Antonia Michaelis: Die Attentäter

Hot
 
4.7
 
4.2 (3)
1306   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Antonia Michaelis: Die Attentäter
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783789104565
Empfohlenes Alter

Informationen zum Buch

Seiten
448

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Ich hätte ihn beinahe nicht erkannt.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Obwohl sie aus grundverschiedenen Verhältnissen stammen, sind Cliff und Alain fasziniert voneinander. Zwischen ihnen steht Margarete, die beide von klein auf kennen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und verschwindet. Als er zurückkehrt, wird klar: Er soll für den IS einen „Tag des Blutes“ planen. Alain will seinen Freund retten – doch wie lange kann er noch zu ihm halten?
Mit "Die Attentäter" liefert Antonia Michaelis einen beklemmenden Blick in die Abgründe des Terrorismus.

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Tiefgründig und fesselnd

Inhalt:
Alain, Cliff und Margarete sind vier Jahre alt, als sie sich kennenlernen. Sie wohnen in demselben Haus in Berlin. Besonders Alain und Cliff sind wie auf magische Weise miteinander verbunden. Margarete ist eher diejenige, die die beiden Jungs erdet. Alain ist der Gute, seine Eltern sind liberale Künstler, die ihren Sohn über alles lieben und ihn zu einem hilfsbereiten und freundlichen jungen Mann erziehen. Cliff dagegen ist schon als Kind von etwas Dunklem umgeben. Seine Mutter hat die Familie verlassen, sein Vater tröstet sich mit Alkohol. Zeit seines Lebens ist Cliff auf der Suche nach seinem Platz in der Welt, nach einer Gemeinschaft, in der er gebraucht wird. So landet er schließlich im Dschihad. Alain und Margarete halten trotz allem zu ihm und wollen ihn retten. Kann es ihre starke Freundschaft mit Cliffs innerer Zerrissenheit und Verzweiflung aufnehmen?

Meine Meinung:
In „Die Attentäter“ behandelt Antonia Michaelis ein brandaktuelles Thema: islamistischer Terror und die Flüchtlingskrise in Europa. Im Gegensatz zu ihren früheren Romanen gibt es hier kein Verwirrspiel mit den Realitäten, wenn man von einigen Szenen mit Schatten und Flügeln mal absieht. Und obwohl mir gerade dieses Verschwimmen von Wirklichkeit und Fantasie immer sehr gut gefällt, habe ich es hier nicht vermisst. Denn dieser Roman wirkt einfach realistischer als seine Vorgänger. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es sich genau so abspielen kann. Genau das macht die Geschichte so erschreckend und ergreifend.

Die Autorin beobachtet ihre Protagonisten sehr genau und setzt diese Beobachtungen in feinsinnige Beschreibungen um. Man begleitet die Kinder/Jugendlichen fast ihr ganzes Leben lang bis zum Alter von 19 Jahren in der Gegenwart. Dadurch lernt man sie extrem gut kennen. Es sind sehr faszinierende junge Menschen, jeder auf seine Art. Sehr interessant ist auch das Geflecht ihrer Beziehungen untereinander und zu anderen Personen. Alain, Cliff und Margarete verbindet eine so starke Freundschaft bzw. Liebe, dass man sich vorstellen kann, dass nichts ihr etwas anhaben kann. Und doch scheint es für Cliff nicht genug zu sein.

Auch wenn man es vielleicht nicht will, weckt Michaelis doch ein gewisses Verständnis für Cliffs Verhalten und das seiner Mitkämpfer im Heiligen Krieg. Sie zeigt auf, wie man in diese Abwärtsspirale geraten kann, aus der es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt. Mich hat diese Charakterstudie sehr beeindruckt.

Und natürlich hat mich auch der bildhafte, fesselnde Schreibstil von Antonia Michaelis wieder begeistert. Ich liebe ihre poetisch angehauchten Beschreibungen einfach.

Anfangs war ich zwar etwas verwirrt, weil die Erzählform immer wieder wechselt. Aber daran gewöhnte ich mich schnell. Es gibt Passagen in der Gegenwart, die in der Ich-Form aus Alains oder Cliffs Perspektive erzählt werden, sowie kurze Einschübe aus Margaretes Sicht, die sich an einen der beiden jungen Männer richten. Wird über die Vergangenheit, also die Kindheit, erzählt, so geschieht dies in der 3. Person. Durch das Hin- und Herspringen in den Zeiten mit verschiedenen prägenden Ereignissen ergibt sich schließlich ein vollständiges Bild der Charaktere.

