Elisabeth Herrmann: Die 7. Stunde

Elisabeth Herrmann: Die 7. Stunde

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Elisabeth Herrmann: Die 7. Stunde
Verlag
ET (D)
2007
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783548608549

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Erster Satz
"Nicht, Fräuleinchen. Nicht doch!"

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Handlungsort

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Ein teuflisches Spiel, ein rätselhafter Selbstmord und ein quälendes Geheimnis: Als Joachim Vernau an einer Privatschule die Jura AG übernimmt, begegnen ihm die Schüler voller Feindseligkeit. Sie leben in einer eigenen Welt und sind fasziniert von dunklen Ritualen. Rollenspiele sind doch harmlos, denkt Vernau. Doch als er herausfindet, was hinter dem Schweigen der Schüler steckt, ist es schon fast zu spät.

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Joachim Vernau ist pleite. Die Praxisgemeinschaft in der er arbeitet hat nicht genügend zahlungskräftige Kunden und so sind sie mit der Miete in Rückstand und das Auto dürfte den baldigen TÜV-Termin wohl auch kaum überstehen. Da kommt das finanziell sehr großzügige Angebot einer Privatschule gerade recht: Er soll dort einmal in der Woche eine Stunde lang den „Teen Court“ leiten, eine Arbeitsgemeinschaft in der Schüler aus der Oberstufe über Verstöße gegen die Schulordnung befinden du Urteile sprechen. Die rigiden Regeln kommen Joachim schon bald komisch vor, aber dass ihm niemand erzählen will, was mit der Schülerin passiert ist, die vor den Ferien noch in seiner Klasse war, wurmt ihn besonders und so macht er sich daran, die Hintergründe auf eigene Faust zu erforschen.

Nachdem mir „Das Kindermädchen“ mit der gleichen Hauptfigur schon überraschend gut gefallen hatte, bin ich mit entsprechend hoher Motivation an „Die 7. Stunde“ heran gegangen. Die beiden Bücher ließen sich aber vermutlich auch ganz gut unabhängig voneinander lesen. Elisabeth Herrmann schafft es, ihren Helden eine völlig neue Geschichte erleben zu lassen und dabei trotzdem seine Identität zu wahren. Zwischen den Themen der beiden Krimis könnte es kaum einen größeren Unterscheid geben, denn diesmal geht es nicht um die Vergangenheit, sondern um das „Untergrundleben“ junger Menschen in Berlin. Die Autorin zeigt dabei einiges an Kenntnissen über LARP (Live Action Role Playing), die zumindest für einen relativen Laien ziemlich fundiert wirken, vor allem, ohne dass es so wirkt, als würde sie irgendetwas übertreiben. Nebenbei geht es auch um unser Bildungssystem. Die exklusive Privatschule, an der Vernau arbeitet, liegt direkt gegenüber einer Hauptschule, die wegen Bauarbeiten vom eigentlichen Standort in einem Problemviertel hierhin umgezogen wurde, was ein gewisses Konfliktpotential ergibt.

Mir hat „Die 7. Stunde“ sehr gut gefallen, den dritten Band um Joachim Vernau habe ich schon auf meinem Einkaufszettel notiert.

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Die 7. Stunde war jetzt mal ein ganz anderer Krimi. Fernab der sonst so üblichen Schemen hatte ich hier das Gefühl ein Gesamtwerk zu betrachten, in dem nicht ausschließlich der Fokus auf den kriminellen Handlungssträngen lag. Elisabeth Hermann hat hier sehr vielschichtig gearbeitet und stets die jeweiligen Stränge gekonnt ineinander verflochten. Dabei standen die einzelnen menschlichen Charaktere in einer großartigen Weise im Vordergrund. Gerade den vielleicht erfolglos erscheinenden Rechtsanwalt Joachim Vernau empfand ich hier als sehr interessant und authentisch gezeichnet. Egal ob im privaten Bereich oder auf seiner Mission als Aushilfslehrer an einer privaten Eliteschule, er erzeugte in mir stets ein sehr menschliches Bildnis, dem ich jederzeit gerne gefolgt wäre. Hierbei war es egal ob es gerade um seine nicht gerade einfache Beziehung zu seiner Mutter und deren Wohnungsgenossin „Hüthchen“ ging, um eine neue, sich vielleicht anbahnenden Beziehung zu einer Lehrer-Kollegin aus der Hauptschule von gegenüber oder aber um seine nächtlichen Ausflüge in die Welt der Larp-Szene, die mir sehr interessante Eindrücke in die Welt der Rollenspiele vermitteln konnte. Ich fand jeden einzelnen Ausblick in dieser Geschichte einen wahren und bereichernden Genuss bei dem ein gekonnter Humor keinesfalls zu knapp angesetzt war ohne überzogen zu wirken. Dies alles zusammen mit einem sehr spannenden und vor allem ansprechenden Kriminalplott verstrickt betrachten zu können war letztendlich ein purer Lesegenuss für mich. Ein Vergnügen, dass mich nicht nur einmal die späte Urzeit vergessen ließ…

Immer wieder schafften es kleine Episoden um zum Teil ganz alltägliche Dinge mir hier und da kleine Amüsements zu entlocken, oder mich auch mal nachdenklich zu stimmen. Ich denke hier vor allem auch an das weltoffene Hüthchen, den tatkräftigen, polnischen Jazek, die sympathische Marie-Luise (ich habe sie in diesem kunterbunten Fummel geradezu aus dem Laden flitzen sehen) oder den abgewrackten alten, fast schon liebgewonnenen Volvo. Aber auch die Gedanken um die Beziehung zu ehemaligen Lehrern, ausgelebten Rollenspielen und Existenzängste waren sehr gut in Szene gesetzt. Joachims Künstlernamen „Hadar Hosea vom Hohen Blick zur Rabeneiche“ und dessen Herkunft innerhalb der Larp-Szene, die ihre dunklen Rollenspiele des mitternachts in düsteren Ecken zum Höhepunkt trieben, war natürlich auch für mich ein süffisantes Grinsen wert.

