Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

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Jussi Adler-Olsen: Erbarmen
Verlag
ET (D)
2009
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Kvinden i buret
ET (Original)
2008
ISBN-13
9783423247511

Informationen zum Buch

Seiten
420

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Sie kratzte sich an den glatten Wänden die Fingerspitzen blutig und hämmerte mit den Fäusten an die dicken Scheiben, bis sie ihre Hände nicht mehr spürte.

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Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: »Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?«

Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.

Wer sind die Täter?

Was wollen sie von dieser Frau?

Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?

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Der 1. Fall für das Sonderdezernat Q

Nach einem missglückten Einsatz, bei dem Carl Mørck und sein Kollege Harry verletzt und ein weiterer Kollege getötet wurden, ist Carl für seine Einheit bei der Kopenhagener Polizei nicht mehr tragbar, da er psychisch stark angeschlagen ist und sich nicht in den Alltag einfügen will.

Man stampft ein neues Dezernat, das Sonderdezernat Q, aus dem Boden und ernennt ihn zu dessen Leiter. Einziger Mitarbeiter für Hilfsdienste wie Putzen und Kopieren ist Assad, ein syrischer Einwanderer. Aufgabe des Sonderdezernats ist es, lange zurückliegende und nie abgeschlossene Fälle neu zu bearbeiten. Als erstes nimmt sich Carl widerwillig den Fall Merete Lynggaard vor.

Die junge Politikerin war 5 Jahre zuvor auf einer Fähre entführt, ihr behinderter Bruder Tage später auf Fehmarn aufgegriffen worden. Er spricht nicht, und von Merete gibt es absolut keine Spur. Die Polizei vermutet, dass sie ertrunken ist, wobei es unklar bleibt, ob es Selbstmord, Mord oder ein Unfall war.
Doch Merete lebt. Sie wird in einem kahlen Raum unter entwürdigenden Bedingungen gefangen gehalten. Jedes Jahr an ihrem Geburtstag fragt die Stimme der Entführerin, ob sie weiß, warum sie hier ist. Natürlich hat sie keine Ahnung. Es folgt eine Bestrafung in Form von Überdruck, dauerndem Licht oder dauernder Dunkelheit.

Die Szenen mit Merete lesen sich absolut beklemmend. Faszinierend finde ich, wie Merete mit der Situation umgeht, dass sie sich täglich ihren Namen sagt, mitzählt, wie lange sie schon gefangen ist, Erinnerungen aufruft usw. So behält sie einen Bezug zur Außenwelt und verhindert, dass sie verrückt wird. Man fragt sich, wie krank jemand sein muss, um so etwas auszuhecken, und natürlich auch, was dahinter steckt. Leider hatte ich schon sehr früh den richtigen Verdacht, was mir ein bisschen den Spaß am Lesen und auch die Spannung genommen hat. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Carl Mørck den Täter finden würde.
Interessant ist die Zusammenarbeit bzw. die Entwicklung der Beziehung zwischen Carl und Assad. Assad mischt sich immer mehr in die Ermittlungsarbeit ein, obwohl er dafür überhaupt keine Befugnis hat. Doch ohne seine unkonventionellen Methoden würde der Fall möglicherweise nicht gelöst werden. Aus diesem Paar kann noch ein ganz großes Ermittlerteam werden. Denn es wird doch wohl noch mehr Bücher mit den beiden geben.

Gut finde ich, dass nicht grausame Folterszenen und blutige Details vorherrschende Themen in diesem Krimi sind, sondern überwiegend die Beschreibung der Ermittlungsarbeit, zum kleinen Teil spielt auch das Privatleben des Kommissars eine Rolle.

Insgesamt finde ich das Buch gut geschrieben. Es wird alles logisch entwickelt. Die Charaktere der Ermittler sind recht sympathisch, haben ihre Ecken und Kanten und sind noch weiter ausbaufähig. Dazu kommen einige Prisen Humor, die hier und da eingestreut werden, so dass sich das Buch sehr locker lesen lässt. Spannung kam für mich erst so richtig auf den letzten 60 Seiten auf, wo es darum geht, ob Carl schnell genug ist.

