Angie Thomas: The Hate U Give

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Angie Thomas: The Hate U Give
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Tha Hate U Give
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783570164822

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Ich hätte nicht auf diese Party gehen sollen.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen...

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Eindringlich, empathisch

Die 16-jährige Starr wächst in Garden Heights auf, ein armes Viertel, in dem schwarze Menschen wohnen. Doch ihre Eltern schicken sie auf eine benachbarte Schule, auf der vor allem weiße Schüler gehen. Nachdem eine Party in ihrem Viertel ausartet, fährt sie mit ihrem Kindheitsfreund Khalil nach Hause. Als sie in eine Polizeikontrolle geraten, endet die für Khalil tödlich. Und Starrs Leben ist auf einmal nicht mehr so, wie es vorher war….

Die Geschichte wird nur aus Starrs Perspektive erzählt. Sie kommt dem Leser so schnell näher und man empfindet viel Empathie für sie. Allerdings bleibt die Geschichte so auch einseitig erzählt, was ich aber nicht als störend empfunden habe. Doch wer umfassend (zum Beispiel über die Sicht des Polizisten) informiert werden will, wird hier enttäuscht. Für mich war dies aber genau richtig, da Bücher aus Sicht der Schwarzen seltener vertreten sind und andersherum das auch nicht anders ist.

Besonders gefallen hat mir die Komplexität der Beziehungen der Personen, obwohl das Buch mit relativ wenig Seiten auskommt. Wer eine einfache Vater-Mutter-Familie erwartet, wird überrascht. Stiefkinder, Halbgeschwister, Ziehsöhne… alles ist miteinander verflochten und sukzessive wird dem Leser die komplexen Verflechtungen nahe gebracht. Dies gibt dem Buch einen besonderen Reiz und Realität. Familiengeflechte sind selten einfach. Die Personen werden dabei eindringlich dargestellt und es zeichnen sich interessante Entwicklungen ab, die den Plot geschickt anreichern.

Durch diese verschiedenen Personen wird der Kreislauf, der in den Vierteln der Schwarzen so selten durchbrochen wird, deutlich beschrieben. Und wie schwer es ist, sich von Gangs, Drogen etc fernzuhalten oder auch auszusteigen, wird sehr deutlich. Denn die Perspektivlosigkeit und das Streben nach Chancengleichheit und Gerechtigkeit ist ein immer wieder auftauchendes Phänomen und wird schließlich auch Starr selbst immer mehr betreffen.

Starr ist dabei eine Protagonistin, die die getrennten Welten der schwarzen und weißen Menschen vermischen lässt. Erst durch ihre beiden Lebenskontexte, die sich dann in ihrer Person vereinen. Ob und wie sie es schafft, beides miteinander in Kontakt und so in Verbindung zu bringen, ist eine Frage, die sich durch das Buch zieht wie ein roter Faden. Aber auch in der Familiengeschichte ihrer Freunde ist nicht alles einfach beschrieben. Hier finden sich ebenso komplexe Strukturen wie in ihrer eigenen Familie.

Ein absolut tolles Buch, eindringlich geschrieben und zum Nachdenken anregend.

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(Aktualisiert: 23 Juli 2017)
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Fehlende Möglichkeiten und Unterstellungen, die töten

Starr Carter ist 16 Jahre alt und lebt mit ihren Eltern und Brüdern in Garden Heights, einem sogenannten Problemviertel einer US-amerikanischen Großstadt.
Auf der alljährlichen Spring-Break-Party eines Jugendlichen kommt es urplötzlich zu einem Schusswechsel, aufgrund dessen Starr mit einem guten Freund aus Kindertagen das Haus verlässt und von ihm nachhause gefahren wird. Doch sie kommen nicht allzu weit - Khalil wird von einem Polizisten angehalten und während der Kontrolle mit drei Schüssen getötet.

