Olivier Truc: 40 Tage Nacht

Hot
 
4.7
 
3.5 (4)
2085   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Olivier Truc: 40 Tage Nacht
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Le dernier Lapon
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783426199879

Informationen zum Buch

Seiten
496

Sonstiges

Originalsprache
französisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Aslak strauchelte, so erschöpft war er.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Kontinent
Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Kautokeino in Lappland am 10. Januar. Eine gletscherkalte Polarnacht. Morgen wird nach vierzig Tagen die Sonne wiedergeboren, zwischen 11.14 und 11.41 Uhr – und die Menschen atmen auf. Morgen aber wird es auch zu den spektakulärsten Verbrechen kommen, die Kommissar Klemet Nago von der samischen Polizei in der verschneiten Tundra je gesehen hat: Eine kostbare samische Trommel, Wahrzeichen des letzten Urvolks Europas, wird aus dem Museum gestohlen. Wenig später findet man den Rentierhirten Mattis brutal ermordet auf. Klemet und seine Partnerin Nina, frisch von der Polizeischule im Süden des Landes, ermitteln – und geraten in politische und menschliche Verwicklungen, die tief in die Geschichte Lapplands zurückreichen.

Karte

Move Map
Start/Ziel tauschen

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

40 Tage Nacht

Im Laufe der Jahre habe ich zahlreiche Skandinavienkrimis aus Norwegen, Schweden und Island gelesen, keiner davon ist aber vergleichbar mit "40 Tage Nacht" von Olivier Truc, und das liegt nicht alleine daran, dass der Autor überraschenderweise Franzose ist. Das Setting ist in Lappland und damit grenzübergreifend in Norwegen, Schweden und Finnland angesiedelt.

Im Laufe der Handlung bekommt man einen Einblick in die Lebensbedingung des letzten indigenen Volkes in Europa, der Samen. Die Ausbeutung dieser Menschen in der Vergangenheit, aber auch der noch heute herrschende Rassismus ist das zentrale Thema des Romans. Bislang hatte ich die Skandinavier aufgrund meiner Erfahrungen als Touristin durch die rosa Brille gesehen, muss mein positives Bild nun aber an manchen Punkten in Frage stellen.

Oliver Truc spannt einen weiten Bogen von der Vergangenheit bis in die Jetztzeit und verknüpft auf raffinierte Art und Weise die Geschichte der Samen mit seinem heutigen fiktiven Fall. Die zeitliche Verortung der Vorgänge hat bei mir zugegebenermaßen nicht immer funktioniert, aber rückblickend betrachtet ist die Geschichte logisch und schlüssig aufgebaut.

Die Handlung lädt zum Spekulieren ein und dieser Einladung bin ich gerne gefolgt, wenn ich auch nicht immer richtig lag. Leider lässt der Autor seine LeserInnen gegen Ende ein wenig am langen Arm verhungern; so sorgfältig und ausführlich er das ganze Konstrukt seiner Geschichte aufgebaut hat, so schnell geht es am Ende und einiges musste ich mir dann doch selbst zusammenreimen, auch blieben einige Fragen offen.

Die beiden Hauptfiguren sind Mitglieder der Rentierpolizei, von deren Existenz ich bisher nichts wusste. Umso interessanter fand ich das Thema; die Belange der Rentierzüchter, ihr hartes und entbehrungsreiches Leben im Dienste ihrer Tiere, die ständige Suche nach Weidegründen, die lange Polarnacht, in der für 40 Tage lang keine Sonne scheint... eine faszinierende, aber auch unerbittliche Welt.

Klemet und Nina fand ich als Ermittlerpaar außergewöhnlich und wunderbar gezeichnet; ein kontrastreiches Kollegenteam, deren Konflikte im kleinen den Konflikt im großen widerspiegeln. Klemet ist Sami und norwegischer Polizist, was natürlich im Widerspruch steht und ihn während seiner Ermittlungen immer wieder in Schwierigkeiten bringt, nicht zuletzt mit den eigenen Kollegen, die ihn als Quotensami sehen und ihm seine Andersartigkeit spüren lassen; aber auch die Sami begegnen ihm mit Misstrauen, so dass er ständig zwischen den Stühlen sitzt.

