Kenneth Oppel: Affenbruder

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Kenneth Oppel: Affenbruder
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Half Brother
ET (Original)
2010
ISBN-13
9783407812063

Informationen zum Buch

Seiten
439

Sonstiges

Originalsprache
kanadisch-englisch
Erster Satz
So haben wir Zan bekommen.

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Handlungsort

Handlungsorte
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In diesem Roman erzählt Kenneth Oppel von einem ungewöhnlichen Tierversuch, der die ethischen Grenzen der Wissenschaft überschreitet – und eine Familie auf die Probe stellt. Als Zan in die Familie Tomlin kommt, ist sich Ben sicher: Seine Familie ist die verrückteste der Welt! Denn Zan ist ein Schimpansen-Baby, mit dem eine Studie durchgeführt wird: Zan soll Zeichensprache lernen. Schon bald herrscht bei den Tomlins großes Affentheater. Zan wird für Ben zum »richtigen« Bruder, den er über alles liebt und zu dem er eine enge Beziehung aufbaut. Als Zan die Erwartungen nicht erfüllt und von der Uni weiterverkauft wird, erlebt Ben die zweischneidigen Seiten von Tierversuchen und fragt sich verzweifelt: Wie weit darf die Wissenschaft Zan für ihre Zwecke einsetzen?

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Ein Buch, das nachhaltig beschäftigt

Die Hauptperson des Buches ist in meinen Augen Ben und nicht der Schimpanse Zan. Für Ben ist dieses Projekt eine große Umstellung. Er muss umziehen, kommt in eine neue Schule, muss neue Freunde finden und bekommt einen ungewöhnlichen kleinen Bruder. Bens Gedanken und Gefühle machen einen Großteil der Handlung aus. Man erlebt als Leser mit, wie es für ihn ist, sich in dieser neuen Situation zurechtzufinden und wie Zan für ihn immer mehr zum Bruder wird. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige Beziehung.

Doch schnell wird klar, dass das nicht allen Familienmitglieder so geht. Während Bens Mum immer mehr in ihre Mutterrolle hineinwächst, bleibt Zan für Bens Vater immer ein Projekt. Er ist für ihn ein wissenschaftliches Experiment, das der Forschung und seiner Karriere dient.
Von Anfang an hatte das Buch für mich dadurch einen beklemmenden Unterton, weil ich ständig darauf gefasst war, dass die Handlung eine unschöne Wendung nimmt.

Mit der Schilderung dieses Projektes zeigt der Autor, wie schnell vergessen wird, dass es sich bei Zan um ein Tier handelt. Für die einen ist er fast wie ein Mensch, für die anderen nur ein wissenschaftliches Studienobjekt. Bei seinen Schilderungen bleibt Kenneth Oppel jedoch in einem erträglichen Rahmen und reizt die Dramatik nicht bis zum letzten aus. Trotzdem hat mich die Lektüre sehr berührt und mir einmal mehr bewusst gemacht, wie grausam Menschen sein können.

Es geht jedoch nicht nur um Bens Erlebnisse mit Zan, sondern auch um innerfamiliäre Spannungen und das Leben und Leid eines Teenagers in seiner neuen Umgebung. Dadurch wird die Geschichte etwas aufgelockert.
Am liebsten habe ich aber die Abschnitte rund um Zan gelesen, da diese immer voller Leben und spannender waren.

Angesiedelt ist die Handlung in den 70er Jahren, in denen Sprachexperimente mit Primaten für einiges Aufsehen sorgten. Wenn Ben sich mit seinen Freunden Musik von ABBA anhört und über das neueste Album gesprochen wird, fühlt man sich in diese Zeit zurückversetzt, falls man sie (wie ich) selbst erlebt hat.

Anfangs fiel es mir noch leicht, die Lektüre zu unterbrechen, doch je mehr es um Zan ging, umso mehr hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen. Zum Ende hin konnte ich es kaum noch aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte ausgeht.

