Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

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Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo
ET (D)
2016
Ausgabe
E-Book
ISBN-13
B01M71ZC5U

Informationen zum Buch

Seiten
349

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Wir sind uns einig, dass wir all das nicht sehen wollen, und starren gegen Sichtschutzplanen, die uns dreist jeden Blick verwehren.

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Handlungsort

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Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan.
Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier?
Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.

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Ein tolles Jugendbuch, durchaus auch für Erwachsene lesenswert

Zitat:
Den Krieg interessiert es nicht, ob du vorher arm oder reich warst. Am Ende bist du ein Bettler. (S. 81)

Inhalt:
Als die sechzehnjährige Antonia, genannt Toni, mit ihrer Familie aus dem Urlaub zurückkommt, muss sie erst mal schlucken. Schräg gegenüber in dem leerstehenden Tennisclub wurden quasi über Nacht Hunderte von Flüchtlingen untergebracht. Die Familie ist darüber alles andere als glücklich, jeder auf seine Art. Toni musste vor Jahren miterleben, wie ihr Vater von ausländisch aussehenden Männern zusammengeschlagen wurde. Die Angst sitzt ihr immer noch in den Knochen.

Doch ihre beste Freundin Fee überredet sie, sich das Flüchtlingscamp von innen anzusehen. Als sie die Menschen dort kennenlernt, kann sie ihre Bedenken immer mehr in den Griff bekommen. Aber nun muss sie einen Spagat hinlegen zwischen ihrer Mithilfe im Camp und ihrer Sympathie für die Asylbewerber und den Vorbehalten ihrer Familie, die ihr nie erlauben würde, sich dem Flüchtlingscamp auch nur zu nähern …

Meine Meinung:
Jennifer Benkau schafft es hier mit Leichtigkeit, den jugendlichen Leser*innen sowohl eine spannende und gefühlvolle Geschichte als auch jede Menge Hintergrundwissen zu präsentieren. Denn vor allem in Gesprächen mit dem Syrer Shirvan erfährt Toni viel über dessen Land, über den Bürgerkrieg, der das Land zerstört und über die beschwerliche und gefährliche Flucht, Aber auch die Folgen dieser Traumata werden sichtbar. Was diese Menschen erlebt haben und mitmachen mussten, kann nicht ohne gravierende Folgen bleiben.

Die Autorin lässt aber auch die Asylgegner zu Wort kommen. Deren Argumente hat jeder wohl schon zigmal gehört. Besser werden sie dadurch allerdings nicht. Und in Gestalt von Toni entkräftet Benkau jedes einzelne.

Dass Toni und Shirvan sich schließlich verlieben, erschien mir fast zwangsläufig. Die Entwicklung der Gefühle wird dabei einfach wunderbar dargestellt. Es ist eine zarte, eine zerbrechliche und doch unausweichliche Verbindung zwischen den beiden. Einfach schön!

Normalerweise schreibt Jennifer Benkau ja Fantasy. In diesem Roman jedoch ist nichts erfunden. Die Autorin hat lediglich manche zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge geändert, damit sie in die Handlung passten. Unendlich viele Gespräche mit Flüchtlingen, Helfern, aber auch Asylgegnern sind in dieses Buch mit eingeflossen und lassen es sehr authentisch wirken.

Fazit:
„Es war einmal Aleppo“ ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, bietet aber auch jede Menge Informationen zum Thema Flüchtlinge und Syrien. Gerade für die Zielgruppe der Jugendlichen, die nicht politisch interessiert sind und sich vielleicht noch nicht so sehr mit diesem Thema befasst haben, ist das Buch ein Gewinn. Aber auch für ältere Leser*innen ist es absolut lesenwert.

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#1 Rezensent
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Verständnis für andere aufbringen und Toleranz zeigen

Die 16-jährige Antonia verbringt den Familienurlaub mit Eltern und Bruder in einem Ferienhaus ohne Internet und Fernseher. Kein Kontakt zu ihren Freundinnen zu haben, bedeutet auch keine Nachrichten aus ihrer Heimatstadt mitzubekommen. Doch irgendwann ist auch der schönste Urlaub vorbei und die vier kehren zurück. Was sie zu Hause vorfinden, versetzt sie in Angst und Schrecken, denn der ehemalige Tennisclub in direkter Nachbarschaft wurde zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Hunderte Asylbewerber sind dort untergebracht, einzig mit einem Sichtschutzzaun von der guten deutschen Wohngegend getrennt.

