Cay Rademacher: Der Schieber

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Cay Rademacher: Der Schieber
Verlag
ET (D)
2012
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783832196875

Informationen zum Buch

Seiten
348

Serieninfo

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Das Blut des toten Jungen überzieht wie ein Schleier die englische 500-Pfund-Bombe.

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Hamburg 1947: Es ist das Jahr der Extreme. Nach dem bitterkalten Hungerwinter stöhnt die zerbombte Stadt schon im Frühling unter quälender Hitze. Und Oberinspektor Frank Stave wird mit einem neuen Fall konfrontiert. In den Ruinen einer Werft wird die Leiche eines Jungen gefunden. Zusammen mit Lieutenant MacDonald und Doktor Czrisini macht sich Stave auf die Suche nach dem Mörder, und die Ermittlungen führen sie in die Welt der "Wolfskinder" jener elternlosen Kinder, die aus den besetzten Ostgebieten geflohen sind und sich nun zu Banden vereint als Kohlenklauer, Prostituierte und Schmuggler durchschlagen. 

Doch nicht nur beruflich sieht Frank Stave sich vor Rätsel gestellt: Mitten in den Untersuchungen steht plötzlich sein Sohn vor der Tür, der aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist. Ein schmerzhafter Weg der Annäherung liegt vor ihnen, während Stave zugleich um den Erhalt der Beziehung zu seiner Geliebten Anna kämpft. 

Als zwei weitere Leichen entdeckt werden, gerät Stave zunehmend unter Druck. In einer dramatischen Nacht im Hafen soll sich schließlich entscheiden, ob Stave den Täter zu fassen bekommt

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1947, in einer zerstörten Stadt.

Nach dem Kältewinter 1946/47 folgt in Hamburg ein ungewöhnlich heißer Frühling. Nach wie vor ist die Versorgung der Bevölkerung der zerstörten Hansestadt schwierig und auch die Wohnungssituation entspannt sich nur kaum merklich. Zudem schürt die Britische Besatzungsmacht mit dem Abbau und teilweise sogar der Sprengung wichtiger Hafenanlagen Angst unter den Hafenarbeitern...
In dieser Zeit wird in der Ruine einer Lagerhalle auf einer Blohm & Voss-Werft ein toter Junge auf einem noch scharfen Blindgänger gefunden und Oberinspektor Frank Stave wird mit dem Fall betraut. Dieser macht sich mit dem britischen Lieutenant James MacDonald auf die Suche nach dem Mörder - doch zuerst einmal müssen sie wissen, was der 14jährige überhaupt an diesen Ort zu suchen hatte. Nach und nach erfährt Stave, wie sich Kinder und Jugendliche ohne Eltern in Hamburg über Wasser halten. Aber auch privat gibt es beim Oberinspektor einige Neuigkeiten, die es erst einmal zu verdauen und auch zu regeln gilt, und dann kommen noch weitere zwei Leichen hinzu...

Im Grunde wird die Beschreibung "Kriminalroman" auf dem Cover des Buches dem Inhalt nicht gerecht, denn beim "Schieber" handelt es sich viel mehr als 'bloß' um einen Kriminalroman. Natürlich ist Frank Stave Polizist und ermittelt gemeinsam mit Kollegen und dem britischen Lieutenant MacDonald rund um dem Mord an Adolf Winkelmann, einem verwaisten Hamburger Jungen - aber dabei sind die Beschreibungen der zerstörten Stadt und der Lebenssituatonen verschiedenster Menschen einfach so atmosphärisch dicht, dass sie mich wirklich in diese Zeit haben eintauchen lassen! An einigen Stellen habe ich gedacht, dass es mir im Geschichtsunterricht sicherlich gut gefallen hätte, wenn ich die beiden Bücher um Frank Stave als Empfehlung auf einer Literaturliste bekommen hätte. Denn mal ehrlich: die Fakten und Zahlen über den II. Weltkrieg sind schockierend und ernüchternd, aber zum Alltag der Menschen auch in Deutschland sagen sie nicht so viel aus, dass man sich das im Detail wirklich vorstellen kann. Bei und nach der Lektüre von "Der Trümmermörder" und "Der Schieber" konnte ich das, denn Cay Rademacher führt dem Leser einfache, normale Menschen der damaligen Zeit vor, stattet sie mit unterschiedlichen und realistischen Vorgeschichten und politischen Meinungen aus und zeigt, wie sie nach der Befreiung unter schwierigen Bedingungen ihr Leben meistern. Besonders gut gefällt mir dabei, dass durch den britischen Soldaten MacDonald noch eine weitere Facette hinzukommt: der Blick eines 'Siegers' auf die einzelnen Deutschen, mit denen er zu tun hat - gerade auch, weil er im beinahe Alltäglichen durchaus differenziert und klug beobachtet.
Dass auch diesem Fall von Stave einen tatsächlicher historischer Fall zugrunde liegt, macht das Buch im übrigen nicht weniger spannend und wenn man ehrlich ist, erfahren hier Leser, die an der jüngeren deutschen Geschichte interessiert sind, einmal wieder, dass diese genug Stoff bietet, der erfundenem Thrill in nichts nachsteht - wenn nicht sogar besser ist! Vor allem, wenn ein Roman so überzeugend recherchiert wurde, wie dieser - aber alles andere würde bei einem Autoren wie Cay Rademacher ja eh verwundern...
So bleibt mir nur zu sagen, dass ich den "Schieber" ebenso gerne wie den ersten Band "Der Trümmermörder" gelesen habe und mir die Figuren - allen voran natürlich Frank Stave und James MacDonald - noch mehr ans Herz gewachsen sind! Nicht nur, dass ich ihre Ermittlungen mit meinen Spekulationen verfolge, nein, ich leide schon förmlich bei ihren persönlichen Problemen mit und hoffe auch nach diesem Teil, dass sich für beide alles zum Guten wendet!
Das einzig Bedauerliche an Der Schieber ist letztlich lediglich die Wartezeit auf den nächsten Fall!

