Davide Longo: Der Fall Bramard

 
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Davide Longo: Der Fall Bramard
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Il caso Bramard
ET (Original)
2014
ISBN-13
9783498039387

Informationen zum Buch

Seiten
320

Sonstiges

Originalsprache
italienisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Die angelehnte Tür der Hütte im Wald.

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Handlungsort

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Corso Bramard lebt in einem Dorf am schönsten Wanderweg der Alpen, der GTA, «Grande Traversata delle Alpi». Doch unaufgeklärte Verbrechen lasten auf den Bewohnern.
Bramard, ein schweigsamer charismatischer Kauz, war als Kommissar einem Frauenmörder auf der Spur. Kurz vor der Aufdeckung jedoch wurde seine eigene Frau zum Opfer, seine Tochter verschwand.
Zwanzig Jahre später meldet sich der Mörder mit einem anonymen Brief und einem Zitat aus dem Song «Story of Isaac» von Leonard Cohen bei ihm wieder. Bramard, der inzwischen Lehrer geworden ist und eine zarte Liebesbeziehung zu der in der Dorfbar arbeitenden Rumänin Elena unterhält, nimmt die Herausforderung an. Er begibt sich auf die Suche nach dem Mann, der sein Leben beinahe zerstörte, setzt die einzelnen Erinnerungen der Talbewohner an die letzten zwei Jahrzehnte akribisch zusammen, bis es zu einer in jeder Hinsicht überraschenden Begegnung kommt.
Ein spannungsgeladener Roman über die Nähe von Schönheit und Verbrechen und über Verletzungen, die man jahrelang in sich trägt, bis der Moment kommt, sich ihnen zu stellen und sie zu überwinden.

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Ein literarischer Kriminalfall

Es ist beinahe 10 Jahre her, dass ich "Der Steingänger" von Davide Longo gelesen habe. Damals hatte mich dieser schmale Roman, in dem der Autor mit seiner kargen Sprache von einem ganz eigenen Kosmos in den piemontesischen Bergen erzählt, sehr beeindruckt. Daher war auch klar, dass ich "Der Fall Bramard" gerne lesen möchte, vor allem weil Longo mit seinem neuen Roman ins Piemont zurückkehrt.

Corso Bramard ist ein ziemlich einsilbiger Kauz, der nach der Ermordung seiner Ehefrau und dem Verschwinden seiner Tochter fast zerbrochen ist. Aus dem jüngsten italienischen Kriminalkommissar wird ein Geschichtslehrer und nach und nach überwindet er seine Alkoholsucht und seine allzu dunklen Gedanken. Ja, zwanzig Jahre nach den Verbrechen hat Bramard so etwas wie Normalität erlangt und führt eine Liebesbeziehung mit der Rumänin Elena, die in der Dorfbar arbeitet. Da erreicht ihn der dreizehnte und letzte anonymer Brief, der vom damals auch von Bramard gesuchten Frauenmörder stammt, und mit ihm ein Hinweis. Der Ex-Kommissar beschließt daraufhin, der Spur zu folgen und noch einmal die Suche nach dem Täter aufzunehmen...

Davide Longo hat ein besonderes Werk vorgelegt, das sicherlich nicht für jeden etwas ist. Die extreme Verdichtung der Sprache, diese teilweise äußerst knappen Sätze, die Dinge, die ungesagt zwischen den Zeilen schweben. Für mich war dieses Stilmittel jedoch sehr stimmig - passend zu der Schroffheit der piemontesischen Berge und dem melancholischen Charakter Bramards, der diese abgeschiedene Atmosphäre braucht, um mit sich selbst zurecht zu kommen.

Der Autor gilt als einer DER italienischen Autoren der heutigen Zeit und ich finde, dass er das mit diesem Roman erneut unterstreicht. Longo zeigt, dass auch mit reduzierten Mitteln ein Sog erzeugt werden kann, der einen durch das Buch zieht. Auch wenn der Roman vielleicht noch ein paar Seiten mehr vertragen hätte, bliebt sich der Autor treu und lässt einiges ungesagt.

Fazit: Sicherlich nicht für jeden das richtige Buch, aber mich überzeugt das hohe sprachliches Niveau und der gekonnte Minimalismus des Autors, der für mich zu Inhalt und Hauptfigur passt.

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Feine Erzählkunst

Vor zwanzig Jahren war Corso Bramard Kommissar und verfolgte den Serienmörder Autunnale. Als der Mörder dann Bramards Frau getötet hat und seine Tochter verschwindet, wird er untragbar für den Polizeidienst und scheidet aus. Heute lebt er in seinem einstigen Elternhaus, in einem der schönsten Dörfer Italiens, gibt einige Stunden Unterricht an einer Schule. Er ist ein schweigsamer Mann, am liebsten klettert er auf die umliegenden Berge und genießt die Einsamkeit. Nur wenige Freunde hat er im Dorf. Wie jedes Jahr erhält er auch jetzt einen Brief vom Mörder mit einer Strophe eines Leonard Cohen Songs. Diesmal ist allerdings ein Haar enthalten. Ein Haar des ersten Opfers. Des einzigen Opfers, welches Autunnale überlebt hat.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch viele “Mainstream”-Leser anzieht (so wie es mich eher abgeschreckt hat) und dann enttäuscht. Das Stichwort Serienmörder hat quasi eine magische Wirkung auf viele Krimileser. Davide Longo macht es seinen Lesern nicht einfach, denn sein Stil ist gewöhnungsbedürftig, aber dabei höchst literarisch. Der Autor gibt nicht alles preis, vieles muss man als Leser hinein interpretieren. Wäre im Klappentext nicht das Schicksal seiner Frau und Tochter beschrieben, man würde es im Buch erst spät mitbekommen. Der Fall eröffnet sich nur langsam, viel mehr Platz bekommt die Landschaft, das Dorf, Bramard selbst aber auch die Dorfbewohner. Es ist eine Skizze Italiens, so wie man es nicht kennt. Melancholisch, schweigsam, düster – etwas, dass man nur langsam öffnen kann und Geduld beweisen muss, um dann am Ende umgehauen zu werden.