Starr ist geschockt, ihre Welt zerbricht ein weiteres Mal, denn sie hat schon im Alter von 10 Jahren den Tod ihrer Freundin Natasha miterleben müssen. Ihre Eltern versuchen ihr Bestmöglichstes: sie unterstützen Starr bedingungslos, stärken ihr den Rücken, beschwören sie, sich stets treu zu bleiben. Und sie versuchen das Mädchen zu beschützen - sei es bei der Aussage bei den Cops oder mit der Wahrung ihrer Anonymität bei einem TV-Interview, das Starr gerne machen möchte.

Vor allem Starrs Vater, der selbst einmal ein Gangmitglied war und drei Jahre im Knast saß, erinnert seine Kinder immer wieder daran, wie wichtig es ist, als Afroamerikaner der Polizei keinerlei Angriffsfläche zu bieten und die gesellschaftlichen Hintergründe für die Situation, die in Garden Heights herrscht, zu kennen.

*****
"Richtig. Fehlende Möglichkeiten", sagt Daddy. "Die großen Unternehmen Amerikas bringen keine Jobs in unsere Communitys, und sie reißen sich verdammt noch mal auch nicht darum, uns einzustellen. Und dann kommt noch der Mist dazu, dass du sogar mit einem Highschool-Abschluss von den Schulen in unseren Vierteln nicht besonders gut dastehst. Deshalb war ich auch einverstanden, als deine Mamma vorschlug, dich und deine Brüder auf die Williamson zu schicken. Unsere Schulen erhalten nicht die nötigen Mittel, um euch so auszubilden, wie die Williamson das kann. Hier in der Gegend kommt man leichter an Crack als an eine gute Schule.[...]" (Seite 196)
*****

Starr lebt im Grunde in zwei Welten - in der in Garden Heights, einer 'Hood', in der Kriminalität, Gangs und Drogen zum Alltag gehören, und in ihrer Schule, in der sie zu den ganz wenigen Schwarzen gehört. Schon früh hat sie begonnen, diese Welten zu trennen und vor allem in der Williamson ihre andere Seite, die der 'schwarzen Starr', nicht preiszugeben. Doch mit dem Tod von Khalil stellt sie fest, dass es wichtig ist, Position zu beziehen und dass auch sie etwas dazu beitragen muss, dass der Rassismus und die schlimme Situation in ihrer Wohngegend endet.

*****
"Genau. Das alles ist passiert, weil er" - ich kann seinen Namen nicht aussprechen - "unterstellt hat, dass wir was Böses im Schilde führen. Weil wir schwarz sind und wegen des Viertels, in dem wir wohnen. Dabei waren wir nur zwei Jugendliche, die mit sich selbst beschäftigt waren, wissen Sie? Seine Unterstellung hat Khalil getötet. Sie hätte auch mich töten können." (Seite 329)
*****

Viele Bewohner von Garden Heights wollen, dass der Fall untersucht und Cop #115, der für den Tod Khalil verantwortlich ist, zur Rechenschaft gezogen wird - und sie ahnen, dass das schwierig wird. Doch Starr beschließt, dass es nun auch an ihr ist, der Welt zu zeigen, was an diesem Abend passiert ist. Und das ist ganz und gar nicht ungefährlich...

Angie Thomas hat mit "The Hate U Give" ein immens wichtiges Buch geschrieben, das mit seiner ganzen Thematik brandaktuell ist. Polizeigewalt ist ein großes Problem, von dem vor allem Afroamerikaner immer wieder massiv betroffen sind. Offen zu Tage tretender oder unterschwelliger Rassismus, die deutlich schlechteren Lebensbedingungen für Bewohner in sogenannten Ghettos, die Drogen, die in den sozial schwachen Vierteln kursieren und noch mehr Kriminalität und Gewalt fördern - all das bekommt in diesem Buch seinen Raum. Dabei hat mich vor allem beeindruckt, dass Angie Thomas darüber ihre Charaktere nicht vergisst. So ist nicht nur Starr eine beeindruckende Figur, die sich toll entwickelt, sondern es gibt auch noch eine ganze Reihe liebeswerter und glaubhafter Personen - allen voran Starrs Eltern Maverick und Lisa, ihr Onkel Carlos, der selbst ein Cop ist, Chris, DeVante und so weiter.

