Agnes Hammer: Dorfbeben

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Agnes Hammer: Dorfbeben
Verlag
ET (D)
2010
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783839001196

Informationen zum Buch

Seiten
277

Sonstiges

Schlagworte
Erster Satz
Die Klänge im Dorf gehörten zu einem späten, aber sonnigen Oktobertag.

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Handlungsort

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Weil die Großstadt zu laut ist, lebt Mattes auf dem Land bei seiner Oma. In Auroth ist es ruhig, hier passiert nichts Außergewöhnliches. Die Jungen fahren samstags kilometerweit über die Landstraße zur nächsten Driving Disco. Und am Montag gehen sie alle wieder zur Arbeit. In der Sparkasse oder beim Gemeindeamt oder hinter der Käsetheke bei REWE. Nur Mattes hat keinen ordentlichen Job. Er verdient sich ein paar Euro mit Orgelspielen in der Kirche und schreibt Songs über die Einsamkeit. Da zerreißt ein Mord das dörfliche Einerlei. Jakob Bähner, ein angesehener Bürger, wird brutal erstochen. Ausgerechnet beim Gemeindeausflug, ausgerechnet mitten in einer Chorprobe. Als Mattes sich wenig später einen Mitschnitt der Probe anhört, glaubt er, darauf Stimmen zu hören, die auf den Mörder hinweisen. Gemeinsam mit Lena, seiner nur wenige Jahre älteren Tante, macht er sich auf die Suche und stößt auf ein Geheimnis, das viele Jahre zurückzuliegen scheint..

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Ein Mordfall in dem Vergangenheit und Gegenwart eng miteinander verknüpft sind

Mir hat "Dorfbeben" gut gefallen. Zum einen, weil Mattes eine Figur war, zu der ich schnell einen Zugang gefunden habe. Agnes Hammer hat ihre Figur realistisch beschrieben und vor allem Mattes Beziehung zur Musik, die für ihn Lebenselixier sein kann und ihm hilft sich selbst aus zu drücken, war dabei ein entscheidender Punkt. Die Welt der Töne und des Klangs wurde dabei ein nicht unwichtiger Punkt, der letztendlich auch dazu führt das Mattes die Wahrheit finden kann. Zum anderen habe ich einfach eine Schwäche für Mordfälle, deren eigentliches Motiv in der Vergangenheit der Figuren liegt. Gerade hier hat die Vergangenheit weitreichende Auswirkungen bis weit in die Gegenwart. Dieser Aspekt ist es, der mich auch hier überzeugen konnte.

Die verschworene Dorfgemeinschaft, die niemand von außen hinter die Geheimnisse der Vergangenheit blicken lässt. Nun ja... ein bissl klischeehaft kommt das dann schon daher. Andererseits ist es schon auch so, das gerade die Zeit zwischen 1933-45 auch heute noch mit einem Fluch belegt zu sein scheint und das so mancher, der in der Vergangenheit wühlt, nicht gern gesehen ist. Nach wie vor möchte nicht jeder über diese Zeiten sprechen. Vor allem dann nicht, wenn er nichts Rühmliches zu berichten hätte... , insofern ist das durchaus wieder realistisch, auch wenn diese Generation langsam austirbt.

Mir hat aber auch gefallen wie Hammer mit den Geräuschen und der Stille spielt. Die Stille, die zum Symbol des Schweigens wird, keiner möchte so genau mit der Sprache heraus rücken, obwohl Mattes und seine Tante genau spüren das hier vieles ungesagt bleibt, nur damit niemand den Anderen verrät. Insgesamt ist der Roman dann auch eher von leisen Tönen begleitet. Das Dorfleben ist nicht besonderes aufreibend und Mattes kein Mensch der sich abseits seiner Musik laut betätigt. Im Gegenteil, die Stille ist sein Freund und Lärm schadet ihm auf Dauer. Gut, ein wenig unlogisch ist es dann aber doch, dass Mattes ausgerechnet in einer Rockband spielt, gerade das Schlagzeug dürfte ihm ja eigentlich Höllenqualen bereiten. Andererseits habe ich ihn so verstanden, dass die Musik ein Element ist, welches seinem sehr sensiblen Gehör gut tut und er sie als angenehm empfindet. Diese kleine Ungereimtheit war aber insgesamt nicht zu schwerwiegend. Insofern konnte ich darüber hinwegsehen.

