Siobhan Dowd: Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort

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Siobhan Dowd: Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort
Verlag
ET (D)
2009
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Bog Child
ET (Original)
2008
ISBN-13
9783551582089

Informationen zum Buch

Seiten
363

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Sie waren dem Tag zuvorgekommen.

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Nordirland, 1981. Es ist Sommer und Fergus küsst Cora, das Mädchen aus Dublin. Und er fragt sich: Warum tut die ganze Welt eigentlich nicht genau dieses, immerzu?Es ist Sommer und Fergus lebt in Drumleash, Nordirland. Es ist der Sommer der Unruhen, des Hasses, der Gewalt, des Hungerstreiks. Und Fergus ist hier zu Hause.

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Es ist der Sommer von 1981 und in einem nordirischen Gefängnis sind insgesamt 23 Männer bereit, sich für ihre Überzeugung zu Tode zu hungern. Auch Fergus‘ Bruder ist einer von ihnen. Fergus selbst versucht, sich aus der Politik heraus zu halten, er will mit der IRA nichts zu tun haben und hofft auf eine Zukunft außerhalb Nordirlands - aber zunächst muss er seine Abschlussprüfungen bestehen. Abgelenkt wird er von Cora, die mit ihrer Mutter, einer Archäologin, ins Dorf reist, nachdem in einem nahe gelegen Torfgebiet eine Leiche aus der Eisenzeit ausgegraben wurde. Problematischer für Fergus ist allerdings die Tatsache, dass seine übliche Joggingstrecke ihn an einer ziemlich unbewachten Stelle über die Grenze führt, was ihn als Kurier für die IRA interessant macht. Dass der dort ab und zu stationierte Soldat eigentlich ein netter Kerl ist, macht ihm die Entscheidung nicht gerade einfacher.



Dass „Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort“ ein Jugendbuch ist, merkt man daran, dass Schulprüfungen und die erste große Liebe eine wichtige Rolle spielen. In erster Linie habe ich das Buch aber als eine wunderbar leise und ruhig erzählte Geschichte erlebt, die die ganz persönlichen Empfindungen eines Jungen im zerrissenen Nordirland beschreibt. Fergus‘ Probleme und Empfindungen waren stets nachvollziehbar und auch die Umgebung wirkte realistisch und lebendig, auch, weil sich die Autorin angesichts der Kürze des Buches klugerweise auf eine relativ geringe Anzahl von Personen beschränkt. Trotzdem werden anhand der verschiedenen Figuren mehrere verschiedene Betrachtungsweisen des Nordirlandkonflikts dargestellt wobei Dowd deutlich macht, dass jeder für sich entscheiden muss, welchen Weg er gehen will und auch welchen Einfluss er auf das Leben anderer zu nehmen bereit ist.



Die immer wieder eingefügten Geschehnisse aus dem Leben der Eisenzeitleiche waren für die Geschichte zwar eigentlich unnötig, fügten sich aber trotzdem gut in das Buch ein und zeigten, dass die allgemeinen Themen Familie, Liebe und auch Opferbereitschaft sich im Laufe der Jahrhundert gar nicht so sehr verändert haben.



Dank ihrer angenehmen Art eine Geschichte zu erzählen, könnte ich mir durchaus vorstellen, weitere Bücher der (leider bereits früh verstorbenen) Autorin zu lesen, auch wenn Jugendliteratur sonst nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre ist.

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Insgesamt kann ich mich Breña in den wesentlichen Punkten anschließen. Die Verknüpfung zwischen den kleinen privaten Freuden und Sorgen, die Fergus mit der Moorleiche, der Archäologin und ihrer Tochter, Fahrstunden mit seinem Onkel, seinen Abschlußprüfungen und Zukunftshoffnungen beschäftigen, dem größeren familiären Umfeld, das zunehmend vom Hungerstreik des Bruders im Gefängnis geprägt wird und den damit zusammenhängenden politischen Verhältnissen ist Dowd gut gelungen. Die ganze Unsinnigkeit der troubles für Leute, die einfach nur ihre Ruhe haben wollen und von den Floskeln und Parolen beider Seiten nichts halten, wird hier besonders deutlich in der sich anbahnenden Freundschaft zwischen Fergus und dem Soldaten Owain, der aus Wales kommt und nur zur Armee gegangen ist, weil die Alternative ein Leben in den Kohlegruben gewesen wäre. Das hätte mühsam oder moralisierend werden können, wenn Dowd eben nicht den erwähnten Ausgleich durch Fergus sonstige Aktivitäten geschaffen hätte. Überraschend für mich war, wie gut ich mich noch an Details aus dieser Hungersstreikzeit erinnern konnte. Zwar hatte ich das Thema damals für ein Schulreferat intensiv bearbeitet, aber das ist ja nun doch schon eine Weile her.