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Angezogen durch ein sehr ansprechendes Cover, war „Erbarmen“ von Jussi Adler Olsen für mich dann eher einer der momentan ziemlich gängigen Krimis. Gut gestrickt, dies will ich gar nicht leugnen. Doch war es eben wieder einer jener Krimis, die als Protagonisten einen Kommissar darstellten, der in Selbstmitleid zerfließend neben seinen Ermittlungen diesbezüglich auch wieder mit seinem Privatleben zu kämpfen hatte. Dabei muss ich dem Autor zugestehen, dass er in dem recht taffen Ermittlungsassistenten Assad einen positiven, leicht provokanten Gegenpol kreiert hat. Die Figur des Assad lockerte das Ganze dann für mich etwas auf und verleitete des Öfteren zum Schmunzeln. Nicht zum Schmunzeln hingegen war die Story selbst. Hier war Spannung und vor allem Gänsehaut-Feeling bis zum Schuss garantiert. Die Brisanz des zweiten Handlungsstrangs, der zeitlich um Jahre versetzt rund um das Opfer verlief, konnte mich richtig fesseln. Zumal Jussi Adler Olsen es hier sehr gut verstanden hatte mich als Leser sehr eindringlich und atmosphärisch in das aussichtslose Szenario um Merete Lynggard, dem Opfer, mit hinein zu ziehen. Fast zum Haareraufen legte sich beständig die schleichende Dramatik über meine Gedanken, wenn wieder einmal angesprochen wurde, dass vielleicht noch alles tatsächlich zusammen laufen könnte oder vielleicht sogar verhinderbar gewesen wäre. So war es stets schwer diesen Krimi zur Seite zu legen, nachdem ich den recht verhaltenen Beginn – sah man mal vom Prolog ab – erst einmal hinter mir hatte. Sowieso muss ich gestehen, dass mir die anfängliche Voreinstellung gegenüber dem wehleidigen Protagonisten dann doch nach den ersten 130 Seiten abhanden kam. Daran waren wohl die gut platzierten Spitzen des Autors verantwortlich. Es ist nicht einfach zu beschreiben, doch entwickelte dieses Buch während des Lesens immer mehr einen Sog auf mich aus. Dabei könnte ich jetzt noch nicht einmal genau sagen, an was genau es gelegen hat. Auch gab es stets diese attraktiven, kleine Würzpunkte der Gesellschafts- und Sozialkritik, die mir in einem Roman immer wieder gut gefallen. Sprachlich leicht zu lesen und unterstützt durch die doch recht ansprechende Gesamtmischung, habe ich dieses Buch dann für meine Verhältnisse recht schnell durchgezogen. Für mich ist „Erbarmen“ ein Tipp an alle Krimifans, die jetzt aber nicht das Nonplusultra erwarten sollten.

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Ich habe in letzter Zeit kritisiert, dass Autoren aktuell gerne Entführungen und nicht Morde untersuchen lassen, hier wird das aber hervorragend umgesetzt und ist nicht nur Bestandteil eines Trends.

Ich glaube niemand kann wirklich nachvollziehen, wie schrecklich Meretes Isolationsfolter ist und wie realistisch die Darstellung ist. Einzelne Szenen sind aber durchaus von einem erschreckenden Realismus und haben bei mir für eine Gänsehaut gesorgt. Einen Kritikpunkt aus einer anderen Rezension möchte ich aber dann doch direkt aufgreifen: den Vitamin D – Mangel. Es ist generell schon sehr wahrscheinlich, dass bei Merete im Laufe der Zeit Mangelerscheinungen auftreten, da ihr Essen sicherlich nicht nach ernährungswissenschaftlichen Maßstäben zusammengestellt ist und sie auch keinen Einfluss darauf hat. 5 Jahre ohne Sonnenlicht und ohne eine Ersatzzufuhr von Vitamin D haben aber garantiert medizinische Folgen, die nicht nur unter „schlechter Allgemeinzustand“ durchgehen.

Mehr Aufmerksamkeit als das Opfer bekommt dann aber doch der Ermittler. Carl Mørck ist ein seltsamer Held. Meistens sind Krimihelden, die bei den Kollegen nicht beliebt sind, nette, nur einfach unverstandene Kerle. Mørck hat auch ein passendes Trauma hinter sich, bei einem Einsatz wurde der eine Kollege seines Teams getötet, der andere liegt immer noch im Krankenhaus und nur er kam relativ unverletzt davon und gibt sich die Schuld an der ganzen Sache. In diesem Buch kann ich es aber vollkommen nachvollziehen, dass Mørck so unbeliebt ist, kommt er doch manchmal als waschechter Misanthrop daher. Am liebsten findet er Schwachpunkte von Kollegen heraus (z. B. ein ungeliebter Vorname) und rührt dann mit dem Finger in der Wunde herum (in dem er den Namen in jedem Satz verwendet). Dass er jemanden (außer den beiden abwesenden Ex-Kollegen) nett findet und mag erscheint fast unmöglich und auch bei den Frauen, die er gut findet, ist es eher körperliche Anziehungskraft und nicht, dass er sie sympathisch findet. Noch dazu stellt er sich unangenehmen Dingen nicht, sondern versucht immer nur ihnen auszuweichen, sein Verhältnis zu seiner (praktisch Ex-) Frau ist mir ein absolutes Rätsel, so kann man doch nicht leben, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Sein Assistent Assad ist da ein völlig anderes Kaliber, er findet vor allem zu den Kolleginnen im Haus schnell einen guten Draht, außerdem stattet er das Büro mit einem Samowar aus, bringt Blätterteigtaschen von zu Hause mit… So leid mir das tut, aber irgendwie erinnert er mich an einen vernachlässigten Hund, der Herrchen die Schlappen und die Zeitung bringt und so um Aufmerksamkeit heischt. Aufgrund fehlender Erfahrung und kultureller Missverständnis stellt er sich bei allem Übereifer allerdings manchmal reichlich ungeschickt an – hier hat der Autor dann manchmal schon etwas übertrieben, was ich allerdings nicht so witzig fand, wie es wohl beabsichtigt war. Ich hoffe darauf, dass Adler-Olsen ihn in späteren Bänden mehr Profil und vor allem Charakterstärke zeigen lässt.

