Caroline Ronnefeldt: Quendel

 
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Caroline Ronnefeldt: Quendel
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783764170776
Empfohlenes Alter

Informationen zum Buch

Seiten
446

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Als in Gebirgstälern, in die noch niemals sehr viel Licht gedrungen war, sich mit einem Mal die Schatten verdichteten, so, als habe die Sonne es nun gänzlich aufgegeben, diese klammfeuchten Orte durch ihre wärmenden Strahlen für kurze Zeit aufzumuntern und als hielte selbst der Mond es für Verschwendung seines silbrigen Glanzes, in solch düstere Ödnis hinabzuscheinen, als im Verborgenen sich Schatten langsam und unmerklich nicht länger damit begnügten, bloße Schatten zu sein, sondern etwas anderes, begann sich Unnennbares zu regen, lange vergessen und noch nicht greifbar, aber zunehmend und sich bedächtig ausbreitend, wie die schemenhaften Schwaden einer im Unsichtbaren schwelenden Brandstelle.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Die Quendel sind ein gutmütiges Volk, das sich abends am Kaminfeuer schauerliche Geschichten erzählt und für gewöhnlich nie etwas Ungeplantes tut. Doch als der selbst ernannte Kartograf Bullrich Schattenbart eines Nachts nicht nach Hause kommt, brechen seine besorgten Nachbarn auf, um ihn zu suchen – angetrieben von einem schrecklichen Verdacht: Kann es sein, dass sich der verwegene Eigenbrötler in die Nähe des Waldes Finster gewagt hat? Noch ahnt keiner, was diese Nacht so anders macht als alle anderen. Ein seltsam leuchtender Nebel öffnet die Grenzen zu einer fremden, bedrohlichen Welt. Wer die Zeichen zu lesen versteht, weiß, dass lang vergessene, uralte und grausame Kräfte zu neuem Leben erwachen …

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Zauberhafte Quendelwelt


Die Quendel sind ein Völkchen kleiner Leute, die ein einfaches Leben in ländlicher Umgebung im Hügelland führen, wie Pilze oder Pflanzen heißen, keine großen Taten vollbringen und hauptsächlich an ihren Gärten, der Familie, gutem Essen und Frieden und guter Nachbarschaft in ihren Dörfern interessiert sind. In dieser Hinsicht erinnern sie ein wenig an die Hobbits, doch sie sind etwas ganz Eigenes. Das größte Ereignis in ihren Dörfern ist das Maskenfest am Jahresende, mit dem sie dunkle Kräfte bannen und besänftigen, was aber leider in letzter Zeit mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist.

Einer unter den Quendeln, Bullrich Schattenbart, hat ein besonderes Steckenpferd: er kartographiert das Hügelland. Die von ihm gezeichnete Karte ziert das Vorsatzblatt des Buches, und dient dem Leser im weiteren Verlauf der Geschichte zur Orientierung. Hier findet man alle Orte und Wege, die eine Rolle spielen werden.

Mitten im Hügelland befindet sich der Finster: ein bislang unerforschter, verwunschener und gefährlicher Wald, in dem vor längerer Zeit schon einige Quendel auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind. Eines Tages bricht Bullrich auf, um den Finster zu kartographieren, und als er abends nicht wieder zurück ist, folgen einige Freunde seiner Spur... Diese Wanderungen werden geruhsam, gründlich und akribisch beschrieben in einer Sprache, die ihresgleichen sucht und treffend, detailreich, sehr atmosphärisch und der Sprache von Märchen, Sagen oder der deutschen Romantik nachempfunden ist. Ganz allmählich nimmt die Handlung Fahrt auf, etwas Unheilvolles nähert sich. Der Leser folgt jedem Gedanken und jedem einzelnen Schritt Bullrichs und seiner Freunde, aber ohne dass es jemals langweilig wird. Gleichzeitig wird ein zweiter Handlungsstrang aufgebaut, der räumlich getrennt vom ersten sich ebenfalls schnell vom harmlosen Alltagsleben ins Schaurig-Unheimliche wendet (und natürlich teilweise in einem Sumpf spielt).

Lange habe ich kein Buch mehr gelesen, in dem ein Autor eine mythisch-sagenhafte Atmosphäre sprachlich so genau trifft. Caroline Ronnefeldt kann präzise mit der deutschen Sprache umgehen. Sprache und Inhalt passen perfekt zusammen. Die Personen mit ihren Eigenheiten werden genau gezeichnet. Sagenelemente wie die Anderwelt, Wechselbälger, geisterhafte Wesen und die wilde Jagd werden gekonnt in die Handlung eingewoben. An den Kapitelanfängen gibt es passende Zitate aus Werken von Goethe, Eichendorff, Hoffmann und anderen.

Alles wirkt absolut stimmig, man taucht in diese Welt ein, liest mit größter Spannung und ist doch ein wenig enttäuscht, wenn man am Ende des Buches angekommen ist und vieles ungeklärt bleibt. Die Handlung bricht praktisch mittendrin ab und ist alles andere als abgeschlossen.

