Fred Vargas: Fliehe weit und schnell

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Fred Vargas: Fliehe weit und schnell
Verlag
ET (D)
2003
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Pars vite et reviens tard
ET (Original)
2001
ISBN-13
9783746621159

Informationen zum Buch

Seiten
399

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Die Leute in Paris laufen viel schneller als in Le Guilvinec, das hatte Joss schon lange festgestellt.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Die Pest in Paris! Das Gerücht hält die Stadt in Atem, seit auf immer mehr Wohnungstüren über Nacht eine seitenverkehre 4 erscheint und morgens ein Toter dahinter liegt - schwarz. Kommissar Adamsberg sitzt in einer kleinen Brasserie in Montparnasse. Im Kopf hat er eine rätselhafte lateinische Formel, die auf jenen Türen stand - und vor sich, am Metroausgang, einen bretonischen Seemann, der anonyme Annoncen verliest. Auch lateinische darunter. Aber wo ist der Zusammenhang zwischen den immer zahlreicheren Toten in der Stadt und den sympathischen kleinen Leuten, die diesem Bretonen so gebannt zuhören? Plötzlich hat Adamsberg, der Mann mit der unkontrollierten Phantasie, eine Vision.

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Die Rückkehr der Pest

So schnell, wie es im Titel anklingt, geht es in Paris zunächst über weite Strecken gar nicht zu. Mehr als eine CD von sechs schauen wir den Menschen in einem Pariser Stadtviertel über die Schulter, wo sich der ehemalige Seemann Joss Le Guern als Ausrufer seinen Unterhalt verdient. Joss hat den uralten Beruf mit neuem Leben erweckt und liest täglich drei Mal Angebote, Verkäufe oder auch Beschwerden und persönliche Ankündigungen vor, die für fünf Francs pro Stück bei ihm in einer Urne hinterlegt werden können. Seit dem Sommerferien sind sehr merkwürdige Texte dabei, die allerdings überdurchschnittlich bezahlt werden. Keiner versteht auch nur ansatzweise, worum es geht, aber Joss und seine Zuhörer akzeptieren die Meldungen wie alle anderen Meldungen auch. Interessant wird es erst, als sich der Zimmerwirt Décambrais die Texte merkt und ihre Quellen sucht. Mit einem beunruhigenden Ergebnis melden sich die beiden bei Kommissar Adamsberg, der gerade eine junge Frau hinauskomplimentiert hat, die sich über seitenverkehrte Vierer an den Türen ihres Hauses beklagt hat. Die Notizen hat Adamsberg schon weggeworfen, als sie unerwarteterweise wichtiger werden, als vermutet.

Zuerst erhalten die Botschaften ein Gesicht. Mit Hilfe des Mediävisten Marc Vandoosler entschlüsselt Adamsberg die weiteren Texte und sieht, dass Paris offensichtlich auf einen Pestausbruch vorbereitet wird. Marc Vandoosler, gerät auf Grund seiner fundierten Pest-Kenntnisse selbstverständlich schnell unter die Verdächtigen. Aber Adamsberg ahnt, dass etwas ganz anderes hinter der groß angelegten Kampagne steht. Doch ohne einen Verdächtigen und ohne einen Ansatzpunkt stochert er nur im Dunklen. Weiter hilft ihm nur seine Intuition.

Vargas entwirft einen ihrer typischen Mikrokosmen. Mit wenigen Ausnahmen dreht sich alles um ein bestimmtes Viertel, in dem sich die Tagesstruktur vieler Menschen nach dem Terminen des Ausrufers richtet und in dem man sich regelmäßig in der Kneipe "Viking" trifft. Da man kaum andere Personen vorgestellt bekommt, wird es angesichts dieser liebenswert skurrilen Menschen durchaus unangenehm … denn aus dieser Gruppe heraus scheint der Keim für die Pest zu stammen und Adamsberg rückt dem Täter immer näher auf die Pelle.

Das Ende spinnt sich aus einem sehr wirren Knäuel. Alles hängt zusammen, aber nichts war so, wie man es sich erdacht hat. Nur Adamsberg bewahrt inmitten der Unruhe, die das Pest-Gerücht mit sich bringt, Ruhe genug, um alles an seinen korrekten Platz zu sortieren. Logisch aufgelöst endet das Geschehen wohl, aber recht unwahrscheinlich und konstruiert. Und dennoch gelingt es der Geschichte, den Leser für sich zu gewinnen und das alles als eine ganz eigene Welt zu akzeptieren.

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Fliehe weit und schnell

Die Pest in Paris! Die Handlung dieses Krimis spielt nicht im finstersten Mittelalter, sondern in den 90er Jahren des 20sten Jahrhunderts, aber die irrationale Angst vor dieser Krankheit, vor der “Geißel Gottes”, ist auch aus den aufgeklärtesten Köpfen nicht zu vertreiben. Dies macht sich ein perfider Mörder zunutze, der mit ausgeklügelten Symboliken die gesamte Pariser Bevölkerung in Panik versetzt.