Der Mordfall und seine Lösung ist zwar keine Weltneuheit aber irgendwie gefiel mir einfach wie Frau Hammer Mattes und seine Tante darauf stößt. Es geht eigentlich viel mehr um die Dorfgemeinschaft, die sich nicht in die Karten blicken lässt, aber doch hi und da auch mehr preis gibt, als sie es selbst merkt. An ein paar Stellen hätte ich mir dennoch etwas mehr Seiten gewünscht. Der ein oder andere Aspekt hätte mehr beleuchtet werden können. Vor allem Mattes Selbstbild, aber auch warum so manch einer eigentlich nicht sehr nett über Mattes Familie spricht, das hätte mich interessiert. Ich hatte da auch den Eindruck, das der Autorin durchaus dazu etwas eingefallen war, sie es aber aus Platzgründen eventuell wieder verworfen hat. Die Andeutungen bleiben.
Dorfbeben ist für mich kurzweilige Unterhaltung, die zwar das Genres wirklich nicht neu erfindet, aber einfach schön erzählt ist und einen interessanten Fall bietet, mit einer Lösung, die einmal mehr zeigt, dass unsere Taten der Vergangenheit immer wieder auf uns zurückfallen können. Egal wie lange sie zurückliegen...

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Dass Mattes das Dorf- dem Stadtleben vorzieht, fand ich für einen Jungen in seinem Alter zuerst etwas ungewöhnlich, aber die Erklärung ist folgende: Mattes hat eine Art absolutes Gehör, nicht nur auf Musik bezogen, auch ansonsten hört er einfach zu gut und kann dann die einzelnen Höreindrucke, die auf ihn einprasseln, nicht mehr verarbeiten und filtern, was bei ihm zu Anfällen und Zusammenbrüchen führt, zu "Seelentaubheit", wie er es nennt.

Bei den Nachforschungen zu Jakob Bähners Tod ist ihm sein Gehör dann aber eher hilfreich - genau wie die Kenntnisse seiner Tante Lena in forensischer Linguistik. Diese Passagen fand ich wirklich interessant und haben mich an ein Uniseminar dazu erinnert, das ich mal zu dem Thema gemacht habe.

Musik spielt eine große Rolle in Mattes' Leben - entweder er hört welche, macht welche, denkt darüber nach oder er schreibt Songs. (Manchmal war mir persönlich das ein klein bisschen zuviel, aber ich bin auch kein so "auditiver Mensch" wie Mattes). Ich habe allerdings nicht ganz verstanden, warum er, der er mit seiner "Seelentaubheit" doch eigentlich ein möglichst geräuscharmes Leben führen sollte, in einer Band spielen kann, die wohl häufig eher schlecht als recht spielt, dafür aber keinen Beruf ausüben kann.

Das Dorfleben mit seinen täglichen Arbeiten, den kirchlichen Ritualen, dem Jeder-kennt-Jeden, den Tratschereien und den eventuellen Reibereien ist meiner Meinung nach gelungen dargestellt und lässt die ganze Geschichte sehr authentisch wirken.

Den eigentlichen Kriminalfall fand ich ziemlich spannend. Für den Leser läuft die Aufklärung dabei auf zwei Ebenen: zum einen sind da die Recherchen von Mattes und Lena, zum anderen finden sich kursiv gedruckte Passagen, die sich auf die Vergangenheit des Dorfes beziehen. Diese chronologisch ungeordneten Passagen sind zunächst etwas verwirrend, bis sich am Ende das Mosaik zusammenfügt. Dabei taucht man ganz tief ein in das aktuelle und vergangene Dorfleben, wobei ich manchmal ein paar Probleme hatte, die verschiedenen Dorfbewohner und die Verwandtschaftsverhältnisse auseinanderzuhalten.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und fand vor allem Mattes als einen angenehmen Charakter und Ich-Erzähler, auch wenn er sich, meiner Meinung nach, gerade am Ende des Buches selbst ziemlich oft wegen seiner "Behinderung" (wie er es nennt) abwertet. Und auch wenn das Ende nicht unbedingt offen ist, hätte ich doch gerne noch mehr darüber erfahren, wie es mit Mattes .B. beruflich weitergeht, nachdem sich ja privat schon einiges getan hat.

Auf das Buch bin ich aufmerksam geworden, weil mir Titel und Cover unheimlich gut gefallen, ich finde das wirklich toll und originell gemacht.

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