Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit

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Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783596205950

Informationen zum Buch

Seiten
180

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Handlungsort

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Als "Sternstunden der Menschheit" beschreibt Stefan Zweig in seinem Buch:

Die Entdeckung des Pazifischen Ozeans (1513)
Das Ende des Oströmischen Reiches mit der Eroberung von Byzanz (1453)
Händel beginnt seinen "Messiah" (1741)
Die Marseillaise entsteht (1792)
Napoleons Niederlage bei Waterloo (1815)
Goethes Marienbader Elegie (1823)
Suter entdeckt die Goldfelder von Kalifornien (1848)
Dostojewski wird auf der Hinrichtungsstätte begnadigt (1849)
Das erste Telefonat über den Ozean (1858)
Tolstois Ende (1910)
Kapitän Scotts Kampf um den Südpol (1912)
Lenins Rückkehr nach Rußland (1917)

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Flucht in die Unsterblichkeit

Es wird von der Eroberungsphase der Konquistadoren berichtet, vom 25.09.1513 als der erste Spanier das heutige Panama vom Atlantik zum Pazifik durchquerte und auf dem Bergrücken stehend beide Ozeane in seinem Blickfeld hatte. Ein kurzer Abriss darüber, wie es sich ergab, das Vasco Núñez de Balboa dieser Mann war. Im letzten Satz entlarvt Stefan Zweig sich als eurozentriert: Balboas Auge ist nicht das, "das als erstes der Menschheit gleichzeitig bei Ozeane geschaut" hat. War es also wirklich so bedeutend, haben nicht hunderte Indios das gleiche zuvor vollbracht.

Die Eroberung von Byzanz

durch die Türken am 29. Mai 1453, wie durch eine vergessene Pforte die Türken in die Mauern eindringen konnten, die allen offenen Angriffen bisher widerstanden hatten. Zweig berauscht sich am meisten an den Verlusten an Kunst und Wissen durch diese Plünderung und gibt dem Resteuropa die Schuld, die Byzanz schändlich im Stich gelassen haben.

Georg Friedrich Händels Auferstehung

Am 21. August 1741 schreibt Händel sein bekanntestes Stück, „Messias“. Religiöse Erweckung kann ich nicht nachvollziehen und auch nicht was an der Schaffung des Messias-Oratoriums so besonders ist, was es wichtiger macht als alle anderen klassischen Musikstücke, versäumt Zweig zu erklären.

Das Genie einer Nacht

25. April 1792, der Tag, an dem die Marseillaise geschrieben wurde und wie sie (verspätet) ihren Siegeszug antrat.

Die Weltminute von Waterloo

ist der Moment am 18. Juni 1815, als General Grouchy sich stur an seine Befehle hielt statt kühn (oder auch waghalsig und planlos? - die Geschichte wird erst hinterher geschrieben) loszureiten und so Napoleon zu retten. Ich hatte fast den Eindruck, Zweig schreibt nur über die Schlacht, um es anderen vor ihm (wie im Text erwähnt: Scott, Stendhal) gleich zu tun.

Die Marienbader Elegie

ist ein Liebesgedicht, welches Goethe in der Kutsche zwischen Karlsbad und Weimar am 5. September 1823 begann. Sie ist die Folge einer späten Liebe, einer zweiten Jugend, die Goethe mit Mitte 70 gegeben war und kann als Scheitelpunkt seines Schaffens, die ihn zu seinem Alterswerk animierte, bezeichnet werden.

Die Entdeckung Eldorados

Beim Bau einer Sägemühle im Januar 1848 finden die Arbeiter Gold im Sand der Baugrube. Eigentlich gehört J. A. Suter alles Land rund um San Francisco und den Fundort, doch er wird vom Goldrausch überrannt und seine Rechte werden ignoriert. Wie Gold einem Millionär seinen Reichtum nimmt, eine nette Anekdote der Geschichte.

Heroischer Augenblick

Auf dem Semenowskplatz in Petersburg, am 22. Dezember 1849, steht Dostojewski bereits vor dem Erschießungskommando als das Todesurteil in letzter Sekunde abgewandelt wird. und nur dadurch konnte er seine Werke schreiben und seinen Einfluss auf den expressionistischen Schreibstil und zahlreiche kommende Literaten ausüben. (in Gedichtform!)