Joss Le Guern, arbeitsloser bretonischer Seemann und Ex-Häftling ist auf eine Marktlücke gestoßen, um in Paris sein Auskommen zu finden: Er macht sich als Nachrichtenausrufer nützlich, sammelt Kleinanzeigen, Liebesbriefe und andere Annoncen in einer Box, um sie dann gegen eine kleine Gebühr der Öffentlichkeit vorzutragen. Auch in Zeiten von Internet und Massenmedien findet er damit sowohl Kundschaft als auch regelmäßige Zuhörer, und sein “Arbeitsplatz” in der Nähe einer Metrostation mitten in Paris wird dreimal am Tag zu einem beliebten Treffpunkt für Stammhörer und Laufpublikum.

Stutzig wird er allerdings, als er regelmäßig offensichtlich alte, teilweise sogar lateinische Texte zum Ausrufen vorfindet. Auch sein Zimmerwirt, ehemaliger Lehrer und für seine Belesenheit berühmt, interessiert sich für diese Nachrichten: in mühevoller Recherche stellt er fest, dass es sich um Erfahrungsberichte aus Pestzeiten handelt.

Gleichzeitig muss sich Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg mit einem seltsamen Fall von Sachbeschädigung herumschlagen: Ein unbekannter “Künstler” verziert hunderte von Pariser Wohnungstüren mit einer spiegelverkehrten Vier. Auch dieses Zeichen stellt sich bald als Schutzsymbol aus Pestzeichen heraus, und die Koinzidenz zwischen den Schmierereien und Joss’ Annoncen lässt bei Adamsberg alle Alarmglocken schrillen - zu Recht, wie sich herausstellt. Als die ersten schwarz gefärbten Leichen auftauchen, ist eine Panik in der Stadt nicht mehr zu vermeiden.

Besonderes Kennzeichen dieses Krimis (der dritte in der Adamsberg-Reihe von Fred Vargas) sind die Charaktere: liebevoll und detailliert gezeichnet sind sie jeder für sich skurril und ungewöhnlich, dabei aber niemals unglaubwürdig. Wie z.B. die persönlichen Biographien von Joss und seinem Zimmerwirt Décambrais ihr Auftreten und ihre Verstrickungen in die Geschichte rechtfertigen, ist hervorragend gelungen. Da sich das ganze Geschehen immer wieder um Joss’ Arbeitsplatz und seine Stammkneipe kristallisiert, wirkt auch Paris als Handlungsraum nicht wie eine typische moderne Großstadt. Familiär und vertraut geht es zu in diesem Viertel, und die Bewohner wirken eher wie eine Dorfgemeinschaft denn wie Einwohner einer pulsierenden anonymen Metropole - eine Gemeinschaft, die Außenstehenden zunächst mit Ablehnung begegnet, sie aber auch nicht mehr loslässt, wenn diese erst einmal integriert sind.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir Kommissar Adamsberg mit seinem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen, seinem Interesse am Individuum, mag es auch noch so exzentrisch sein (und das ihm auch immer wieder zu den richtigen Informationen zur richtigen Zeit verhilft), seiner unbestechlichen intuitiven Spürnase (toll ergänzt von seinem datenbankabhängigen Kollegen Danglard) und seinem mehr als chaotischen Liebesleben. Kein strahlender Held und besonders sympathisch dann, wenn er gerade mal wieder nicht weiter weiß - was in diesem Fall durchaus häufiger vorkommt.

Ebenfalls gut gelungen ist die Vermittlung von relevantem Hintergrundwissen, in diesem Fall historischen Fakten über die Pest, die Jahrhunderte lang immer wieder in ganz Europa gewütet hat. Was der Mörder, offensichtlich ein Fachmann weiß, muss auch Adamsberg - und mit ihm der Leser - sich aneignen. Diese Passagen werden allerdings gut integriert und wirken nie langatmig. Ganz im Gegenteil, die Jagd nach der Bedeutung der historischen Texte, die Joss täglich verliest, war für mich besonders spannend.

Einziger negativer Punkt in meiner Bewertung dieses Krimis: Das etwas konstruiert wirkende Motiv der Tat(en). Die Metamorphose des leicht debil wirkenden ersten Verdächtigen zum Superhirn erschien mir nicht wirklich glaubwürdig, und auch dass ein Fachmann mit einem derart profunden historischen Wissen über die Pest nicht in der Lage sein soll, harmlose Rattenflöhe ohne Pesterreger als solche zu identifizieren, schien mir fragwürdig. Das sind allerdings Kleinigkeiten, die Auflösung des Falls hielt dann doch noch einige wohltuende Überraschungen bereit.

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