Tom Finnek: Unter der Asche

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Tom Finnek: Unter der Asche

Autor

Biografie & Bibliografie von
ET (D)
2011
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783404160518

Informationen zum Buch

Seiten
656

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Handlungsort

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London 1666. Man hat wieder einen König, der Handel gedeiht, die Wissenschaft macht Fortschritte, die Menschen schöpfen neue Hoffnung nach der Schreckensherrschaft der Puritaner. In den Gassen von Southwark am Südufer der Themse schlägt sich der junge Geoff Ingram mehr oder weniger redlich durch. Tagsüber arbeitet er für den Wirt einer Spelunke, in der seine Schwester Jezebel den Gästen serviert. Abends verzieht er sich in eine dunkle Gasse, wo die Ratten hausen. Und am Sonntag geht er in die Armenschule, wo der geheimnisvolle Master Gerrard unentgeltlich unterrichtet. Auch Geoff ist umgeben von Geheimnissen. Doch als er versucht, ihnen auf den Grund zu gehen, soll dies sein ganzes Leben und das seiner Schwester verändern. Denn die Vergangenheit ist immer noch lebendig, und das ungesühnte Leid von gestern wirkt bis in die Gegenwart. Unter der Asche glimmt das Verlangen nach Rache, das am Ende zum Feuer des Großen Brandes führt, der ganz London zu vernichten droht.

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Das große Feuer in London 1666 vernichtet große Teile der Stadt. Ein Franzose wird schuldig gesprochen, als Brand-Verursacher und gehängt. Aber war er es wirklich oder wie sieht die Wahrheit aus? Ein Eremit und der junge Geoff kennen die wahren Schuldigen und erarbeiten sich gemeinsam nach und nach die gesamte Wahrheit.

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog in der Gegenwart: Das Feuer hat gewütet und der Franzose wird gerade gehängt. Als Leser erfährt man nur, dass sich der Eremit irgendwie schuldig fühlt und der junge Geoff wohl mehr weiß, als auf den ersten Blick klar wird. Im Laufe der Kapitel erarbeitet sich der Leser gemeinsam mit Geoff, Geoffs Schwester Jez und einem Bekannten der beiden Ray die gesamte Geschichte und Stück für Stück werden die Puzzle-Teile, die zum Feuer geführt haben, zusammengefügt.

Dabei werden die unterschiedlichen Teile aus der Sicht der drei beschreibenden Personen erzählt. Geoff, ein 13jähriger Junge aus Southwark, dem ärmsten Stadtteil von London, beschreibt aus der Ich-Perspektive seine Eindrücke. Er schreibt dabei wie ihm "der Schnabel gewachsen ist": Ganz frei raus und herrlich schnodderig! Am Anfang war es etwas ungewohnt so ein Buch zu lesen, aber bereits nach kurzer Zeit hatte ich mich daran gewöhnt und war fast überrumpelt, als die Perspektive wechselt und man als Leser Jez verfolgt. Ohne Schnodderigkeit und auch nicht aus der Ich-Perspektive.

Durch diese wechselnden Perspektiven erhält man als Leser ein sehr gutes Gesamtbild und nach und nach ergeben gewisse Passagen dann einen Sinn. Trotz allem bleibt die Auflösung, wer jetzt wirklich Schuld an dem Feuer ist, bis zum Ende im Dunkeln und die Auflösung hat mich dann sehr überrascht.

Die Frage nach dem Feuer-Verursacher steht aber irgendwann auch im Hintergrund und ich als Leser war eher neugierig auf die verzwickte Familiengeschichte von Geoff, der unglücklichen Liebe von Jez und dem Geheinmis des Eremiten, das irgendwie auch mit Jez und Geoff zu tun hat! Fast alle Fäden werden im Laufe der Geschichte aufgelöst. Einige nicht direkt, jedoch konnte ich mir gut die noch offenen Enden zusammenreimen und für mich die Geschichten schlüssig abschließen!

Die einzelnen Charaktere sind jeder für sich sehr eigen, aber so gut dargestellt und gezeichnet, dass ich mich leicht in sie hinein versetzen und ihre Taten und Handlungen nachvollziehen konnte. Keine Figur blieb dabei schwarz oder weiß, sondern alle hatten ihre guten und schlechten Seiten. Wodurch auch ich keine Figur verdammt habe, sondern mit allen gut mitfiebern konnte.

