Teresa Simon: Die Oleanderfrauen

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Teresa Simon: Die Oleanderfrauen
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783453421158

Informationen zum Buch

Seiten
544

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
"Du musst fort von mir, geliebter Schatz, obwohl mein Herz bei dieser Vorstellung blutet."

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Hamburg 1936. Die junge Sophie Terhoven, Tochter eines einflussreichen Kaffeebarons, genießt ihr komfortables Leben. Hannes Kröger, der Sohn der Köchin, ist ihr von Kindheit an Freund und Vertrauter. Irgendwann verändern sich ihre Gefühle füreinander, und plötzlich wird ihnen klar, dass sie sich ineinander verliebt haben. Doch Reich und Arm gehören nicht zusammen, und ein dunkles Geheimnis ihrer Eltern, von dem sie bisher nichts wussten, scheint ihre Liebe unmöglich zu machen.

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"Solange ich atme, hoffe ich!

Sophie Terhoven, die Tochter eines erfolgreichen Kaffeehändlers, genießt ihr sorgenfreies Leben im Hamburg des Jahres 1936. Von klein auf ist Hannes, der Sohn der Köchin Käthe, einer langjährigen Angestellten von Sophies Eltern, dem Mädchen ein sehr guter Freund. Doch dann ändern sich ihre Gefühle… Aber der jungen Liebe steht nicht nur die Tatsache entgegen, dass eine solche Beziehung von den Terhovens niemals als standesgemäß akzeptiert werden wird, sondern auch ein Geheimnis, das auf Sophies Eltern lastet.

Jule Weisbach betreibt in Hamburg-Ottensen ein kleines Café. Ihr ganzes Herzblut steckt in den selbstgemachen Backwaren und im Umgang mit ihren Gästen. Doch die Ankündigung einer saftigen Mieterhöhung bereitet der jungen Frau heftiges Kopfzerbrechen. Nur mit einer ordentlichen Erhöhung ihrer Preise wäre es denkbar, dass sie das Café behalten kann - aber das kommt für Jule nicht in Frage. Auch ihre geliebte Nebentätigkeit, die sie „Ich schreib dir dein Leben“ nennt, spült vermutlich nicht genügend Geld in die Kasse, dass sie damit ihre stark gestiegenen Kosten künftig decken könnte. Zumal es ihre eine Herzensangelegenheit ist, die Geschichten von Menschen zu recherchieren, zusammenzutragen und dann aufzuschreiben - keine Geldproduziermaschine.
Ganz aktuell findet Johanna, eine rüstige ältere Dame, ein altes Tagebuch auf einem zu entrümpelnden Dachboden - und zusammen mit Jule macht sie sich daran, das Leben der Verfasserin Sophie zu ergründen.

Die Autorin Teresa Simon beweist auch mit ihrem dritten Roman ein unglaubliches Gespür für ihre Figuren. Diese sind authentisch und werden so gut beschrieben, dass ich sie sehr gut nachvollziehen konnte. Besonders Sophie, anfangs verwöhnt und ein wenig naiv, sieht dunkle Wolken über ihrer Familie und natürlich auch ihrem jungen Glück aufziehen. Dem Backfisch stehen extrem schwierige Zeiten bevor und gerade diese zeitgemäßen Entwicklungen haben mich gefesselt und mit den Figuren leiden lassen.
Aber auch die etwas chaotische Jule und ihre herzensguten und engagierten Ideen für ihr „Strandperlchen“ wie auch ihre Mitmenschen, hat mir sehr gut gefallen. Ein sehr sympathischer Charakter, der ganz schön strampeln muss, aber dabei den Mut nie verliert.
Und dann gibt es noch eine ganze Reihe Nebenfiguren, die mich ebenso überzeugen konnten: sei es in der Gegenwart die anpackende Aphrodite, die Jule mit Herz und Verstand zur Seite steht, oder aber Malte, ein Freund Sophies, der Swingmusik und Literatur liebt und der in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte schon bald persönlich bedroht wird…

Teresa Simon hat mit „Die Oleanderfrauen“ einen atmosphärisch perfekt geglückten, spannenden Roman vorgelegt, der mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen konnte. Wobei überzeugen fast schon seltsam klingt - in Anbetracht der Tatsache, dass ich das beim dritten Roman dieser Autorin gar nicht anders erwartet hatte! Wie schon in den anderen Romanen beweist Teresa Simon, dass sie das Erzählen auf zwei Ebenen bis ins FF beherrscht. Nicht nur, dass Details der Zeit von 1936 bis in die 40er korrekt eingefangen werden, nein, diese Zeit verknüpft sich sehr geschickt mit der Gegenwart.

