Horst Eckert: 617 Grad Celsius

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Horst Eckert: 617 Grad Celsius
Verlag
ET (D)
2005
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783894252977

Informationen zum Buch

Seiten
317

Sonstiges

Erster Satz
Bernd Winkler hatte nicht mehrmit dem Anruf gerechnet.

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Der Mord an dem jungen Maler Daniel, der wie ein Bruder für sie war, bringt die Welt der Kripobeamtin Anna Winkler ins Wanken. Trotzdem gelingt es ihr, zur Verurteilung des Täters beizutragen.Ein Jahr später explodiert ein Wohnhaus, es gibt Tote - an der Gasleitung wurde manipuliert. Als die Identität der Opfer feststeht, erkennt Anna, dass sie den Mord an Daniel neu überdenken muss: Die beiden Fälle hängen zusammen. Und bald deutet eine Spur nicht nur auf ihren Onkel Uwe Strom, der als Ministerpräsident vor der Wiederwahl steht. Auch Annas eigener Vater, früher selbst bei der Polizei und jetzt Landtagsabgeordneter, scheint ein düsteres Geheimnis zu hüten.

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Vielschichtige Aufarbeitung

617 Grad Celsius war ein Buch der anderen Art: Keine typische Serienheldin, keine einzige Person mit lupenreiner Weste, aber dafür ein Buch, das dadurch viel näher an der Wahrheit zu liegen scheint. Dem Buch wird das saloppe Wort Krimi nicht gerecht, sondern der Begriff Kriminalroman, denn es geht um wesentlich mehr als nur die Aufklärung eines Verbrechens.
Anna Winkler muss nach ihrer Rückkehr von einem Einsatz in Bosnien nicht nur in den Düsseldorfer Polizeialltag einsteigen, sondern bekommt im Lauf der Geschichte immer mehr Scherben vor die eigene Haustür geräumt, die es zu fegen gilt. Keine leichte Aufgabe, denn in der eigenen Familie und bei den engsten Freunden wurden in der Vergangenheit rücksichtslos eigene Interessen verfolgt und Anna wurde eine schwer zu verdauende Bürde hinterlassen - zumal diese mit dem Fall zusammenzuhägen scheint.

Das Buch startet mit drei wechselnden Zeitebenen, die das aktuelle Geschehen und deren Vorgeschichten langsam aber sicher in Zusammenhang bringen; so clever ineinander verknüpft und jeweils nur so kurz, dass die eigenen Ahnungen und die eigene Neugier ganz von alleine dafür sorgen, dass man fasziniert weiterliest. Dabei muss man aufpassen, denn viele Informationen stecken in knappen und kurzen, fast nebensächlich wirkenden Sätzen. Eckerts Stil lebt von treffend ausgesuchten Handlungen, die den Plot sowie die Gedanken- und Gefühlswelt der Personen gleichermaßen präzise beschreiben und erklärenden Zusatztext überflüssig machen.

Mich beeindruckte zudem die kontinuierliche Entwicklung aller Personen. Alle Personen tragen je nach ihrer beruflichen und privaten Funktion immer wieder zur Handlung bei und sind dabei konsequent zu Ende gedacht. Dieses Gesamtbild verzeiht dann auch, dass ich eine zunächst als zu konstruiert auffällende Verknüpfung am Schluss doch schlüssig und folgerichtig fand.

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#1 Rezensent
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Zurückgekehrt aus Bosnien und wieder zu Hause in Düsseldorf hat Kripobeamtin Anna Winkler mehr als genug zu tun. Als würde die Gasexplosion in einem angeblich leerstehenden Wohnhaus, bei der acht Menschen ums Leben kamen, nicht schon reichen, muss nun auch noch ein alter Fall neu aufgerollt werden: Der Ermittlungen zu dem Mord an dem Künstler Daniel Lohse wurden nicht sauber durchgeführt und nun ist es sogar fraglich, ob der wahre Mörder oder ein Unschuldiger hinter Gittern sitzt. Kurz vor Annas Abreise aus Bosnien erhielt sie einen mysteriösen Brief von der Mutter des Künstlers, Karin Lohse, dem sie jedoch nicht mehr nachgehen kann, weil die Frau bei einem Autounfall ums Leben kam. Anna gerät immer mehr in einen Strudel aus Familienbande, polizeilicher Korruption und politischer Intrigen.

