Philip Kerr: Winterpferde

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Philip Kerr: Winterpferde
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Winter Horses
ET (Original)
2014
ISBN-13
9783499217159

Informationen zum Buch

Seiten
288

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Viele Teile dieser alten Geschichte wurden zusammengesetzt wie die Scherben einer kaputten Vase.

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Es ist ein eisiger Winter 1941 auf Askania-Nowa, wo sich das jüdische Mädchen Kalinka versteckt hält. Hier in dem alten Naturreservat leben auch die seltenen Przewalski-Pferde. Sie scheinen zu spüren, dass Kalinka eine von ihnen ist – denn wie Kalinka sind sie in großer Gefahr vor den Nazis, die Askania-Nowa besetzen.

Mit Hilfe des treuen Tierwärters Max flieht Kalinka mit zwei Pferden und einem Wolfshund Hunderte von Kilometern über die weiße Steppe der Ukraine. Doch können ein Mädchen und drei Tiere der Übermacht der Deutschen entkommen?

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Enttäuschende Pferdegeschichte


Das Mädchen Kalinka befindet sich mitten in den Kriegswirren des 2. Weltkriegs in der Ukraine und ist völlig auf sich alleine gestellt, da ihre Familie komplett ausgelöscht wurde. Da trifft sie auf den Tierpfleger Max, der im Naturschutzgebiet Askania-Nowa über eine Herde der seltenen Przewalski-Pferde wacht. Auch sie bleiben vor den Kriegsgräueln nicht verschont, aber bevor die Deutschen auch noch das letzte verbliebene Zuchtpaar der Wildpferde ausrotten kann, macht sich Kalinka mit den beiden auf und flieht Richtung Front.

Meine Meinung:

Das Buch lässt mich sehr zwiespältig zurück. Es hat mir ein paar schöne, spannende Lesestunden beschert, andererseits hat sich manches sehr seltsam angefühlt. Es ist ein Jugendbuch, das musste ich mir immer wieder vor Augen führen, um nicht mit der falschen Erwartungshaltung heran zu gehen.

Es ist dem Autor ganz gut gelungen, die Kriegssituation reel darzustellen, ohne dabei allzu viele Gewaltsszenen einzubauen. Das ist absolut jugendkonform, für mich hat es sich aber streckenweise seltsam verharmlosend angefühlt. Am ehesten konnte mich dieser Punkt am Ende überzeugen, als ein Bombardement geschildert wird - da kamen die Schrecken des Krieges in einer zerstörten ukrainischen Stadt am ehesten herüber.

Mit den Figuren hatte ich auch ein paar Problemchen; Kalinka war mir sehr sympathisch, in manchen Situationen aber schon wieder zu abgebrüht und clever. Für Jugendliche mag das aber ok sein, mitfiebern kann man mit diesem Mädchen auf alle Fälle und ihre Zivilcourage als Vorbild nehmen. Ansonsten war ich zufrieden mit der Darstellung der Erwachsenen, die erfreulicherweise nicht eindimensional gut oder böse gezeichnet sind, sondern in ihrer Auseinandersetzung mit dem Krieg und seinen Folgen ambivalent erscheinen.

Was mich sehr enttäuscht hat, sind die Pferdeszenen, und davon fast alle. Die Przewalski-Pferde mögen zwar intelligente Tierchen sein, aber was der Autor ihnen da auf die Fahnen schreibt, ist einfach Quatsch. Sie werden vermenschlicht, indem ihre Gedanken wiedergegeben werden, sie denken logisch und verhalten sich keinesfalls wie Wildtiere in Gefahr. Mit denen kann man vom Fleck weg reiten und lassen sich anspannen, sie steigen freiwillig in Züge und bewältigen Treppen - das geht für mich gar nicht, auch und gerade nicht in einem Jugendbuch. Damit kann ich den Roman eigentlich nicht mehr für voll nehmen. Interessanterweise ist auch noch ein Hund mit im Spiel, und den hat der Autor eigentlich recht gut getroffen. Seine Verhaltensweisen kann ich jederzeit a 3rattenbnicken, offenbar hat der Autor also doch ein gutes Gespür für Tierszenen. Umso enttäuschender, dass dies mit den Pferden nicht klappt.

Was soll ich nun für ein Fazit ziehen? Die Geschichte von Kalinka und ihrer Flucht mit den Wildpferden hatte durchaus ihren Reiz und auch der Schreibstil mit seinen schönen Sprachbildern  hat mir ganz gut gefallen, ebenso die winterliche Atmosphäre; aber das Buch hat für mich durch die oben genannten Kritikpunkte an Glanz verloren. Wer an diesen Punkten mal Fünfe gerade sein lassen kann, der kann es sicherlich damit versuchen, wer aber Wert insbesondere auf authentische Tierszenen legt, der wird bestimmt enttäuscht sein. 