Fazit:
„Die Attentäter“ ist meines Erachtens kein für Antonia Michaelis typisches Buch, da es doch sehr realistisch wirkt. Doch der wunderschöne Schreibstil und die tiefgründige Ausarbeitung der Figuren, die man von ihr gewohnt ist, fehlen auch hier nicht. Das aktuelle Thema geht uns alle an und unter die Haut. Ein absolut lesenswerter Roman für LeserInnen ab ca. 16 Jahren.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

3 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.2
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.3  (3)
Charaktere 
 
4.3  (3)
Sprache & Stil 
 
5.0  (3)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

ein brandaktuelles Thema

Nachdem der 4jährige Alain mit seinen Eltern nach Berlin zieht, lernt er Cliff kennen, der im gleichen Haus wohnt. Die beiden freunden ich an, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die ungefähr gleichaltrige Margarete, die auch in dem Haus wohnt, steht zwischen den Jungen.
Wir lernen als Leser die drei gut kennen, denn wir begleiten sie während des Aufwachsens. Alain ist ein netter Junge, der behütet aufwächst und keine Schwierigkeiten macht. Cliff hat immer das Gefühl, als wäre er lästig. Er weiß nicht recht, wer er wirklich ist und kann mit Problemen nicht gut umgehen. Dann muss die Trennung seiner Eltern miterleben und gerät daher aus der Bahn. Aber die Freunde stehen immer zusammen und helfen sich. Auch auf die pragmatische Margarete können die beiden Jungen bauen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und geht in ein IS-Camp. Als er zurück nach Berlin kommt, ist er verändert. Ein terroristischer Anschlag soll in Berlin stattfinden.
Sehr eindringlich werden uns hier die Jugendlichen geschildert in ihrem Denken, ihren Gefühlen und ihrem Handeln. Es kommt einem so vor, als würde man sie sehr gut kennen. Obwohl ihre Wege unterschiedlichen verlaufen, kommt es immer wieder zu Treffen und trotz aller Kontroversen bleibt die Freundschaft bestehen.
Etwas bedrückend war für mich, dass Cliffs Werdegang eigentlich vorprogrammiert war. Er begibt sich in die Fänge des IS und wir bekommen einen Einblick in seine Ausbildung und in das Kriegsgeschehen. Wir erleben mit, wie die Pläne für den Anschlag geschmiedet werden und in Anbetracht dessen, was in letzter Zeit alles geschehen ist, ist das ziemlich bedrohlich. Doch bei alledem stehen die Personen im Vordergrund.
Das Buch ist für Jugendliche geschrieben, aber es spricht garantiert auch Erwachsene an. Es ist eine packende und spannende Geschichte, die noch eine ganze Weile nachhallt.
Ein sehr empfehlenswertes Buch mit authentischen Charakteren.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Ein überaus brennendes Thema

hat sich Autorin Antonia Michaelis für "Die Attentäter" ausgesucht - leider. Denn der IS ist mittlerweile unser aller Alltag geworden, auch hier, im beschaulichen, vermeintlich sicheren Deutschland. Wie eine Radikalisierung aus unseren Kreisen heraus erfolgen könnte - das erfährt man hier in diesem Buch.

Doch zunächst geht es um die Beziehung dreier Kinder - Alain, Cliff und Margarete - die zusammen in Prenzlauer Berg aufwachsen, vor allem geht es um diese drei: seit dem Alter von vier, fünf Jahren leben sie in diesem einen Haus, werden zu Jugendlichen, zu jungen Erwachsenen.

Wobei es zwei Seiten gibt: Alain und Margarete wachsen behütet, von ihren Eltern versorgt und gefördert auf, Cliff nicht. Er hat immer den Eindruck, dass ihn niemand haben möchte auf dieser Welt, dass er allen zu viel ist, ein Klotz am Bein. Seiner Familie jedenfalls. Nicht so Alain - der im Licht stehende, Gute, der immer hilft und vor allem alles verzeiht - und Margarete, die Vernünftige, die immer alles bemerkt, teilweise schon lange, bevor es eintrifft und vor allem stets weiß, was zu tun ist.

