Tim Davys: Amberville

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Tim Davys: Amberville
Verlag
ET (D)
2008
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Amberville
ET (Original)
2007
ISBN-13
9783492052061

Informationen zum Buch

Seiten
382

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
An einem späten Vormittag EndeApril hämmerte jemand an die Wohnungstür von Eric Bär und Emma Kaninchen in der ziegelroten Uxbridge Street.

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Handlungsort

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Vergessen Sie Schafe, vergessen Sie Katzen, und betreten Sie den verrücktesten Tatort der ­Kriminalliteratur: von Stofftieren bevölkert. Sonst aber ist in Amberville alles in bester Ordnung. Die Häuser gleichen einander aufs Haar, und ­zwischen den gepflegten Vorgärten stehen weiß getünchte Holzzäune. Für Eric Bär, den ausgestopften Teddy, hat dieses geordnete Leben an einem späten Vormittag im April ein vorläufiges Ende: Sein ehemaliger Boss, der zwielichtige ­Kasinochef Nicholas Taube, bittet ihn um einen Gefallen. Eric soll für ihn die berüchtigte Todes­liste beschaffen, auf der jeder Bewohner von ­Amberville irgendwann einmal landet. Niemand weiß, wer die Liste führt und wer sie hat. Aber Eric Bär verabschiedet sich von seiner Frau Emma Kaninchen und macht sich mit drei Freunden aus alten Tagen auf, die Liste um jeden Preis zu finden.

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Was auf den ersten Blick wie der Plot für einen klassischen Krimi erscheint – Held mit angestoßenem Heiligenschein muss eine Aufgabe für den stadteigenen Gangsterboss erfüllen, um seine bildhübsche Geliebte zu retten – ist sehr viel mehr. Denn Eric Bär, Emma Kaninchen und Nicolas Taube sind Stofftiere.

Sie leben in Mollisan Town, gehen zur Arbeit, gründen Familien und vergnügen sich in zwielichtigen Etablissements. Das Leben in der bunten Stadt, in der jede Straße ihre eigene Farbe hat, folgt genauen Gesetzmäßigkeiten, die noch weiter durchgeplant sind, als der Leser es vermutet, denn sogar das Wetter folgt einem genauen Zeitplan. Genauso reglementiert ist das Leben, dementsprechend viele Ämter gibt es. Und weil Stofftiere keinen Nachwuchs zeugen können, werden Anträge gestellt und geprüft - und den als geeignet eingestuften Paaren das Kind mit einem grünen Lieferwagen bis vor die Haustür gebracht. Und so, wie eine Kinderliste existiert, existiert angeblich ebenso eine Todesliste, denn auch die Zeit eines Stofftiers ist irgendwann abgelaufen. Auf dieser Liste wähnt sich der Mafiaboss Nicolas Taube, der wiederum Eric Bär darauf ansetzt, ihn von der Liste zu streichen. Weshalb ausgerechnet Eric diesen Job erledigen muss, wie sein Zwillingsbruder Teddy in die ganze Geschichte passt, was es mit der alten Gang auf sich hat und – vor allem – ob es die Todesliste tatsächlich gibt, das muss jeder selbst erlesen.

Eingeschworene Krimileser werden allerdings nicht auf ihre Kosten kommen, denn Hochspannung sucht man in Amberville vergeblich. Das mag zum einen daran liegen, dass Stofftiere eben Stofftiere sind, die zwar gefoltert werden können, dies dem Leser aber kaum nahe geht. Zum anderen werden unserem Held nur bedingt Steine in den Weg gelegt, die er im besten Fall noch dazu verwendet, draufzusteigen um eine bessere Sicht zu haben. Der Hauptgrund ist jedoch, dass der Autor das strukturelle und soziale Gefüge seiner liebevoll erdachten Stofftier-Welt detailgetreu und lückenlos beschreibt und zahlreiche Einblicke in die Familien- und Lebensgeschichten seiner Protagonisten gewährt. Da kommen neben einer dubiosen Figur, deren Identität man unbedingt enthüllen möchte, und dem Zwillingsbruder von Eric Bär auch mal Nebenfiguren zu Wort, die zwar der Welt von Amberville zusätzliches Leben einhauchen, aber auch den Plot verwässern.

Doch kommen wir zum nächsten Pluspunkt: in Amberville gibt es keine reine Schwarzweiß-Malerei. Sowohl die Helden haben ihre dunklen Geheimnisse als auch die Bösewichte ihre liebenswerten Schwachpunkte, die vermeintlich bunte Welt der Stofftierstadt hat ihre Schattenseiten. Es gibt Drogen, Kasinos und Prostitution, Korruption, Intrigen und Folter. Die Mächtigen missbrauchen ihre Macht und die Ausgestoßenen fristen ihr Leben auf der Deponie. Die Figuren haben tatsächlich eine erzählenswerte Geschichte, vertreten Meinungen und durchlaufen Entwicklungen. Sie zerbrechen an Moralvorstellungen, werden vom Leben mit Füßen getreten und treten ihren persönlichen Rachefeldzug an. Natürlich gibt es auch die Sonnenseite des Lebens, doch die Welt von Mollisan Town ist kein Puppenhaus.

Insgesamt glänzt Amberville weniger durch die Krimihandlung, sondern durch sein ausgearbeitetes Konzept. Die Mehrdimensionalität, die auch Raum für Sozialkritik und philosophische Überlegungen gibt, hat auch im Plüschgewand ihren Reiz. Durch den umfassenden Blick auf die Stadt und seine Bewohner ergaben sich für mich allerdings einige Längen, die zu Abzug in der Wertung führen.

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Ich war irgendwie anhand des Titels und auch des Autorennamen von einem amerikanischen Autor ausgegangen und war dann ziemlich überrascht, dass „Amberville“ von einem Schweden stammt. Letztendlich ist das aber egal, die Welt in der das Buch spielt, ist sowieso eine ganz andere. Hauptfiguren sind Plüschtiere jeglicher Art. Es gibt zwar Unterschiede zwischen Säugern und Vögeln und den wenigen Insekten, aber insgesamt sind die verschiedenen Tierarten gleichwertig und die körperlichen Eigenschaften sind größtenteils angeglichen. Paarbildungen sind nicht an die Rasse gebunden und Kinder (körperlich voll ausgewachsen) werden sowieso nach erfolgreicher Bewerbung in einem grünen Lieferwagen ausgeliefert – und der Tod kommt, wenn es soweit ist, in einem roten Lieferwagen.

Hauptfigur und häufigster Erzähler ist Eric Bär (der Nachname ist immer die Tierart), der eine glückliche Ehe mit Emma Kaninchen führt. Doch eines Tages steht der örtliche Mafiaboss auf der Matte und erklärt, er wisse, dass er bei der nächsten Tour des roten Lieferwagens fällig sei und Eric solle gefälligst dafür sorgen, dass er von der Todesliste gestrichen wird – der Todesliste, von der niemand weiß, ob sie wirklich existiert. Sollte es Eric nicht gelingen, wäre auch Emmas Leben verwirkt. Eric reaktiviert die alten Freunde aus seiner wilden Jugend und versucht das Unmögliche möglich zu machen, allerdings muss er dabei einige unangenehme Entscheidungen treffen und Wahrheiten akzeptieren, von denen er lieber nichts gewusst hätte.

Ich fand ja schon den Klappentext interessant und außergewöhnlich und hatte dann das Glück, dass „Amberville“ meine Erwartungen voll erfüllen konnte. Dabei stimmt das Label Krimi für dieses Buch nur bedingt. Das Grundgerüst entspricht in gewisser Weise schon einem klassischen Krimi, aber viel interessanter war es zu sehen, nach welchen Strukturen Davys seine Welt aufgebaut hat und wie der Autor die Parallelen zur realen Welt umgesetzt hat. Es hat einfach Spaß gemacht zu lesen, welche Gedanken sich Stofftiere so über das Leben machen und dass sie sich nicht wirklich von uns Menschen unterscheiden. Genau das richtige, für alle, die als Kind lieber mit Stofftieren als Puppen spielten und sich sicher waren, dass das nicht nur Tiere waren.

Eine geniale Idee, klasse umgesetzt.

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