Fazit: Ein wunderbarer, emotionaler und spannender Roman, den ich all denjenigen, die niveauvolle Geschichten, die auf zwei Zeitebenen spielen, mögen, ans Herz legen möchte!

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„Solange ich atme, hoffe ich„.(Dum spiro, spero - Cicero)

1930er Jahre Hamburg. Sophie Terhoven wächst mit ihrem Bruder Lennie in einem wohlhabenden Elternhaus auf, die Familie handelt seit Jahrzehnten mit Kaffee. Als sie sich als Teenager in Hannes, den Sohn der Köchin Käthe Krüger, verliebt, nimmt das Unglück seinen Lauf. Sophie wird schwanger und wird von ihren Eltern auf die Insel Föhr verbannt, um dort ihr Kind zu bekommen, als Vater ihres Kindes hat sie ihren besten Freund Malte angegeben, dabei ist dieser homosexuell, was niemand weiß. Währenddessen wird die Lage in Deutschland durch die Nationalsozialisten immer schlimmer, alle jungen Männer werden eingezogen, Homosexualität gilt als abartig und das Essen wird rationiert. Als Sophie endlich zugibt, dass Hannes der Vater ihres Kindes ist, wirft ihr Vater sie samt Kind aus dem Haus. Von nun an ist sie für ihn gestorben, denn auch ihr Vater hat ein Geheimnis. Als sich ihre Mutter umbringt, hat Sophie neben ihrer Tochter nur noch Malte und Käthe als Familie, denn Hannes muss in den Krieg…
2016 Hamburg. Jule, die eigentlich aus dem Erzgebirge stammt, hat sich mit ihrem kleinen Café „Strandperlchen“ einen Traum erfüllt, nachdem sie ihr Studium ohne Abschluss an den Nagel gehängt hat. Nebenbei verdingt sie sich mit ihrem Angebot „Ich schreibe Dir Dein Leben“ noch etwas dazu, denn sie liebt alte Geschichten und hilft Menschen, ihre Biografien niederzuschreiben. In ihrem Café lernt sie jede Menge Menschen kennen, darunter ist auch der brummige Nils. Dessen Tante Johanna findet beim Ausräumen des Elternhauses ein sehr altes Tagebuch und ein Medaillon, was niemand von ihren Geschwistern kennt. Nach der Lektüre einiger Kapitel verhilft ihr Nils zur Bekanntschaft mit Jule, die ihr bei der Recherche helfen soll, was aus der Schreiberin des Tagebuchs geworden ist…
Teresa Simon hat mit ihrem Roman „Die Oleanderfrauen“ einen wirklich fesselnden und gleichzeitig berührenden teils historischen Roman vorgelegt, der seinesgleichen sucht. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und gefühlvoll, schon der Brief im Prolog lässt den Leser rätseln und die weitere Handlung mit Spannung erwarten. Die Geschichte wird aus zwei Erzählperspektiven erzählt, die eine handelt von Jule und der Gegenwart, die andere lässt in Tagebuchaufzeichnungen Sophie Terhovens Leben wieder auferstehen und ist auch in einem anderen Schriftbild gehalten. Die Autorin versteht es meisterhaft, neben ihrer Handlung auch die Kriegszeiten wieder aufleben zu lassen. Die Bombardierungen Hamburgs, die Essensrationierungen, das Verschwinden von jüdischen Familien und Geschäftsleuten sind ebenso ein Thema wie die Warterei auf Nachrichten von der Front und das ewige Bangen um die Lieben. Der Leser erlebt all dies hautnah mit, während man gleichzeitig über die unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen sowie die politischen Einstellungen der einzelnen Protagonisten informiert wird. Der Spannungsbogen wird schon recht früh gelegt, steigert sich aber innerhalb der Handlung immer mehr in die Höhe. Durch geschickte Wendungen versteht es die Autorin zudem, den Leser konstant in Atem zu halten und das Buch nicht aus der Hand legen zu können, bis die Lösung der verschiedenen Rätsel endlich offenbart ist.
Die Charaktere sind sehr liebevoll und anhand ihrer Eigenheiten individuell ausgearbeitet worden. Jeder von ihnen wirkt so real und lebendig, dass man das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen, weshalb man besonders gut mit ihnen fühlen, leiden, weinen und lachen kann. Sophie ist eine sympathische junge Frau, die sehr früh lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie schlägt sich mit einem kleinen Kind durch Kriegszeiten, hat dabei aber immer noch genügend Hilfsbereitschaft für andere und kämpft sich immer wieder nach oben. Sie hält zu ihren engsten Freunden und versucht alles, um ihre Lieben zu schützen. Jule ist eine sehr sympathische Frau, die nach einer zerbrochenen Beziehung noch immer unter Liebeskummer leidet. In ihrem Café kann sie ihre Backleidenschaft ausleben und sich gleichzeitig auf die Menschen konzentrieren. Sie liebt alte Geschichten und Geheimnisse. Jule sehnt sich nach einer festen Beziehung und einer eigenen Familie, gibt sich nach außen recht wortgewandt, obwohl sie selbst oftmals unsicher wirkt. Aber sie hat das Herz am rechten Fleck. Johanna ist eine ältere Dame, die ihre Familie über alles liebt und ebenfalls gut backen kann. Ihr Neffe Nils ist ihr der Liebste, obwohl dieser sich noch immer nicht von seiner zerbrochenen Ehe erholt hat. Auch die anderen Protagonisten wie Malte, Käthe oder auch Hannes, um nur einige zu nennen, tragen mit ihren eigenen Schicksalen dazu bei, dass die Spannung innerhalb der Handlung von einem Höhepunkt zum nächsten jagd und man sich als Leser der Geschichte kaum entziehen kann, so meisterhaft ist sie geschrieben.
„Die Oleanderfrauen“ erzählt von Familiengeheimnissen, Verrat, Krieg, Liebe, Neuanfang und verschütteten Erinnerungen. Teresa Simon hat sich mit diesem Buch selbst übertroffen, denn der Roman ist ein absoluter Pageturner und wird niemanden kalt lassen, der ihn gelesen hat. Hier wurde wirklich alles richtig gemacht, besser geht es nicht. Chapeau – absolute Leseempfehlung und ein absolutes Highlight!!!

