Henrike Spohr: Heilbronn 37°

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Henrike Spohr: Heilbronn 37°
Verlag
ET (D)
2014
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783954513659

Informationen zum Buch

Seiten
256

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die tief stehende Sonne blendete ihn, heizte den Innenraum des Wagens so stark auf, dass er am Sitz klebte und seine feuchten Hände immer wieder an der Hose abwischen musste.

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Drückende Hitze liegt über Süddeutschland. Tamara arbeitet wie eine Besessene an den Bildern für ihre erste Ausstellung. Doch mit jedem Tag wird das Gefühl, beobachtet und verfolgt zu werden, stärker, denn in ihrer Vergangenheit lauert eine dunkle Bedrohung: »Irgendwann, wenn du nicht daran denkst, werde ich zu dir kommen!« Doch dieses Mal will Tamara kein wehrloses Opfer sein ...

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Heilbronn 37°

Tamara ist glücklich. Schon bald wird sie ihre erste eigene Ausstellung haben und damit hoffentlich den langersehnten Durchbruch als Künstlerin schaffen. Derzeit arbeitet sie wie eine Besessene an neuen Bildern. Doch etwas trübt ihr Glück. Sie fühlt sich beobachtet und sehr schnell flammen Erinnerungen an einen kurzen Zeitraum in ihrer Kindheit auf, in dem sie Schlimmes erlebt hat. Tamaras Ängste sind greifbar und beängstigend. Nicht einmal Tamaras Partner Paul kann ihr helfen. Vielmehr scheint er hilflos und es kommt sogar so weit, dass die Ängste auf ihn überzugreifen scheinen.

Der Leser weiß, dass Tamara tatsächlich beobachtet wird. Die Identität des Verfolgers ist nicht gleich klar, allerdings scheint er nicht für eigene Zwecke hinter Tamara herzuspionieren sondern einen entsprechenden Auftrag zu haben. Nur von wem und warum?

Anna ist ängstlich. Sie glaubt ihr Mann Andreas würde etwas vor ihr verbergen und sie beginnt ihm nachzuspionieren. Andreas scheint ein erfolgreicher Mann zu sein, der uns aber aus Sicht von Anna auch als sehr bestimmend beschrieben wird.

Zwischen Tamara/Paul und Anna/Andreas gibt es eine Verbindung. Der Leser wird nicht umhin kommen dies schon frühzeitig zu erkennen, aber die Autorin hat diese Verbindung so geschickt getarnt, dass sie wohl niemand vollständig korrekt erraten wird. Vielmehr werden hier von Henrike Spohr falsche Fährten gelegt und der Leser wird mit einem wirklich gelungenen Ende überrascht.

„Heilbronn 37°“ ist ein sehr guter, psychologisch tiefschürfender Roman. Die Autorin schafft eine gruselig schaurige Atmosphäre und bedient sich hierfür diverser Keller, Katzen, Träume und Geräusche und eines schwülen Sommers mit drückender Hitze und langen schlaflosen Nächten. Dieses wirklich beängstigende Szenario macht die Stärke der Geschichte aus. Es lohnt sich wirklich dieses Debüt der Autorin Henrike Spohr in die Hand zu nehmen.

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Aufgeladene Hochsommerspannung

Heilbronn im Hochsommer: die Stadt stöhnt unter der Hitzewelle bei Temperaturen weit über 30°, ein heftiges Sommergewitter jagt das nächste. In dieser aufgeladenen Atmosphäre fühlt sich die Malerin Tamara seit einiger Zeit beobachtet; sie ist auch davon überzeugt, daß in ihr Atelier eingebrochen wurde, auch wenn nichts entwendet wurde. Tamara hat Angst! Und diese Angst ist nicht unberechtigt, denn in ihrer Vergangenheit lauert ein finsterer Feind.

Da ich nur 50 Kilometer von Heilbronn entfernt wohne, war das Buch natürlich Pflichtlektüre für mich, zumal es spannende Lesestunden versprochen hat. Dieses Versprechen konnte das Buch auch voll und ganz erfüllen. Ich würde das Buch allerdings eher dem Genre Psychodrama/-thriller zuordnen und nicht als Kriminalroman bezeichnen.