Alles in allem ein sehr gelungener historischer Roman, der durch diese unterschiedlichen Sichtweisen und Beschreibungen sich sehr angenehm von der Masse vieler anderer Romane abhebt und mir sehr viele schöne Lesestunden beschert hat!

Ein absoluter Buchtipp und ich freue mich sehr darüber, dass noch 2 Nachfolgebände geplant sind!

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Tom Finnek erzählt uns in seinem Buch „Unter der Asche“ wie es 1666 zum großen Feuer von London gekommen ist. Das Feuer selbst spielt allerdings nur eine Nebenrolle, denn eigentlich geht es um Geoffrey, der mit seinem dauernd betrunkenen Vater hinter einer Schenke lebt, seine Schwester Jez, seinen Lehrer, seine Nachbarn und außerdem noch um die Diggers, eine Gruppe von Menschen, die vor ein paar Jahren eine der damals vielfach entstandenen ländlichen Kommunen gründeten und scheiterten.

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und mir hat es sehr gut gefallen, wie der Autor die unterschiedlichen Erzähler auch jeweils mit ihrem eigenen Stil ausgestattet hat. Durch die Perspektivwechsel gelingt es außerdem sehr gut, den Leser mit zusätzlichen Informationen zu versorgen, ohne direkt alle Antworten, nach denen die Figuren mühsam suchen müssen, auf einmal zu verraten. Als weiteren Trick, um seine zahlreichen Nebenhandlungen und Vorgeschichten unter einen Hut zu bekommen, nutzt Finnek ein Theaterstück, welches im Buch aufgeführt werden soll und auf wahren Ereignissen beruht und so eine Katalysatorfunktion hat.

Es war schon erstaunlich festzustellen, wie viele verschiedene Handlungen Finnek tatsächlich in dem Buch unterbringen konnte und dass, ohne dass es überfrachtet wirkte. Einzig auf eine Nebenhandlung, die eines Serienmörders, der durch London streift, hätte ich gut verzichten können, das war mir dann doch zu viel des Guten. Die Geschichte wob sich zwar problemlos ins Gesamtgeschehen ein, erschien mir aber überflüssig und leider etwas effekthascherisch. Ansonsten erschien mir aber alles sehr realistisch und lebensnah, besonders die Darstellung des Alltags gefiel mir gut, man konnte förmlich den Dreck sehen und den Gestank riechen. Die Figuren wirkten ebenfalls sehr realistisch und vielschichtig gestaltet, der Autor hat dankenswerterweise auf Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Nur bei einer Geschichte aus der Vergangenheit bleibt mir das Urteil zu offen, eine eindeutige Aussage, was damals wirklich passierte, hätte die Sympathien für die entsprechende Person in jedem Fall allerdings von zwiespältig, zu „hat Mitleid verdient“ bzw. „hartherzig und bösartig“ verschoben - je nach Erklärung. Ich kann die Intention hinter dem Offenlassen also verstehen, auch wenn ich schon lieber zumindest eine kleine Tendenz geliefert bekommen hätte.

Aber, es gibt eine Art Fortsetzung, auch wenn „Gegen alle Zeit“ ein paar Jahrzehnte später spielt, und andere Hauptfiguren hat, liefert es vielleicht doch ein paar interessante zusätzliche Informationen – doch egal, lesen will ich es auf alle Fälle, es geht um Zeitreisen (mein Lieblingsbuchthema) und Tom Finnek hat gezeigt, dass er ein gutes Händchen fürs Geschichtenerzählen hat.

