Cay Rademacher: Der Fälscher

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Cay Rademacher: Der Fälscher
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783832196950

Informationen zum Buch

Seiten
319

Serieninfo

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Pistolenkugel ist schneller als der Schall.

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Handlungsort

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Hamburg: Bei einem Routineeinsatz wird Oberinspektor Frank Stave niedergeschossen. Er kommt davon, aber wechselt von der Mordkommission zum Chefamt S, das den Schwarzmarkt bekämpft. Dort wird Stave gleich mit einem rätselhaften Fall konfrontiert: Trümmerfrauen haben in den Ruinen eines Kontorhauses Kunstwerke aus der Weimarer Zeit gefunden gleich neben einer Leiche, deren Identität der Kollege von der Mordkommission offenbar gar nicht aufklären will. Kurz darauf vertraut ihm Lieutenant MacDonald ein weiteres Problem an: Auf dem Schwarzmarkt sind rätselhafte Geldscheine aufgetaucht, deren Existenz die geheimen Pläne der Alliierten stört. Der Oberinspektor entdeckt bald seltsame Parallelen zwischen den beiden Fällen. Als der Tag X gekommen ist die Einführung einer neuen Währung, über die schon seit Wochen in der Stadt gemunkelt wird , scheint Stave kurz vor der Lösung zu stehen. Doch die Wahrheit ist gefährlich, und nicht nur für ihn allein.

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Die Nachkriegsjahre, zum Greifen nahe.

Der dritte Fall um Frank Stave, einen Hamburger Oberinspektor der Nachkriegsjahre, beginnt im Grunde mit einem Abstieg: Stave beschließt - nachdem er bei einem Einsatz niedergeschossen und schwer verletzt wurde - selbst, dass er nicht länger für die Mordkommission arbeiten möchte und wechselt deshalb nach seiner Genesung zum Chefamt S, das einen Stock unter seinem bisherigen Arbeitsplatz liegt. Doch nicht nur das ist ein Abstieg, sondern auch viele Kollegen können Stave nicht verstehen, werden die Mordermittler doch gerne als Elite der Polizei Hamburg gesehen, während das Chefamt S, das den Schwarzmarkt bekämpft, in diesen Tagen einen schweren Stand hat: die Alliierten haben beschlossen, dass Deutschland eine neue Währung bekommt und alle warten gespannt auf das frische Geld. Doch was geschieht an Tag X? Bricht der Schwarzmarkt zusammen, weil die Menschen ihre Waren wieder normal in den Geschäften kaufen können? Die meisten rechnen damit und so wird Staves neuer Aufgabe keine wirkliche Zukunft prognostiziert.
Doch dieser hat gleich zu Beginn seiner neuen Ermittlertätigkeit einen verzwickten Fall: im zerbombten Reimershof haben Trümmerfrauen ungewöhnliche Skulpturen gefunden, die in der Nazizeit unter sogenannte "Entartete Kunst" gefallen wären. Wo kommen sie her und was haben sie während des Zweiten Weltkrieges dort gemacht? Und nicht nur das, denn nur wenige Meter weiter findet sich eine Leiche, an deren Identität der Kollege von der Mordkommission kein großes Interesse zeigt. So muss Stave also auch hier ein wenig nachforschen - inoffiziell, versteht sich. Zu guter Letzt taucht auch noch Offizier James MacDonald auf, mit dem Stave bereits einiges erlebt hat, und bittet ihn in einem anderen Fall um verschwiegene Mithilfe: auf dem Schwarzmarkt sind ungewöhnliche Scheine aufgetaucht, die die aliierten Besatzer ziemlich nervös machen...

Frank Stave ist in meinen Augen einfach ein grundsympathischer Mann, der durchaus seine Schwächen und Probleme hat, aber gerade dadurch sehr authentisch auf mich wirkt. Auch wenn er noch von der Nazizeit her ein Einzelgänger ist, wird er inzwischen deutlich offener - er setzt sich mit seiner Versetzung durch, arbeitet für seine Verhältnisse sehr freundschaftlich mit MacDonald zusammen und sucht die Nähe zu seinem Sohn, ohne zu vergessen, dass er ihn nicht bedrängen darf und Karl nicht aus dessen Sprachlosigkeit herauszwingen darf. Aber auch an seinem eigenen Unvermögen muss er arbeiten - vor allem, wenn er Anna, die er nicht vergessen kann, zurückgewinnen möchte. Besonders gefällt mir an dieser Figur aber, dass sie so gerechtigkeitsliebend ist. Auch wenn Stave weiß, dass es nicht in allen Fällen möglich ist, die Schuldigen angemessen zu bestrafen, so weiß er doch, was er von diesen halten muss... Und Stave kann etwas, das im Deutschland dieser Tage beinahe nicht mehr vorhanden zu sein scheint: er begreift die Schwere der Schuld; die Motivation der Menschen, die hinter den Taten stehen und kann sie in ein vernünftiges Gleichgewicht setzen!
Wie auch schon in den Vorgängern von "Der Fälscher" ist es dem Autoren Cay Rademacher perfekt gelungen, mir die Lebenssituation der Menschen im zerbombten Nachkriegs-Hamburg nahe zu bringen: die Sorgen und Nöte, aber auch die Versuche, die eigene Schuld wegzuwischen, das eigene Handeln in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. So ist die Atmosphäre dieses Krimis für mich teilweise noch spannender als die Suche nach den Tätern und der Identität des Opfers... Zudem waren für mich die ganzen Geschehnisse rund um die Einführung der D-Mark ein wirklich neues Kapitel, so dass ich 'ganz nebenbei' noch einige sehr interessante Fakten lernen konnte.
Zum leider allzu schnell erreichten Ende gibt es eine wirklich gute Auflösung des Kriminalfalles, aber rund um den Oberinspektor bleibt es spannend, denn diese Ebene hat durchaus ein offenes Ende. Was dann auch zur Folge hat, dass ich am allerliebsten sofort weiterlesen würde - ich könnte noch etliche Jahre mit Frank Stave, seinem Sohn Karl und Anna verbringen und hoffe daher sehr, dass der Stoff für Cay Rademacher nie ausgehen möge!

Fazit: Eine glasklare Leseempfehlung für alle Krimileser, die Interesse an historischen Fakten, toller Atmosphäre und gutem Erzählstil haben - und natürlich für alle, die noch nicht genügend über diese Zeit wissen und dies ändern möchten!

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Inspektor Stave ermittelt wieder …

Inhalt:
Hamburg 1948: Oberinspektor Stave wird bei einem Einsatz schwer verletzt. Nach seiner Genesung läßt er sich von der Mordkommission zum Chefamt S, der Abteilung zur Bekämpfung des Schwarzmarktes, versetzen. Sein erster Fall ist der Fund von Kunstgegenständen in einem ehemaligen Kontorhaus, das bereits in den Kriegsjahren abgebrannt ist – neben den Kunstgegenständen findet sich ein Skelett, um das sich jedoch der ungeliebte Kollege Dönnecke von der Mordkommission kümmert. Da dieser jedoch seine Ermittlungen ziemlich schlampig durchführt, erwacht Staves Jagdfieber und er beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

Meine Meinung:
Der dritte Band um Oberinspektor Stave ist ein würdiger Nachfolger für die Bücher „Der Trümmermörder“ und „Der Schieber“. Wieder schafft es der Autor mühelos, einen spannenden Kriminalfall mit den historischen Fakten von 1948 zu verflechten.

Zeitlich ist die Handlung diesmal um den Juni 1948 eingebettet, in dem die Deutsche Mark eingeführt wurde. Der Leser bekommt hautnah die Hoffnungen und Zweifel der Menschen mit, die mit der Währungreform und dem neuen Geld einhergehen.

Die Kunstgegenstände und das Skelett, das im Reimershof gefunden werden, führen Stave zurück in die Zeit des Nazi-Regimes; dabei wird er mit der Tatsache konfrontiert, daß sich ehemalige Mitläufer immer mehr als Opfer des Regimes darstellen, um auch weiterhin ein bequemes Leben führen zu können. Außerdem wird auch die Thematik von untergetauchten Nazigrößen in Südamerika angesprochen. Unterstützt wird er wieder von James MacDonald, dem britischen Offizier und Staatsanwalt Ehrlich.

Sehr gut gefallen hat mir, daß der Leser in diesem Band die Vergangenheit von Anna von Veckinhausen, Staves Freundin, erfährt. Auch in der Beziehung zu seinem Sohn Karl gibt es neue Entwicklungen.