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Wie ein Wintermärchen …

Ukraine, 1941: der Tierwärter Maxim liebt seine Arbeit und die Tiere des Naturreservates Askania-Nowa, vor allem die seltenen Przewalski-Pferde. Als der Krieg und damit die Nazis den Park erreichen, sehen die Pferde einer düsteren Zukunft entgegen. Da begegnet Max dem jüdischen Mädchen Kalinka, die sich vor den Deutschen im Reservat versteckt. Er ermöglicht ihr zusammen mit zwei Wildpferden und einem Wolfshund die Flucht, um die Frontlinie der Roten Armee zu erreichen. Doch ihre Spuren im Schnee sind weithin sichtbar …

Ich kannte von dem Autor bisher nur die Bücher um den Privatdetektiv Bernie Gunther, die größtenteils ebenfalls während der Nazi-Zeit spielen und mir immer gut gefallen haben. Daher war ich neugierig auf seinen neuen Jugendroman – und wurde nicht enttäuscht. Direkt nach wenigen Seiten fiel mir der warmherzige Schreibstil positiv auf: es war, als ob man an einem kalten Winterabend vor einem prasselnden Feuer sitzen würde. Ein wenig märchenhaft, ein wenig mystisch. Wer einen nüchternen Bericht mit wissenschaftlichen Verhaltensweisen der alten Wildpferderasse erwartet, ist hier falsch.

Die schrecklichen Erlebnisse von Kalinka und ihrer jüdischen Familie sowie weitere weniger schöne Szenen werden zwar angesprochen, aber nicht in ihrer Brutalität ausführlich beschrieben. Und das finde ich hier sehr passend, denn das Hauptaugenmerk des Buches richtet sich auch auf ungewöhnliche Freundschaften, Toleranz, Mut und Hoffnung.

Kalinka ist ein außergewöhnliches junges Mädchen, das in ihrem bisherigen Leben viel Schrecken erlebt hat und nun auf der Flucht vor den Nazis ist, die ihre gesamte Familie umgebracht haben. Sie hat einen ganz besonderen Draht zu Tieren, vor allem zu den als unbezähmbar geltenden Przewalski-Pferde. Die Pferde sind bereit, ihr Schicksal an das von Kalinka zu binden, als ob sie spüren, dass sie beide das gleiche Schicksal erleiden, wenn sie den Nazis in die Hände fallen. Wobei die im Buch angesprochene Klugheit und Raffinesse der Tiere gar nicht so weit hergeholt ist, wie ich vor ein paar Jahren in einem Bericht gelesen habe – es sind in der Tat außergewöhnliche Tiere, die bereits in den Höhlenmalereien unserer Vorfahren verewigt wurden.

Der Tierwärter Max kam mir anfangs etwas naiv und zu vertrauensselig vor, aber als ich mehr und mehr von seiner Geschichte erfahren habe, merkte ich, dass diese Einschätzung falsch ist. Er ist ein guter Mensch, der oftmals die Gesellschaft der Tiere der der Menschen vorzieht und seinem Herzen und nicht irgendwelchen Ideologien folgt.

Die Darstellungen der Charaktere sind durchweg sehr gut gelungen: es gibt nicht nur die bösen Nazis und die guten Russen, sondern auch feine Nuancen dazwischen. Der Krieg zwingt Menschen oftmals zu Dingen, die sie eigentlich verabscheuen.

Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben, wie schon geschrieben, ist es eine wunderbare Lektüre für lange Winterabende und ich denke, es ist auch ein schönes Weihnachtsgeschenk. Ein großes Lob möchte ich noch für die Covergestaltung aussprechen, denn sie spiegelt exakt die ungleiche Fluchtgemeinschaft wieder.

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eine sehr schöne Geschichte

Philip Kerr - mir bekannt durch die Kinderbuchreihe "Die Kinder des Dschinn".
Dieses Buch jedoch geht in eine völlig andere Richtung. Eine tolle Geschichte mit dramatischem Hintergrund.
Im Vordergrund steht eine Freundschaft, der Krieg und die Liebe zu Pferden.

Die Geschichte spielt 1941 auf Askania-Nowa - mitten im Krieg.
Kalinka - ein jüdisches Mädchen hält sich hier versteckt. Sie trifft auf den Tierwärter Maxim Borisowitsch. Dieser gewährt ihr Unterschlupf und es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden.
Beide verbindet die Liebe zu Tieren, besonders zu den Przewalski Pferden.

Liebevoll geschrieben, ganz tolle Hauptcharaktere. Besonders gut gefallen haben mir die Szenen zwischen Kalinka und den Pferden.

Mein Fazit des Buches ist gleich mit der Einführung in das Buch: "Die Tiere würden sagen: Wenn es eine Wahrheit gibt, die größer ist als alle anderen, dann ist es die, dass historische Fakten manchmal hinter der 
Legende zurücktreten müssen."

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