Während sich Anonias Vater und Bruder in das ganze hinein steigern und Stimmung dagegen machen, wird die skeptische Antonia kurzerhand von ihrer besten Freundin Fee als ehrenamtliche Helferin ins Camp geschleppt. Dort findet sie schnell Kontakt zu den Menschen, vor denen sie doch eigentlich Angst haben müsste. Schließlich freundet sie sich sogar mit dem 18-jährigen Shirvan an, einem Geflüchteten aus Aleppo. Je mehr er sie durch seine Erzählungen in seine Welt eintauchen lässt, umso mehr gerät ihr bisheriges Weltbild ins Wanken.

Jennifer Benkau hat in "Es war einmal Aleppo" ihre eigenen Begegnungen mit Geflüchteten verarbeitet. Über ein Jahr lang redete sie mit Betroffenen, stellte ihnen Fragen und arbeitete selbst ehrenamtlich in einer Notunterkunft. Natürlich begegnen wir in dem Buch allen gängigen Vorurteilen: Den Wertverlust von Immobilien, die Angst vor Einbrüchen und Belästigungen. Bekannter Stoff, vor allem, wenn man selbst in dem Thema verortet ist.

Die Autorin macht aus den Geflüchteten Menschen mit einer eigenen Stimme und transportiert jugendgerecht politisches Hintergrundwissen. So hunderprozentig gelingt ihr das leider nicht. Manchmal wirkt Buch sogar eher wie die sachliche Bündelung vieler Informationen unter dem Motto "Flüchtlingskrise und Fremdenhass in Deutschland". Dialoge laufen häufig nach einem bestimmten Schema ab: Vater oder Bruder hauen ein Vorurteil raus, Antonia entkräftet es fast unverzüglich und souverän. Also genau das, was man in den Kommentarspalten unserer Presse lesen kann. Da die 16-Jährige vorher aber keinerlei politische Ambitionen hatte, wirkt dies leicht holprig.

Trotzdem: In Zeiten, in denen Fremdenhass auf fruchtbaren Nährboden fällt, wünsche ich diesem Buch viele aufmerksame Leser und Leserinnen. Jennifer Benkaus Lösung ist so richtig wie banal: Verständnis für andere aufbringen und Toleranz zeigen. Mehr braucht es doch eigentlich gar nicht, oder?

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Prädikat Wertvoll!

Ich hatte das große Glück, das Buch in einer Autorenbegleiteten Leserunde zu lesen zu können.
Das war gut so, denn dadurch erlebt man das Buch noch intensiver, als das Buch so schon wäre.
Die Autorin hat es geschafft, ihr Wissen, durch eine 14 monatliche Recherche zu dem Buch, durch Interviews, das Arbeiten in einer Notunterkunft oder durch geführte Gespräche, in eine Geschichte zu verpacken, die sich zum einen super gut und spannend lesen lässt.
Zum anderen bringt es Informationen über die Menschen, die Schicksale hinter den „Flüchtlingen“, das viele politischen Hintergrundwissen, was man nicht über die Medien erfährt.
Denn bei Buch merkt man, eben wie wenig man wirklich weiß.
Die Geschichte, die erzählt wird ist authentisch, da ist nichts übertrieben, sondern das sind die Schicksale der Flüchtlinge. Es ist harte Kost, es war für mich teilweise schwerer zu ertragen, als ein knallharter Psychothriller und ich habe mich fremdgeschämt in manch einer Szene.
Aber das Buch wirkt aufrüttelnd, dass man einfach mal aus seiner Denkweise ausbrechen , mal über den Tellerrand zu schauen, mal mehr toleranter zu sein sollte
Das Buch hat mich ein paar Schlaflose Nächte gekostet, denn auf der einen Seite musste ich das viele gelesene, durch den Austausch mit der Autorin, die wirklich viel sehr viel Hintergrund wissen mit eingestreut hat, verarbeiten. Zum anderen wollte ich über das Gelesene reden, wollte mich austauschen, meinen Unglauben über manche eine Behandlung Luft machen, wollte mir Trauer und Kummer von der Seele schreiben…
Die Geschichte wird aus Sicht von Antonia, genannt Toni geschrieben. Sie ist 16 und von Ihren Eltern zu einem toleranten, hilfsbereiten, mutigen Mensch erzogen worden, der sich auch gegen den Willen der Eltern, über den Zaun blickt, dort Missstände entdeckt, der anpackt und hilft. Sie hat mir super gut gefallen und Sie war wunderbar charakterisiert.
Ihr an der Seite steht ihre beste Freundin Fee, mit der sie zusammen einen Blog betreibt und hier auch mit Bildern und Beiträgen öffentlich macht, was da hinter der Absperrung zu dem in eine Notunterkunft umgewandelten Tennisanlage vor sich geht.
Gemeinsam machen sie sich stark, machen auf Defizite aufmerksam, sammeln Spenden, machen das Leben der Flüchtlinge etwas erträglicher und unterstützen die Haupt-Organisatorin in der Flüchtlingsunterkunft soweit sie dazu in der Lage sind.
Shirvan, ist einer der Flüchtlinge und steht in diesem Buch einfach stellvertreten für die 1000 die bei uns Asyl und eine Zukunft suchen. Er hat eine lange Flucht voller Schmerzen, Hunger, Entbehrungen, Angst, Wut hinter sich. Er ist sympathisch, selbstlos, hilfsbereit, sehr geduldig mit jedem und allem, ob die kleinen Kinder im Camp oder mit Antonia, die ihn neugierig ausfragt, mehr wissen will.
Durch seine Erzählungen wird das Buch zu dem was es ist. Ich hatte beim Lesen, den Eindruck selbst vor ihm zu sitzen, ihm zu lauschen und mit ihm zusammen die schlimmen, traumatischen Erlebnisse nochmal zu durchleben und wie ich vorhin sagte, habe ich mich wirklich für manche Behandlung, fremdgeschämt.