Nina dagegen kommt frisch von der Polizeischule; sie ist unbefangen, spontan und intuitiv. Wo Klemet zögert und grübelt, wird sie aktiv und übernimmt auch Verantwortung. Durch ihre Unbedarftheit stellt sie genau die Fragen, die ich als Leserin auch gestellt hätte und übernimmt somit eine wichtige Rolle im Aufbau der Geschichte. Ganz toll fand ich es zu lesen, wie die beiden im Laufe der Handlung zu einem Team zusammen wachsen und vor allem durch ihre Eigeninitiative den Fall aufklären. Das fand ich so erfrischend im Vergleich zu den oft klischeehaften, depressiven und alkoholsüchtigen Ermittlern in skandinavischen Krimis; hier unterscheidet sich der Roman deutlich zu anderen des Genres.

Die Bösewichte sind zahlreich und in ihren Facetten ebenfalls sehr interessant gezeichnet; besonders hervorheben möchte ich einen französischen Geologen, der in Sachen Prospektion in den Bergen Lapplands unterwegs ist und nicht nur für die Sami das Böse verkörpert; aber auch die Politiker und Angehörige der Polizei zeichnen ein düsteres Bild. Erfrischend dagegen halten einige wenige Originale, wie zum Beispiel eine schwedische Geologin, die mit spannenden Informationen zum Thema Bodenschätze aufwartet und Klemets Onkel, der uns in die Kunst des Joikens einführt, aber auch ein samischer Trommelexperte, der leider erst sehr spät auftaucht und die mystische Symbolik samischer Trommeln im allgemeinen und im besonderen erläutert.

Der Sprachstil von Olivier Truc gefiel mir ebenfalls sehr gut; er ist nordisch-zurückhaltend und griffig, wenn es um die Fakten geht. Umso mehr stechen die Passagen heraus, in denen es um Landschaften und Naturphänomene geht, wie zum Beispiel die Beschreibung der Nordlichter, die zurückkehrende Sonne und das Wesen der Rentiere. Denn hier wechselt Truc zu einem poetischen, eindringlichen Stil, der eine große Liebe zum Land und seiner Natur verrät. Diese Szenen gingen mir unter die Haut und versetzten mich in eine mystische Polarwelt.

Insgesamt hat mich der Roman trotz einiger kleiner Kritikpunkte voll überzeugt und ich würde mich sehr freuen, weitere Fälle mit Klemet und Nina aus Lappland zu lesen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

4 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.5
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (4)
Charaktere 
 
