Gina Mayer: Die Wildnis in mir

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Gina Mayer: Die Wildnis in mir
ET (D)
2011
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783522200745

Informationen zum Buch

Seiten
336

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Ich frage mich oft, was geschehen wäre, wenn ich meiner Mutter den zweiten Brief nicht gegeben hätte.

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Kontinent
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1900 - ein neues Jahrhundert ist geboren. Mit pochendem Herzen steht Henrietta an der Reling der "Gertrud Woermann". Ein unbekannter Kontinent liegt vor ihr: Afrika. In Begleitung ihrer Mutter begibt sie sich auf die weite Reise. Hinter ihr liegen Enge, Armut, Hoffnungslosigkeit. Wird sie im fernen Namibia ihr Glück finden? Frei und ungebunden ihre geheimsten Träume leben können? Ein spannender Auswandererroman und eine große Liebesgeschichte.

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Gina Mayer – Die Wildnis in mir

Die sechzehnjährige Jette lebt um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert in ärmlichen Verhältnissen in Wuppertal, alleine mit ihrer verwitweten Mutter. Über ihren Pfarrer bekommen die beiden das Angebot, nach Afrika überzusiedeln, wo Jettes Mutter einen ebenfalls verwitweten Missionar heiraten soll. Jette erwartet viel von ihrer Zukunft, ihr heimlicher Verlobter möchte ihr alsbald nachreisen und sie beide wollen sich ein Leben in Afrika aufbauen. Doch alles kommt ganz anders, als die junge Frau es sich vorgestellt hat ...

Ich habe eine Weile gebraucht, um mich in Jettes Geschichte einzulesen. Über der ganzen Geschichte liegt eine unglaublich düstere Atmosphäre, die sich erst gegen Ende lichtet, das hat mich sehr bedrückt und mir die Lektüre zunächst nicht leicht gemacht. Dennoch machen Jettes Erlebnisse so neugierig darauf, wie es weitergeht, dass man die Lektüre kaum unterbrechen mag. Jette erzählt ihre Geschichte selbst, was nicht jedermanns Sache ist, für mich aber gut funktioniert hat. Über manche sprachlichen Ausdrücke zB Neger oder Hottentotten, bin ich zunächst gestolpert, jedoch waren das zu der Zeit, zu der das Buch spielt, gebräuchliche Ausdrücke für die Afrikaner in den Kolonien, zudem geht die Autorin darauf auch noch ausführlich in ihrem Nachwort ein.

Das Buch ist sehr realistisch geschrieben, und ich konnte mich so gut einfühlen, dass ich es mehrmals am liebsten an die Wand geworfen hätte - nicht, weil es mir nicht gefallen hat, sondern weil ein Teil der Protagonisten so borniert, arrogant, grausam und unerträglich ist, dass ich es kaum aushalten konnte. Immer wieder werden Anspielungen auf die kommenden Ereignisse gemacht, so dass ich mich vom Buch selbst gespoilert fühlte. Das Ende ist wider allen Erwartens jedoch anders als befürchtet und hat wirklich gut gepasst. Anders hätte es eigentlich nicht sein können.

Das schon erwähnte Vorgreifen auf zukünftige Geschehnisse war ein kleiner Punkt, der mich persönlich an dem sonst guten Buch gestört hat - ich lese selten Klappentexte oder Diskussionen zu Büchern, die ich noch nicht kenne, weil ich mir nicht die Überraschung verderben möchte, nur hatte ich hier gar keine Chance, einer Vorwegnahme aus dem Weg zu gehen, da in der Geschichte selbst schon zu viel Inhalt vorweg verraten wird, meiner Meinung nach.

Das tut meiner insgesamt guten Meinung über das Buch jedoch keinen Abbruch, denn man kann hier ganz wunderbar verfolgen, wie aus einem egoistischen Mädchen eine deutlich gereifte junge Frau wird. Ich vergebe vier Sterne und hoffe, dass das Buch seine Leser finden wird. Ich kann mir vorstellen, dass es die Geschichte bei der momentanen Trendlage im Jugendbuchsektor schwer haben wird.

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Die 16jährige Henrietta und ihre Mutter fristen, nach dem Tod des Vaters, ein eher ärmliches Dasein in Wuppertal um die Jahrhundertwende. Nachdem das Geld für Henriettas großen Traum auch der Not zum Opfer fällt und Henrietta ihrer Mutter eine Lüge auftischt, entschließt sich diese doch nach Namibia auszuwandern und dort einen ihr bis dato fremden Mann zu ehelichen. Jedoch haben die beiden Frauen keine Ahnung von den Herausforderungen, die sie in Afrika erwarten.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Henrietta in Form einer Rückblende geschrieben. Durch diese Rückblenden erahnt man als Leser so schon ziemlich bald, dass die Geschichte keinen guten Lauf nehmen wird. Ich kann bis jetzt immer noch nicht wirklich sagen, ob ich diese Erzählweise gut oder nicht gut finde. Durch die Ankündigung von düsteren Geschehnissen, habe ich mich oft auf das Schlimmste eingestellt und war dann teilweise doch erleichtert, dass es nicht ganz so schlimm geworden ist bzw. auf vieles schon vorbereitet. Ich weiß nicht, ob ich sonst aufgrund einiger schlimmen Vorfälle viel geschockter gewesen wäre!

