Mani Beckmann: Teufelsmühle

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Mani Beckmann: Teufelsmühle

Autor

Biografie & Bibliografie von
ET (D)
2006
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783404155385

Informationen zum Buch

Seiten
508

Sonstiges

Erster Satz
Vor etwas mehr als dreißig Jahren, im Sommer 1974, musste das alte Bauernhaus meiner Großeltern, Heinrich und anna Vortkamp, dem Neubau einer Landstraße zwischen der münsterländischen Kreisstadt Altheim und dem niederländischen Enschede weichen.

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Im Jahre 1876 kehrt der Altertumsforscher Hermann Vortkamp in das Dorf Ahlbeck zurück, um steinzeitliche Hügelgräber auszugraben. Als er der hübschen Schulzentochter Lisbeth begegnet, verliebt er sich Hals über Kopf und schlägt die Warnungen seines eigenwilligen Großonkels, des Geistersehers Johann, in den Wind. Doch Lisbeth ist mit einem reichen holländischen Fabrikantensohn verlobt, und ihr Vater hegt einen alten Groll gegen die Vortkamps. Auch die Gräber am Kolk und eine Krypta unter der Kirche warten mit Überraschungen und unerwarteten Leichen auf, und manche Spur führt zurück ins Jahr 1535. Damals war Ambros Vortkamp, ein Vorfahr Hermanns, nach Ahlbeck gekommen, wo sein Vater die Mühle am Kolk betrieben hatte. Doch es heißt, ein Fluch liege über der Mühle, der den Vortkamps zum Verhängnis wird.

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Im Jahr 1535 wird das westmünsterländische Dorf Ahlbeck, nahe der holländischen Grenze, von den dramatischen Ereignissen in Münster eingeholt werden, aber das kann Ambros Vortkamp mit seinen zehn Jahren nicht ahnen, als ihn ein Fremder anspricht und nach der Kolkmühle fragt. Diese ist einige Jahre zuvor abgebrannt, aber der Mann erklärt, sie auf Geheiß des Bischofs wieder öffnen zu sollen. Das wiederum kann dem Schulzen von Ahlbeck, Lubbert Gerwing, nicht recht sein, denn gegenwärtig ist nur eine Mühle auf der holländischen Seite der Grenze in Betrieb, und wenn die Bauern sie aufsuchen, profitiert der Schulze von Zollgebühren – ganz davon abgesehen, daß der holländische Müller sein Schwager ist. Aber nicht nur Ambros kommt der neue Müller merkwürdig vor, auch dessen offensichtliche Bekanntschaft mit dem Pastor verblüfft das Dorf. Bald ist zu ahnen, daß die Vertreibung der Wiedertäufer aus Münster Wellen nach Ahlbeck schlägt.

1876 kehrt Hermann Vortkamp nach Ahlbeck zurück, um steinzeitliche Gräber zu erforschen und auszugraben. In einem besonders schön erhaltenen Grab findet sich sogar eine Leiche, allerdings ist diese zweifelsfrei deutlich jüngeren Datums als das Grab, den Indizien nach aus dem 16. Jahrhundert. Hermanns Großonkel Johann, im Dorf als der Molenkötter und als Spökenkieker bekannt, zeigt zunächst wenig Interesse an seinem Neffen. Das ändert sich erst, als Hermann zum einen die Fähigkeit offenbart, einen Geisterjungen sehen zu können, und zum anderen Interesse an der jüngsten Tochter des Schulzen Antonius Gerwing entwickelt. Die jahrhundertealte Feindschaft zwischen den Vortkamps und Gerwings läßt eine solche Verbindung nicht zu. Hermann geht der Familiengeschichte nach, und er stößt bei der Verfolgung seines Onkels auch auf eine versteckt agierende Gemeinde, die sich in der Tradition der Wiedertäufer sieht ...

Bereits in den beiden anderen Bänden der Moortrilogie, Moorteufel und Die Kapelle im Moor, hat Beckmann bewiesen, daß er kein großes Setting benötigt, um seine Geschichte zu entwickeln. Alles spielt sich innerhalb relativ weniger Tage und im engeren Umkreis von Ahlbeck ab, die Bauern verlassen ihr Dorf eben nicht gerne. Trotzdem verdichtet sich die düstere Atmosphäre sehr schnell, man ahnt schon bald, daß hier mehr als ein Geheimnis zu lüften ist. Zwar wechselt die Erzählzeit mehrfach zwischen 1535 und 1876, was aber nicht zu einer Verzettelung der Erzählstränge führt. Nahezu alles, was 1876 passiert, hat eine Verbindung zu den früheren Ereignissen, die aber erst durch diesen entfernten Blick in ihrer Gesamtheit faßbar werden. Als Leser weiß man damit am Ende eigentlich sogar mehr als die Vortkamps und Gerwings des 19. Jahrhundert über die Ursachen der Familienfeindschaft – ein netter kleiner Nebeneffekt.

