Howard Jacobson: Pussy

 
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Howard Jacobson: Pussy
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Pussy
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783608503517

Informationen zum Buch

Seiten
272

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen ...

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Handlungsort

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In der einst so friedlichen Republik Urbs-Ludus sind unruhige Zeiten angebrochen: Zu viele ausländische Brotbäcker bedrohen den Frieden in der Stadt. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Prinzen mit dem senfgelben Haar. Doch weiß der, wie man ein Land regiert? Böse Zungen behaupten, er habe sogar Schwierigkeiten, vollständige Sätze zu bilden ...

Prinz Fracassus ist der einzige Sohn des Herzogs von Urbs-Ludus und wächst im Überfluss heran. Dem Knaben mit dem senfgelben Haar mangelt es weder an Bildung noch an Zerstreuung. Viel spricht er zwar nicht, dafür verbringt er zu viel Zeit vor dem Fernseher, aber das wird schon noch, oder? Es wird nicht. Selbst dem liebenden Vater fällt irgendwann auf: Seinem Sohn fällt es schwer, zusammenhängende Sätze zu formulieren. Stattdessen ist eine große Begeisterung für Prostituierte, Gladiatorenkämpfe sowie für Reality-Shows zu verzeichnen. 

Kann so ein Mann ein ganzes Land regieren? Ein Land, das murrt, weil es zu viele ausländische Brotbäcker gibt? Verzweifelte Zeiten verlangen verzweifelte Maßnahmen. Politische Berater werden herbeigeholt, Allianzen werden geschlossen, eine Twitterkampagne organisiert. Und am Ende? Am Ende siegt die Einfalt. 

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Entlarvender Sarkasmus

Prinz Fracassus, Sohn und Erbe des Herzogs von Urbs-Ludus, ist einst in Überfluss und mit Reality Shows herangewachsen, hält sich selbst für eine Art römischen Kaiser und sonnt sich inzwischen im Lichte seiner berühmten Wolkenkratzer und Casinos. Doch was einst auch dem liebenden Vater aufgefallen ist, wächst sich einfach nicht aus: Prince Fracassus begeistert sich lieber für Prostituierte und allerlei Martialisches, anstatt beispielsweise an seiner Ausdrucksweise zu feilen. Kurzum, auch der erwachsene Spross gibt zu gerne an, interessiert sich für so gut wie nichts - außer natürlich für sich selbst.
Doch urplötzlich liegen alle, naja, fast alle Hoffnungen auf dem Mann mit dem gelben Haar: ist der Prinz nicht genau der Richtige, um das Land wieder voran zu bringen? Kann er Urbs-Ludus von den vielen ausländischen Brotbäckern befreien? Kann er die einst so erfolgreiche, friedliche Republik durch seine Regentschaft wieder groß machen? Nunja, enttäuschte Menschen verlangen ungewöhnliche Maßnahmen und so werden Heerschaaren von Beraten herangekarrt, die ganz tief in die Trickkiste greifen: befremdliche Allianzen werden geschlossen und zu guter Letzt eine Twitterkampagne organisiert, die ihresgleichen sucht.

Klingt nach Donald Trump und seiner Wahlkampagne 2016? Ach was!
Zugegebenermaßen war ich erst einmal baff, als ich gesehen habe, dass sich Howard Jacobson, britischer Schriftsteller und Journalist und 2010 für „Die Finkler-Frage“ mit dem Booker Prize ausgezeichnet, einem solchen Thema widmet. Aber warum eigentlich nicht? Eine bitterböse Satire kann doch ein gutes Mittel sein, sich mit aktuellen politischen Entwicklungen auseinanderzusetzen…

Anfangs hatte ich ziemliche Schwierigkeiten mit dem Schreibstil - ungewohntes Vokabular, seltsam verschachtelte Sätze und ungewöhnliche Metaphern. Wenn man das Ganze aber vom Standpunkt des Autors - dass schlechte Sprache schlechte Menschen hervorbringt - betrachtet, dann ist es durchaus möglich, sich auf die Erzählweise als Stilmittel einzulassen.
Ja klar, der vorliegende Roman ist an Sarkasmus und Präsidenten-Bashing kaum zu überbieten, aber auch seine Wählerschaft und all die Untätigen, die nicht wahrhaben wollten, dass es soweit kommen könnte, bekommen ihr Fett weg. Dabei ist selbstverständlich vieles überspitzt und dennoch entlarvend realistisch. Man könnte sich zurücklehnen und - ist man erstmal angekommen - diese freche Geschichte genießen, aber dann wird einem irgendwann bewusst, dass es ein schonungsloser Blick auf den Ist-Zustand ist. Bis dann unweigerlich der nächste Schritt folgt, wenn man spätestens erkennt, welche Möglichkeiten ein solch mächtiger Mann hat und wie gefährlich dies letztlich für alle sein kann!

Im Grunde verarbeitet Jacobson hier alle bekannten Fehltritte und Peinlichkeiten des derzeitigen US-Präsidenten zu einer schonungslosen, bitterbösen Darstellung eines Prinz Fracassus’. Das lässt von Lachern über heftigstes Kopfschütteln bis zur Fassungslosigkeit eine ganze Bandbreite an Emotionen zu, aber am Ende bleibt wieder einmal die Ernüchterung. Ernüchterung darüber, wie es soweit kommen konnte, dass ein solch egozentrischer Mann mit brandgefährlichen Ansichten Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden konnte. Und Erkenntnis, dass wir dringend gegen solche einfach gestrickte Lösungsansätze, die auf dem Rücken von vielen Menschen, um die sich viele nicht (mehr) scheren, gemacht werden, angehen müssen!

Das Buch ist ein sarkastischer Beitrag gegen Trump, aber es braucht einiges, um bei der bewusst gewählten Schreibe dabei zu bleiben. Kann man lesen, muss man aber nicht. Hauptsache, man befasst sich mit dem aktuellen Zeitgeschehen!

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