Henrietta ist ein 16jähriger Teenager und das merkt man. Man merkt jedoch auch anhand der Rückblenden, dass Henrietta erwachsen geworden ist bzw. erwachsen werden musste und im Nachgang viele Dinge von sich selber viel kritischer sieht und sich selber auch schonungslos verurteilt. Gleichzeitig muss man jedoch sagen, dass auch ihre Mutter nicht immer so reagiert, wie man es sich wünschen würde und die oft fehlende oder falsche Kommunikation zwischen den Beiden hat mich oft hilflos den Kopf schütteln lassen. Gleichzeitig spiegelt natürlich das Verhalten erstens sehr gut die Charaktere wieder und zweitens die damaligen Auffassungen zum Thema Umgang mit Kindern.

Die Umgebung in Wuppertal und dann schließlich vor allem Afrika sind sehr gut und sehr detailliert beschrieben. Gerade das Erblühen der Pflanzen nach dem großen Regen wurde so wunderbar geschildert, dass ich alles bildlich vor mit sehen konnte und an diverse Dokumentarfilme darüber erinnert wurde! Sehr gut hat mir auch die Entwicklung von Henrietta und die detaillierte Beschreibung von Petrus gefallen.

Ein großes Thema, dass ganz klar und sehr gut thematisiert wurde, ist die Rassentrennung und das Denken der Weißen, das sie etwas Besseres als die Schwarzen seien. Auch Henrietta hat dieses Gedankengut, macht jedoch im Laufe des Buches eine große Entwicklung durch und sieht schließlich doch ziemlich viele Dinge sehr kritisch und anders. Es ist immer wieder erschreckend mit welcher Arroganz die Weißen das Land an sich gerissen und die ursprüngliche Bevölkerung gedemütigt bzw. von oben herab behandelt haben. Gerade wegen diesem Thema finde ich es sehr gut, dass das Buch als Jugendbuch geschrieben wurde und hoffe, dass es viele Jugendliche zum Nachdenken anregen wird.

Die Sprache ist entsprechend eines Jugendbuches relativ einfach gehalten, Fremdwörter werden gleich erklärt und es liest sich sehr schnell weg. Nur der Inhalt des Buches ist teilweise nicht so leicht zu verdauen und eine gewisse depressive Grundstimmung hat mich das gesamte Buch über gefangen gehalten. Das Ende macht zwar zum Teil Hoffnung, ist aber zum Teil auch sehr hart, nur leider das einzig realistische Ende, das sein konnte.

Alles in allem ein gutes Buch, dass mich stark zum Nachdenken gebracht und mich noch lange beschäftigt hat.

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Buch mit viel Atmosphäre

Henrietta ist nach dem Tod ihres Vaters ganz schön auf sich alleine gestellt, ebenso wie die Mutter. Die beiden leben zur vorletzten Jahrhundertwende in einem ärmlichen und stark pietistisch geprägten Stadtteil Wuppertals. Nachdem der große Traum der 16jährigen Henrietta, ebenso wie der Vater eine Lehrerausbildung zu machen, platzt, da die Mutter das hierfür gesparte Geld schlicht zum Überleben brauchte, nimmt noch mehr Tragik seinen Lauf. Um der tristen Aussicht auf dem Nachbarhof zu entgehen, erfindet das Mädchen eine Notlüge, die ihre Mutter und sie selbst in weitere Schwierigkeiten bringt. Mutter und Tochter wandern nach Namibia aus, ohne die geringste Ahnung zu haben, auf was sie sich dort einlassen...

Gina Mayer hat mit diesem Buch wieder einmal ein sehr atmosphärisches Buch geschrieben, bei dem ich mich sehr gut in die überaus schwierige Lage Henriettas einfühlen konnte. Mir war dieses Mädchen auf Anhieb sympathisch, obwohl sie kein einfacher und vor allen Dingen kein fehlerfreier Charakter ist - aber das wäre auch viel zu einfach. Henrietta und ihre Mutter sind Gefangene der damaligen Umstände; die eine wagemutiger und forscher, die andere nimmt sich selbst so sehr zurück, dass es einem schon fast wehtut. Beide sind von ihrer Zeit geprägt - vom unabänderlichen Glauben an Gott, einem unfassbar grausamen Rassismus, der in den Kolonien herrscht, und dem Sexismus, der allgegenwärtig ist. Henrietta begegnet dabei immer wieder Menschen, die besonders von einer dieser menschenverachtenden Ansichten betroffen sind und sie versucht durchaus, ihre eigenen Ressentiments zu überwinden - aber letzten Endes werden ihr die Grenzen der damaligen Zeit nicht nur einmal aufgezeigt.