Die Auflösung des Falles ist spannend und berührend – und ohne etwas verraten zu wollen, finde ich, daß Stave zum Schluß eine richtige Entscheidung getroffen hat.

Ich hoffe, daß es in Zukunft noch weitere Bücher um Frank Stave geben wird, da mir die ausgewogene Mischung aus Krimi und Historie sehr gut gefällt.

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Trümmerlitertur vom Feinsten

Inhalt

Oberinspektor Frank Stave von der Kriminalpolizei Hamburg liegt nach einem Arbeitsunfall im Krankenhaus und denkt über sein Leben und seine Situation bei der Kriminalpolizei nach. Da er schon in einem vergangenen Fall viel mit Schmuggel und Handel auf dem Schwarzmarkt zu tun hatte, beschließt er, sich auf das Chefamt S. (für Schwarzhandel) versetzen zu lassen.

Wir sind in diesem Band im Jahr 1948 kurz vor dem Tag X, an dem die neue Währung ausgegeben wird, auf der so große Hoffnungen liegen. Der Schwarzmarkt boomt, das Angebot in den Geschäften wird immer knapper. Eines Tages tauchen seltsame Pfennig Scheine auf. Stave ermittelt im Geldfälschermilieu. In einem anderen Fall finden Trümmerfrauen in der Ruine eines Handelkontors Reste von Skulpturen. Bald wird klar, dass es sich um entartete Kunst handelt, die von Hitlers Schergen zerstört oder auf eigene Rechnung ins Ausland verkauft wurde. Wenig davon wurde erfolgreich versteckt und ist erhalten geblieben. Da kommt Staves Freundin Anna zum Zuge, die in den Trümmern nach alten Bildern, Schmuck und anderen Wertsachen stöbert, um diese zu restaurieren und dadurch ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie waren früher ein Liebespaar, haben sich dann aber getrennt, weil ihre unausgesprochene Vergangenheit zwischen ihnen stand.

Staves neuzehnjähriger Sohn Karl, der im letzen Band aus einem russischen Gefangenenlager in Sibirien frei gekommen ist, lebt in einem Schrebergartenhäuschen, wo der den Garten für einen Freund bewacht und Tabak für den Verkauf kultiviert. Er pflegt ein recht freundschaftliches Verhältnis zu seinem Vater, beide haben aber noch immer Mühe damit, Worte für einander zu finden.


Meine Meinung

Dieser dritte Teil schließt in der Geschichte um Polizeioberinspektor Stave praktisch nahtlos an den zweiten Teil an, erzählt aber eine in sich geschlossene Handlung, so dass das Buch auch isoliert gelesen und verstanden werden kann. Da die Qualität der Stave-Krimis aber sehr stark geprägt sind durch die innere wie äußere Entwicklung von Stave und den anderen Hauptfiguren, empfehle ich die Lektüre in der vorgesehenen Reihenfolge.

Man merkt, dass Cay Rademacher die Jahre 1945 bis 1948 in Hamburg sehr ausführlich recherchiert hat. Zwischen den Zeilen spürt man viele Gespräche mit Zeitzeugen und stundenlanges Studium von historischem Quellenmaterial durchblitzen. So ist der Krimi nicht nur von den menschlichen Entwicklungen und der spannenden Aufklärung der Kriminalfälle ein Gewinn sondern ist auch historisch wirklich gehaltvoll.

Während im letzten Band vor allem die Situation von Kindern im Nachkriegsdeutschland beleuchtet wurde, steht diesmal die wirtschaftliche Entwicklung, die Währungsreform und der Kunsthandel im dritten Reich und nach dem Krieg im Mittelpunkt. Die Lösung zweier miteinander verschlungener Kriminalfälle wird spannend und gut nachvollziehbar dargestellt. Man gewinnt eine gute Vorstellung vom entbehrungsreichen Leben unter der Besatzung der Alliierten. Obwohl das Leben nach wie vor sehr schwierig ist, stößt man immer häufiger auf einen Funken Hoffnung. Die heilende Wirkung der Normalität wirkt sich auf die überlebenden Menschen aus, was mich auch als Leser zuversichtlich und tröstend gestimmt hat. Für mich sind die Stave-Krimis Trümmerliteratur vom Feinsten. 5 Sterne.


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