Wer detailreich ausgemalte phantastische Welten, eine bedächtig ausgearbeitete Handlung und ein leichtes Gruselgefühl mag, als Kind gerne Sagen und Märchen oder die Werke der deutschen Romantiker gelesen hat und mit Worten wie "Muhme" noch etwas anzufangen weiß, für den ist "Quendel" genau das richtige Buch.

Meine beiden minimalen Kritikpunkte: Das wunderschön gestaltete Coverbild und die Landkarte sind die einzigen Illustrationen. Ich hätte mir ein paar mehr gewünscht, gerade wenn ich die wunderschönen Bilder sehe, die Caroline Ronnefeldt zu anderen Büchern gezeichnet hat. Dieser Stil würde perfekt passen, genauso stelle ich mir die Welt der Quendel vor. Außerdem fehlt ein Hinweis auf das (möglichst baldige!) Erscheinen von Band 2, der hoffentlich schon bei Frau Ronnefeldt in der Schublade wartet, denn dies kann ja wohl nicht das Ende gewesen sein!

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Gruselfantasy vom Feinsten

Das Hügelland, ein beschauliches und gemütliches Fleckchen Erde, auf dem sich das Volk der Quendel breit gemacht hat und dort in Ruhe und Frieden lebt - wäre da nicht der Wald Finster, der seinem Namen alle Ehre macht und in den sich noch kaum jemand hinein getraut hat. Ausgerechnet dorthin zieht es Bullrich Schattenbart, seines Zeichens leidenschaftlicher Kartograph und bestrebt, auf seinen Karten diesen weißen Fleck auszufüllen. Nur: er kommt von seinem Ausflug nicht mehr zurück! Seine Freunde und Nachbarn machen sich auf den Weg in den Finster, um ihn zu retten und erleben die schrecklichste Nacht ihres Lebens, ebenso wie die beiden Nachbarn Pirmin und Fendel, die sich aus ganz anderen Gründen in die gefährliche Zone begeben.

Schon Cover und Namen dieses Schmökers lassen unvermittelt an Tolkiens Hobbits denken, und diese Assoziation trifft auch zu 100 % zu. Schon beim ersten Satz hatte ich das Gefühl, ich bin im Auenland und treffe auf Bilbo und Frodo Beutlin. Sowohl die Atmosphäre als auch der Sprachstil sind perfekt getroffen, so dass man fast annehmen könnte, der große Meister hat diesen Roman selbst geschrieben. Aber nein, das Buch stammt aus der Feder von Caroline Ronnefeldt, und ich empfand es beileibe nicht als abgekupfert, vielmehr als liebevolle und wohldurchdachte Hommage an Mittelerde. Noch dazu ist das Buch in seiner aufwändigen Ausstattung ein wahres Schmuckstück im Bücherregal.

Die Handlung beschränkt sich auf einen Tag im Leben der Quendel, aber dies ist eben ein ganz besonderer Tag, an dem unerwartete und schreckliche Ereignisse eintreten. Verschiedene Protagonistengruppen werden zunächst ausführlich eingeführt, was mir sehr viel Spaß gemacht hat; die detailreichen Beschreibungen der Örtlichkeiten, der Gewohnheiten und des Alltagslebens der Quendel schaffen wunderbare Bilder und auch die augenzwinkernd erzählten Eigenheiten und Macken der Quendel empfand ich als sehr unterhaltsam.

Es bleibt jedoch nicht bei dieser absoluten Wohlfühlatmosphäre. Caroline Ronnefeldt lässt ihre Protagonisten langsam aber sicher in einen Schauerroman erster Klasse eintreten, der mit vielen Elementen und Mythen des Genres spielt. Schon alleine der finstere Wald ist ein absoluter Gruselort, aber damit ist es nicht getan. Die Figuren müssen sich mit gefährlichen Mooren, unheimlichen Wesen, fliegenden Wölfen und dunklen Grabkammern auseinandersetzen; kaum ein Gruselszenerio, das dabei nicht bedient wird. Diese Wendung bringt ordentlich Thrill und Action in die Handlung, so dass sie, obwohl nur an einem Tag stattfindend, trotzdem sehr temporeich und dynamisch wirkt.

Das einzige, was man dem Roman vorwerfen kann, ist das offene Ende. „Quendel“ ist nicht in sich abgeschlossen, im Gegenteil; die Handlung endet mit einem absolut fiesen Cliffhanger. Das an sich würde mich nicht stören, aber im Vorfeld wies nichts darauf hin, dass es sich um den ersten Band einer Reihe handelt, und auch über eine Fortsetzung schweigen sich die Websites von Verlag und Autorin hartnäckig aus. Diese Kritik geht also ans Marketing und nicht an das literarische Produkt an sich, deswegen auch kein Punktabzug. Ich hoffe jedenfalls auf eine zeitnahe Fortsetzung auf gleichem Niveau.

Mein Fazit:

Eine klare Leseempfehlung an alle LeserInnen der High Fantasy und speziell an Tolkien-Fans - wer Spaß an den Hobbits und an Mittelerde hatte, wird sich hier wie zuhause fühlen und sich an dem ausgefeilten, poetischen Sprachstil erfreuen, ebenso an den gelungenen Figuren und dem zunehmenden Gruselfaktor.