Fazit: Ein Buch, das berührt und nachhaltig beschäftigt.

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Sehr bewegendes Jugendbuch vor wahrem Hintergrund!

Victoria, Kanada, irgendwann in den frühen 70ern.
Ben Tomlin ist gerade 13 Jahre alt geworden, als seine Eltern das, wenige Tage alte Schimpansenbaby Zan adoptieren. Seine Eltern sind Wissenschaftler und Zan ein wichtiges Projekt der dortigen Universität. Bens Vater, ein Verhaltenspsychologe, möchte erforschen, ob es möglich ist, dass Menschenaffen die menschliche Sprache erlernen. So wird Zan in der Familie wie ein Menschenkind aufgezogen und in Zeichensprache unterrichtet.
Für Ben wird er mehr und mehr zu einem wirklichen Bruder, es entwickelt sich eine enge und liebevolle Beziehung.
Für Professor Tomlin bleibt Zan jedoch ein Forschungsprojekt, er nimmt nicht wahr, wie abhängig der fremdaufgezogene Menschenaffe von der Zuneigung seiner Familie ist.
Als Zan ein halbes Jahr alt ist und erste bemerkenswerte Fortschritte zeigt, wird er für die Arbeit an den Sprachexperimenten immer öfter von der Familie getrennt und den studentischen Angestellten der Universität überlassen. Ben merkt, dass es seinem Affenbruder dabei nicht gut geht und dass Zan viel schneller und besser lernen würde, wenn man mit ihm spielt und sich ihm zuwendet. Schließlich war sein erster Satz zu Ben: „Gib Umarmung“.
Zan kann aber nicht ewig bei der Familie Tomlin bleiben, es wird größer, stärker – das Projekt der Universität wird beendet. Ben kommt damit nicht klar … Zan ist sein Bruder geworden, er
liebt das Schimpansenkind, fühlt sich verantwortlich ...

Zans Geschichte macht sehr nachdenklich. Ist es ethisch vertretbar, einem Tier sein Junges zu stehlen, es aufwachsen zu lassen wie einen Menschen und es dann nur als „Forschungsmaterial“ oder „Versuchsstier“ zu sehen?
Eine wertvolle und sehr emotionale Lektüre zu einem unerschöpflichen Thema, wenn man bedenkt, wo überall immer Tierversuche stattfinden. ( wenn auch weniger an Primaten )
Neben diesem ernsten Thema wird sehr stimmig die Gefühlswelt des heranwachsenden Ben erzählt, der sich in die gleichaltrige Jennifer verliebt. Das Besondere: man befindet sich in den 70ern, der Zeit der Schlaghosen, Hippies, Led Zeppelin und Abba, der BMX Räder und allem, was cool war, damals, als die eigenen Eltern noch Teenager waren.

Die Geschichte des sehr bewegenden Jugendbuchs bewegt sich vor einem wahren Hintergrund. Die 70er Jahre waren die Ära der Sprachforschung bei Primaten, es wurden viele Erfolge erzielt, so hat ein Schimpanse weit über 200 Zeichen erlernt und ein Pärchen die erlernte Fähigkeit der Zeichensprache damals sogar an ein Junges weitergegeben. Der derzeit bekannteste Primat der Sprachforschung ist die Gorilladame Koko, die über 1000 Zeichen beherrscht.
Der Linguist Noam Chomsky, der auch in Affenbruder zitiert wird, stellte jedoch die These in den Raum, dass nur der Mensch zu echter Sprache fähig ist und nach bestimmten Regeln sinnvolle Wortfolgen bilden kann, wirklich kommunizieren kann. Primaten würden nur antrainierte Verhaltensweisen zeigen, um Liebe und Essen zu erbetteln.
Dennoch wurde beobachtet, wie die tierischen Probanden kreativ mit Sprache umgehen lenrten, mit ihren beschränkten Mitteln eigene Wörter schufen und die Gebärdensprache ihren eigenen Jungen lehrten.
Bis heute scheiden sich in der Primatenforschung bezogen auf die Lunguistik die Geister – am Ende geht es aber nur um die Definition von Sprache. Denn versändigen können sich Primaten so mit uns Menschen auf jeden Fall!