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In London tobt 1666 mehrere Tage lang ein großer Brand, ein offensichtlich geistesgestörter Franzose wird als Brandstifter gehängt. Der Junge Geoffrey Ingram hat die Hinrichtung beobachtet und berichtet anschließend dem geheimnisvollen Master Gerard, der die Armenklasse von St. Olave in Southwark und damit auch Geoff unterrichtet hat. Master Gerard drückt Geoff daraufhin Papier und Feder in die Hand mit dem Auftrag, das aufzuschreiben, was wirklich geschehen ist. Geoff beginnt seine Geschichte im Jahr zuvor, als der Vater an der Pest stirbt. Die Mutter hat die Familie nach Geoffs Geburt verlassen, der älteste Bruder Edward ist vor Jahren verschwunden, nachdem er den Vater fast totgeschlagen hat. So ist nur noch seine Schwester Jezebel übrig geblieben und diese verschwindet am Todestag des Vaters auch. Möglicherweise bestehen hier Verbindungen zu Jez\\' Verehrer Jamie Hollar, denn dessen Vater hat sie doch aufgesucht? Außerdem muß Geoff bald feststellen, daß sein Bruder gar nicht so weit verschwunden ist, wie er gedacht hat, denn dieser betreibt in Lambeth Marsh angeschlossen an das Maiden Inn von „Mutter Southwood“ ein Theater, bei dem der Zugang wegen der Freizügigkeit des Inhalts nur ausgewählten Gästen gestattet ist, die meist aus den besseren Viertel der anderen Themseseite kommen. So erfährt Geoff auch bald, daß Jezebel irgendwo in Surrey auf dem Land sein muß. Aber wie das alles mit den Hollars zusammenhängt, welche Rolle Master Gerard in diesem ganzen Zusammenhang spielt, wie die Vergangenheit sich (wieder) in das Leben all dieser Menschen schleicht und ob und wenn ja was das schließlich alles mit dem großen Brand zu tun hat, das enthüllt sich nur Stück für Stück ...

Hinter dem Pseudonym Tom Finnek verbirgt sich Mani Beckmann, der mich mit seiner Moortrilogie um das Dorf Ahlbeck im Münsterländischen schon überzeugt hat. Und vieles von dem, was mir dort gefallen hat, habe ich auch hier wiedergefunden. Bezeichnend ist, daß um die „große Geschichte“ ein Bogen gemacht wird. Hier tritt kein König auf, die einzigen Adligen sind ein paar verschämte Besucher in Edwards Theater und ansonsten ist die ranghöchste Person der Bürgermeister von London. Sehr viel mehr erfährt man über die Menschen, die gegenüber von London am anderen Themseufer leben, und das ist wahrlich keine besonders aparte Wohngegend, im Gegenteil war ich wieder einmal froh, daß Bücher nicht die Gerüche ihrer Handlungsort transportieren, von dem beschriebenen Dreck und den harten Sitten ganz zu schweigen. Insgesamt paßt die Atmosphäre aber sehr gut zur erzählten Geschichte und wird durch die Abschnitte, die auf dem Land in Surrey angesiedelt sind, auch gut kontrastiert.

Ein weiterer Aspekt ist die Variablität der Sprache. Die einzelnen Teile sind aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei nur Geoff als Ich-Erzähler auftritt. Gerade hier schafft Finnek einen betont lässig-schnoddrigen Stil, der hervorragend zu einem 13jährigen paßt, der für ihn ungewohnter Weise strukturiert und kausal berichten soll. Aber auch die übrigen Abschnitte unterschieden sich durchaus, je nachdem ob bspw. Jezebel oder der Nachbar Ray Webster oder sonst jemand den Fokus bekam. So gut mir die von Geoff erzählten Teile gefallen haben, so geschickt war es, nicht die ganze Geschichte in diesem Stil zu erzählen, der sich darüber abgenutzt hätte. Zudem hätte dies eine Verengung auf Geoffs Perspektive bedeutet, die dem Leser viele Einsichten und Puzzlestücke vorenthalten oder nur mühselig anders hätte präsentiert werden können. Ich mag es auch durchaus, wenn ich eine Szene aus mehreren Perspektiven erleben kann, das eröffnet meist ganz besondere Einblicke – oder auch Verwirrungen, was aber auch seinen Reiz hat.

Einziger Wermutstropfen für mich ist, daß doch die ein oder andere Frage zu viel am Ende offen geblieben ist. Teilweise war das durchaus passend, weil die Beteiligten oder Betroffenen sie nicht mehr auflösen konnten und man sich auch im echten Leben damit würde abfinden müssen. Aber speziell eine Episode aus Mutter Southwoods Vergangenheit hätte noch eine Auflösung erfahren dürfen, das blieb mir ein bißchen zu vage. Aber vielleicht findet Geoff die Antwort noch heraus und wir Leser erfahren sie dann in Gegen alle Zeit

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