Für mich ist das Buch bemerkenswert, da Angie Thomas es schafft, von Polizeibrutalität zu schreiben, die von einer Minute auf die andere Leben zerstören kann, und davon wie eine 16jährige mit all dem fertig werden muss, was sie in diesem Zusammenhang erleben musste. Die Autorin schert weder alle über einen Kamm, noch beschönigt sie das Geschehen - in meinen Augen hat sie ein politisch wie gesellschaftlich wichtiges Buch geschrieben. Jede Zeile ist es wert, gelesen zu werden.

Und was soll ich sagen? Tupac hat plötzlich einen ganz anderen Stellenwert für mich, denn: The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody - nicht einfach Thug Life (also Gangsterleben).

Von ganzem Herzen ein Buchtipp!

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Schockierende Ereignisse fesselnd erzählt

Inhalt:
Die sechzehnjährige Starr lebt mit ihrer Familie in einem armen Schwarzenviertel. Als ihr Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, bricht Starrs Welt zusammen. Um Gerechtigkeit für Khalil zu fordern, müsste Starr gegen den Polizisten aussagen, ebenso gegen einen Drogenboss und Ganganführer. Ihr Leben und das ihrer Familienangehörigen wäre in Gefahr. Wird Starr das Richtige tun?

Zitat:
„Manchmal machst du alles richtig, und es geht trotzdem alles schief. Entscheidend ist, dass du dennoch nie aufhörst, das Richtige zu tun.“ (S. 180)

Meine Meinung:
„Leider“ wirkt dieser Roman nur allzu realistisch. Dass ein schwarzer Jugendlicher von einem weißen Polizisten erschossen wird, kommt in den USA viel zu oft vor. Und meist kommt der Polizist ungeschoren davon. Dass es diese Missstände und Ungerechtigkeiten gibt, darf man nie vergessen und sollte sich immer wieder dafür einsetzen, dass sich das ändert. Aus diesem Grund sind Bücher wie „The Hate U Give“ so wichtig. Doch nicht nur in den USA gibt es Rassismus, sondern auch bei uns in Deutschland und in ganz Europa. Diese Geschichte betrifft uns insofern alle.

Mir fiel es sehr leicht, mich auf die Protagonistin Starr einzulassen. Sie ein sehr sympathischer junger Mensch, der den Spagat zwischen dem schwarzen Ghetto und der weißen Privatschule probiert. Dabei versucht sie, beide Welten strikt getrennt zu halten, um am Ende nicht allein und einsam dazustehen. Sowohl in ihrem Wohnviertel Garden Heights als auch in der Schule hat Starr Freunde, die sie nicht verlieren möchte, die mit der jeweils anderen Seite aber nichts anfangen können und wollen. Rassismus herrscht auf beiden Seiten. Doch durch Khalils Tod gerät Starr zwischen die Fronten.

Dadurch dass Starr in der Ich-Form und im Präsens erzählt, ist man hautnah an der Protagonistin dran und quasi auch live dabei. So erfährt man ihre Gedanken und Gefühle aus erster Hand und kann sich wirklich leicht in sie hineinversetzen. Man empfindet mir ihr Angst, Trauer, Selbstzweifel, aber auch Geborgenheit, Liebe und Glück. Mich hat dieser Roman sehr stark berührt. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich; immer ist etwas los. Oft ist es die alltägliche Gewalt durch Straßengangs oder auch die Cops, der die Ghettobewohner ausgesetzt sind, aber es gibt auch sehr viele schöne Momente mit den Freunden oder mit der Familie und der Nachbarschaft.

Die Charaktere empfand ich als sehr plastisch. Ich hatte von jeder Person ein genaues Bild im Kopf und das Gefühl, als würde ich sie schon sehr lange und wirklich gut kennen. Nicht nur die Figuren, sondern auch die Umgebung wirken sehr authentisch. Bei meinen literarischen Streifzügen durch die Straßen von Garden Heights bekam ich immer wieder Beklemmungen. An jeder Ecke könnte Gefahr lauern. Nicht auszudenken, dass das für viele Menschen tatsächlich die Realität ist!

Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er ist locker zu lesen und durch die vielen Dialoge sehr lebendig. Es werden einige Slang-Begriffe verwendet, die im Anhang in einem Glossar erläutert sind. Man kann hier ruhig vor der Lektüre schon mal reinschauen, es wird nicht gespoilert. Oder man lässt es ganz und liest mit Mut zur winzigen Lücke, was dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Das Wichtigste davon wird auch im Roman kurz erklärt.

„The Hate U Give“ ist der Debütroman von Angie Thomas und meines Erachtens zu Recht auf der Bestsellerliste der New York Times gelandet. Ich bin schon auf weitere Werke dieser Autorin gespannt.

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The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody

Der Inhalt...

In einer verhängnisvollen Nacht verliert Starr ihren besten Freund Khalil – erschossen von einem weißen Polizisten. Plötzlich rückt Starr, die schon genug mit ihren „zwei Welten“ zu kämpfen hat, in das Zentrum der Öffentlichkeit. Khalil war unbewaffnet und landesweit wird über diesen Vorfall berichtet. Empörung, Proteste, Gewalt – die Wut der Bürger steigt. Starr und ihre Familie werden von der Polizei und einem Drogenboss bedroht. Was tun? Soll sie ihre Angst überwinden und mit der Wahrheit an die Öffentlichkeit gehen, oder ihre Familie schützen und schweigen?

Meine Meinung...

Überwältigt. Ich denke dieses Wort beschrieb meinen Gefühlszustand sehr gut, als ich die Geschichte beendet und den Buchdeckel geschlossen habe. Grandios, bewegend, erschütternd und ehrlich, waren die nächsten Worte, die mir auf der Zunge lagen. Das liegt vor allem an Starr. Unsere Protagonistin ist eine ehrliche, starke und mutige junge Frau mit Pepp und Temperament. Auch wenn sie gerne immer wieder betont, dass sie alles andere als mutig wäre – Bullshit! Starr ist hammermäßig und vor allem echt und aus dem „normalen Leben“ gegriffen. Wir erleben wie anstrengend der Alltag für sie ist – gefangen zwischen zwei völlig verschiedenen Welten: Einmal ihr „weißes“ Leben mit ihrem Boyfriend Chris und ihren beiden besten Freundinnen an einer reichen Privatschule als fast einzige Dunkelhäutige; und ihr „schwarzes“ Leben, als junges Ghetto-Mädchen in einem Viertel voller Gewalt, Armut, Unruhen und Intoleranz. Inmitten alldem ist ihre Familie ein Inbegriff von Wärme und Geborgenheit. Man merkt als Leser schnell, dass die zusammengewürfelte Familie trotz ungewöhnlicher Verhältnisse stets zusammenhält und sich liebt. Dieser Halt ist für Starr in ihrer schweren Zeit natürlich Gold wert. Überhaupt ist die Atmosphäre in Garden Heights eine ganz Besondere; sowohl im positiven als auch negativen Sinne: Es gibt Zusammenhalt und Freundschaft, aber auch Gangmachenschaften und Gewalt. Eine gefährliche Mischung, die atmosphärisch aber voll punkten kann. Wir begleiten Starr in jener Nacht in ihrem Viertel, die einfach alles zu ändern scheint. Ein Vorfall der die Welt in Atem hält und wichtige Dinge ins Rollen bringt. Starrs persönliche Entwicklung ist hier besonders spannend und toll mit zu erleben.

Ich war noch nie in Amerika und kann deswegen keine wirkliche persönliche Meinung zu dem Thema in die Rezension mit einfließen lassen. Allerdings bekommt man durch verschiedene Medien den ein oder anderen Vorfall zu Ohren. Für uns hier in Deutschland scheint es unvorstellbar Angst vor der Polizei und ihrem Handeln zu haben, doch für „Schwarze“ in Amerika scheint das der Alltag zu sein: keine falsche oder drohenden Bewegung, zu allem Ja und Amen sagen – das lernen die Kinder schon von klein auf... Ich finde es wirklich erschreckend, wie präsent Rassismus und Intoleranz heutzutage wieder in unserem Alltag sind. Damit meine ich nicht nur in Amerika! Europa erlebt im Moment ja leider auch einen deutlichen Rechtsdruck – da kann sich Deutschland auch nicht von ausnehmen. Noch nie war das Thema Toleranz, Akzeptanz und Rassismus in unsere heutigen Zeit so aktuell wie jetzt. Und ich denke, genau deswegen kann „The Hate U Give“ so stark überzeugen: Es trifft einen Nerv, regt zum Denken an, berührt und fasziniert den Leser ab der ersten Seite an und kommt genau zur richtigen Zeit. Der klare und ehrliche Schreibstil tut da noch sein Übriges. Es lässt sich vielleicht kritisieren, dass die Denkweise in dem Buch sehr einseitig sei. Auch ich hab mir an der ein oder anderen Stelle mal eine Stellungnahme aus einer andere Perspektive gewünscht, um endlich zu wissen, was im Kopf von „diesen Menschen“ vor sich geht. Allerdings muss ich im Endeffekt auch zugeben, dass das vielleicht genau das Besondere an dem Buch ist – die reine „schwarze“ Sichtweise auf das Geschehen. Und im Grunde genommen ist das Buch perfekt so wie es ist. Ich sage ja: Es regt zum Nachdenken an ;)

Ich habe mir extra viel Zeit gelassen, bis ich die Rezension geschrieben habe, eben weil ich von Anfang an wusste, dass ich Zeit brauche um das Gelesene zu verarbeiten. Ich habe ehrlich gesagt immer noch Probleme auszudrücken was genau mich an dem Buch so fasziniert hat, und ich glaube ich kann es schlicht und ergreifend auch nicht in Worte fassen. Also: Liest es selber und lasst euch überzeugen!

Das Fazit...

Ein wichtiges Buch – für mich ein Must-Read, dass den Hype zurecht verdient hat! Spannender Plot, tolle und authentische Charaktere und ein Schreibstil der Berge versetzen könnte! LESEN!

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brandheißes Thema

Starr lebt mit ihrer Familie in einer amerikanischen Großstadt in einem Ghetto für Schwarze. Drogenverkauf, Kriminalität und Gewalt sind an der Tagesordnung. Gangs streiten fast täglich um die Herrschaft im Viertel. Um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu sichern, schicken Starrs Eltern sie auf eine Schule für Weiße in einem besseren Stadtteil. Deshalb fühlt das Mädchen sich oft zerrissen, denn in der Schule und bei ihrem weißen Freund muss sie sich anpassen und ganz anders verhalten als zuhause und mit ihren schwarzen Freunden. Aber sie möchte auch beide Welten nicht missen. Als Khalil, einer ihrer engsten Jugendfreunde, sie nach einer Party heimfahren will, werden sie von der Polizei angehalten. Einer der Polizisten erschießt ihn ohne ersichtlichen Grund.

Dieser Vorfall erschüttert Starrs ohnehin schon sehr zerbrechliche Welt. Die Familie versucht verzweifelt, ihren Namen aus der Presse herauszuhalten. Niemand soll sie mit dem Vorfall in Verbindung bringen aus Angst um ihre Sicherheit. Da dies aber nicht der erste Vorfall dieser Art war und man damit rechnet, dass mal wieder alles von den Behörden unter den Tisch gekehrt und der Polizist nicht bestraft werden wird, geben die Menschen im Viertel keine Ruhe. Sie wollen Klarheit über den Vorfall. Sie wollen Gerechtigkeit und dass Khalil nicht umsonst gestorben ist. Es kommt zu ersten Rassenunruhen in der Stadt.

