David Safier: 28 Tage lang

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David Safier: 28 Tage lang
Verlag
ET (D)
2014
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783499211744

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
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Handlungsort

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1943. Mira bringt sich und ihre kleine Schwester Hannah durch den harten Warschauer Ghetto-Alltag, indem sie unter Einsatz ihres Lebens Essen schmuggelt. Doch jetzt soll die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden. Mira schließt sich dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 TAGE lang. 28 TAGE, in denen Mira sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört: Amos, der noch möglichst viele Nazis mit in den Tod nehmen will, oder Daniel, der sich um die Waisen in den Bunkern kümmert. 28 TAGE, in denen sie sich immer wieder der Frage stellen muss: Was für ein Mensch willst du sein?

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Was für ein Mensch willst du sein?

Was für ein Mensch willst du sein?

1943, das Ghetto in Warschau. Die 16jährige Mira schmuggelt Lebensmittel aus dem polnischen Teil der Stadt ins Ghetto, um das Überleben ihrer kleinen Familie zu sichern. Diese besteht seit dem Selbstmord des Vaters nur noch aus Mira, ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester. Vor allem für diese kämpft Mira mit aller Kraft, denn ihre Mutter hat sich praktisch schon aufgegeben und ist keine große Hilfe mehr.

Doch die Schikanen werden immer schlimmer. Immer mehr Menschen werden deportiert, dennoch glauben viele der Zurückbleibenden weiterhin daran, dass es irgendwann vorbei sein wird und nicht mehr schlimmer kommen kann. Das unvorstellbare Grauen der Konzentrationslager lassen viele trotz aller Gerüchte und Berichte nicht an sich heran.

Obwohl Mira nur um das Überleben ihrer kleinen Familie kämpfen wollte, landet sie letztendlich doch beim Widerstand. 28 Tage lang erheben sich kleine Gruppen von jüdischen Ghettobewohnern gegen die Deutschen, um, auch wenn sie praktisch keine Chance haben, wenigstens einen Teil ihrer Würde wiederzugewinnen und sich nicht wie Schlachtvieh in ihr Schicksal zu ergeben.

David Safier war bisher durch lustige Unterhaltungsromane bekannt, hier wagt er sich nun auf ein ganz anderes Terrain.
„28 Tage lang“ ist ein trotz der Thematik leicht zu lesendes Buch, das ich auch und gerade für jüngere Leser sehr empfehlen möchte.
Der Autor erzählt die Geschichte des Warschauer Ghettos und bindet hier gut gemacht viele historisch belegte Personen und Ereignisse ein. Die Hauptfigur Mira hingegen ist fiktiv und konnte mich als Leser nicht immer ganz überzeugen. Ihre Gedanken und Gefühle gingen mir streckenweise nicht tief genug, an anderen Stellen fand ich sie allerdings durchaus realistisch und sympathisch.

Weniger gefallen haben mir die Phantasiegeschichten ihrer kleinen Schwester, die auch im weiteren Verlauf immer wieder eine Rolle spielen. Obwohl ich gut nachvollziehen kann, dass sich die Mädchen aus dem alltäglichen Grauen hinausträumen möchten, wirkten diese Einschübe auf mich nicht immer passend zur eigentlichen Handlung und somit an mancher Stelle eher wie Seitenfüller.

Insgesamt aber ein fesselndes Buch über eine Zeit, die wir niemals vergessen dürfen und eine gute Art, diese Geschehnisse gerade für die jüngeren Generationen unterhaltsam und verständlich zu machen!

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Mira und der Aufstand im Warschauer Ghetto