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Dieser Roman hat etwas zu sagen!

Flüchtlinge sind Sozialschmarotzer
Flüchtlinge sind Terroristen
Flüchtlinge dürfen nichts besitzen, sonst sind sie nicht bedürftig
Flüchtlinge werden Ärger machen
Flüchtlinge passen nicht in unsere hiesige Kultur

Dieses Buch lässt keine Stammtischparole unbeantwortet. Wi schlüpfen in die Rolle von Antonia, einer typisch deutschen Jugendlichen, die ein behütetes Leben führt. Und eines Tages kommt Antonia nach Hause und wird vor vollendete Tatsachen gestellt- gleich gegenüber ist eine Unterkunft für Flüchtlinge.
Diese Situation ist etwas, was einigen tatsächlich bekannt vorkommen dürfte- in der Tat mussten im letzten Jahr von heute auf morgen Notunterkünfte bereit gestellt werden, die wie PIlze aus dem Boden schossen. Soweit kein Problem- nur vertraten manche die Ansicht: Gerne, aber nicht vor meiner Tür. In diesem Jugendbuch geschieht genau das, und noch schlimmer: Antonia kann nicht die Augen davor verschließen und sich in die sehr kritische Meinung ihrer Familie hüllen. Nein, ihre beste Freundin nimmt sie mit ins Camp und dort hat das Mädchen dann die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen.
Die Autorin schreibt tatsächlich sehr differenziert, denn es gibt durchaus Klärungsbedarf oder kulturelle Unterschiede, Konflikte oder Schwierigkeiten. Doch vermag sie es, hinter diese Dinge zu blicken, die im Endeffekt eigentlich eher Symptome eines größeren Problems dahinter sind. Ich mochte es sehr, dass sie kein Blatt vor den Mund nahm und gnadenlos sämtliche Klischees und Parolen ans Tageslicht zerrte, um sie dort hemmungslos zu zerpflücken. Ihr gelingt das so vollendet und kompromisslos, dass man sich am Ende fragt: Wie konnte ich diesen dummen Aussagen nur so vorbehaltlos glauben oder sie überhaupt nur in Erwägung ziehen?
Gekleidet wird das ganze in eine Bekanntschaft zwischen Antonia und einem jungen Flüchtling, Shirvan. Ich fand es sehr klug einen solchen Protagonisten einzuführen, denn seine Erzählungen machen die Hintergründe der Flucht und des Krieges weniger abstrakt. Das Ganze bleibt sonst- seien wir ehrlich- recht nebulös durch die wenigen Informationen, die man hierzulande von den Zuständen bekommt.
Ein rundum gelungener Jugendroman, der sich auch für alle anderen Altersklassen eignet und vor allem auch für alle, die sich noch nicht so ganz sicher sind, was sie von der aktuellen Situation in Deutschland halten sollen. Und der gerade heute wirklich wichtig ist; ein Roman, der etwas zu sagen hat. Wegen mir könnte und sollte er gerne Schullektüre werden.

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