Jörg Maurer: Föhnlage

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Jörg Maurer: Föhnlage
Verlag
ET (D)
2009
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783596182374

Informationen zum Buch

Seiten
336

Sonstiges

Erster Satz
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Handlungsort

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Bei einem Konzert in einem idyllischen bayerischen Alpen-Kurort stürzt ein Mann von der Decke ins Publikum tot. Und der Zuhörer, auf den er fiel, auch. Kommissar Jennerwein nimmt die Ermittlungen auf: War es ein Unfall, Selbstmord, Mord? Er schlägt sich mit widersprüchlichen Zeugenaussagen herum, die Einheimischen spekulieren genussvoll bei Föhn und Bier. Was hatte der Gestürzte oben auf dem Dachboden zu suchen? Und warum ist der hoch angesehene Bestattungsunternehmer Ignaz Grasegger auf einmal so nervös? Derweil muss Jennerwein einen verdächtigen Trachtler durch den ganzen Ort jagen und stößt unverhofft auf eine heiße Spur...

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Jaja, der Föhn. Dieser warme, trockene Wind, der insbesondere am Alpenrand die Leute immer wieder zum Spinnen bringt. Sollte der etwa schuld sein, dass während eines Klavierkonzerts im Kultursaal eines bayerischen Luftkurortes Unerhörtes passiert ist? Ein Konzertbesucher ist zu Tode gekommen, weil ein nicht gerade leichtgewichtiger Mann von oben auf ihn stürzte.

Kommissar Jennerwein und sein Team stehen schon bei der Rekonstruktion des Hergangs vor einem Rätsel. Von wo genau ist der Mann abgestürzt? Und warum? Selbstmord? Ein bizarrer Mordanschlag? Oder ein Unfall? Die Ermittlungen gestalten sich nicht gerade einfach, zumal beide Toten einzelgängerisch veranlagt waren und über ihr Privatleben wenig bekannt ist.

Im Ort überschlagen sich derweil die wüstesten Theorien und Klatschgeschichten ...und das ortsansässige Bestatterehepaar Grasegger betreibt abgesehen von seinem pietätvollen Tagesgeschäft noch eine lukrative Nebentätigkeit, von der niemand weiß ...

Ein sehr bayerischer, sehr schwarzhumoriger und etwas überdrehter Krimi, der das Spiel mit Klischees auf unerwartet gelungene Art auf die Spitze treibt. Die Figuren sind natürlich alle leicht schablonenhaft, aber nur gerade so überzeichnet, dass es eben noch glaubwürdig ist. Zahlreiche Charaktere, massenhaft falsche Fährten, gelungene Dialoge und viele witzige Seitenhiebe auf bayerisches Brauchtum, Tourismus, Volksmusik und verschrobene Dorfbewohner machen diesen Fall für den sympathisch-durchschnittlichen Hubertus Jennerwein zu einem spaßigen Lesevergnügen für einen faulen Urlaubstag. (Am besten in Bayern, natürlich, des Lokalkolorits wegen!)

Das Cover mit dem spießigen Hirschgeweih und den Einschusslöchern in der pastelligen Tapete hält durchaus, was es verspricht. Ich hatte mit einem mittelmäßigen Kluftinger-Verschnitt gerechnet und wurde angenehm überrascht.

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Ui, da bekommt der Klufti aber ganz schön Konkurrenz aus der Nachbarschaft! Das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Buch am Ende zugeklappt hatte...

Aber keine Angst, Hubertus Jennerwein ist keinesfalls eine Blaupause von Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu, das sieht man allein daran schon, dass er einen Vornamen hat. Nein, Jörg Maurer hat da mit Jennerwein einen ganz anderen Charakter gezeichnet, der vor allem durch seine Unauffälligkeit heraussticht („er könnte auf dem Vegetarierkongress ein Schnitzel essen, ohne aufzufallen“) und der vor allem auch nicht so sehr im Mittelpunkt der Geschichte steht wie sein Allgäuer Kollege. Aber auch bei ihm gibt es eine Besonderheit, die hier natürlich nicht verraten wird.

Daher rücken in diesem Alpenkrimi vor allem die bayerischen Befindlichkeiten, aber auch der Plot in den Vordergrund, der sehr raffiniert ausgefeilt ist und beste Krimiunterhaltung bietet. Der Autor verknüpft und konstruiert, verwebt und erfindet, dass es eine wahre Freude ist. Sehr schnell wird deutlich, dass hier verschiedene, teilweise sehr bizarre Szenarien zusammentreffen und erst durch ihre Vermischung ein hochexplosiver Krimicocktail entsteht. Als Leser ist man immer munter am Miträtseln und fiebert mit dem Ermittlerteam mit, nur um gemeinsam mit dieser zusammengewürfelten Truppe aus Kripoleuten, Ortspolizisten, Profilern und Spurensicherern wieder mal in einer Sackgasse zu landen.

Besonders gut gefallen haben mir vor allem auch die bitterbösen Spitzen gegen alles Mögliche und Unmögliche, vor allem das bayerische Brauchtum und die bayerische Volksseele. Aber auch sonst gibt es nichts, was Jörg Maurer auslässt; vor seinem schwarzen Humor und seinem aufmerksamen Blick ist niemand sicher und so entsteht eine Art liebevolle Karikatur des weltbekannten Alpendorfes Garmisch-Partenkirchen und seiner fiktiven Bewohner. Sprachlich hat der Autor einiges zu bieten; er spricht zwischendurch auch mal den Leser an, kreiiert neue Wortschöpfungen, die mich zum Schmunzeln brachten und sorgt durch den kurzweiligen Sprachstil für einen unbeschwerten und durchgängigen Lesefluss.

Mich hat „Föhnlage“ vollkommen überzeugt und ich empfehle das Buch gerne weiter an Krimifans und Freunde des schwarzen Humors. Besonders viel Spaß hat mir übrigens das Nachwort gemacht, das nach Abschluss des Falles wie eine kleine Zugabe drangehängt wurde und noch einmal deutlich den intelligenten Humor des Autors widerspiegelt.

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