Das Warschauer Ghetto ist nicht gerade häufig Thema eines Romans und dabei ist der mehrere Wochen andauernde Aufstand ein sehr wichtiges historisches Ereignis, ein in dieser Form einzigartiger Widerstand gegen die äußerst grausame und unmenschliche Besatzung der Nazis und die Deportationen in Konzentrationslager. Da die Frauen und Männer völlig unzureichend bewaffnet waren, war ihre Aussicht auf Erfolg relativ gering, deshalb ist es umso überraschender, wie lange sie sich gegen die drückende und bestens bewaffnete Übermacht zur Wehr setzen konnten… Es war wohl der Mut der absoluten Verzweiflung und das Wissen darum, was die Nazis mit ihnen planten.
Dieses Thema hat mich jedenfalls nicht lange überlegen lassen: ich musste "28 Tage lang" unbedingt lesen, denn auch wenn man die Erzählungen von Marcel Reich Ranicki und seiner Frau und den Bericht von Jan Karski, einem polnischen Widerstandskämpfer, der auch im Warschauer Ghetto war um zu sehen, wie es den Juden dort erging, kennt, so ist auch ein Roman interessant.
Der Autor David Safier lässt ein 16jähriges Mädchen erzählen, Mira, die mit ihrer Mutter und ihrer kleineren Schwester Hannah im Ghetto lebt. Ihr Vater, ein angesehener Arzt, hat sich einige Zeit zuvor das Leben genommen und die Mutter ist darüber so verzweifelt, dass sich nun Mira um die kleine Familie kümmert. Sie schmuggelt Lebensmittel von der polnischen Seite ins Ghetto und erledigt damit einen lebensgefährlichen Job nach dem anderen. Einziger Lichtblick ist ihr Freund Daniel, der - selbst Waise - im Waisenhaus von Janusz Korczak lebt und mithilft. Doch natürlich bleibt in diesen Zeiten kaum eine Sekunde für einen normalen Moment…
Doch die Repressionen gegen die schon sehr schwer hungernde Bevölkerung des Ghettos nimmt noch mehr zu und dann gibt es plötzlich ein Gerücht: alle Juden sollen an einem Sammelplatz zusammengetrieben und nach Treblinka deportiert werden. Und so wird die Frage des Überlebenskünstlers Rubinstein "Was für ein Mensch möchtest du sein?" für Mira erst recht eine Überlebensfrage. Sie schließt sich dem Widerstand an und kämpft nun an der Seite von Amos, dem jungen Mann, der ihr zu Beginn schon einmal das Leben gerettet hat. Dabei lädt sie unweigerlich Schuld auf sich - ob nun bei der Beobachtung der Räumung des Kinderheims oder aber beim Töten. Aber es ist keine freiwillige Entscheidung sondern eine, zu der sie fortwährend durch die Umstände im Ghetto gezwungen wird und die sie nicht leichten Herzens trifft.
Die Tage und Wochen des Aufstandes aus den Augen dieses Mädchens zu sehen, ist beeindruckend und macht nicht nur gelegentlich nachdenklich. Die Frage danach, welcher Mensch man sein möchte, stellt sich auch mir als Leserin immer wieder - was hätte ich getan? Hätte ich mich einfach zur Schlachtbank führen lassen? Hätte ich kämpfen können? Dazu die Schilderungen der beständig sterbenden jüdischen Bevölkerung, die Toten überall, die Verzweiflung, der Hunger, die absolute Todesangst… Auch heute, nach vielen Dokumentationen und Büchern, nach Geschichtsunterrichten und Besuchen von Gedenkstätten und Museen, bleibt die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten für mich unvorstellbar. Wie konnten Menschen nur so mit anderen Menschen umgehen?
Die Konfrontation mit Leid und Tod, mit Resignation und Überlebenswille gelingt David Safier sehr gut - gerade deshalb denke ich, dass dieses Buch auch für Jugendliche und als Schullektüre perfekt geeignet ist. Dabei ist das Buch spannend, denn natürlich ist Mira die Heldin des Buches, von der man natürlich unbedingt wissen möchte, ob sie und ihre Freunde und ihre Familie es schaffen, zu überleben.
Aber - und da liegt leider auch die Krux - Mira ist auch ein wenig zu superheldenhaft ausgestattet. Sie wirkt mir einen Tick zu modern und das liegt nicht nur an der Sprache des Buches. Sie ist der Rettungsanker der Familie und diejenige, die über die kleine Schwester wacht, Schmugglerin, später Widerstandskämpferin, aber zugleich auch ein ganz normaler Teenie, der mich eher an meine Jugend erinnert. Diese Figur ist mir schlicht und ergreifend zu überfrachtet… Das passt wiederum zu der sehr schnellen Geschichte, die zum Ende beinahe Schlag auf Schlag voran getrieben wird. So ist "28 Tage lang" sicherlich ein packendes Buch, aber an der ein oder anderen Stelle finde ich Mira dann doch wenig glaubhaft, zu viel wird in sie projiziert.
Bleibt festzuhalten, dass dem Autoren ein spannendes Buch geglückt ist, das vor allem durch seine gut recherchierten historischen Fakten und Figuren überzeugt und durch den wirklich sehr bewegenden Blick auf die menschlichen Zustände im Ghetto überzeugt. Noch besser wäre das Buch allerdings, wenn die Sprache zeitgemäßer und die Hauptfigur nicht zu filmreifen Superheldin stilisiert wäre!