Was mir schon bei den beiden anderen Bänden aufgefallen war, gilt auch hier: Die Personen und ihr Umfeld wirken ausgesprochen authentisch. Beckmann schafft bei aller Dramatik der Ereignisse (dramatisch nicht im Sinne von weltverändernd, aber für ein so abgelegenes Dorf, in dem sonst einfach nichts passiert, sind ja schon kleine Abweichungen vom normalen Trott erschütternd), eine geradezu anheimelnde Atmosphäre, was wieder wie gewohnt auch durch die Verwendung niederdeutscher und holländischer Begriffe unterstützt wird. Die Ahlbecker überstürzen nichts, hier ist nichts hektisch, bedächtig geht das Leben vor sich, und diese Bedächtigkeit entströmt auch förmlich den Seiten. Auch hat mich sehr gefreut, Jeremias Vogelsang aus dem Moorteufel wiederzusehen. Es wäre bestimmt reizvoll, alle Bände noch einmal daraufhin zu lesen, Familienlisten oder -stammbäume aufzustellen, denn immerhin weiß ich jetzt auch, warum im Moorteufel die Schulzenfamilie den Namen Lanvermann trug, obwohl es sich um die Gerwings handeln muß. Sicher kann man alle drei Bände völlig unabhängig voneinander lesen, aber der Reiz erhöht sich vermutlich durch die Kenntnis der jeweils anderen.

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Der zehnjährige Ambros Vortkamp lebt im Jahre 1535 mehr oder weniger zufrieden in dem kleinen Dorf Ahlbeck. Geert Vortkamp, der Vater, ertränkt seine Schwermut wegen der verlorenen Frau und der verlorenen Mühle im Alkohol. Er hat zwar eine lockere Hand und verprügelt den Jungen oft, doch sobald Ambros dann wieder mit seinem Hund die Schafe hüten oder mit dem stummen Schulzensohn Ludger spielen kann, ist er glücklich.

Drei Jahrhunderte später kommt Ambros' Nachfahr Hermann Vortkamp nach Ahlbeck und versucht dort, das Geheimnis der steinzeitlichen Hügelgräber zu lüften. Dabei verliebt er sich in die Schulzentochter Lisbeth. Eine verbotene Liebe, denn die Vortkamps und die Schulzen trennt eine jahrhundertealte Feindschaft.

Geschickt verknüpft Mani Beckmann zwei Geschichten über die drei Jahrhunderte und widmet jeder der Geschichten genügend Raum zur Entfaltung. Durch die parallele Entwicklung darf man gespannt sein, worauf die Handlung hinausläuft, denn die Fäden der Zeit werden langsam und Stück für Stück geknüpft. Durch Perspektivwechsel an den spannendsten Stellen der jeweiligen Handlungsstränge bringt der Autor Tempo in die Geschichte und es ist schwierig, das Buch am Ende eines solchen Kapitels aus der Hand zu legen oder gar es zu unterlassen, einige Seiten weiterzublättern. Obwohl ich nie wusste, worauf alles hinausläuft, hatte ich nie Schwierigkeiten, der eigentlichen Handlung zu folgen.

Auch Mani Beckmanns Sprache ist erwähnenswert, denn oft wollte ich mich einfach in "Teufelsmühle" verlieren. Die Seiten flogen nur so dahin, obwohl ich lieber langsamer und genussvoller gelesen hätte. Es gibt nicht viele deutsche Krimis, die auf so einem Niveau geschrieben wurden, ohne zu anspruchsvoll zu werden und die sich durch einen schönen, oft etwas düsteren Schreibstil auszeichnen.

Die Charaktere sind ohne Ausnahme vielschichtig, konfliktbeladen, interessant, manchmal liebenswert, manchmal unsympathisch. Jede Figur macht neugierig, manche wuchs mir sogar ans Herz. Auch die Ausstattung des Buches ist - für die Taschenbuchausgabe - erwähnenswert, denn neben einem umfangreichen Glossar mit vielen Begriffserklärungen bietet es auch noch wunderschöne Illustrationen von Tina Dreher, eine Personenliste und Kartenmaterial. Auch das Papier ist - im Gegensatz zu vielen anderen Büchern des Verlags - sehr fein und nicht so grob.

"Teufelsmühle" beweist, dass sich ein Krimi nicht ausschließlich von den ganz "großen Taten in den kleinen Orten" nähren muss, sondern auch Geheimnisse in sich bergen kann, die weniger sensationeller Natur sind und obwohl mal wieder eine Geheimgesellschaft erwähnt wird, nimmt diese eine sehr kleine Rolle ein. Übrigens: Obwohl es sich um einen Teil der "Moortrilogie" handelt, muss man die anderen beiden Teile nicht zum näheren Verständnis gelesen haben (allerdings wird man dieses Versäumnis schnellstmöglich nachholen wollen).

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