Das Thema ist vor allem in den USA kein Neues. Schon in den Fünfziger und Sechziger Jahren kam es zu ersten Aufständen der afroamerikanischen Bevölkerung. Eine der bekanntesten Rassenunruhen war im Jahr 1992 wegen der Gewalt von Polizisten an dem Schwarzen Rodney King. Und fast jede Großstadt in Nordamerika hatte bereits so einen Aufstand. Auch die Gewalt der Polizei vor allem gegen die schwarze Bevölkerungsschicht ist ein Fakt, den man nicht wegdiskutieren kann. Fast jede Woche gibt es einen neuen Fall.

Die Geschichte ist also aktuell und brisant. Und sie wird aus Sicht der schwarzen Bevölkerung geschildert. Dies ist auch einer der wenigen wirkliche Kritikpunkt, den ich habe, denn man erfährt leider bis zum Schluss nicht genau, wie der Polizist die Schüsse auf Kahlil persönlich rechtfertigt. Statt dessen wird aber sehr intensiv erzählt wie Starr und ihre Familie sich fühlen, wie sie reagieren und agieren, wie sie teilweise von verschiedenen Gruppen benutzt werden. Nebenbei erfährt man einiges über das Leben der Schwarzen im Ghetto. Über die sozialen Missstände, die Vorurteile der Weißen, die Rivalitäten der Schwarzen untereinander.

Starr und ihre Familie waren mir sehr sympathisch. Ich hatte das Gefühl, sie und ihre Lebensumstände wurden, stellvertretend für tatsächliche Zustände in Großstädten der USA, realistisch geschildert und das Thema von einem aufgeklärten Standpunkt aus gründlich beleuchtet. Die zwei einzigen weißen Jugendlichen in der Geschichte waren mir vielleicht etwas zu eindimensional geschildert aber zumindest war der eine der perfekte Goodboy und die andere dafür eine echte Negativ-Tussi.

Von mir eine dicke Leseempfehlung für einen All-Age-Roman, der ein brandheißes Eisen anfasst und den Leser bewegt.

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The Hate U Give

Das Buch hat mich sehr neugierig gemacht, auch weil es überall so hochgelobt wurde.
Ein Afro-Amerikaner wird bei einer Verkehrskontrolle im Beisein seiner Freundin erschossen, obwohl er nicht bewaffnet war. Der Polizist behauptet eine Waffe gesehen zu haben...
Die Geschichte wird dann weiter aus Sicht von Starr, der Beifahrerin erzählt.

Das Thema ist nicht nur immer wieder aktuell, sondern auch äußerst brisant. Man ist sich gar nicht bewusst, wie schnell man sich unbedacht rassistisch äußern kann, ohne das man es will, wenn man nicht richtig nachdenkt. Gerade weil bei diesem Thema auch jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird...

Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Man merkt, dass es ein Jugendbuch ist und dementsprechend ist die Sprache gewählt. Wenn man sich erst einmal an das ganze „Babe“, „cool“ und „Girl“, etc. gewöhnt hat, liest sich alles wirklich gut und aus einem Guss. Das man ständig über diverse Sneaker, Chips, Getränke Marken und andere Fachausdrücke aus dieser Szene stolpert, muss man ausblenden. Am Ende des Buches gibt es ein Glossar, wo diese erklärt werden.

Ich habe keine Ahnung, was es bedeutet in einem Ghetto zu leben und was dort so abgeht, aber ich könnte mir denken, dass die Geschichte es dem Leser ziemlich authentisch vor Augen führt.
Ich habe großen Anteil an der Geschichte von Starr, ihrer Familie und ihr Leben nach der Tat genommen und im letzten Drittel konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Jetzt gucke ich mich im Bekanntenkreis um, welchem Jugendlichen ich das Buch zum Lesen geben könnte, weil ich finde, es sollte gelesen werden !

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Das Buch fesselt und stimmt nachdenklich !!

