sich Silvia Stolzenburg äußerst interessanten Themen. Da ist einmal die Heilkunde der beschriebenen Zeit. Viele der damaligen Diagnosen lassen uns heute schmunzeln, anderes wirkt erstaunlich modern. Es ist interessant, Oliviera bei ihrem Tun über die Schulter zu schauen.
Ein weiteres Thema und zugleich ein kriminelles Kapitel, um das es hier geht, ist der kräftig florierende Handel mit falschen Reliquien.
Im Nachwort erklärt die Autorin, wie sie auf diese Themen gestoßen ist, und sieht man sich die Bibliografie näher an, gewinnt man einen kleinen Eindruck davon, wie aufwändig und gründlich hier recherchiert werden musste.
„Die Salbenmacherin“ mit interessanten und vielschichtigen Charakteren, einer spannungsreichen Handlung und jeder Menge Hintergrundwissen konnte mich vollends überzeugen und hat sich fünf Sterne redlich verdient!

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