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(Aktualisiert: 31 Mai 2014)
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28 Tage lang

Inhalt:

Die sechzehnjährige Mira schmuggelt Lebensmittel, um im Warschauer Ghetto zu überleben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet.

Meine Meinung:

Entgegen der oben zitierten Inhaltsangabe des Verlages geht es in diesem Buch nicht nur um den Aufstand im Warschauer Ghetto, sondern die Vorgeschichte nimmt den größten Raum ein. Der eigentliche Aufstand wird nur relativ kurz abgehandelt.

Detailliert werden die Lebensumstände und viele konkrete, historisch überlieferte Ereignisse im Warschauer Ghetto in den Jahren 1942 und 1943 geschildert. Es treten sowohl echte historische Personen auf wie Janusz Korczak, Adam Czerniakow und Mordechaj Anielewicz, als auch fiktive wie die Hauptperson Mira.

Anhand Miras Erleben entfaltet sich ein ganzes Panorama, eine Mischung als historischen und fiktiven Ereignissen. Es ist interessant, die unterschiedlichsten Reaktionen der Menschen auf die grauenhaften Umstände und Geschehnisse zu lesen, die unterschiedlichsten Handlungsweisen, von Mut bis Feigheit, von ehrenhaftem bis zu niederträchtigem Handeln, von Resignation bis zu erbittertem Überlebenskampf. Dabei wird eines klar: nämlich daß alle diese Verhaltensweisen menschlich sind, und daß es unmöglich ist, ein moralisches Urteil darüber zu fällen oder oftmals auch nur zwischen einer richtigen und einer falschen Entscheidung zu unterscheiden. Räumlich und zeitlich liegt hier alles Menschliche dicht beieinander, und immer wieder stellt sich den Personen des Buches die Frage: was für ein Mensch möchtest du sein? Auch als Leser stellt man sich diese Frage immer wieder. Wie hätte man selber unter diesen Bedingungen gehandelt? Die Freiheit dies zu entscheiden, ist die letzte Freiheit, die vielen Ghettobewohnern blieb. Viele Situationen im Buch bekommen dadurch eine Eindringlichkeit, daß man sich gut in sie hineinfühlen kann. Leider geht dieser Effekt gegen Ende des Buches immer mehr verloren, die Handlung wirkt zunehmend konstruierter und auch Miras Entwicklung ist nicht immer nachvollziehbar.

Aufgelockert wird der ernste Teil der Handlung durch Miras ganz normale Jungmädchengedanken, durch ihre Zuneigung zu zwei sehr unterschiedlichen jungen Männern, und durch die Phantasiegeschichten, die sie zusammen mit ihrer jüngeren Schwester ausdenkt und die besonders gegen Ende des Buches eine Art Ruhepol in der zunehmenden Hoffnungslosigkeit bilden.

Mein größter Kritikpunkt am Buch betrifft die Sprache. Die sprachliche Leichtigkeit, die anfangs den Einstieg ins Buch erleichtert, wird mit Fortschreiten der Handlung immer mehr zu einer seichten und saloppen Sprache, die heutiger jugendlicher Umgangssprache gleicht bis hin zu echten sprachlichen Fehlern. Das wirkt allzu modern für diese Zeit, und darunter leidet die Authentizität des Buches leider gewaltig.

Trotzdem auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, vor allem für junge Leute, die vielleicht noch nicht viel über diesen Abschnitt deutscher Geschichte gelesen haben. Über dieses Thema kann es gar nicht genug Bücher geben. Auf jeden Fall wird Geschichte hier lebendiger als in Schulbüchern. Dennoch würde ich persönlich empfehlen, die Lektüre durch das Lesen von Zeitzeugenberichten und auch anderen Romanen zu ergänzen. Ich hätte auch ein etwas ausführlicheres Nachwort mit ein paar Fakten zum Aufstand schön gefunden.

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Ein lebendiges Stück Zeitgeschichte

Inhalt:
1942/1943, Polen. Die 16-jährige Mira lebt mit ihrer Mutter und ihrer 12-jährigen Schwester Hannah im Warschauer Ghetto. Seit dem Tod des Vaters ist die Mutter depressiv und apathisch. So bleibt Mira nichts anderes übrig, als selbst Lebensmittel für ihre kleine Familie zu besorgen. Besorgen - das heißt für Mira schmuggeln. Dabei begibt sie sich täglich in Lebensgefahr. Doch damit nicht genug. Als die Deutschen die Räumung des Ghettos und den Abtransport aller Juden anordnen, gibt es kaum noch Hoffnung am Leben zu bleiben. Letztendlich schließt Mira sich den Aufständischen an.