Das nunmehr 33 Jahre anhaltende Projekt Koko hat Erstaunliches zu Tage gebracht. Auf die Frage : „Was ist der Tod?“ antwortete der Gorilla mit drei Zeichen "Gemütlich - Höhle - auf Wiedersehen."

Interessante Artikel zum Hintergrund der Sprachforschung mit Menschenaffen:
http://www.spiegel.de/einestages/sprachexperimente-mit-primaten-a-947322.html
http://www.zeit.de/2005/20/A-Tiere

Allgemein zum Thema Tierversuche muss ich diesen Film erwähnen, der alle Seiten ehrlihc beleuchtet. Jahrelang wurde ein Medikament gegen HIV Infektionen an Primaten in Isolationskäfigen getestet, die im Alter die Gelegenheit bekamen erstmals aus ihrem Käfig in ein Gehege zu treten, zum ersten Mal den Himmel gesehen haben. Die Kamera des Dokumentarfilmers hat diesen Moment eingefangen.
Die Schimpansen, die nicht wissen konnten, wie es sich anfühlt – Sonne, Himmel, Luft – haben geweint vor Glück, sich gegenseitig umarmt ... Dieser Film sagt eigentlich zum Thema Tierversuche.
Hier der Link zur Webseite:
http://www.unter-menschen.de/

Dieses Buch ist eine ganz klare Leseempfehlung für Jugendliche, allerdings, trotz leichter flüssiger Schreibweise wegen der doch sehr ernsten Thematik keine leichte Kost, ich musste beim Lesen an einigen Stellen schlucken. ( meine Altersempfehlung ab ca. 12 Jahren )

verdiente 5 Sterne !!!

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Tolle Idee, mittelmäßige Umsetzung

Das Buch "Affenbruder" stammt aus der Feder des für seine Fledermaus-Saga bekannten Autors Kenneth Oppel und wurde bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet. Es geht um eine Familie, die zu Forschungszwecken einen Babyschimpansen bei sich aufnimmt und ihn wie einen Mensch erziehen und ihm Zeichensprache beibringen möchte. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Teenagers Ben, der dem Ganzen erst kritisch gegenübersteht, später jedoch den Schimpansen Zan als kleinen Bruder ins Herz schließt.

Der Schreibstil ist gewohnt leicht lesbar und für die jugendliche Zielgruppe gut geeignet. Auch als Leser fiebert man mit der Familie mit, ob das Experiment wohl gelingen wird und wie sich Zan weiter entwickelt. Zwischenzeitlich ging es mir ein bisschen viel um Ben, der sein Leben zwischen Schimpanse, Schule und erster Liebe schildert. Die Charaktere sind oft einseitig - der nette Betreuer, der Mitläufer, der strenge Vater, die hübsche Freundin, der aggressive Nachbarsjunge. Nachdem die Geschichte zwischenzeitlich etwas vor sich hin plätschert, ging dann am Ende des Buches alles viel zu schnell. Das Abschlusskapitel selbst schadet dem Buch meiner Meinung nach mehr, als dass es nützt. In Form eines Traumes von Ben setzt der Autor dem Leser hier eine bevormundende Erklärung a la "und die Moral von der Geschicht'..." vor. Schade, denn auch Leser ab 14 (Altersempfehlung des Verlags) können sich durchaus ein eigenes Bild machen und die Geschichte reflektieren.

Trotz der Kritikpunkte handelt es sich um ein nettes Jugendbuch, dass die interessante Thematik der Ähnlichkeit/Verschiedenheit zwischen dem Menschen und seinem nächsten Verwandten im Tierreich auf spannende und lockere Art behandelt. Es kann meiner Meinung nach durchaus auch schon von jüngeren Jugendlichen ab 10 Jahren gelesen werden.

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