Das erste Wort über den Ozean

verdanken wir Cyrus W. Fields, der am 28. Juli 1858 mit der Verlegung des ersten funktionsfähigen Telegraphenkabels zwischen Neufundland und Irland begann. Eine interessante Darstellung der technischen Probleme, aber warum schreibt Zweig in diesem Kapitel, dass die Erfindung des Telegraphen 1837 ein ganz besonderer Wendepunkt der Menschheit wäre, gönnt diesem Ereignis aber kein eigenes Kapitel?

Die Flucht zu Gott

nennt Zweig seinen Epilog zu Leo Tolstois unvollendetem Drama "Und das Licht scheinet in der Finsternis" in dem er, in Form eines Theaterstücks, Tolstois letzte Tage bzw. seine Todesstunde Ende Oktober 1910 beschreibt. Das ist zwar recht eindrucksvoll, aber Weltbewegendes kann ich darin nicht erkennen.

Der Kampf um den Südpol

Besser gesagt um die Entdeckung des Südpols endete am für Kapitän Scott tragisch. Als er am 16. Januar 1912 den Pol erreicht, muss er feststellen, dass er nur Zweiter ist. Zweig beschreibt mit bewunderndem Blick den Mann, der das Sinnbild des zu spät gekommenen ist, und seinen tragischen, heldenhaften, aufrechten Tod.

Der versiegelte Zug

ist der Zug, in dem Lenin am 9. April 1917 die Schweiz verlässt und nach Russland reist, um die Revolution zu beginnen. Die Beschreibung der Zugreise wirkt seltsam flach, als wüsste Zweig nicht, ob er das Geschehen (und vor allem seine Folgen) gutheißen oder verdammen sollte.

Von 1940 stammen die beiden letzten Texte, sie sind beide eigentliche keine Momentaufnahmen und wurden erst nach Zweigs Tod den Sternstunden beigefügt:

Cicero

beschreibt Ciceros Reaktion auf Cäsars Ermordung und sein Versuch die Republik wieder zu etablieren. Für Zweig hatte dieser Text über das Verhältnis der Menschen zur Diktatur natürlich einen ganz aktuellen Bezug.

Wilson versagt

als er nach dem 1. Weltkrieg eine friedliche Weltordnung schaffen will. Bei den Friedensverhandlungen wird wie immer um Vorteile und Macht geschachert, ohne dass an das darunter leidende Volk gedacht wird und so ist das Versagen des Völkerbundes bereits bei seiner Entstehung vorprogrammiert.


Gesamteindruck:

Die „Sternstunden“ sind in verschiedenen Ausgaben erschienen, die jeweils ein paar zusätzliche Geschichten enthielten. Sprachlich wirken einige Geschichten deutlich altmodischer als Zweigs Lebensdaten es vermuten ließen. Diese einzelnen Geschichten sind zwar chronologisch sortiert, inhaltlich ist allerdings kein Zusammenhang erkennbar und leider konnte ich nur bei den wenigsten Ereignissen nachvollziehen, warum sie sich für die „Sternstunden“ qualifiziert haben. Die Wichtigkeit der technischen Errungenschaften kann ich dabei teilweise noch nachvollziehen, die kurzen Geschichten um diese, zugegebenermaßen nicht völlig belanglosen, Daten bringen interessante Details zum Vorschein. An den künstlerischen Momenten kann ich deutlich weniger Bedeutsames erkennen, es wirkt auf mich wie eine völlig geschmäcklerische Auswahl. Dadurch dass Zweig selbstgefällig die Entstehung seiner künstlerischen Lieblingswerke und seine Lieblingsepisoden der Geschichte zu Sternstunden erklärt hat, macht er sich mir unsympathisch, zumal er keinerlei Begründung für seine Auswahl ausgerechnet der beschriebenen Episoden bringt. Das ist ein wenig schade, ich hätte gerne meinen positiven Eindruck von seiner Person behalten, aber dann hätte Zweig deutlicher machen müssen, dass es nur Momente der Menschheitsgeschichte sind, die IHM wichtig sind und nicht diesen Allgemeingültigkeitsanspruch haben dürfen.

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Ich habe dieses Buch per Zufall bei einem Nachtdienst in einem Altenheim gelesen und war trotz Müdigkeit vollkommen gebannt von der Art, Momente der Menschheitsgeschichte darzulegen. Der Text über Tolstoi liess mich endlich begreifen, woher die wahnsinnige Energie für den politischen Umsturz 1917 in Russland kam. Ich bin selbst in Russland geboren und kam erst mit 9 nach Deutschland. Das Buch hätte ich gern mit 18 gelesen. Schade, dass es nicht auf dem Lehrplan stand.

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Auch ich (18) habe dieses Buch lesen müssen/dürfen (Referat). Doch ich bereue es nicht es gelesen zu haben. Es ist wirklich interessant und man eignet sich viel Wissen an (so ist es mir zumindest gegangen). Man hinterfrägt so manche Dinge und sucht in einem Lexikon oder im Internet wie diese Momente unsere Weltgeschichte genau beeinflusst haben.

Ein großer Pluspunkt ist, dass die Erzählungen nicht hunderte Seiten lang sind sondern schön kompakt zusammengefasst sind. Das macht das ganze erst interessant. Denn wer liest schon ein Buch über die Schlacht von Waterloo, wenn er es kürzer haben kann. Wen es angesprochen hat, kann sich dann immer noch einen dichen Wälzer kaufen.

Es ist klar, dass es für jüngere fad ist, doch wen Geschichte wirklich interessiert, MUSS dieses Buch einfach lesen. Alle die dieses Buch noch nicht gelesen haben empfehle ich es weiter. So, genug geschrieben. Wünsch euch noch einen schönen Tag.

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Noch kein Buch hat mich auf Anhieb so gefesselt wie dieses. Zweig ist ein begabter Schriftsteller gewesen, der hier seinen Blick auf vermeindlich uninteressante Ereignisse der Weltgeschichte lenkt. Aber genau diese Ereignisse sind es, die die Welt zu der gemacht haben, in der wir leben. In der Schule sollte man viel eher auf diese Ereignisse hinweisen, als ständig nur über Kriege und gebrochene Frieden zu reden. Dies waren schicksalshafte Momente in der Geschichte. Nebenbei bemerkt: Jugendliche sollte man wirklich nicht mit "echter Literatur" quälen, da man ein gewisses Alter erreicht haben muss, um sie wertzuschätzen - mit 15 geht das nicht.

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Ich bin 15 und musste das Buch von meinen Deutschlehrer aus lesen! Ich bin keine "Leseratte" und deshalb war ich auch nicht gerade erfreut darüber. Ich habe dieses Buch widerwillig gelesen, denn es ist soetwas von langweilig, das hab ich noch nie gesehen! Sorry, ist aber so. Es war für mich teilweise anstrengend zu lesen weil der Autor gar viele Adjektive verwendet hat und manches einfach zu genau beschrieben hat, wobei ich mir dann meistens gedacht habe (wie zum Beispiel): 'Ok! Gut! Die Aussicht von dem Berg ist toll und man kann vieles sehen, können wir jetzt bitte weitergehen in der Geschichte!' Kurz gesagt: dieses Buch war eine Qual!

Ich würde es keinem weiterempfehlen der nicht gerne liest oder an Geschichte interessiert ist. Im Gegensatz zu "Der Menschen Hörigkeit"! Ich habe zwar gerade erst angefangen dieses Buch zu lesen, und es ist einstweilen noch nicht wirklich spannend, doch wie der Autor (W. Somerset Maugham) die Geschichte geschrieben hat, ist kein Vergleich zu "Sternstunden der Menschheit"! Es ist richtig fesselnd und ich hätte sogar einmal fast geweint und das ist mir bei einem Buch noch NIE passiert! Ich weiß nicht wie all die anderen, "Sternstunden der Menschheit" bewertet haben, doch das hier ist meine Meinung!

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