Licht und Schatten - das ist der Rote Faden, der sich durch dieses Buch zieht und Cliff rückt immer mehr in den Schatten, wird schon früh radikalisiert, zunächst durch die Rechten, um wenige Jahre danach in den Dunstkreis des IS zu geraten, der mehr und mehr von ihm Besitz ergreift.

Es ist eine sehr, sehr tragische Geschichte, die Antonia Michaelis hier geschrieben hat und sie hat es - wie eigentlich immer - mit Kraft getan, erschreckt und demoralisiert. Vor allem der Mittelstand bekommt einen Spiegel vorgehalten, wobei ich mich aber manchmal fragte, ob es im Hinblick auf das Thema der richtige ist.

Beim Lesen durchzuckte mich wieder und wieder der Gedanke, ob dieses Buch nicht vielleicht zu früh geschrieben wurde, ob hier Ideen und Eindrücke festgehalten wurden, die eigentlich in eine ganz andere Richtung gehen. Möglicherweise wird man das Buch in ein paar Jahren lesen und die Welt darin nicht wiedererkennen, denn die Autorin geht mit ihren Thesen in eine bestimmte Richtung. Ein Wagnis aus meiner Sicht.

Wer sich hier einen Thriller erwartet, in dem der Islamische Staat und sein Einfluss in Deutschland im Vordergrund steht, der ist schief gewickelt bzw. kennt Antonia Michaelis nicht. Es sind immer die Beziehungen, die bei ihr in der vordersten Front stehen, die Individuen und ihre Entwicklungen. Ihre Stärke sind Figuren, was man auch hier wieder spürt, denn ich hatte Cliff, Alain und Margarete, aber auch ihre Eltern und den weiteren Umkreis stets vor Augen. Kopfkino, das ist es, was man beim Lesen von Michaelis-Büchern stets hat. Wobei Cliff aus meiner Sicht ein wenig überladen wirkt, nicht ganz echt, es ist zu viel, was dieser armen Figur aufgebrummt wurde, in jeder Hinsicht. Alle anderen jedoch sind klare Michaelis-Charaktere, wie ich sie seit meinem ersten Roman von ihr schätze - sie haben, wie auch immer sie gepolt sind, ihre eigenen Note.

Ich oute mich als Fan der Autorin und habe mittlerweile schon einige ihrer Romane gelesen und empfinde dieses als das bisher schwächste - wenn auch auf sehr, sehr hohem Niveau. Es ist immer noch ein tolles Buch und ein echter Michaelis. Auch diese Geschichte, in der Engel und immer wieder Vögel eine Rolle spielen - Sie merken es, Symbolik ist stets ein Thema - ist absolut lesenswert, wenn es sie auch ab und zu ein wenig überhastet komponiert wirkt - als sollte dringend ein aktuelles Thema abgearbeitet werden.

Dennoch, auf jeden Fall lesenswert, wenn auch kein Jugendbuch im eigentlichen Sinne, sondern einfach ein spannender Roman für alle, die das Thema und die vor allem Michaelis' ganz spezieller Ansatz interessiert.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
5.0

schwieriges Thema

"Obwohl sie aus grundverschiedenen Verhältnissen stammen, sind Cliff und Alain fasziniert voneinander. Zwischen ihnen steht Margarete, die beide von klein auf kennen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und verschwindet. Als er zurückkehrt, wird klar: Er soll für den IS einen „Tag des Blutes“ planen. Alain will seinen Freund retten – doch wie lange kann er noch zu ihm halten?"

An dieses Buch ging ich ehrlich gesagt mit gemischten Gefühlen ran und verbleibe auch im Nachhinein damit! Derzeit wird das Thema Terrorismus in den Medien hoch und runtergeschaukelt ... Es ist ein sehr aktuelles Thema und auch sehr brisant! Jedoch bin ich der Meinung, dass sich da die Meinungen extrem spalten und das wird auch bei diesem Buch der Fall sein ...

Ich kann nicht sagen, dass ich es schlecht fand... aber schön wäre auch der falsche Ausdruck für ein Buch mit diesem Thema... ich reihe mich hier neutral in die Mitte ein ...

Der Schreibstil von der Autorin ist wie immer sehr gut, ich mag ihre Bücher... Eigentlich hab ich dieses Buch nur gelesen, weil es von ihr ist. Wäre es von einem mir unbekannten Autor erschienen, hätte ich es vermutlich nicht lesen wollen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue