Bewertungsdetails

Kinder- & Jugendbücher 2995
Bestimmen unsere Gene, wer wir sind?
Gesamtbewertung
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert
 
4.0
Charaktere
 
3.0
Sprache & Stil
 
5.0
In nicht allzu ferner Zukunft wird es Gentests geben: Gentests, die überprüfen, ob jemand ein sogenanntes "Mördergen" (Homicidal Tendency Syndrome, abgekürzt: HTS) in sich trägt und damit seinen Mitmenschen potenziell gefährlich werden kann. Davy ist ein musikalisches Wunderkind, hat einen tollen Freund, steht kurz vor dem Highschoolabschluss und freut sich schon darauf, bald an der berühmten Musik- und Schauspielschule Juilliard studieren zu dürfen - doch dann wird bei ihr das Mördergen festgestellt und ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt.

Sophie Jordan gelingt es schnell, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Gemeinsam mit Davy erlebt man ihre Diagnose und die Reaktionen ihrer Umwelt darauf. Das Buch lässt sich angenehm und flüssig lesen und nach jedem Kapitel ist eine Seite zu finden, die zusätzliche Informationen oder Statistiken über HTS und die Pläne der Regierung liefert.

Wie in vielen Jugend-Dystopien gibt es auch hier mit Davy eine etwas naive, weibliche Hauptperson, die von der Geschichte eher mitgerissen wird, als selbst wirklich zu handeln. Zum Glück passt der schöne, liebe und kurz gesagt einfach perfekte "Bad Boy" Sean, der ebenfalls ein HTS-Träger ist, auf sie auf. Auch die anderen Figuren wirken bei näherem Hinsehen ziemlich eindimensional: der Versager-Bruder Davys, der für seine (nun ebenfalls zukunftslose) Schwester einsteht; die reichen aber machtlosen Eltern; die BFF, die sofort nach der Diagnose Stimmung gegen Davy macht, um in der Clique deren Position einzunehmen; die Träger, die sich so gewalttätig verhalten, wie es die Gesellschaft von ihnen erwartet und die anderen Träger, die genau so niemals werden wollen.

Die etwas schwachen Charaktere wurden durch spannende Szenen und eine rasante Zuspitzung der Situation jedoch mehr als ausgeglichen. Die Grundidee und auch die Umsetzung des Buches hat mir gut gefallen, auch wenn im Laufe der Handlung immer mehr Parallelen zum Dritten Reich und der damaligen Verfolgung bestimmter Personengruppen deutlich wurden. Hier hat sich die Autorin für meinen Geschmack vielleicht etwas zu sehr bei der Geschichte bedient. Andererseits bekommt man so einen guten Einblick in die Lage der Opfer einer solchen Verfolgung und kann miterleben und mitfühlen, was das für sie bedeutet.

Das Buch regt sehr zum Nachdenken und Diskutieren an. Bestimmen die Gene, wer wir sind, oder doch die Umwelt? Was wäre, wenn es solche Tests wirklich gäbe? Macht man durch eine Ausgrenzung der Träger evtl. einfach alles nur noch schlimmer oder schützt man so die Gesellschaft vor ihnen? Wie würde man selbst sich in Davys Lage fühlen?

Ein Buch, dass man zwar in einem Rutsch lesen kann, dass aber doch nachhängt und einen nicht mehr loslässt. Für alle Fans von Dystopien! Achtung: Es wird einen zweiten Band geben, das Ende dieses Buches ist dementsprechend sehr offen gehalten.
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