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Dum spiro spero

DUM SPIRO SPERO
Das bekannte Zitat von Cicero geht noch weiter:
"Dum spiro spero. Dum spero amo. Dum amo viro" - "Solange ich atme, hoffe ich. Solange ich hoffe, liebe ich. Solange ich liebe, lebe ich".


Dies steht perfekt zu dieser unglaublich spannend geschriebenen Familiengeschichte.
Im Mittelpunkt steht die zu Beginn 17jährige Sophie. Die Liebe zu ihrem Freund aus Kindertagen scheint unmöglich, denn Sophie ist die Tochter des reichen Kaffeehändlers Friedrich Terhoven und Hannes "nur" der Sohn der Köchin.
Doch die beiden treffen sich heimlich und werden in der Zeit des aufstrebenden Nazi-Regimes ein Paar.
Der Leser erlebt diese bittersüße Liebesgeschichte genauso hautnah mit, wie den schleichenden Wandel der Zeit.
Die Lebensumstände, sowie die Emotionen der verschiedenen Protagonisten, werden sehr lebensnah und eindringlich vermittelt, ohne aufdringlich zu wirken.
Das betrifft auch "Nebencharaktere" wie z.B. Sophies Bruder Lenny, der sehr früh in die Fänge der HJ gerät, oder ihren besten Freund, den homosexuellen Malte, dessen Qualen mich besonders berührt haben.

Ich möchte auf noch so viel mehr eingehen, so sehr hat mich dieses Buch bewegt. Aber ich will den Lesegenuss nicht schmälern, denn gerade von den vielen grandios beschriebenen Personen und dem unglaublichen Spannungsbogen lebt das Buch!
Ich kann den Schreibstil nur als fesselnd beschreiben - und das ist schon fast untertrieben: Ich habe die Geschichte quasi inhaliert!

Umrahmt wird die Geschichte von Jule und Johanna.
Jule ist die Besitzerin eines kleines Cafés und betreibt dazu noch einen Service für Familienchroniken
Johanna ist eine ältere Dame, die auf dem Dachboden im Haus der verstorbenen Mutter ein altes Tagebuch findet.
Gemeinsam vertiefen sich die zwei Frauen in die gleichermaßen bewegenden, wie spannenden Seiten der Vergangenheit und entdecken Erstaunliches - und Gemeinsamkeiten!

