Fred Vargas: Das Orakel von Port-Nicolas

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Fred Vargas: Das Orakel von Port-Nicolas
Verlag
ET (D)
2001
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Un peu plus loin sur la droite
ET (Original)
1996
ISBN-13
9783746615141

Informationen zum Buch

Seiten
285

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
"Was machst Du denn hier im Viertel?"

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Handlungsort

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Gesucht wird eine Leiche, von der es nicht mehr als ein Zehenknöchelchen gibt, gefunden von Ex-Inspektor Louis Kehlweiler auf einem Baumgitter an der Pariser Place de la Contrescarpe. Dass dieses belanglose Teilchen ihn und seinen jungen Freund, den arbeitslosen, aber vielbeschäftigten Historiker Marc Vandoosler, bald in ein verregnetes bretonisches Hafennest führt und der Schlick eines alten Verbrechens aufrührt, erscheint am Ende ebenso logisch wie Kehlweilers Starrsinn visionär. Aber bis dahin ist noch manches Bier zu trinken im Café de la Halle, wo jeder jeden beobachtet.

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Spannendes Stochern in Kehlweilers Welt

Einen Inspektor muss schon etwas Besonderes antreiben, wenn er aus einem winzigen Knöchelchen auf einem Pariser Baumgitter eine Mordermittlung strickt. Louis Kehlweiler jedenfalls ist so ein Mensch, für den ein löchriges Fundstück aus einem Hundehaufen die Spur zu einer Leiche bedeutet und der mit Akribie an die Arbeit geht. Hartnäckig katalogisiert er alle Hunde, die am Fundort mit dem Herrchen Gassi gehen. Etwas ungewöhnlich geht das Kehlweilersche System vonstatten, aber es funktioniert. Im kleinen Ort Port-Nicolas in der Bretagne wird Kehlweiler mit einer passenden Leiche fündig.

Louis Kehlweiler zur Seite steht Marc Vandoosler, ein Historiker, der sich auf das Mittelalter spezialisiert hat. Einen Teil seines Lebensunterhalts verdient er damit, für Kehlweiler Zeitungen zu sichten, zu ordnen und zu einem privaten Referenz- und Recherchearchiv aufzubauen. Vandoosler lässt sich nur ungern zu einer neuen Arbeit heranziehen, denn den Rest der Zeit durchforstet er alte Wirtschaftsbücher, um über die Wirtschaft des Burgunds im 13. Jahrhundert zu schreiben. Aber Kehlweiler ist zum Einen auf geheimnisvolle Art überzeugend und zum Anderen ist Vandoosler doch ein klein wenig zu neugierig auf die seltsamen Schachzüge seines Arbeitgebers.

Dieses Buch verschaffte mir die Begegnung mit zahlreichen spleenigen Menschen. Kehlweiler allen voran. Verwunderlich ist es nicht, dass sein Anfangsverdacht auf wenig Gegenliebe stößt. Vor allem, nachdem er beim Innenministerium rausgeflogen ist. In diesem Buch erfährt man nicht warum, spürt aber, dass sein Name einen gewissen Beigeschmack hat. Auskünfte erhält er durchaus; Kehlweiler stellt allerdings auch fest, dass er nicht allen Auskünften trauen kann. Und er wäre nicht Kehlweiler, wenn er dazu nicht Vandoosler im Schutz der Dunkelheit Richtung Rathaus losschicken würde. Kehlweiler löst in Port-Nicolas nicht nur diesen einen Mordfall, sondern hat zusätzlich die Chance, eine private Rechnung erfolgreich zu begleichen.

Zu den ungewöhnlichen Bekanntschaften von Kehlweiler zählt außerdem jemand, der einen Mörder laufen ließ. Auch dieser wurde freilich von seinem Arbeitgeber wegen breiter Interpretationsbereitschaft der eigenen Aufgaben längst gefeuert, verursacht aber beim Leser heftige Neugier. Warum es zu diesem Schritt gekommen ist, muss schließlich herausgefunden werden. Dagegen wirken Vandoosler und sein Freund, der Prähistoriker Mathias, geradezu harmlos in ihrer auf ihre Forschungen fokussierten Welt. Aber auch sie ticken innerhalb ihrer Welt wie Kehlweiler in seiner: Die leidenschaftliche Spezialisierung sorgt dafür, dass Mathias einen entscheidenen Hinweis geben kann, den außer ihm niemand hätte lesen können.

Ausgerechnet so eine Zusammensetzung wirkt auf mich geradezu liebenswürdig und bisher habe ich jedes Vargas-Buch mit dem Wunsch verlassen, möglichst bald bestehende Leselücken zu füllen. Kehlweiler spürt absolut schlüssige Verbindungen auf, die aber lange im Dunklen bleiben. Es gibt keine Diskussionen, in denen Varianten abgeklopft und Stück für Stück untersucht werden. Mitraten funktioniert kaum und doch bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als wärend der Lektüre zu versuchen, in Kehlweilers System einzudringen und es zu verstehen. Und das ist bis dato bis zum Ende immer spannend gewesen.

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