Bewertungsdetails

Klassiker 3680
Mehr als nur ein Abenteuerroman
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0
Ich habe das Buch im englischen Original gelesen.

Zum Inhalt brauche ich wohl nicht viel Worte verlieren, der ist ja weitgehend bekannt: Robinson landet als Schiffbrüchiger auf einer unbewohnten Insel, baut sich dort ein Fort, trifft auf Freitag - einen Gefangenen der Kannibalen, die die Insel ab und zu zwecks Festmahlzeit besuchen -, hilft schließlich einem Kapitän, seine meuternde Besatzung zu besiegen und wird aus Dankbarkeit von ihm zurück nach Europa befördert.

Weniger bekannt (mir zumindest völlig unbekannt, da nur eine gekürzte Kinderfassung gelesen) sind die Ereignisse vor und nach Robinsons Inselaufenthalt:
Als Jugendlicher haut er gegen den Willen seines Vaters (und Gottes!) von zu Hause ab und erleidet vor der englischen Küste seinen ersten Schiffbruch, was ihn aber nicht davon abhält, wieder auf einem Schiff anzuheuern, das in Afrika Handel betreibt. Dieses wird von arabischen Seeräubern geentert und Robinson gerät in Sklaverei. Zusammen mit einem arabischen Mitsklaven gelingt ihm nach einigen Jahren die Flucht und nach einigen Abenteuern vor der afrikanischen Küste wird ihr Boot von einem Brasilienreisenden aufgelesen. Dort wird er zum Plantagen- und damit auch zum Sklavenbesitzer, d. h. zum Möchtegernsklavenhalter. Leider sind diese rar, zu rar und nur zu horrenden Preisen auf dem Markt erhältlich. Im Auftrag einiger Plantagenkollegen macht er sich auf in Richtung Afrika, um Arbeitskräfte zu erwerben. Dass er selbst mal Sklave gewesen war, hindert ihn nicht daran, andere diesem Schicksal zu unterwerfen; ja selbst seinen Mitflüchtling verkauft er weiter. Zwar tut ihm das ein bisschen in der Seele weh, denn die beiden hatten sich angefreundet (d. h., der andere war Robinsons treuer Diener geworden), aber wenn man denn Geld braucht... Und außerdem war der andere ja damit einverstanden, denn selbstverständlich erkannte er die Klemme, in der sich sein Herr befand und war zu allem bereit, um ihm zu helfen.
Nun denn, er macht sich also wieder auf (mit bekanntem Ergebnis), wiederum, so nimmt er im Nachhinein an, gegen den Willen Gottes, den er aber zu jenem Zeitpunkt völlig ignoriert. Erst nach einigen Jahren Inselaufenthalt findet er schließlich zu Gott und sieht hinter jedem seiner Missgeschicke Gottes Hand. Das Schiff kenterte nur aus dem Grunde, um ihn zum rechten Glauben zurückzuführen. (Dass alle seine Kameraden dabei draufgingen würde man heutzutage wohl als Kollateralschäden bezeichnen.)
Nachdem er Gott und damit den Sinn seines Lebens gefunden hat, fügt er sich in sein Schicksal, dass ihn wohl auf der Insel in aller Einsamkeit sterben lassen wird. Seine Entkommenspläne nimmt er erst wieder auf, nachdem er Freitag vor den Kannibalen gerettet hat. Dieser lernt schnell englisch - selbstverständlich fällt es Robinson nicht im Traume ein, er könne Freitags Sprache erlernen - und wird danach von Robinson missioniert. Die folgenden theologischen Erörterungen gehören für mich zu den Höhepunkten des Buches: Freitag nimmt nicht alles einfach so hin; nein, er will wirklich verstehen, was es mit Gott und Satan auf sich hat, und bringt Robinson damit in eine argumentative Klemme. Schnellstens bricht dieser das Gespräch ab und betet zu Gott, er möge doch bitte Freitag von der Richtigkeit des christlichen Glaubens überzeugen, was Gott auch schleunigst tut. Schade - denn davon hätte ich gerne mehr gelesen.
Nach weiteren Abenteuern mit Kannibalen und Seeräubern kehrt Robinson schließlich nach Europa zurück, erfährt dort, dass er ein reicher Mann ist, denn die Plantage, die er in den Händen eines Freundes zurückgelassen hatte, ist in der Zwischenzeit gewachsen und gediehen.
Es folgt noch ein weiteres Abenteuer in Gestalt einer Begegnung mit einem riesigen Wolfsrudel, das in meinen Augen vollkommen überflüssig ist. Überhaupt nahm mein Interesse an dem Buch gegen Ende immer weiter ab, als Spannung und Dramatik immer mehr die Oberhand gewannen und das Buch immer abenteuerlicher wurde. Die Stärken des Buches liegen für mich in der Beschreibung des Überlebens als einziger Mensch auf eine Insel, den theologischen Überlegungen - so wenig ich diesen auch zustimmen mag - und dem Zusammenspiel mit Freitag. Keine Sekunde lang zweifelt Robinson an seiner angeborenen Überlegenheit über seinen Kameraden, bzw. der Überlegenheit der Europäer über die "Eingeborenen", auch wenn einige Exzesse wie z. B. die Ausrottung ganzer Indianervölker durch die Spanier kritisiert werden. Als Zeitzeugnis sind gerade die unausgesprochenen Voraussetzungen sehr interessant.

Die Benotung fällt mir schwer. Zwar ist das Buch eindeutig lesenswert, aber andererseits hat es auch einige Längen und ein Gefühl der Langeweile machte sich zeitweise bei meiner Lektüre breit.
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