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Eine fantastische Reise in zauberhafter Sprache - Leseempfehlung für High-Fantasy-Fans!

Caroline Ronnefeldt hat mit "Quendel" ein sehr fantasievolles und lesenswertes Début im Genre Fantasy verfasst, das sich zu lesen lohnt. Herausgegeben wurde das Buch, ein rechtes "Schwergewicht", im Verlag ueberreuter: Das irrlichternde und wirklich zauberhaft gestaltete Cover hat meine Neugierde auf sich gezogen, auf den Innenseiten der Buchdeckel dieses HC ist eine Landkarte mit den Orten, die von Quendeln bewohnt werden, enthalten: Schließlich ist der Hauptprotagonist Hobby-Kartograf und die Autorin ihres Zeichens Illustratiorin. Dass sie nicht nur mit Farbe und Stiften sehr gut umzugehen weiß, sondern auch "mit Worten malen kann", beweist ihre wirklich sehr schöne, dem Genre angemessenen ausgefeilte und zauberhafte Sprache, in der "Quendel" verfasst wurde!

Bullrich Schattenbart, ein Hobby-Kartograf aus Grünlohe, sitzt bei seinem ausgiebigen Frühstück (das mich zusammen mit dem Dorf und den weiteren Beschreibungen durchaus an die Hobbits im Auenland erinnerte ;) und sinniert darüber, warum es ihm noch immer nicht gelungen ist, alles zu seiner Zufriedenheit zu vermessen: So beschließt er kurzerhand (ungewöhnlich für einen Quendel, der Gemütlichkeit und Ruhe liebt, jedoch keine Abenteuer), den nahegelegenen Wald Finster aufzusuchen - oder zumindest seine Randgebiete, um die Arbeit als Kartograf endlich fertigstellen zu können....

Da er am Abend nicht zurückkehrt und zuvor noch auf dem Heckenweg Vetter Zwentibold einen Bären aufband, den dieser gerne zu Hortensia trug, einer Nachbarin Bullrichs und aus der Familie der Samtfuß-Kremplinge stammend, machen sich Zwentibold, Hortensia, Beda und ihr Sohn Karlmann sowie Hulda große Sorgen um ihn und beschließen, ihn zu suchen. Zuvor holen sie sich noch Rat beim alten Pfiffer ein, der sich der Gruppe gemeinsam mit seinem roten Kater Reizker anschließt - sicherheitshalber, denn es ist schon dunkel und die Nacht naht...

Ein anderer Erzählstrang handelt von Fendel Eichhase, der ein Nachfahre des Ästigen Porlings ist, der einst im Wald Finster verschwand.. Er ist ein rechter Trunkenbold und dies bringt ihn eines Abends nach vielen Lorchelbechern vor die Stalltüre von Pirmin, der mit seiner Frau und seinen Kindern auf die Geburt eines kleinen Stieres wartet...
Hier gibt es viel Düsterkeit und Schatten, viel Schilf und Moor, die den gruseligen Anteil dieser Fantasy-Saga deutlich erhöhen. Auch Schrecknisse aller Art und fantastische Wesen lernt man in diesem Roman kennen, vor allem aber ist immer wieder ein unheimliches "silbernes Glitzern" im Nebel zu sehen, das von nichts Gutem kündet und nicht zu dieser Welt gehört...

Die Autorin haucht den Quendeln Leben ein und versteht es ausgezeichnet, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser verzaubern: Die Bäume, die Wälder, die Natur überhaupt spielt ebenfalls eine Hauptrolle; einer Dorflinde kommt sogar eine ganz besondere Bedeutung zu. Auch gibt es zauberhafte Verbindungen zu der Welt der Pilze: "Heilige Hohltrüffel"!! ist neben anderen gängiger Ausdruck für großes Erstaunen in "Quendel-Sprache". ;) Die wundervolle Erzählweise und liebenswerten Charaktere der Quendel, die mit Hobbits durchaus verwandt sein könnten, aber auch charakterlich so manchem Menschen entsprechen und die fantastischen Beschreibungen der jeweiligen Umgebung, in der die Gruppe um den alten Pfiffer, Zwentibold, Hortensia und den anderen zahlreiche und gefährliche Abenteuer bestehen (müssen), haben mich gut unterhalten und mir sehr gefallen.

Ich kann "Quendel" allen Lesern (Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren sowie Erwachsenen) sehr empfehlen; allerdings würde ich eher ängstliche Kinder von der Empfehlung ausnehmen, da die Perspektive doch oftmals sehr düster ist. Hier hätte ich mir mehr Helligkeit gewünscht und vermisste den Fortgang der fantastischen Reisen von Bullrich wie auch von Fendel Eichhase: Diese beiden losen Erzählstränge könnten sich jedoch in einer Fortsetzung (bzw. zwei) weitererzählen lassen? Ich vergebe 4 fantastische * Sterne am Genrehimmel Fantasy und danke für spannende und schöne Lesestunden sowohl der Autorin als auch dem ueberreuter-Verlag!

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