John Vermeulen: Zwischen Gott und der See

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John Vermeulen: Zwischen Gott und der See
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Tussen God en de Zee
ET (Original)
2004
ISBN-13
9783257064957

Informationen zum Buch

Seiten
688

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Nach dem überreichlichen Regen der vergangenen Juniwochen feierte das Flachland endlich ausgelassen Mittsommer.

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Er gilt als der "Prinz der Weltbeschreiber": Mit seiner Erfindung der "Mercator-Projektion" gelang es erstmals, die Kugelform der Erde auf eine zweidimensionale Karte zu übertragen. Seine Karten haben die Welt verändert und die Meere für die Seefahrt sicherer gemacht. Die Rede ist von Gerhard Mercator (1512 - 1594), Humanist, Gelehrter und Kosmograph, dessen Leben eines der wohl aufregendsten Jahrhunderte umfaßt, eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderungen, der Entdeckungsreisen - und der gnadenlosen Inquisition.

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Kartographie fasziniert mich schon lange, das Hobby Geocaching hat dies eher noch befördert und in unmittelbarer Nähe von Duisburg aufzuwachsen und zu wohnen, führt zwangsläufig dazu, daß man den Namen Gerhard Mercator häufiger hört und liest. All dies waren für mich hinreichende Gründe, warum ich Vermeulens Roman irgendwann mal aus dem Buchladen nach Hause geschleppt habe. Und als biographisch durchsetzer Roman ist Mercators Lebensgeschichte, wie sie hier präsentiert wird, ausgesprochen lesenswert.

Es gelingt Vermeulen für mein Empfinden sehr gut, eine ganze Reihe von Aspekten zusammenführen. Da ist zum einen Mercators Triebfeder, die Seefahrt sicherer zu machen, indem endlich geeignete Karten für die Kapitäne produziert werden. Zu einer Zeit, in der jede Nation ihre Kenntnisse fremder wie (erst recht) eigener Küsten aus militärisch-strategischen oder auch schlicht kommerziellen Interessen zu schützen versuchte, kein leichtes Unterfangen. Das klingt hier in den Anstrengungen an, die Mercator unternimmt, um ein „Spitzelnetz“ aufzubauen. Zum zweiten entwirft Vermeulen das Bild eines Mannes, wie Mercator tatsächlich gewesen sein könnte: mit einer schwierigen Frau, häuslichen und finanziellen Problemen, eingeengt von den dogmatischen und religiösen Beschränkungen seiner Zeit und daran fast verzweifelnd. Das bringt mich zu einem weiteren entscheidenden Punkt.

Wie andere große Gelehrte seiner Zeit leidet auch Mercator unter der Engstirnigkeit der Kirche und der weltlichen Obrigkeit. Es ist eine Umbruchzeit in ganz Europa, angetrieben von mehreren Faktoren: der sich ausbreitende Buchdruck mit beweglichen Lettern, der endlich eine größere und schnellere Verbreitung von Schriften erlaubt, die Bildungsbewegung des Humanismus, die Reformation. Umbruchzeiten verunsichern, und diese Atmosphäre hat Vermeulen meines Erachtens wirklich gut eingefangen, indem er Mercator z. B. mit Freunden disputieren oder zur Frankfurter Buchmesse fahren oder seinen Agenten in Antwerpen den Bildersturm erleben läßt.

Ein paar Worte noch zu den Karten. Die nach Mercator benannte Projektion ist für die Seefahrt tatsächlich ein ungeheurer Fortschritt gewesen, da sie die Abbildung in Winkeltreue erlaubt. Das bedeutet, daß für die Strecke zwischen zwei Häfen ein Kurswinkel berechnet werden konnte, der während der Fahrt praktisch kaum korrigiert zu werden brauchte. Das ist nicht notwendigerweise die kürzeste Strecke, aber die am leichtesten zu navigierende. Die Winkeltreue führt aber, wie auch die Betrachter von Mercators Karte im Roman feststellen, zu erheblichen Flächenverzerrungen. Tatsächlich muß man entweder eine Winkel- oder eine Flächenverzerrung in Kauf nehmen, wenn man eine Kugeloberfläche auf eine zweidimensionale Ansicht projiziert. Die Flächenverzerrungen der Mercatorprojektion wirken umso stärker, je weiter die Gebiete vom Äquator entfernt sind. Daher wirkt z. B. auch Europa deutlich größer, als es im realen Flächenvergleich mit anderen Gebieten tatsächlich ist. Man hat der Projektion daher vorgeworfen, sie befördere ein eurozentristisches Weltbild. Dieser Vorwurf läuft aber an Mercators Intention vorbei, denn für die Seefahrt ist diese Projektion nun mal die geeignete. Wer sich aber dafür interessiert, wie eine flächengetreue Projektion aussieht (und damit sein bisheriges „Weltbild“ vielleicht ein bißchen korrigieren möchte), der schaue sich mal die Weltkarte in Peters-Projektion an. Ist im ersten Moment ein bißchen ungewohnt, aber durchaus interessant.

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Der Roman erzählt die Lebensgeschichte des Gerhard Mercator. 1512 wird er in Löwen in Holland geboren und widmet sich nach seinem Studium der Kartographie.