3.0  (4)
Sprache & Stil 
 
3.5  (4)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Gelungenes Debut

Mit seinem Debütroman „40 Tage Nacht“ ist dem französischen Autor Olivier Truc ein spannender und sehr außergewöhnlicher Krimi gelungen, der trotz einiger Längen vor allem mit seiner unglaublich dichten Atmosphäre, einem tollen Setting und einer sehr geschickt angelegten Hintergrundgeschichte punkten kann. Zugleich ist es Auftakt zu einer viel versprechenden Krimi-Reihe rund um die beiden Ermittler der in Kautokeino im norwegischen Lappland angesiedelten Rentierpolizei –den Samen Klemet Nango und die junge Nina Nansen. Man merkt deutlich, dass der Autor, der seit 20 Jahren in Stockholm als Skandinavien-Korrespondent tätig ist, sich hervorragend mit Land und Leuten in Lappland auskennt, und viele Details zur ethnologischen Minderheit der Samen und der skandinavischen Historie sorgsam recherchiert hat. Darüber hinaus hat er sich bemüht, ein sehr authentisches Bild der Samen und ihres heutigen Alltagslebens fernab jeglicher touristischer Folklore zu zeichnen und präsentiert sehr geschickt zahlreiche hochinteressante Details zur samischen Kultur und der Verfolgung, Diskriminierung und heutigen Stellung der indigenen Bevölkerung. Äußerst gekonnt sind die unwirtliche Landschaft des lappländischen Winters, atemberaubende Naturereignisse und die unterschiedlichen Schauplätze rund um die kleine Provinzstadt Kautakeino eingefangen, so dass man hervorragend in die düstere, karge Kulisse, die Dunkelheit und klirrende Kälte dieses Krimis eintauchen kann. Truc versteht es hervorragend, diese besondere Atmosphäre auch in seinen Schreibstil einfließen zu lassen, die sich insbesondere anfangs in sehr spröden, wortkargen Dialogen spiegelt.
Sehr fesselnd und vielschichtig ist die detailreiche Hintergrundgeschichte um eine alte samische Schamanen-Trommel, eine verhängnisvolle Expedition in den 1930ger Jahren und ein uralter Fluch um einen legendären Goldschatz angelegt. Leider kommen die Ermittlungen zu den Fällen äußerst schleppend in Gang, so dass der Leser angesichts der vielen losen Handlungsfäden sehr lange recht orientierungslos im Dunkeln tappt. Wesentliche Erkenntnisse über die verworrenen Zusammenhänge erhält man erst zur Mitte des Buchs, kann leider erst sehr spät miträtseln und über mögliche Täter und deren Motive spekulieren. Dafür zieht dann aber die Spannung nach dem etwas langatmig wirkenden Mittelteil extrem an. Dem Autor gelingt es schließlich, seine vielschichtige Geschichte nach geschickt lancierten Intrigen und einigen überraschenden Wendungen in einem sehr packenden Finale gipfeln zu lassen. Zudem präsentiert er dem Leser eine stimmige Aufklärung der beiden Verbrechen, auch wenn nicht alle Erzählstränge völlig aufgelöst werden.
Sehr facettenreich und lebensnah sind die vielen verschiedenen Figuren gezeichnet, die mit ihren Eigenarten origineller, exotischer und faszinierender kaum angelegt sein können und teilweise ein echtes Highlight sind. So begegnen wir neben den illustren Bewohnern Kautokeinos wie beispielsweise einem fanatischen læstadianischen Priester, dem zwielichtigen rechtspopulistischen Gemeindevertreter und Bauern Karl Olsen, dem rassistischen Polizisten Rolf Brattsen, modernen aber auch traditionsverhafteten samischen Rentierzüchtern, die in der Tundra leben. Zudem entwickelt sich der französische Geologe André Racagnal zu einem undurchsichtigen, skrupellosen Bösewicht, der seine ganz eigenen Ziele vor Ort zu verfolgen scheint. Sehr feinfühlig, lebendig und glaubwürdig sind die charakterlich äußerst unterschiedlichen Ermittler Klemet und Nina von der Rentierpolizei gezeichnet, die sich anfangs schwer einschätzen lassen und leider erst spät an Profil gewinnen. Durch Anspielungen auf ihre Vergangenheit erhalten wir Einblicke in ihre Persönlichkeit und privaten Hintergründe, verstehen ihr Verhalten allmählich besser, wodurch sie zunehmend sympathischer wirken. Dennoch bleibt sehr vieles aus ihrem Privatleben noch im Dunkeln, so dass der Leser leider auf weitere spannende Enthüllungen in den Fortsetzungen warten muss.
FAZIT
Ein spannender, sehr vielschichtiger Krimi, der mich trotz einiger Längen im Mittelteil mit seiner unglaublich dichten Atmosphäre, einem tollen Setting und originellen Figuren begeistern konnte.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Joiken, trommeln, rauben und morden: Lappland damals und heute

Zum Inhalt:

Nordnorwegen: Nachdem für 40 Tage keine Sonne da war, ist es jetzt wieder so weit. Die Menschen fiebern dem ersten Sonnenaufgang nach dieser langen Phase der Dunkelheit entgegen.

In der Nacht zuvor wird eine wertvolle Trommel aus dem örtlichen Museum in Kautokeino gestohlen.
Da dies die erste traditionelle Samen-Trommel ist die nach langer Abwesenheit dauerhaft nach Lappland zurückgekommen war, gibt es unter der indigenen Bevölkerung große Aufregung.

Nicht lange danach wird ein Rentierhüter ermordet aufgefunden. Der örtliche Sheriff bindet die Rentierpolizei, bestehend aus Klemet und Nina, in die Ermittlungen ein.

Was werden sie herausfinden? Sind die Fälle miteinander verbunden?