Insgesamt geben die beiden aber ein faszinierendes Team, von dem ich gerne mehr lesen möchte, ich glaube, dass Assad einen positiven Einfluss auf Mørck hat und ihm macht sein Polizeijob sichtlich Spaß – wenn auch die Ermittlungen mehr als die Putz- und Aufräumdienste, für die er eigentlich eingestellt wurde.

Der Fall selbst war interessant und die Ermittlungen nach 5jähriger Pause von realistischen Hindernissen durchzogen, die Motivation des Täters war allerdings eher mau, hier hat sich der Autor erst gar nicht bemüht, eine Figur mit einem Charakter zu erschaffen. Die meiste Zeit nimmt man den Täter nur als eiskalten Schatten war, so wie Merete ihn sieht und als seine Identität klar wird und man ihm das erste Mal begegnet, ist es bereits Zeit für den spannenden Showdown.

„Erbarmen“ hat mir jedenfalls sehr gut gefallen und der zweite Band wird ganz bestimmt von mir gekauft.

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Mein erster Eindruck war ungefähr so, dass ich dachte, okay, noch ein skandinavischer Krimiautor, der es auf diverse Bestsellerlisten geschafft hat. Einziger Unterschied: Jussi Adler-Olsen ist ein Däne. Auch hat mich zugegebenermaßen der kurze Text auf dem Buch nicht sonderlich angesprochen, es klang mir erst einmal zu gruselig - eine Frau, die in einer Art Betonbunker festgehalten wird, seit unfassbaren 126 Tagen und ohne zu wissen warum. Ihr Geburtstagsgeschenk besteht darin, dass sie Licht bekommt - ein Jahr lang jeden Tag 24 Stunden Neonlicht... Es klang für mich ein bißchen wie schlimmste Isolationsfolter.

Aber dann ist da Carl Mørck, der frischgebackene Chef des Sonderdezernats Q, das auf politischen Druck innerhalb der Mordkommission geschaffen wurde. Mørck, der eine sehr ruppige Art an sich hat und von den Kollegen nicht sonderlich geschätzt wird, soll alte ungeklärte Fälle neu aufrollen. Für ihn ist es auch die Chance, nach einem furchtbaren Einsatz, der inzwischen einige Monate zurückliegt und der einen seiner engsten Mitarbeiter das Leben gekostet und einen weiteren mit Querschnittslähmung ans Bett gefesselt hat, wieder in seinen Beruf zurückzufinden.

Mørck stößt in den zahlreichen Akten auf den Fall Merete Lynggaard, eine junge, erfolgreiche Politikerin der Demokraten, die fünf Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Bei seinen Nachforschungen wird er von einer Hilfskraft unterstützt, die eigentlich dazu eingestellt wurde, um Mørcks Räume sauber zu halten, ihm Kaffee zu kochen oder ihn mal zu fahren... Doch der Syrer Assad ist intelligent und bemerkt ziemlich flott, dass Mørck noch den ein oder anderen Anstoß benötigt, um wieder rund zu laufen.

Und so stoßen die beiden in den Akten und bei Befragungen damalig Involvierter auf einige übersehene oder gar veschwundene Hinweise und ahnen dabei nicht, dass die Zeit langsam aber sicher abläuft...