Zeitlebens unzufrieden mit der Ungenauigkeit und verzerrten Darstellung der Seekarten, macht er es sich zur Aufgabe, eine korrekte Projektion der kugelförmigen Erde auf eine zweidimensionale Karte zu entwickeln. Nach vielen Versuchen und Fehlschlägen gelingt ihm endlich ein Durchbruch, doch es wird noch viel Zeit vergehen, bis sich seine Neuentwicklung bewähren kann.

Als junger Mann lernt er die vorwitzige Barbara kennen, die mit einem groben Metzgerssohn verlobt ist. Sie löst gegen den Willen ihres Vaters, aber mit Unterstützung ihrer fortschrittlichen Mutter die Verlobung und heiratet Gerhard. Die Ehe ist zwar mit sechs Kindern, aber nicht mit Glück gesegnet. Barbara ist in ihrer Mutterrolle überarbeitet und unglücklich, und Gerhard flüchtet sich immer mehr in seine Arbeit für die Reichen und Mächtigen der Welt – und natürlich die Tüftelei an seinem Lebenswerk.

Es sind bewegte Zeiten in Holland, die Reformation erhitzt die Gemüter, und Hexen- und Ketzerprozesse sind an der Tagesordnung. Auch Gerhard landet wegen angeblicher Ketzerei im Kerker…

Nach „Der Garten der Lüste“ innerhalb kurzer Zeit mein zweites Buch von Vermeulen. Einige Handlungsmuster ähneln sich ein wenig (die Inquisition, die starken Frauengestalten, die ihre Begabung ihres Geschlechts wegen nicht ausleben dürfen), aber auch dies hier ist wieder ein farbenprächtiges, detailreiches Buch. Die Ausflüge in die trocken anmutende Welt der Kartographie und Landvermessung waren wider Erwarten gar nicht so dröge, wenn ich auch mit einigen geometrisch-geographischen Fachbegriffen ein wenig überfordert war.

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Wer in der Schule in den höheren Klassen Erdkunde/Geographie hatte, ist vermutlich nicht an Mercator bzw. der Mercatorprojektion vorbeigekommen. Tatsächlich ist es die einzige Darstellungsform der Erde, die ich beim Namen nennen kann. Und auch wenn ich von meinem vorigen Vermeulen-Buch ("Der Garten der Lüste" über Hieronymus Bosch) nicht völlig überzeugt war, konnte ich diesem biographischen Roman über den vermutlich bekanntesten Kartographen nicht widerstehen.

Vermeulen beginnt seine Erzählung mit Mercators Magisterabschluss, der für ihn aber nur eine Zwischenstation ist. Er geht in die Lehre bei einem Instrumentenbauer und lernt zusätzlich alles, was es über Kartographie zu lernen gibt. Seine Heirat mit der dominanten Barbara und das daraus entstehende schnelle Anwachsen seiner Familie (Kinder im Jahrestakt) zwingen ihn allerdings dazu, sich nicht völlig seinen eignen Interessen zu widmen, sondern primär besonders lukrative Aufträge anzunehmen. Da es für die Karten fremder Küsten gut zahlende Abnehmer gibt, wendet sich sein Interesse gerade den Seekarten zu, die größtenteils ungenau und wenig hilfreich bei der Navigation sind. Doch den Durchbruch seiner Forschungsarbeit und in der Entwicklung einer einfach bei der Navigation zu nutzenden Karte erzielt er erst, als er nach einer Verleumdung wegen ketzerischer (lutherischer) Äußerungen verhaftet wird. Dem Kerker nach einigen Monaten entronnen, beschließt er nach Deutschland zu ziehen, wo er sich ein freieres religiöses Klima erhofft.

Vor diesem Buch wusste ich zwar, dass es eine Mercatorprojektion gibt, aber nun weiß ich endlich ganz genau, wie sie aussieht und werde sie garantiert nie mehr mit anderen Darstellungsformen verwechseln. Ein Kollege im Nachbarbüro hat eine Weltkarte nach Mercator an der Wand hängen und während der Lektüre bin ich ab und zu in sein Büro gegangen und habe sie mir angesehen, um noch einmal nachzuvollziehen, was das Besondere an ihr ausmachte. Gewünscht hätte ich mir eine Zeittafel, mit den wichtigen Lebensdaten Mercators oder zumindest mal zwischendurch oder in den Kapitelüberschriften ein paar Jahreszahlen, dann hätte ich einen besseren Überblick gehabt, wer jetzt wann wie alt ist und wie sein Verhalten dementsprechend einzuschätzen ist. Das hätte mir die Figuren sicherlich auch etwas näher gebracht, so blieb mein Verhältnis zu ihnen doch recht kühl. Stilistisch und in gewisser Hinsicht auch von der Lebenseinstellung und Lebensplanung der Hauptfiguren unterschied sich dieser Roman gar nicht so sehr vom „Garten der Lüste“, da mir hier das Thema aber näher lag und mich viel stärker interessierte, gefiel mir „Zwischen Gott und der See“ um einiges besser. Es ist eine sehr interessante und informative Lektüre und eigentlich für jeden, der an der geographischen Entdeckung der Welt interessiert ist, ein Muss.

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