Die Charaktere sind, mit Ausnahme von Fergus selbst, nicht übermäßig tiefgründig gezeichnet, aber individuell genug, um sie nicht als bloße Marionetten wahrzunehmen und doch auch Sympathien und Antipathien entwickeln zu können, die nicht einmal bei allen durchgängig bis zum Ende des Romans gleich bleiben. Sprachlich kommt das ganze recht locker daher ohne deshalb trivial zu werden. Dowd schreckt auch nicht davor zurück, die ein oder andere Landschaftsbeschreibung einzustreuen, aber diese sind nicht ausufernd und scheinen zudem auch ein wenig den Charakter der in Drumleash lebenden Menschen zu verdeutlichen, daher wirkte es auf mich sehr passend. In diesem Zusammenhang muß ich auch sagen, daß mir das Cover ausnehmend gut gefällt, vor allem, was die Lichtverhältnisse angeht erinnert mich das sehr an meine eigenen Besuche in Irland bzw. Schottland.

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Fergus lebt in Drumleash, einem Kaff an der nordirischen Grenze. Er steckt gerade mitten in den Abschlussprüfungen, die darüber entscheiden, ob er den Ort verlassen und Medizin studieren, oder mit ungewisser Zukunft bleiben wird. Doch seine Gedanken werden von ganz anderen Dingen abgelenkt: da ist zum einen die Moorleiche eines Mädchens der Eisenzeit, die er beim Torfstechen findet und als Entdecker benennen darf: Mel. Die Leiche wird von Felicity, einer Archäologin aus Dublin, untersucht und parallel zu ihren Erkenntnissen entfaltet sich Mels Geschichte in Fergus' Träumen. Außerdem lernt er Cora, Felicitys Tochter, kennen und auch sie übt eine besondere Anziehung auf ihn aus.

Darüber hinaus beschäftigt ihn das Schicksal seines Bruders Joe. Dieser sitzt im Gefängnis Maze und schließt sich den Hungerstreiks einiger Gefangener an, um ihren Status als politische Gefangene zurückzuerlangen. Joe ist ein Provo, ein Mitglied der provisorischen IRA, einer paramilitärischen Organisation, deren Ziel ein gesamtirischer Staat ist. Von Tag zu Tag verschlechtert sich sein Zustand, während innnerhalb der Familie die Stimmung zwischen Unterstützung und Angst schwankt. Zu allem Überfluss wird Fergus selbst in die Angelegenheiten der örtlichen Provos hineingezogen, obwohl er sich aus diesen Dingen stets heraushalten wollte und sogar Freundschaft mit einem Grenzsoldaten schließt.

Die Handlung basiert auf den Ereignissen von 1981, als tatsächlich mehrere Mitglieder der provisorischen IRA sowie der Irischen Nationalen Befreiungsarmee im Long Kesh Gefängnis in den Hungerstreik traten. Ziel war es, bei den britischen Behörden den Sonderstatus als politische Häftlinge zurück zu erlangen. Dabei kamen zehn Männer zu Tode, der erste von ihnen war Bobby Sands. Die Anteilnahme im ganzen Land war enorm und es entstand eine Welle aus Protesten, Sands wurde sogar ins Parlament gewählt.

Dowd schafft es, die Stimmung, wie sie in einer kleinen Stadt an der Grenze und speziell in einer involvierten Familie geherrscht haben muss, gekonnt einzufangen. Die Zerrissenheit zwischen politisch motiviertem Handeln und Familie wird mehrfach deutlich, mal in die eine, mal die andere Richtung stärker ausgeprägt. Dazu schafft sie durch die Geschichte um Mel, das Mädchen aus dem Moor, ein Gegengewicht und lässt auch die ganz normalen Alltagssorgen von Fergus nicht zu kurz kommen. Diese Mischung pendelt ständig zwischen Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, einer stillen Landschaftsbeschreibung können genauso sorgenvolle Gedanken folgen wie Blödeleien zwischen den Jugendlichen. Dowds Stil gefiel mir durchgehend gut und ließ sich locker lesen. Die Protagonisten beschränken sich auf einige wenige, die allerdings keine Stereotypen sind. Angesichts der kurzen Zeitspanne machen sie keine herausragende Entwicklung durch, auch wenn man am Ende dennoch den Eindruck hat, dass Fergus ein anderer ist als noch zu Beginn des Buches.

Zwar merkt man dem Buch an, dass es für Jugendliche geschrieben wurde, alleine weil Schulprüfungen und erste Liebe entsprechend behandelt werden, aber auch als Erwachsener verfällt man der Geschichte. Dowd hat eine angenehme Art zu erzählen, außerdem gefällt mir die Idee, den Blick auf die Hungerstreiks mit den Ereignissen rund um die Moorleiche zu verknüpfen, wirklich gut.

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