Das ungleiche Duo Carl Mørck und Hafez el-Assad ist großartig! Während Mørck deutlich wortkarg ist und - auch wenn er es selbst nicht unbedingt zugeben würde - noch sehr mit seinen Erlebnissen rund um den Mordanschlag am Tatort zu kämpfen hat, dabei Panikattacken erleidet und Schuldgefühle mit sich herumschleppt, ist Assad das Gegenteil: er kocht bonbonsüßen Tee, bringt Samosas seiner Frau mit an den Arbeitsplatz, die er dort dann erst einmal frittiert... Assad redet und ist hochmotiviert - er bewegt seinen "Chef" dazu, genauer hinzuschauen, erkennt die ein oder andere Ungereimtheit. Und dieser nimmt die Fährte tatsächlich auf und kehrt so Schritt für Schritt aus der Lethargie zurück.

Großartig, einfach großartig! Dass der Krimi erst nach knapp 300 Seiten einige konkretere Ahnungen aufkommen lässt, macht überhaupt nichts, denn dieses Buch bleibt bis zum Epilog, nein, bis wirklich ganz zum Schluß spannend! Dass Mørck und sein "Assistent" dabei auch noch unterhaltsam sind und den ein oder anderen Lacher hervorrufen, ist dabei noch das i-Tüpfelchen.

Fazit: Wann erscheint Teil 2 auf Deutsch?

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Das Buch beginnt - nach dem obligatorischen Prolog, der einen einstimmt auf das was kommt - eher verhalten. In zwei zeitlich versetzten Erzählsträngen werden auf den ersten 70 Seiten die Hauptpersonen beschrieben.

Carl - ein sich selbst zermürbender Vizepolizeikommissar, seitdem während einer Mordermittlung ein Kollege starb und ein anderer schwer verletzt wurde, er selbst hingegen nur eine Schramme davontrug. Da niemand mit ihm zusammenarbeiten möchte, wird er 'wegbefördert': Zum Leiter des Sonderdezernat Q, spezialisiert auf lang zurückliegende, ungelöste Fälle. Ihm zur Seite steht Hafez el-Assad, eine syrische Hilfskraft als Mädchen für alles, der sich jedoch schnell auf eine unnachahmliche Art und Weise unersetzlich macht. Er ist es auch, der den Fall des ungeklärten Verschwindens von Merete Lynggard aus den Aktenbergen hervorkramt.

Der zweite Erzählstrang handelt von Merete Lynggard, beginnend fünf Jahre zuvor einige Zeit vor ihrer Entführung. Während einer Reise mit ihrem Bruder wird sie betäubt und findet sich in einem dunklen Betonverlies wieder, das sie für lange Zeit nicht mehr verlassen wird.

Auch wenn diser Thriller vergleichsweise wenig Blut und Gemetzel zu bieten hat und die Lösung relativ bald klar ist, lässt er an Spannung und Grausamkeit nichts zu wünschen übrig. Die Schilderungen von Meretes Isolationshaft, ihre Versuche ihren Lebenswillen aufrecht zu erhalten, der Kampf darum einen Rest von Würde zu bewahren - eindringlicher geht es kaum. Oder die Beschreibung ihrer Zahnschmerzen - es stehen einem die Nackenhaare zu Berge (mir zumindest). Fairerweise muss man dazu schreiben, dass dieser Teil nur ca. ein Drittel des Buches ausmacht. Der Rest 'gehört' den Ermittlern.

Doch dies liest sich ebenso spannend und streckenweise durchaus amüsant, insbesondere was die Zusammenarbeit von Carl und Assad betrifft. Auch für Fortsetzungen sind genügend Handlungsfäden ausgelegt: Gelingt es Carl doch noch, die schöne Polizeipsychologin zum Essen einzuladen? Wie kommt sein behinderter Kollege mit der Situation klar? Welches Geheimnis verbirgt Assad?

Alles in allem: Empfehlenswert, daher: LESEN!

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"Bitte, habt Erbarmen", flüsterte sie ganz leise ins Dunkel.

Dieser erste Fall für das Sonderdezernat Q bietet viel Stoff für Spekulationen. Dass Merete Lyngaards Verschwinden kein Selbstmord gewesen ist, war nicht nur mir als Leser schnell klar (der zweite Erzählstrang wird nämlich aus der Sicht der verschwundenen Merete wiedergegeben), nein, auch für das Ermittlerduo Carl und Assad stand das schon sehr bald fest.