Im Übrigen ist die Sprache der Figuren im Buch folgerichtig so, wie sie es damals war. Das bedeutet, dass rassistische Begrifflichkeit und Bezeichnungen im Gebrauch sind - aber nicht ohne eine Erklärung in Fußnoten. Auch wenn ich immer wieder schlucken musste, so finde ich dies sehr gut - wenn ich mir überlege, dass vor einigen Jahren solch verachtende Worte wie Neger völlig üblich waren (und auch heute noch genügend Unverbesserliche zu diesen greifen)... Gerade Jugendliche sind da ja immer wieder völlig unüberlegt - oder einfach nur bescheuert - und benutzen solche Beschimpfungen einfach ohne zu wissen, was dahinter steht.

Die meisten Entwicklungen, die Henrietta während der Geschichte nimmt, haben mir jedenfalls sehr gefallen und kamen mir zu keinem Zeitpunkt unrealistisch für die damalige Zeit vor - was übrigens für die ganze fortlaufende Geschichte gilt. So bleibt eigentlich nur zu sagen, dass dieses Buch von Anfang bis Ende super gelungen ist. Ich wünsche ihm jede Menge jugendliche LeserInnen, ebenso wie erwachsene. Denn zu solch einem Thema gibt es - jenseits zahlreicher Eskapismus-Schinken - leider viel zu wenig Romane! Zudem ist es so toll geschrieben, dass es sich nicht in einem Jugendbuchregal zu verstecken braucht.

Die Erwachsenenromane der Autorin sind noch etwas dichter, haben mehr Personal und einfach ein paar Wendungen mehr. Nichtsdestotrotz finde ich, dass dieses Buch aufgrund seiner Altersfreigabe nicht hinter den anderen zurückstehen soll. Es ist für Jugendliche und eben auch für Erwachsene, die nicht vor Jugendliteratur zurückschrecken - aber eben auch nicht vergessen sollten, dass Die Wildnis in mir ab 13 Jahren gelesen werden kann.

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Ich liebe die Romane von Gina Mayer, die immer in einer schönen und bildhaften Sprache geschrieben sind. Auch wenn sie hier nach meinem Empfinden insgesamt ein bisschen einfacher gehalten ist, als in den Erwachsenenbüchern, so macht das ihrer Intensität keinen Abbruch. Die Worte berühren und wecken Emotionen und lassen dabei ein lebendiges Bild der handelnden Personen vor den Augen entstehen.

Und dieser Roman weckt sehr viele Emotionen. Besonders durch die erniedrigende und würdelose Behandlung der afrikanischen Bevölkerung durch die Weißen. Da kochte sehr oft die Wut in mir hoch. Gina versteht es sehr gut, die überhebliche und ignorante Einstellung der Weißen rüberzubringen, gleichzeitig damit aber auch zu zeigen, wie normal dies damals einfach war. Dazu gehört auch, dass man für die heutige Zeit abwertende Worte wie Neger, etc. im regelmäßigen Wortschatz der Protagonisten findet. So findet sich diese Einstellung auch in Henrietta wieder, wenn auch in viel schwächerer Form, da sie sowieso schon ein rebellischer Typ ist, der sich eigene Gedanken macht, und mit der Zeit auch aus der Entwicklung der Geschichte heraus eine andere Einsicht erhält. Trotzdem musste ich anfangs immer mal wieder über ihre Worte oder ihr Verhalten schlucken, auch wenn sie dadurch natürlich sehr authentisch wirkte und ich sie ja sehr mochte.

Überhaupt machte es mir Henrietta anfangs nicht leicht. Sie wirkte etwas egoistisch und mir tat es manchmal leid, wie sie ihre Mutter behandelte oder sogar am liebsten verleugnete, auch wenn ich ihre Gründe dafür verstehen konnte. Doch ist auch die Mutter ein Opfer ihrer Zeit und hat im Gegenzug zu Henrietta nicht den Ehrgeiz, ihre Situation zu verändern. Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Verständnis ihr gegenüber gewünscht, andererseits ist Henrietta ein junges Mädchen, dass sich freischaufeln und ihr eigenes Leben nach ihren Vorstellungen führen will und dies ist ja auch das, was sie schließlich antreibt und den gefährlichen Weg durch das fremde Land gehen lässt. Und diese Entwicklung als Leser zu verfolgen, war sehr schön.

Ihr enttäuschendes Leben in der Mission, ihr Zusammenleben mit Einheimischen, die gefahrvolle Flucht durchs Land und die Natur, die Zusammentreffen mit unterschiedlichen Menschen unterwegs, die Wiedersehen mit Bekannten vom Schiff und schließlich die Entscheidung über ihre weitere Zukunft, werden fesselnd und spannend geschildert. Andeutungen über die Zukunft zeigen zwar überwiegend ein eher düsteres Bild und verstärken die eher bedrückende Stimmung, die über der Geschichte liegt, doch zogen sie mich auch von Seite zu Seite, weil ich unbedingt wissen wollte, warum dies und jenes wohl so kommen wird. Aber auch wenn das Thema eher traurig ist, gibt es auch kleine schöne Momente und ein Ende, das auch wieder ein neuer versöhnlicher Anfang ist.

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