617 Grad Celsius ist die Temperatur, die beispielsweise eine Kerzenflamme erreichen kann - und die Temperatur, die reicht um ein Sauerstoff-Gasgemisch zur Explosion zu bringen. Doch nur vordergründig bezieht sich der Buchtitel auf die im Buch genannte Gasexplosion. Weniger Gas als vielmehr politische und familiäre Verwicklungen sind der Zündstoff, der zu einer nachhaltigen Detonation führen. Das Buch ist anfangs aufgeteilt auf drei Zeitebenen und so gleicht es einem Puzzle, bei dem man die einzelnen Teile nach und nach findet, zusammensetzt und sich erst nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Dabei wird der Leser innerhalb der Rückblenden immer wieder mit interessanten Kleinigkeiten gefüttert und durch die Erwähnung damals aktueller Musik und der bestehenden Politik (und politischen Kandidaten) wird eine beständige Atmosphäre geschaffen. Man merkt sofort, wieviel Liebe Horst Eckert in die Details gesteckt hat.

Man muss "617 Grad Celsius" mit großer Aufmerksamkeit lesen, denn die Zeitsprünge und vielen Charaktere können leicht verwirren. Trotz seines Anspruchs ist das Buch aufgrund einer sparsamen, aber doch poetischen Sprache, sehr angenehm zu lesen und gerade die Kniffe und überraschenden Wendungen machen den Unterschied weniger anspruchsvollen Krimis aus. Als Thriller ist das Buch als letztes zu bezeichnen, aber es handelt sich auch nicht um einen reinen Krimi, denn den Hauptteil machen die Zerrissenheit der Protagonisten und deren Beziehungen untereinander aus. Dabei bleiben diese immer menschlich, jeder hat Stärken und Schwächen - auch die "Bösen" und sogar die Nebencharaktere erhalten genügend Raum zur Entfaltung. Es gibt keinen Helden, sondern die Beschreibung des Alltags, der (Schuld)Gefühle und Zweifel. Aber das brauche ich in diesem Buch auch nicht: Ich brauche keine Helden, die ich liebe - ich brauche Helden, deren Beweggründe mir vor Augen geführt werden. Verstehen muss ich diese nicht, aber akzeptieren.

Schon lange hat es kein Krimi mehr geschafft, mich zu überrumpeln - aber hier ist die Entwicklung so unerwartet, dass ich meinen Hut ziehe vor dem "Gehirnschmalz", den Horst Eckert beim Schreiben in das Buch gesteckt hat. Sehr gelungen ist auch das Ende voll von melancholischer Zuversicht, obwohl einige Fragen offen blieben, auf auf die ich so spontan keine Antwort fand, was allerdings nicht sonderlich stört, da Bücher nur Ausschnitte und Einblicke in verschiedene fiktive Leben bieten und auch dort nicht alles abgeschlossen werden muss.

"617 Grad Celsius" ist der achte Teil einer Reihe ohne starken Seriencharakter. Jedes Buch schildert die Handlung aus der Sicht einer anderen Hauptfigur, aber Handlungsort ist meistens Düsseldorf und dessen Polizeiumfeld. Ich kannte bisher noch kein Buch von Horst Eckert und hatte auch nicht das Gefühl, dass mir von der Handlung etwas entgehen würde. Trotzdem sind nach Lesen dieses Teils alle anderen Bücher des Autors auf meiner Wunschliste gelandet.

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