Bramard ist ein gebrochener Mann, kriegt sein Leben aber nach einem tiefen Fall wieder einigermaßen auf die Reihe. Freunde hat er nur dediziert, überhaupt würde ich nur Cesare so bezeichnen, einen alten Mann aus dem Dorf, der ihn sein lässt, wie er will. Als nun das Haar im Brief auftaucht, zieht Bramard Arcadipane hinzu, seinen Nachfolger bei der Kriminalpolizei. Bramard war einst sein Vorgesetzter, doch nun ist er auf Arcadipanes Gutmütigkeit angewiesen. Die Wahrscheinlichkeit, einen Fall nach 20 Jahren zu lösen, tendiert gegen Null, doch Bramard kennt den Täter nicht als nachlässig, so muss es einen Grund haben, dass das Haar sich im Umschlag befindet. Arcadipane stellt ihm die junge Isa zur Seite, eine sehr gute Polizistin, die allerdings Schwierigkeiten hat, sich in das Team der Polizei einzufügen. Überhaupt hat sie Probleme mit dem Wörtchen “einfügen”. Und zudem erinnert sie ein wenig an Lisbeth Salander, was Davide Longo aber gerne zugibt und im Text als Isa gleich mal erwähnt, um den Vergleich dann abzulehnen.

Auch der Täter, Autunnale, darf im Buch immer wieder zu Wort kommen und man verfolgt seine Vorbereitungen zum Finale. Das ist allerdings weit weniger actionreich als man vermuten möchte, allerdings durchaus der letzte Stoß, um Bramard zu zerbrechen. Ob es dazu kommt, bleibt offen, doch natürlich unterstreicht das, wie perfide der Täter seine Taten geplant hat, wie akribisch er Bramard in seine Vorstellungen eingebaut hat und offenbart seine Vorgehensweise endgültig. Doch auch hier weniger reisserisch als vermutet, fast schon quälend offen und mit viel Interpretation vom Leser auszufüllen. Davide Longo macht es seinen Lesern nicht einfach, er lässt sie knobeln und nachdenken, dies allerdings erzählerisch grandios verpackt.

Italien ist für mich literatisches Neuland – Donna Leon habe ich nie gelesen und spontan ist sie schon die einzige italienische Krimischriftstellerin, die mir einfällt. Davide Longo hat es aber mit diesem Buch geschafft, auf meiner Liste ganz nach vorne zu preschen. Wie gut, dass ich zu Weihnachten “Der aufrechte Mann” erhalten habe. Zwar gehört dieser Titel nicht in die Bramard Reihe, aber die literarische Qualität erwarte ich natürlich auch hier – zusammen mit einem spannenend Blick in die Zukunft Italiens! Davide Longo sollte man auf jeden Fall im Auge behalten!

Fazit:
Ganz sicher nichts für die Masse, aber wirklich feine Erzählkunst, gestrickt um einen gebrochenen Kommissar und einen lebenslangen Fall. Grandios!

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Ein Fall, den ich sehr langatmig fand

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist der Meinung das Davide Longo derzeit, zu den spannendsten italienischen Schriftstellern gehört. So steht es hinten auf dem Buch und diese Aussage finde ich sehr beängstigend. denn ich Frage mich wo die spannenden Szenen versteckt waren? Davide Longo hat es meiner Meinung nach geschafft, ein Buch zu schreiben, das der Leser nicht vorzeitig beendet, weil er bis zum Schluss daran glaubt, das er den Inhalt irgendwann verstehen wird und auf das große Finale wartet. Für mich war das durchhalten leider vergebens, da ich viele Handlungen auch am Ende nicht verstanden habe. Eigentlich ist das Buch erst dahingeplätschert und irgendwann ausgeplätschert, ohne das es mich wirklich in den Bann gezogen hat.

Der Klappentext hat mir sehr gut gefallen und ich habe mich auf Bramard gefreut. Seine Ehefrau wurde vor 20 Jahren ermordet und seine kleine Tochter verschand spurlos. Endlich gibt es eine neue Spur mit einen anonymen Brief und er kommt den Täter immer näher. Davide Longo hat eigentlich einen angenehmen Schreibstil und wenn er nicht ständig von Dingen schreiben würde, die man nicht wirklich versteht und das so aussehen lassen würde, wie wenn man das verstehen müsste, hätte das lesen mehr Spaß gemacht.

Auf mich macht das Buch den Eindruck, wie wenn es noch nicht fertig gewesen wäre, oder aber jemand die letzten Seiten ausgerissen hat.
Es lässt mich enttäuscht zurück und ich gebe keine Leseempfehlung.

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