Ansprechend, farcettenreich und überraschend anders wird dieses spannende Buch ganz sicherlich nicht mein letztes von Elisabeth Herrmann gewesen sein.

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Inhalt:

Joachim Vernau ist Anwalt für Strafrecht, und seine Geschäfte gehen schlecht. Deshalb nimmt er das Angebot an, an einer privaten Eliteschule den „Teen Court“ zu leiten, in dem die Schüler der Abiturklasse kleinere Vergehen an der Schule selbst diskutieren und maßregeln. Verschwiegen wurde ihm allerdings bei diesem Angebot, dass eine Schülerin dieser Klasse vor kurzer Zeit Selbstmord begangen hat.

Schon bald fällt ihm auf, dass sich seine Schüler merkwürdig verhalten, sie scheinen vor irgendetwas große Angst zu haben. Dann ereignet sich am „Tag der offenen Tür“ auch noch ein Unfall – eine Schülerin wird fast vergiftet.

Vernau fängt an zu recherchieren und Fragen zu stellen. Dabei kommt er in Kontakt mit der ansässigen Larp-Szene und muss sich mit der Welt der Rollenspiele auseinandersetzen. Dabei lernt er, dass die Grenzen zwischen Spiel und Realität schnell verschwimmen können.

Der Roman spielt in der heutigen Zeit in Berlin

Dies ist der zweite Roman um Joachim Vernau und seine Anwaltskollegin Marie-Luise Hoffmann.

Der erste Satz (nach dem Prolog):

„Es war ein träger Spätsommertag, und ich hörte sie kommen, noch ehe ich sie zum ersten Mal sah.“

Meine Meinung:

Dieses Buch ist ein echter Krimitipp! Ich bin absolut begeistert.

Die Personen – sowohl die Haupt- als auch die meisten Nebenfiguren – sind wunderbar gezeichnet.

Besonders Joachim Vernau ist sehr sympathisch dargestellt, Gott sei Dank nicht als Superanwalt, sondern als Mensch, der mit Pleiten, Pech und Pannen umgehen muss. Er muss lernen, dass sich ein Arbeitskreis der Abiturklasse nicht „eben mal so“ unterrichten lässt. Dies bringt ihn auch dazu, sein Verhältnis zu den eigenen Eltern und der eigenen Schulzeit in einem neuen Licht zu sehen. (Diese „Vergangenheitsbewältigung“ steht aber nur im Hintergrund. Ich will nur sagen, dass die Personen wie im richtigen Leben ihr Päckchen zu tragen haben.)

Das Buch ist rasend spannend geschrieben, ich konnte es nicht aus der Hand legen, obwohl ich die letzten 50 Seiten (trotz Brille) nur noch mit „eckigen Augen“ gelesen habe. Am Anfang hat man beim Lesen nur ein komisches Gefühl der Gefahr, dies steigert sich im Lauf der Zeit ins Extreme. Und die Lösung des Falles brachte eine große Überraschung, auf die ich wirklich nicht vorher kam.

Die Dialoge sind lebendig und teilweise sehr witzig. Besonders der Schlagabtausch zwischen Vernau und seiner Kanzleikollegin Marie-Luise Hoffmann hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Überhaupt kommt der Spaß in diesem Buch nicht zu kurz, Vernaus Kampf mit seinem Uralt-Volvo wird so etwas wie ein Running-Gag. Dabei ist der Humor nicht platt oder plakativ, er erscheint beiläufig und unerwartet, so dass ich als Leserin meistens davon überrascht wurde, was die Wirkung natürlich noch steigerte.

Humorvoll (dabei aber ohne zu veräppeln!) sind auch Vernaus erste Erfahrungen mit der Berliner Larp-Szene beschrieben. Da ich mich in diesem Bereich überhaupt nicht auskenne, war es für mich sehr interessant zu lesen, wie diese Rollenspiele funktionieren. Elisabeth Herrmann schreibt auch in ihrem Nachwort, dass sie aktiv an solchen Spielen teilgenommen hat, also denke ich, dass sie schon weiß, wovon sie schreibt. Am besten gefiel mir Vernaus Spieler-Name: Hadar Hosea vom Hohen Blick zur Rabeneiche.

Nur einen kleinen Punkt habe ich zu bemängeln, und zwar dass die Autorin am Ende einen ziemlich großen Joker aus dem Hut zieht – jedenfalls habe ich beim Lesen vorher nirgendwo einen Hinweis dazu gefunden, liegt vielleicht auch an mir.

Auch wenn es „Vorgängerbuch“ (Titel: Das Kindermädchen) gibt, kann man dieses Buch gut lesen, ohne den vorangegangenen Band zu kennen. Ich habe z. B. erst jetzt beim Schreiben der Rezension festgestellt, dass es diesen Vorgängerband gibt, beim Lesen fehlte mir rein gar nichts.

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