Genau wie Jule und Johanna mag man sich kaum von den Seiten lösen, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergegangen ist!
Denn mit " Die Oleanderfrauen" ist Teresa Simon ein hervorragend recherchierter Roman gelungen, der mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat!


Abgerundet wird das Buch durch ein historisches Nachwort und einige Rezepten aus Jules Café.

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Klasse...

Hamburg, 1. Juli 1943. Im Prolog lesen wir einen Brief, den eine verzweifelte Mutter an ihr Kind schrieb…
Mai 2016. Jule Weisbach hatte ein kleines Cafè eröffnet, und nach einem Brief ihres Vermieters sehr niedergeschlagen…
Immer wieder kam ein Gast in ihr Café, den sie den Querulanten nannte…
Dann war da noch ihre Freundin Aphrodite, die daran schuld war, dass Jule eine Hochzeitstorte liefern musste…
Hamburg, Juni 1936. Sophie Terhoven schrieb in ihr Tagebuch, als ihr Bruder Lennie die Treppe heraufkam. Er durfte nicht wissen, was sie da schrieb…
Die Terhovens gaben eine Gesellschaft, zu der auch Hellmuth Moers eingeladen war. Er war ein Freund von Sophies Vater… Und Sophie hatte Angst, dass er ihn um ihre Hand bitten würde… Er war Nationalsozialist und die mochte sie gar nicht… Im Gegensatz zu Lennie, der mit Begeisterung dabei war…
Und dann besorgte Moers für Sophie und Malte Voss Karten für die Olympischen Spiele… Das zog so einiges nach sich…
Das alles las Johanna Martens, denn sie hatte das Tagebuch gefunden…Sie bat Jule, ihr mit diesem zu helfen…
Wer schrieb da an sein Kind den verzweifelten Brief? Warum war Julie so niedergeschlagen? Was war passiert? Wer war der Querulant? Wieso musste sie die Hochzeitstorte backen? Was schrieb Sophie Geheimnisvolles in ihr Tagebuch? War Moers schon so alt, weil er Freund ihres Vaters war? Hatte er es auf Sophie abgesehen, würde wirklich um ihre Hand bitten? Sophie hatte sich wohl nicht von diesen nationalsozialistischen Parolen anstecken lassen? Doch Lennie ihr Bruder schon? Warum besorgte Moers für Sophie und Malte die Karten? Hatte er dabei Hintergedanken? Was zog dies alles nach sich? Was passierte in Berlin? Wo hatte Johanna das Tagebuch gefunden? Wie war sie daran gekommen? Und wie sollte Jule ihr dabei helfen? Alle diese Fragen – und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.

Meine Meinung
Dies ist das dritte Buch, das ich von Teresa Simon gelesen habe. Und alle drei waren sie klasse. Es ist unkompliziert geschrieben, d.h. es gab keine Fragen nach Sinn oder Zweck von Worten oder Sätzen. In der Geschichte war ich eigentlich sofort drinnen. Ich konnte mich auch gut in die Protagonisten hineinversetzen. Sophie tat mir unendlich leid als sie schwanger wurde, denn der Vater des Kindes war gar nicht nach Terhovens Geschmack. Und das aus verschiedenen Gründen. Und dann kam ein großer Knall. Weiter verrate ich hier nichts. Manches in der Geschichte hatte ich vermutet, und es machte mir Spaß, meine Vermutung bestätigt zu sehen. Doch eine Überraschung gab es am Ende doch noch. Dieses Buch war von Anfang bis zum Ende so spannend, dass ich es nicht aus der Hand legen mochte. Es hat mich gefesselt und sehr gut unterhalten und ich möchte es bei Gelegenheit sicher noch einmal lesen. Es hat mir super gefallen und erhält von mir eine Lese-/Kaufempfehlung sowie die volle Bewertungszahl.

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Die Oleanderfrauen


"Die Oleanderfrauen" von Teresa Simon erschien 2018 als tb im Heyne-Verlag und erfüllt, ja übertrifft sogar alle Erwartungen, die man als Leser im Klappentext findet und sich für das Buch entscheidet: Es geht um Liebe, um Familiengeheimnisse, um den Nationalsozialismus als dunkelstes Kapitel der deutschen Geschichte, um die Vorkriegsjahre und das Leid, das der 2. Weltkrieg über Familien brachte; aber auch um Standesunterschiede und Kaffee und um die Stadt Hamburg in der Vorkriegszeit. Desweiteren geht es auch um Freundschaft über Generationen hinweg und um das gemeinsame Lüften von Geheimnissen. Schließlich umfasst es auch noch die literarische Motivation, das im Leben zu tun, was einem wirklich wichtig ist und den eigenen Fähigkeiten entspricht, was man am Beispiel von Jule in ihrem "Strandperlchen"-Café entdecken kann - und last but not least: Vom Glück, das trotz aller Unbill immer im Leben auftauchen kann....