Das Cover ist recht schlicht gehalten und doch sagt es unheimlich viel über den Inhalt des Buchs aus, vor allem in Kombination mit dem Titel. Man sieht eine junge Afroamerikanerin, vor einem schneeweißen Hintergrund. Die Kontraste kommen wunderbar zur Geltung.

Inhalt:
„The hate you give“ ist das Debüt der Autorin Angie Thomas, welches jetzt am 24. Juli 2017 erstmal in deutscher Sprache erscheint. Ich hatte das Glück und durfte dieses Werk vorab in einer tollen Leserunde diskutieren und mich austauschen. Wenn ich sage, dass es bei „The hate you give“ eine Menge Diskussionsstoff gibt, könnt ihr mir wirklich glauben. Das Buch stellt die Aussage, in wie weit wirklich alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, stark infrage. Das Thema ist leider in den USA immer noch brandaktuell, nicht selten hört man von Übergriffen der Polizei auf dunkelhäutige Menschen, die nicht oder nur geringfügig geahndet werden. Genauso stark im Fokus stehen jedoch auch Vorurteile und Rassismus. Wie schnell ist die Gesellschaft dabei einfach in Schubladen zu denken? Oder einen Menschen, nur weil er eine andere Hautfarbe hat, in welcher Hinsicht auch immer anders aussieht, zu verurteilen? Ich für meinen Teil finde das einfach nur schrecklich, niemand sollte nach dem Aussehen beurteilt werden, der Charakter und die Art und Weise, wie ein Mensch handelt, ist mir viel wichtiger. Das steht für mich über allem. In „The hate you give“ begleiten wir die 16-jährige Starr durch ihren Alltag, der alles andere als einfach ist. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie in einem Stadtviertel, das eher als Ghetto bezeichnet werden kann. Schießereien, Drogenhandel und Machtspiele zwischen verfeindeten Gangs sind hier an der Tagesordnung. Wenn ich mir überlege, wie behütet ich in dem Vergleich auf dem Dorf ausgewachsen bin und selbst heute in einer Kleinstadt lebe, ist das unfassbar schwierig solche Lebensumstände überhaupt zu verstehen oder realisieren zu können. Starr ist ein sympathisches Mädchen, welches sehr an ihrer Familie hängt. Für ihr Alter macht sie einen recht vernünftigen Eindruck. Sie ist hilfsbereit, klug und hinterfragt vieles. Trotz ihres jungen Alters hat sie schon einige traumatische Dinge miterleben müssen. Die Charaktere wurden allesamt interessant gestaltet.

Aufbau, Struktur & Stil:
Die Handlung in „The hate you give“ wird dem Leser aus Sicht von Starr, in der Ich-Perspektive, geschildert. Für meinen Geschmack hat die Autorin Angie Thomas damit genau die richtige Wahl getroffen, es fällt, trotz der schwierigen Thematik, dadurch leichter sich in ihre Gedanken, Ängste und die Lebenslage an sich hineinzuversetzen. Zudem finde ich das man, gefühlt, persönlicher angesprochen wird. Schnell findet man sich mitten im Geschehen und schon nach wenigen Seiten hat man einen guten Einblick in die Lebensumstände der Charaktere. Die Ereignisse sind schockierend, wirkten für mich jedoch, auch mit relativ wenig fundierten Hintergrund, authentisch. Das Tempo der Handlung ist recht hoch, dennoch blieb mir immer wieder Zeit, um vieles zu hinterfragen. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass man manches, was scheinbar selbstverständlich scheint, mehr wertschätzt. Eine kleine Kritik muss ich jedoch anbringen, mich hätte es sehr gereizt, hier abschnittsweise auch die Sichtweise des beteiligten Polizisten zu erfahren. Dabei hätte der Leser einen umfassenderen und vielleicht auch noch kritischeren Blick auf die Ereignisse erhalten.

Fazit:
„The hate you give“ ist kein Buch, welches man einfach so weglesen und zur Seite legen kann. Im Gegenteil es berührt, rüttelt auf und stimmt nachdenklich !! Ich hätte gerne mehr davon.

Ich gebe fünf von fünf Funkelchen.

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