Fazit: Eine unbedingte Empfehlung an alle Krimileser, die authentische Atmosphäre und historische Fakten schätzen!

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(Aktualisiert: 03 Mai 2013)
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Ein sehr gut recherchierter Roman

Ich habe diesen Roman ohne Vorkenntnis des Vorgängerbandes "Der Trümmermörder" gelesen, was aber kein Problem war, ich hatte nicht das Gefühl, daß mir wichtige Informationen fehlen würden.

Die historischen Fakten dieses Kriminalromans haben mich am meisten fasziniert: der Autor schafft es mühelos, Historie mit Fiktion zu verbinden. Der historische Teil ist sehr gut recherchiert, selbst kleinste Details sind geschichtlich belegt - ich habe durch diesen Roman mehr über die damalige Nachkriegszeit erfahren als jemals in einem Geschichtsunterricht.

Zum Beispiel waren mir die Kohlen- und Wolfskinder und deren Schicksal weitgehend unbekannt, die Geschichten hinter diesen Kinder sind teilweise erschütternd und ergreifend. Man bekommt einen guten Einblick in die Schmuggler-Szene der damaligen Zeit und erlebt Hamburg unter britischer Besatzung.

Wenn man mit Stave im zerbombten Hamburg unterwegs ist, hat man das Gefühl, die Trümmer zu sehen und den Staub zu schmecken, der sich auf die Stadt gelegt hat. Die detaillierten Ortsbeschreibungen sind ebenfalls ein großer Pluspunkt dieses Romanes.

Der Kriminalfall selbst ist spannend und das Motiv ist - für unsere heutigen Verhältnisse - überraschend, aber eben passend für die damalige Zeit.

Die Beziehung Staves zu seinem Sohn Karl ist sehr einfühlsam beschrieben, man spürt in den Zeilen regelrecht die Verzweiflung, die Scham und das Unvermögen der Beiden, über die Nazi-Zeit und ihre konträren Haltungen damals zu sprechen.

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Spannender Krimi im Nachkriegshamburg

Hamburger Sommer 1947. Nach der mörderischen Kälte des Hungerwinters liegt nun eine drückende Hitze über der Stadt. Leben und Alltag kehren nach Kriegsende nur langsam wieder ein, Lebensmittel gibt es nach wie vor auf Marken, nötigste Alltagsgegenstände bekommt man nur gegen ein kleines Vermögen auf dem Schwarzmarkt, und zu allem Überfluss soll die Werft Blohm&Voss weiter demontiert werden. Kriegsschuld. Keine gute Idee in einer Stadt, deren ganzer Stolz Hafen und Schiffe sind, und entsprechend ist die Grundstimmung in der Stadt.
Auf dieser Werft wird auf einem Blindgänger die Leiche eines Jungen gefunden. Die Ermittlungen führen Oberinspektor Stave zum Schwarzmarkt, zu Kohleklauern, zu Wolfskindern…überall hin, doch nichts scheint ihn und seinen Freund MacDonald von der britischen Besatzungsmacht weiterzubringen, und die Zeit drängt. Die Stimmung auf der Werft verschlechtert sich zusehends, die britische Verwaltung wird unruhiger, und MacDonald braucht den Ermittlungserfolg nicht nur für seinen beruflichen Werdegang.

Cay Rademacher zeichnet auch im zweiten Teil seiner Hamburg-Trilogie um Frank Stave ein detailreiches Bild der Hansestadt in der direkten Nachkriegszeit. Zusammen mit Stave streift man während der Ermittlungen durch Häuserruinen, druckst auf dem Schwarzmarkt herum oder resigniert ob der hohen Zahl von Kriegswaisen, die sich schon in jungen Jahren als Prostituierte oder Diebe verdingen. Man fühlt die Hitze des Jahrhundertsommers, zumal Autos und Telefone damals der reinste Luxus waren und Stave einen Großteil seiner Ermittlungen zu Fuß erledigen muss.
Der Roman ist sorgfältig recherchiert, die Story liebevoll aufgebaut und bis zum Schluss spannend. Die Lebensumstände der Hamburger zu der Zeit du Staves Privatleben tragen ebenso zur Geschichte bei wie die eigentliche Jagd nach dem Mörder. Die Charaktere sind einzigartig, mit Stave als wortkarges Nordlicht an der Spitze. Sein Kollege von der britischen Besatzungsmacht ist ein gelungener Gegenpart, jung, etwas draufgängerischer und redegewandt.

Der Schieber ist ein wahrer Lesegenuss, mit nur ein, zwei Längen, die insgesamt aber kaum ins Gewicht fallen. Zu empfehlen ist diese Reihe auf jeden Fall!

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