Der Roman verflicht zwei Handlungsstränge sehr gekonnt miteinander: In der Vergangenheit (1936) lernt man Sophie Terhoven, die Tochter eines Hamburger Kaffeebarons, kennen - die sich in Hannes, den Sohn der Köchin Käthe Kröger, schon als Kind verliebt hat - und die trotz aller Standesdünkel zu ihrer Liebe steht. Obgleich sie ein sorgloses Leben führt, steht sie den aufziehenden "Braunhemden" kritisch gegenüber, die im Roman sehr treffend in der Figur des SS-Obersturmbannführers Hellmuth Moers gezeichnet wird: Was hat es mit diesem Mann auf sich und warum lässt er sich nicht abschütteln, auch wenn er ein alter Freund ihres Vaters ist?

Im Handlungsstrang der Gegenwart begegnet man Jule - die ihr Geschichtsstudium abbrach, um endlich das zu tun, wozu sie sich "berufen" fühlt: Sie eröffnet ein kleines Café, das Strandperlchen und hat noch eine weitere Idee: Durch ihr Projekt "Ich schreibe dir dein Leben" lernt sie Johanna Martens kennen, eine pensionierte und sehr sympathische Lehrerin, die auf dem Dachboden ein altes Tagebuch findet und mit angehaltenem Atem zu lesen beginnt... Später sollte sie sich damit an Sophie wenden, die ihr hilft, das Dunkel in der Familiengeschichte zu enträtseln: Das Tagebuch schrieb niemand anders als Sophie Terhoven, die im Jahre 1943 ein Mädchen zur Welt brachte, inmitten der fürchterlichen Kriegswirren und Bombardierungen Hamburgs, die in dieser Zeit auf die Stadt niedergingen...

Der Roman entwickelt durch brillante Erzählweise und Stil der Autorin eine regelrechte Sogwirkung, der man sich anhand der Spannung, die bis zum Schluss bestehen bleibt, schwerlich entziehen kann: Die Romanfiguren und auch der zeitliche und politische Kontext, in dem sie sich bewegen, sind so authentisch, emotional und bildhaft dargestellt, dass man sich durch die atmosphärische Dichte, die hinzukommt, jenes Geschehen so gut vorstellen kann, als ob man es miterlebt. Dies ist für mich eine große Kunst, die nicht jeder Autor beherrscht. Sehr gut gefallen hat mir der gut recherchierte Hintergrund des Lebens in der Vorkriegs- und Kriegszeit, der die Gleichschaltung, die Diskriminierung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung nicht ausspart, die Lebensgefahr, unter der Homosexuelle im Dritten Reich standen sowie auch die politischen Ereignisse, denen sich die Menschen stellen mussten.

Sowohl Sophie in der damaligen schweren Zeit als auch Jule sind charakterstarke und toughe Frauen, die das beste aus ihrer jeweiligen Situation machen. Im historischen Nachwort lernt man einiges über Kaffee und der Bedeutung der Hansestadt Hamburg als Umschlagplatz ("Speicherstadt"), über die Verfolgung der Homosexuellen im NS-Regime und die Bombardierungen Hamburgs, was den Roman als einen Teil der Zeitgeschichte werden lässt: Der Autorin ist an einer Aufarbeitung der Traumatisierungen und des Nationalsozialismus gelegen und sieht diesen Roman als Beitrag dazu: Ich kann nur sagen, dass dies meiner Meinung nach sehr gelungen ist!

Fazit:

Ein sprachlicher wie auch inhaltlicher "Hochkaräter" voller Spannung in einer schweren Zeit dunkelster Geschichte, aber auch der Gegenwart, der mit einer bewegenden und ebenso berührenden Familiengeschichte einhergeht. Besser hätte man die Geschichte wohl kaum schreiben können; ein Chapeau der Autorin und 5* sowie 96° auf der "Histo-Couch" von mir sowie ein Dank für die tolle Begleitung in einer Leserunde!

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