Meine Meinung:
David Safier hat nach fünf humorvollen Romanen (u. a. „Mieses Karma“, „Plötzlich Shakespeare“) etwas Neues gewagt. Schon seit vielen Jahren hatte er den Wunsch, dieses Buch zu schreiben, und ich bin sehr froh darüber, dass er es endlich getan hat. Denn es ist einfach rundherum gut gelungen! Das Thema liegt dem Autor sehr am Herzen, sind doch seine Großeltern in Buchenwald bzw. im Ghetto von Lodz umgekommen. Ich hatte zu jeder Zeit das Gefühl, dass er genau weiß, wovon er hier schreibt.

Zwar sind die Protagonisten fiktive Personen, doch ist alles, was sie erleben, tatsächlich irgendjemandem damals passiert oder hätte genau so passieren können. Teilweise spielen auch reale Personen eine Rolle wie zum Beispiel Janusz Korczak, der tatsächlich ein Waisenhaus geleitet hat und mit „seinen“ Kindern in den Tod ging.

Trotz des „schweren“ Themas besticht das Buch durch eine gewisse Leichtigkeit im Erzählstil. Das ist sicherlich auch der jugendlichen Ich-Erzählerin Mira geschuldet und hat mir ausgesprochen gut gefallen. So lässt sich das Buch locker lesen, ohne dass man in Depressionen verfällt, obwohl das angesichts des Erzählten zu erwarten wäre. Der Ernst der Lage kommt dabei trotzdem immer zur Geltung. Diese Gratwanderung hat David Safier in meinen Augen hervorragend bewältigt.

Mira ist eine tolle Heldin. Sie ist mutig und hat einen starken Überlebenswillen, doch alles im realistischen Rahmen. Sie hat Schwächen und Fehler. Das macht es so einfach, sich mit ihr zu identifizieren und mit ihr zu leiden, zu bangen und zu hoffen. Ihre Entwicklung von einem jungen Mädchen zur Kämpferin wird plausibel dargestellt.

Mira zur Seite stehen zwei junge Männer, Daniel und Amos. Beide sind ihre Freunde, und ein bisschen spielt auch die Liebe mit. Doch nimmt sie hier zum Glück nicht überhand, zeigt aber, dass auch im Ghetto das Leben zumindest teilweise in gewohnten Bahnen ablaufen kann.

Die Atmosphäre im Ghetto kann man sich sehr gut vorstellen, die Beschreibungen wirken sehr plastisch und lebendig. Die Straßen und Häuser konnte ich beim Lesen direkt vor mir sehen, ebenso die Personen, ob es nun Mira und ihre Familie waren oder die SS-Soldaten, die jüdischen Polizisten… Sie alle erwachten in meinem Kopf zum Leben.

Besonders wichtig erscheint mir die Aussage des „verrückten“ Rubinstein: „Jeder ist frei zu entscheiden, was für ein Mensch er sein möchte.“ (S. 45) Und so zieht sich wie ein roter Faden eine Frage durch den Roman: Was für ein Mensch möchtest du sein? In vielen verschiedenen Situation muss Mira sich entscheiden. Und so sollte man als Leser gleich mit nachdenken und sich fragen: Wie hätte ich gehandelt? Was würde ich in einer solchen Lage tun? Was für ein Mensch will ich sein?

Fazit:
Ein tolles Buch, ein wichtiges Buch, das die Tage des Widerstands im Warschauer Ghetto lebendig werden lässt und dafür sorgt, dass die Gräuel nicht so schnell vergessen werden.

Ich möchte dieses Buch uneingeschränkt allen Lesern ab etwa 14 Jahren empfehlen. Auch als Schullektüre könnte ich es mir gut vorstellen.

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Schwer verdaulicher Lesestoff

»Was für ein Mensch willst du sein?« - Diese Frage taucht hier immer wieder auf die eine oder andere Weise - entweder direkt, oder in Form von Entscheidungen der Protagonisten - auf. Die Frage, was du alles dafür tun würdest, um zu überleben, zieht sich durch das gesamte Buch. Und die Antworten darauf sind nicht immer leicht zu verkraften - weder für den Leser, noch für die Protagonisten selbst.