Meine Meinung:

Mit 40 Tage Nacht (Original: Le dernier Lapon) ist Olivier Truc ein atmosphärisch dichter Thriller gelungen, der allerdings ein paar Schwächen hat. Die Charaktere bleiben ziemlich farblos, allein über Klemet erfährt man ein bisschen was, aber immer nur häppchenweise.
Seine Kollegin Nina ist hingegen mehr oder weniger eine Quotenfrau (ähnlich liegt es bei Klemet, der der einzige Same bei der örtlichen Polizei ist). Es werden ein paar Andeutungen zu Ninas Vergangenheit gemacht, der Autor bleibt uns aber die Auflösung schuldig.
Zugegeben, der Hauptaugenmerk des Buches liegt nicht auf speziellen Charakteren sondern auf der Geschichte Lapplands, auf der Ausbeutung und Unterdrückung der indigenen Bevölkerung durch Christen, Schweden, Norweger und alle, die sich an den Bodenschätzen der Region bereichern woll(t)en. Dieses reicht Jahrhunderte zurück, ist aber immer noch ein Thema. Der verdeckte und teilweise offene Rassismus wird sehr deutlich -- auch die Hilflosigkeit der Samen dem entgegenzuwirken. Wir bekommen einen Einblick in das Leben und die Traditionen der Samen, wobei die gestohlene Trommel eine zentrale Rolle spielt.
Trotzdem hätte ich es schön gefunden, wenn zumindest die Hauptpersonen etwas Charaktertiefe bekommen hätten.

Stattdessen werden die verschiedenen Gesteinsarten endlos lange und ausführlich beschrieben, sowie die Art, wie ein Geologe diese Gesteine untersucht. Weniger wäre hier mehr gewesen, diese ganzen Passagen habe ich nur quer gelesen. Es wird nicht wirklich erklärt warum der Geologe vor Ort ist, und der Aufhänger der ihn dann letztendlich auf Schatzsuche gehen lässt, ist meines Erachtens recht dürftig.

Davon abgesehen ist es aber ein sehr spannendes Buch, und es gelingt dem Autor, den Spannungsbogen bis zum Ende aufrecht zu erhalten.

Die Sprache ist schlicht gehalten, was der Winterlandschaft und Atmosphäre entspricht; allein das Farbenspiel des Sonnenaufgangs und der Polarlichter werden poetisch beschrieben, der Rest sehr unaufgeregt und ruhig, was der Spannung aber nicht abträglich ist.

Die Hardcoverausgabe kommt mit einem Lesebändchen, was ich sehr schön finde. Das Cover ist eher nichtssagend, spiegelt aber die Dunkelheit wieder.

Inhaltlich hat sich mindestens ein Fehler eingeschlichen, wobei ich natürlich nicht sagen kann, ob der schon im Original vorhanden ist oder sich während der Übersetzung eingeschlichen hat.

Von diesen Schwächen abgesehen ist das Buch durchaus lesenswert.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Ein skandinavischer Thriller der anderen Art

Mitten in die eiskalten Weiten des norwegischen Lapplands führt uns dieser Debutroman von Olivier Truc. Es war 40 Tage lang Nacht am Polarkreis, doch nun wird die Sonne wiedergeboren und erhellt das Land jeden Tag ein Stückchen länger. Doch es beginnt auch eine unruhige Zeit für die Polizei von Kautokeino: eine kostbare samische Trommel wird aus dem örtlichen Museum gestohlen, und kurz darauf wird der Rentierzüchter Mattis ermordet und mit abgeschnittenen Ohren aufgefunden. Was zunächst wie ein eskalierter Streit unter Rentierzüchtern aussieht, entwickelt sich bald zu einem schwer zu durchdringenden Geflecht aus politischen und persönlichen Intrigen, das seinen Showdown im einsamen Eis von Lappland findet.

Der kurz vor der Pensionierung stehende Klemet Nango und seine 30 Jahre jüngere neue Kollegin Nina Nansen aus dem Süden des Landes, beide von der sogenannten Rentierpolizei von Kautokeino, ermitteln in diesen ungewöhnlichen Fällen. Zunächst scheinen die beiden Verbrechen nicht miteinander in Verbindung zu stehen, doch die Ermittlungen führen Nina sogar bis nach Paris, wo sie wertvolle Informationen über eine Expedition aus den 30er Jahren sammelt, und langsam setzt sich das Bild zusammen.