Man merkt im Laufe des Lesens einfach, dass Carl ein wesentlich besserer Polizist ist, als seine Kollegen, die vor Jahren an dem Fall dran waren und damals nur ziemlich oberflächlich gearbeitet und kaum verwertbare Informationen zusammengetragen haben. - Carl regt sich nicht nur einmal fürchterlich darüber auf, dass gewissen Details einfach nicht nachgegangen wurde.
Aber auch sein neuer Assistent, der Syrier Assad, ist ein wirklich aufmerksamer und talentierter Mann. Gemeinsam sind die beiden ein unschlagbares Team. Ich mochte beide sehr, Carl kam mir anfangs zwar noch ein bisschen melancholisch und widerwillig vor (das hatte aber wahrscheinlich damit zu tun, dass er vor kurzem erst seine beiden Partner bei einer Schießerei verloren hat, bei der einer davon nun gelähmt und der zweite tot ist), aber als dann die ersten erfolgreichen Ermittlungsergebnisse vorgelegen sind, hat er sich zusammengerissen und einen sympathischen Elan an den Tag gelegt. Und Assad war ja sowieso mein Lieblingsprotagonist - er ist einfach ein cooler Hund und meiner Meinung nach wie gemacht für den Job als Kommissar. Aber er ist nicht nur aufmerksam, vielseitig begabt und ziemlich mutig, sondern auch irgendwie überraschend unberechenbar und ein kleines Rätsel. Er möchte nämlich nicht über seine Vergangenheit sprechen, weil sie angeblich nicht so schön war, und genau das macht mich natürlich sehr neugierig auf diese Buchfigur. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, ob und wie viel Assad in den nächsten Bänden so von sich preisgeben wird.

Fesselnd und wirklich interessant zu lesen fand ich eigentlich das gesamte Buch, aber so richtig spannend wurde es erst auf den letzten 100 Seiten. Der letzte Teil hat den Namen Thriller wahrlich verdient.
Man stellt sich schon von Anfang an die Frage, ob Merete nach diesen fünf Jahren Martyrium, in der Zeit, wo Carl und Assad zu ermitteln beginnen, immer noch am Leben ist. Und diese Ungewissheit lässt einen eben die ganze Zeit gespannt weiterlesen ...

Ein in meinen Augen echt gut gelungener Reihenauftakt, der einige sehr spannende Lesestunden bietet und mit einem Humor punkten konnte, der ganz nach meinem Geschmack ist.
Ich persönlich werde die Reihe mit Sicherheit weiterverfolgen. Das Buch kann ich euch auf jeden Fall uneingeschränkt weiterempfehlen!

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Skurrile Suche nach einer längst verschwundenen Politikerin

Fast ein halbes Jahr...anderthalb Jahre: Merete Lynggaard wird in einem zunächst abgedunkelten, dann hell erleuchteten Raum gefangen gehalten - und sie hat keine Ahnung, warum. Die Entführer fragen sie nach dem Grund, nach ihrer Schuld, behaupten, dass sie sie bei Nennung der richtigen Antwort freilassen - Merete hat keine Ahnung.

Für die Öffentlichkeit und die Polizei ist Merete ertrunken - aber einfach so? Nein, es wird schon ein Verbrechen vermutet, doch man tappt im Dunkeln. Der Fall wurde jahrelang liegengelassen, nun wird der Ermittler Carl Mörk, der beruflich auf ein Abstellgleis geschoben wurde und sich mit diversen ungeklärten Kriminalfällen beschäftigen soll, darauf aufmerksam. Zusammen mit dem durch Zufall an seine Seite geratenen Assad , der eigentlich für die Reinigung und als Chauffeur eingestellt wurde, wird er in den Keller abgeschoben. Sie raufen sich zusammen und bilden ein skurriles, originelles Ermittlerpaar, das Schwung und Humor in die Handlung bringt - wie gemacht für eine Serie mit mehreren Folgen. Zunächst ist die Spur unklar: Ist es der behinderte Bruder, mit dem Merete zusammenlebt, ist jemand aus ihrem politischen Leben für die Tat verantwortlich? Doch relativ schnell zeichnet sich ab, dass die Ursache des Verbrechens komplett in der Vergangenheit, in der Kindheit Meretes und ihres Bruders liegt...

Erste Einsichten in die Story versprachen spannenden, jedoch eher bodenständigen Lesestoff für Thrillerfans. Beeinträchtigt wurde die Spannung durch die Absehbarkeit: schnell zeichnet sich ab, wer hinter der Entführung der Politikerin steckt. Natürlich ist das dem Handlungsverlauf ausgesprochen abträglich... Ein wenig mehr geheimnisvoll hätte die Story gerne rüberkommen können - so ist es nicht mehr als "ganz nett". Amüsant ist auf jeden Fall die Schilderung des Umfelds von Carl Mörk, das eine gute Grundlage für eine Reihe hoffentlich spannenderer Fälle bietet. Für Liebhaber skandinavischer Spannungsliteratur nur mit Vorbehalt zu empfehlen.

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