~ Ich konnte es immer noch nicht glauben. In einer Welt, in der jeder nur an sich dachte, hatte jemand alles für mich aufs Spiel gesetzt. ~
(S. 22)

»28 Tage lang« war nun mein zweites Buch, in dem der Holocaust thematisiert wurde. Und wie auch schon bei »Bis ans Ende der Geschichte« von Jodi Picoult wurde ich auch hier in David Safiers (allererstem ernsten) Roman einfach nur überwältigt - emotional gesehen. Die sinnlosen Gräueltaten, die Verbrechen und unzähligen Morde an den Juden im Warschauer Ghetto ... all das lesen zu müssen, ist schon echt harter Tobak. Oft musste ich schlucken und dann wieder tief Luftholen nachdem ich ein Kapitel beendet hatte. Gleichzeitig wurde ich von der Geschichte enorm gefesselt und mitgerissen, sodass ich am liebsten alles in einem Rutsch gelesen hätte.

~ Hannah wäre lieber unsichtbar gewesen als stark. Der Unsichtbare überlebte im Ghetto eher als der Starke. ~
(S. 50)

Dies ist eine Geschichte, deren Charaktere zwar fiktiv sind, die Handlung so aber tatsächlich stattgefunden hat. Das hat dem Autor ermöglicht, den Protagonisten eigene Emotionen und Gedanken zu geben. Wären seine Charaktere echte gewesen, hätte er nicht so frei schreiben können.
Ich persönlich finde, dass Safier hier ein wirklich grandioses Buch gelungen ist! - Ein Buch, in dem er uns einen kleinen Teil dieser fürchterlichen Menschheitsgeschichte durch die Augen von Mira, einer Jugendlichen, die mit allen Mitteln um ihr Leben und das ihrer Schwester Hannah kämpft, sehen und auch miterleben lässt. Das ist tragisch und unglaublich erschütternd, aber es gibt glücklicherweise auch immer wieder Momente, in denen die Hoffnung Mira am Laufen hält.

~ Außer Leuten wie Amos glaubte niemand an die Vernichtung.
Weil es einfacher zu ertragen war, nicht an sie zu glauben? Oder weil die in Wahrheit nur ein Hirngespinst war? Menschen in Lastwagen sperren und sie mit Abgasen zu ersticken ... so krank konnten doch nicht mal die Deutschen sein. ~
(S. 128)

Eine Geschichte voller Angst, Furcht, Hass und Erschöpfung, aber auch voller Hoffnung, Fürsorge und Liebe. Alles kann einem Menschen dann doch nicht genommen werden, selbst in noch so aussichtslosen Situationen. Und das zeigt sich in diesem Buch zwischen den Zeilen immer wieder.
Ein Buch, das während dem Lesen und nach dem Beenden sehr nachdenklich stimmt und mir wieder aufs Neue bewusst gemacht hat, dass Freiheit in unserer Welt nicht immer selbstverständlich ist und theoretisch jederzeit vorbei sein kann.

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Wichtiger Teil der Geschichte für Jugendliche gut verpackt

Auf den Inhalt wurde schon zur Genüge eingegangen, deswegen hier nur mein persönlicher Eindruck:

Das Buch ist angenehm flüssig geschrieben und die Charaktere sind vielseitig. Ich stelle es mir sehr anspruchsvoll vor, einen Roman zu diesem Thema aus der Ich-Perspektive zu schreiben.

Dennoch fand ich das Geschehen arg konstruiert. Nicht, dass David Safier alles erfunden hat! Es erscheint sehr sorgfältig recherchiert, dann evaluiert und in das Buch aufgenommen, was am wichtigsten erschien. Um dem Ganzen einen Zusammenhang zu geben, wurde Mira, der Hauptcharakter, erschaffen.
Die Idee dahinter ist ganz gut, dennoch fiel es mir schwer, mich in das Geschehen hineinzuversetzen. Es werden anhand der Charaktere alle Facetten der Beteiligten des Warschauer Ghettos gezeigt (die es auch fast alle tatsächlich gegeben hat), Mira scheint keine der typischen zu vertreten. Ich fand den Charakter nicht überzeugend. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass es ein Jugendbuch ist und ich aus dem Alter längst raus bin.

Desweiteren ließ sich das Buch zwar leicht lesen, aber passte der Sprachstil so gar nicht zu dem Thema.
Womit ich nicht meine, man hätte alles in einen traurigen Tenor verpacken müssen. Aber ein locker-fluffiger Sprachgebrauch verhilft es dem Leser nicht ganz so gut, sich in das Geschehen zu versetzen. Und ich glaube, darum ging es gerade in diesem Buch. Es eben auch Menschen (aber nicht nur), die sich vielleicht nicht für das Thema interessieren, die Augen zu öffnen, realisieren zu lassen, was eben alles geschehen ist. Etwas mehr darin zu sehen als "Das war schlecht.", "Der war gut, der war böse." und schwarz und weiss.

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