Nach kleinen anfänglichen Startschwierigkeiten habe ich gut in die Szenerie hineingefunden und war schnell gepackt. Hauptaugenmerk liegt bei diesem Thriller weniger auf einer reißerischen, actiongeladenen und blutrünstigen Story, wie es bei vielen skandinavischen Thrillern der Fall ist, sondern bei den geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen zum letzten Urvolk Europas, den Samen. In sachlich-nüchternem, aufs Wesentliche reduziertem Ton schildert Truc sowohl das Schicksal der samischen Rentierzüchter, die unter schier undenkbaren Lebensbedingungen ihrem Broterwerb nachgehen, als auch den mühsamen Ermittlungen der Rentierpolizei – die Wege in Lappland sind lang, und so benötigt man zu einem Verdächtigen schon mal mehrere Stunden Fahrt mit dem Schneemobil , Schneestürme und unmenschliche Temperaturen inklusive. Dabei schafft Truc eine sehr dichte, ruhige, aber bedrückend-spannende Atmosphäre, die einen bis zum Schluss bei der Stange hält. Wir begegnen im Laufe der Story vielen interessanten, teilweise kauzigen oder durchtriebenen Persönlichkeiten, deren Motive nicht immer klar sind. Leider werden Hintergründe zu wichtigen Hauptpersonen, vor allem Nina, sehr häufig nur angedeutet, was dann auf Kosten einer tiefgründigeren Charakterzeichnung geht. Da schon ein Folgeband in französischer Sprache vorliegt, bleibt zu hoffen, dass dort die Hauptpersonen etwas mehr Format bekommen.

Erschreckend fand ich den offenen Rassismus und die Diskriminierung, denen die Samen auch in der heutigen Zeit noch ausgesetzt sind, was Truc hier gut ausarbeitet. Überhaupt ist dieses Buch sehr gut und gründlich recherchiert und durchdacht, und ich fand es hochinteressant, wie Truc den Bogen aus einer weit zurückliegenden Begebenheit aus dem 17. Jahrhundert, die im Prolog geschildert wird, bis in die heutige Zeit schlägt und dabei das Rätsel um die geheimnisvolle Trommel löst.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
2.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
2.0
Sprache & Stil 
 
2.0

Lappland, Rene und ein Mord

Ein Thriller, der in den Tiefen Lapplands spielt und dabei mehr über das Land sowie seine Kultur vermittelt.

Die Thematik der Samen war für mich vollkommen neu, denn zuvor hatte ich nichts über sie gehört oder gelesen. Zumindest nicht bewusst. Umso interessanter wurde das Buch natürlich je mehr Details rübergebracht wurden. Olivier Truc schafft es dabei, viele Sichtweisen auf das alte Erbe Lapplands zu werfen, sodass kein einseitiges Bild entsteht.

Die Protagonisten bleiben dabei, wie bereits erwähnt wurde, eher farblos. Da hätte ich mir mehr Informationen gewünscht, um ein ganzheitlicheres Bild zu bekommen. Die Geschichte ist hingegen sehr gut erzählt und auch wenn das Ende etwas hektisch und chaotisch aufgelöst wird, hat man als Leser das Gefühl, dass der Autor sich Gedanken gemacht hat.

Mit dem Schreibstil hatte ich persönlich so meine Probleme, denn auch wenn der nüchterne, eher sachliche Stil gut zur Landschaft und zur Geschichte passt, gefällt mir so etwas nicht richtig.

Zugegeben die Berichte über die Suche des Geologen waren sehr ausführlich, aber andererseits wurde dadurch der Stellenwert Norwegens und wie wenig dieses Land eigentlich erschlossen ist, richtig deutlich. Hinzukommend die Problematik, dass die Suche nach Erzen und daraus resultierende Probleme mit den Renen. Etwas weniger wäre hier mehr gewesen, aber ich fand es doch recht interessant.


War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue