Barbara Bierach: Lügenmauer

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Barbara Bierach: Lügenmauer
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch
ET (Original)
deutsch
ISBN-13
9783548613062

Informationen zum Buch

Seiten
288

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Sie kniff die Augen zusammen, im Zwielicht des dunklen Schuppens konnte sie kaum etwas erkennen.

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Handlungsort

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Irland, die grüne Insel. Voller Mythen, Dichter und Musik. Doch Emma Vaughan, Inspector bei der Mordkommission in Sligo an der verregneten irischen Nordwestküste, kriegt von diesem Irland der Touristenbüros nicht viel mit. Als Protestantin und geschiedene, alleinerziehende Mutter weckt sie in einem zutiefst katholischen, männlichen Polizeicorps meist nur Misstrauen. Ausgerechnet in dem Mord an einem hochrangigen Mitglied der Kirche soll Emma ermitteln. Die Spur führt in ein Kloster, in dem in den Sechzigerjahren junge Mütter ihre unehelichen Kinder zur Welt brachten. Ein dunkles Kapitel der irischen Geschichte. Was aber passierte mit den Kindern? Emmas Fragen treffen nur auf eisiges Schweigen. Um der unglaublichen Wahrheit auf die Spur zu kommen, muss Emma sich auch den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

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Das alte und das neue Irland

Inhaltsangabe:

Emma Vaughan hat es bei ihrer Arbeit in der Mordkommission im irischen Sligo nicht leicht, denn sie ist a) eine Frau, b) geschieden, c) alleinerziehende Mutter und d) protestantisch. Trotz allem hat sie sich ihren Platz erkämpft und bildet mit ihrem Kollegen James Quinn ein gutes Ermittlerteam. Beider Können wird eines Tages herausgefordert, denn sie sollen den Mord an einem hochrangigen Mitglied der katholischen Kirche aufklären. Anscheinend war Charles Fitzpatrick, so der Name des Toten, ein schwieriger Mann, denn Emma und James müssen mehrere Spuren verfolgen. Zum einen gibt es verschiedene Versuche, ein millionenschweres Erbe an den richtigen Mann bzw. die richtige Frau zu bringen. Zum anderen führt eine Spur in ein „Magdalenenheim“, in dem in den 60er Jahren ledige Frauen ihre Kinder zu Welt brachten – was im erzkatholischen Irland mehr als ein Makel bedeutete ...

Der erste Satz:

„Sie kniff die Augen zusammen, im Zwielicht des dunklen Schuppens konnte sie kaum etwas erkennen.“

Meine Meinung zum Buch:

Mit diesem Buch erhält man spannende Unterhaltung. Die Geschichte ist logisch aufgebaut und wird nie langweilig.

Emma ist eine sympathische Ermittlerin mit interessantem Hintergrund: aufgewachsen in New York, nach der Heirat Umzug ins irische Sligo, Polizeiausbildung, Kind, Trennung. Das gibt genügend Stoff für ein buntes Bild, in dem sich Emma mit den Tücken des Alltags herumschlagen und dann auch noch einen schwierigen Fall lösen muss. Aber nicht nur Emma ist facettenreich charakterisiert, dies sind auch noch weitere Figuren in diesem Buch. Ihr pubertierender Sohn Stevie und ihr Ex-Mann Paul, bei dem es gegen Ende der Geschichte auch noch eine interessante Entwicklung gibt, sind ebenfalls lebendig gezeichnet. Und natürlich die Polizeikollegen, allen voran Emmas Partner James Quinn oder ihr Vorgesetzter Murry. Wichtig sind auch die Personen auf Täter- und auf Opferseite, hier erlebt man tragische Schicksale und eiskalte Charaktere, die einen beim Lesen nicht unbeteiligt lassen.

Die Geschichte wird auf insgesamt drei Zeitebenen erzählt, die sich am Ende zu einem einzigen Bild zusammenfügen. Das hat mir sehr gut gefallen, es macht das Lesen abwechslungsreich und hält die Spannung.

Positiv aufgefallen sind mir die beiläufig eingestreuten Informationen zum heutigen und zum vergangenen Irland. Das wirkte weder störend oder belehrend noch unterbrach es den Lesefluss. Es passte einfach hinein und ließ mich an manchen Stellen die Dinge besser verstehen.

Mein Fazit: Buchtipp!

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Eine Leiche und ein düsteres Familiengeheimnis

Im irischen Sligo wird ein hochrangiges Mitglied der protestantischen Kirche ermordet aufgefunden. Emma Vaughan und ihr Kollege James Quinn übernehmen den Fall und erfahren, dass der tote Kirchenmann alles andere als ein Kostverächter war, wenn es um Frauen ging. Dennoch treten sie mit ihren Ermittlungen lange auf der Stelle. Bis die Ermittler einer Spur in die Vergangenheit folgen.

Die grüne Insel Irland – das ist auf der einen Seite das Sehnsuchtsziel vieler Touristen, auf der anderen Seite der blutige Konfessionskrieg in der Vergangenheit. Heutzutage gerät der letztere Aspekt bei Nicht-Iren immer mehr in Vergessenheit, auch bei mir, wie ich zugeben muss, dabei liegt das Karfreitagsabkommen noch keine 20 Jahre zurück.

Die in Irland lebende Autorin zeigt jedoch, dass die IRA und das Misstrauen zwischen Katholiken und Protestanten sehr wohl noch immer eine große Rolle auf der gesamten irischen Insel spielen. So hat auch Emma Vaughan als protestantische und geschiedene, alleinerziehende Mutter bei manchen männlichen katholischen Kollegen einen schweren Stand. Dass die Konfessionen heute immer noch so eine große Rolle spielen, konnte ich mir nicht vorstellen. Ebenso hat mich das immer noch recht konservative Frauenbild auf der Insel erschreckt.

In diesem eher ruhigen Krimi steht nicht immer die Mordermittlung an erster Stelle, sondern auch die spannenden und informativen politischen und gesellschaftlichen Hintergrundinformationen. Genau wie die Familiengeschichte, die parallel in den 1960er Jahren spielt, in der es um das traurige Schicksal von schwangeren und unverheirateten Frauen und deren Kinder geht.

Auf die Lösung des Falls kann man selber kommen, dafür ist der Umgang damit umso überraschender. Auch wenn ich mit den Konsequenzen nicht restlos einverstanden bin, ist es unter den gegebenen Umständen sicherlich die beste Lösung für die Ermittlung.

Emma Vaughan hat mir mit ihrer burschikosen und teilweise zynischen Art sehr gut gefallen, auch wenn sie sich gerne in Schwierigkeiten bringt, weil sie den Mund nicht immer halten kann. Als Irin, die in New York aufgewachsen ist, kann und will sie die Bedeutung des katholisch-protestantischen Konflikts nicht verstehen – da geht es ihr ganz genauso wie mir. Mit ihrem jugendlichen Sohn Stevie, der sich mitten in der Pubertät befindet, hat sie es auch nicht immer leicht, zumal Emmas Exmann das Sorgerecht für den Sohn an sich ziehen will.

Glücklicherweise hat Emma mit ihrem katholischen Partner James Quinn und ihrem Chef Murry Glück, die beide eine liberale Denkweise verfolgen.

Ich hoffe sehr, dass es weitere Fälle mit Emma und James geben wird, auch wenn der Roman mir einige Illusionen über Irland genommen hat.

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Emma Vaughn in ihrem ersten Fall

Emma Vaughn, Polizistin, protestantisch, geschieden, ermittelt im kleinen irischen Ort Sligo in einem Mordfall. Opfer ist der bekannte Reverend Charles Fitzpatrick. Fitzpatrick gilt als angesehenes Mitglied der Gemeinde. Umso grösser ist der Druck, den Fall möglichst schnell aufzuklären. Nicht gerade einfach mit einem pubertierenden Sohn, einer Kollegenschaft die ihr nicht hundertprozentig wohlwollend gegenübersteht und einem Ex-Mann, mit dem noch einiges zu klären ist.

Emma Vaughn ermittelt hier in ihrem ersten Fall und der hat es in sich. Sie hat unter anderem zu kämpfen mit Alpträumen, mehr oder weniger sympathischen Kollegen und elitären Verdächtigen. Das alles in einem Irland, dessen frauenfeindliche Vergangenheit noch gar nicht allzu lang her ist. Die geschichtlichen Hintergrundinformationen sind teilweise erschreckend.

Protestanten, Katholiken, die IRA, all das bildet das Setting für den ersten Roman von Barbara Bierach. Die Autorin liefert hier so einiges. Der Klärung des Mordes und der geschichtliche Hintergrund Irlands halten sich hier die Waage. Alte Familientragödien, Eifersucht und Macht spielen in die Lösung des Falles hinein. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und ich bin beim Lesen des öfteren zwischen den möglichen Tätern bzw. Täterinnen hin- und hergesprungen. Die Lösung des Falles hat mich überrascht, war aber durchaus schlüssig.

Man darf hier keinen bluttriefenden Thriller mit diversen Toten und wildem Finale unter Pistolenbeschuss erwarten. Man folgt Emma Vaughn bei ihren Ermittlungen und dringt langsam immer tiefer in die Abgründe der Protagonisten hinein. Ein ruhiger aber eindringlicher Krimi, der mir sehr gut gefallen hat. Ich hoffe sehr auf weitere Fälle von Emma.

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Ein interessanter Krimi aus Irland

Sligo an der NordWestküste Irlands:
Hier lebt die protestantische, alleinerziehende Polizistin Emma Vaughn mit ihrem Sohn, in Reichweite ihren Exmann und soll nun zusammen mit ihrem Kollegen James Quinn den Mord an dem bekannten und angesehenen Mitglied der Gemeinde Charles Fitzpatrick klären. Die Ermittlungen treten lange auf der Stelle, bis sie einem Fingerzeig in die Vergangenheit folgt.

Emma Vaughn sind meine Sympathien nicht gleich zugeflogen. Doch mit ihrer burschikosen, ehrlichen Art hat sie mich dann doch überzeugen können. Sie kämpft mit Albträumen, Rückenschmerzen und einem Exmann, der ihr versucht das Leben schwer zu machen. In ihrer Dienststelle lassen sie einige Kollegen spüren, dass sie als alleinerziehende, geschiedene Frau in Irland aus der Reihe fällt. Beim Lesen ist mir erst mal wieder klar geworden, wie unterschiedlich doch auch heute noch die Rollenverteilung dort und hier bei uns ist.

Der Kriminalfall zieht sich durch die vielen Verdächtigen und die intensive Recherchearbeit etwas hin. Aber die vielen Hintergrundinformationen, die ich aus der Lektüre bekomme, sind so interessant und spannend und haben mich absolut fesseln können. Zwischenzeitlich hatte ich für mich immer mal wieder einen Täter gefunden. Die letztendliche Auflösung ist gut nachvollziehbar, der Umgang damit hat mich aber etwas überrascht. Bin aber völlig damit einverstanden.

Wer einen bluttriefenden Krimi sucht, der ist hier falsch. Wer sich aber auf die Suche nach einem Täter machen will, der diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient hat, die leisen Töne eines Krimis liebt und mehr über die Rolle der Frau in Irland lesen möchte, der ist hier genau richtig.

Ich hoffe, ich werde von der neuen sympathischen Inspectorin und von ihrem genauso sympathischen Kollegen bald mehr lesen dürfen.

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Die Machenschaften der Kirche

Charles Fitzpatrick wurde ermordet. Wer tut das einem Kirchenmann im Ruhestand an? Emma Vaughan, Inspector bei der Mordkommission in Sligo soll den Fall auf Wunsch ihres Chefs möglichst schnell abschließen. Aber es gibt fast keine Spuren und kaum brauchbare Hinweise. Was war das Motiv? Obwohl der Tote nicht sonderlich beliebt war, stoßen Emma und ihr Kollege James nur auf Schweigen.
Das Buch beginnt ein den sechziger Jahren mit einer Vergewaltigung in einer Scheune. Als Leser geht man sehr schnell davon aus, dass der Todesfall mit dieser Vergewaltigung zusammenhängt.
Das Buch erzählt einem neben der Krimihandlung sehr viel über Irland, die Stellung der Kirche und des Glaubens in diesem Land. Es erzählt aber auch von dem ewigen Misstrauen und den Vorurteilen. Unter diesen Vorurteilen hat auch Emma zu leiden. In dieser Gegend hat man katholisch zu sein, sie aber ist protestantisch, dazu noch geschieden und alleinerziehende Mutter. Ihrem Ex kreidet man das aber nicht an, obwohl er mit seiner Gewalt Emma in die Flucht getrieben hat. Emmas Kollege James ist ein gut aussehender und sympathischer Typ. Ich mochte die lockeren Dialoge zwischen den beiden. Der Polizeichef dagegen ist Wenig an der Polizeiarbeit, dafür aber sehr am Golfen interessiert. Er will bei den Ermittlungen auch keinen Konflikt mit der Kirche.
Die Geschichte verläuft relativ ruhig, aber mit überraschendem Ende. Dafür zeigt sich ein authentisches Bild von Irland, in dem die Kirche große Macht hat und der Glaube das Leben der Menschen mitbestimmt.
Mir hat das Buch gut gefallen.

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Wer hat den Reverend ermordet?

Oktober 1964. Eine junge Frau wird vom Besuch ihrer Eltern vergewaltigt. Doch sie kann nicht gegen den Mann vorgehen, man würde ihr nicht glauben, eher das Gegenteil….
Emma und ihr Partner James wurden zu einem Leichenfundort gerufen. Ein sehr bekannter pensionierter Reverend war tot aufgefunden worden und es war eindeutig Mord….
Die Putzfrau des Reverend vermutete, dass dieser was mit der Nachbarin hatte…
Des Reverend Ehefrau war außer Haus bei ihrer Schwester gewesen und inzwischen unterwegs nach Hause. Emma wollte ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes persönlich sagen…
Wie ein roter Faden zieht sich eine Geschichte durch das Buch. Es geht um eine alte, demente Frau, die ihre Pflegerin immer Kaitlin ruft obwohl diese Catherine heißt….. Und dann fallen der Pflegerin die Tagebücher ihrer Patientin in die Hände….
Wer hat die junge Frau vergewaltigt? War es so ein prominenter Mann, dass ihre Eltern nicht ihr sondern ihm glauben würden? Hatte er so gut Beziehungen? Warum war der Reverend umgebracht worden? Hatte der Mörder gewartet, bis dessen Frau außer Haus war? Warum wollte Emma die Todesnachricht persönlich überbringen? Was hat es mit der Frau auf sich, die die Pflegerin immer Kaitlin nennt? Was enthalten die Tagebücher? Alle diese Fragen – und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.

Meine Meinung
Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen. Der Schreibstil war angenehm unkompliziert, es tauchten keine Fragen nach dem Sinn und Zweck eines Wortes oder Satzes auf. In die Geschichte bin ich gut hineingekommen. Auch in die Protagonisten konnte ich mich gut hineinversetzen. Oft führten die Spuren, denen Emma und ihr Partner nachgingen, ins Nichts. Am Ende konnte ich die Reaktion Emmas zwar durchaus verstehen, aber sie war eindeutig falsch. Sie konnte Emma ihre Stelle kosten, falls irgendjemand je etwas davon erfahren würde. Insgesamt war das Buch spannend und hat mir auch sehr gut gefallen. Ich habe es sehr schnell gelesen.

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Scheinheilig: Lügenmauer - Barbara Bierach

Ein toter Kirchenmann – das ist nicht nur für Emma Vaughan, protestantisch, geschieden und alleinerziehend, ein heikler Fall, sondern auch für die Oberen im County Sligo. Dementsprechend groß ist der Druck auf die Ermittlung und Emma Vaughan, gemeinsam mit ihrem Kollegen James Quinn, stochert in jeglichen Ecken. Gar nicht so einfach bei Charles Fitzpatrick. Der Armeepfarrer ist weit herum gekommen und hat nicht überall nur Freunde hinterlassen. Vor allem seine Bettgeschichten sind weithin bekannt. Doch war es eine ehemalige Verflossene? Vielleicht ja auch die IRA? Oder waren die Nichten und Neffen scharf auf „The Manors“, den Familiensitz der Fitzpatricks. Die Lösung rückt erst näher, als Emma beginnt, tief in der Vergangenheit der Familie zu wühlen…

Der Klappentext hat bei mir impliziert, dass Emma Vaughan, als geschiedene, alleinstehende und protestantische Frau in der Sligoer Polizei wesentlich mehr Probleme hat, doch das ist gar nicht so. Neider gibt es überall und es kam jetzt nicht übermäßig dazu, dass Emma gemieden oder gemobbt wurde, es waren nur ein paar hämische Bemerkungen. Für mich als Leserin ein wenig schade – ich mag es, wenn Figuren sich durchboxen müssen. Emma ist eine angenehme und ehrgeizige Ermittlerin. Sie lässt keine Richtungen aus, auch wenn man zugeben muss, dass sie ca. dreiviertel des Buches im Nebel stochert. Zur Auflockerung dient ihr Kollege James, der nicht nur witzige Sprüche klopft, sondern auch gerne mit ihr flirtet.

Ein zweiter Erzählstrang um Catherine, eine Altenpflegerin, die sich unter anderem um Margaret, Fitzpatricks Schwester kümmert, die dement in einem Seniorenheim ist, bringt dann das hintergründige Thema hervor. Ein dritter Erzählstrang führt dann sogar in die 60er Jahre zurück, denn das Rätsel des Mordes an Charles Fitzpatrick liegt in der Vergangenheit begründet. Diese beiden Stränge sind immer recht kurz und so gewährt die Autorin den Lesern immer nur einen kleinen Blick auf das Geheimnis und man kann bis fast zum Ende knobeln, wer denn nun der Täter oder die Täterin ist. Am meisten hat mich aber das Hintergrundthema interessiert: Heime für Mädchen, „unchristliche“ Mädchen, oder was manche dafür hielten.

Heutzutage mag man vielleicht schon fast vergessen haben, dass auch die christlichen Kirchen viel Unrecht im Namen Gottes geschehen ließen. Erschreckend ist aus diesem Grund der Blick nach Irland, in dem bis in die Neunziger Jahre sogenannte Magdalenen-Heime existierten. Heime, in denen „gefallene“ Mädchen wieder zum Glauben zurück geführt werden sollten. Keineswegs landeten dort aber nur Prostituierte, sondern jegliche Mädchen, die ungewollt schwanger wurden, auch durch Vergewaltigung, oder sich in anderer Art nicht gottgefällig verhielten – jedenfalls in den Augen der Autoritäten. Beschimpfungen und harte körperliche Arbeit waren noch das wenigste, was diese Mädchen aushalten mussten, Missbrauch und verscharrte Babys das schlimmste. Natürlich alles unter dem Deckmantel der christlichen Nächstenliebe. Und das ist kaum 20 Jahre her…

Erschreckend und spannend, doch im Krimi umgesetzt hätte es für mich noch ein wenig mehr sein können. So kratzt der Kriminalfall zwar an dem Thema und zeigt wie die Nutznießer des Systems vorgingen und welche Werte und Moralvorstellungen damals herrschten, doch die Ausführenden bleiben davon unberührt. Noch ein wenig besser hätte es mir gefallen, wenn diese auch vorgekommen wären, wenn die Kirche, die Hintermänner hervor gekommen wären. Nichtsdestotrotz war es ein spannender Fall, der sogar noch mit einer Auflösung aufwartet, die mich mit der Frage zurückgelassen hat, wer entscheidet, ob jemand gut oder böse ist, und ob ein Verbrechen gesühnt werden muss oder nicht.

Fazit:
Das hintergründige Thema hätte gerne noch mehr in die Tiefe gehen und die scheinheilige Nächstenliebe der Kirche entlarven können, doch das kritische Thema gepaart mit einer gewohnt eigenwilligen Ermittlerin hat mir eine spannende Lektüre beschert.

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