Die Autorin schafft es exzellent, die drückende und schwüle Sommerstimmung mit der immer düsterer werdenden Stimmungslage der Protagonisten zu verbinden. Die Situation heizt sich immer weiter auf, nicht nur das Wetter bezogen. Die Seiten flogen beim Lesen nur so dahin.

Die Anzahl der Figuren ist sehr übersichtlich und es wird bald ersichtlich, daß sie alle in irgendeiner Verbindung zueinander stehen. Dabei legt Henrike Spohr geschickt falsche Spuren aus, so daß ich sehr lange in die falsche Richtung gedacht hatte – und die richtigen Fährten dabei übersehen habe.

Tamara steht kurz vor ihrer ersten Vernissage und verbringt daher viel Zeit in ihrem Atelier, um ihre Bilder für die Ausstellung zu vollenden. Sie hatte als Jugendliche ein schlimmes traumatisches Erlebnis, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Außer ihrem Mann Paul weiß niemand von diesem Erlebnis und ihr Schweigen setzt eine Kette von tragischen Zufällen in Gang. Es wäre nötig, daß sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen würde, aber sie hat die Therapie schon vor Jahren abgebrochen.

Das Ende war mir im ersten Moment beinahe zu glatt und hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen, was zur Folge hat, daß ich nochmal intensiv darüber nachgedacht habe. Und dabei kamen noch einige Dinge zum Vorschein, die das Ende doch nicht mehr ganz so glatt erscheinen lassen.

Die wichtigsten Fragen wurde geklärt, aber es bleibt dennoch genügend Raum für weitere Überlegungen. Aus psychologischer Sicht gibt es noch ein paar Punkte, die mich interessiert hätten, die aber den Rahmen dieses Buches gesprengt hätten, weil das eine längere Reise in die Vergangenheit gewesen wäre. Die Autorin hat anklingen lassen, daß sie darüber nachdenkt, ein Prequel über diese Vergangenheit zu verfassen – ich würde mich freuen, wenn das klappen würde.

Sehr gut hat mir gefallen, wie sich bestimmte Details wie eine roter Faden durch das Buch ziehen und immer mehr Symbolwirkung erhalten haben. Eines davon sind die Träume, die ähnlich bei mehreren Protagonisten auftauchen: man kann darüber diskutieren, ob sie nötig sind oder nicht, aber in jedem Fall unterstreichen sie die unheimliche Stimmung des Buches.

Mir hat das Erstlingswerk der sympathischen Autorin sehr gut gefallen und ich freue mich auf ihre zukünftigen Bücher.

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Ein spannender Krimi mit überraschendem Ende

Tamara ist eine junge, aufstrebende Künstlerin, die kurz vor ihrer ersten Vernissage steht. Sie ist glücklich mit ihrem Mann Paul, der sie immer unterstützt. Alles könnte so schön sein, wären da nicht immer wieder diese Flashbacks. Als Teenager war Tamara zwei Wochen lang verschwunden und bis heute hat sie der Polizei nicht verraten, wer sie in dem dunklen Keller gefangen hielt. Schwer traumatisiert kämpft sie gegen die dunklen Träume der Vergangenheit an.

Henrike Spohr lebt in der Stadt, der ihr Roman sein Name verdankt: Heilbronn. Der Sommer ist heiß, schwüle Gewitter ziehen auf und auch die Stimmung der Charaktere passt sich dem an. Etwas brodelt unter der Oberfläche. Etwas, das lange im Verborgenen schlummerte und jetzt an die Oberfläche bricht. Das Buch beginnt gar nicht so geheimnisvoll. Schnell hatte ich eine Spur aufgenommen, nicht ahnend, dass mich die Autorin fast boshaft an der Nase herumführte. So legt sie falsche Fährten und wahrt ihre Geheimnisse bis fast zum Schluss.

Nicht nur für ein Debüt ist dieses Buch bemerkenswert und für mich die erste Überraschung des Jahres. Ich hatte mich auf einen netten Krimi mit etwas Lokalkolorit eingestellt, aber ich bekam heiße "Heilbronn 37°". Die Charakterzeichnung ist ausgefeilt und besonders in Tamaras Seelenqual kann man sich gut hinein versetzen. Etwas störend empfand ich allerdings verschiedene Traumsequenzen anderer Personen. Für mich zu spirituell angehaucht und unnötig überladen in dieser sowieso schon rätselhaften Handlung.

Das Ende bot einen für mich überraschenden Twist und damit auch eine Portion Gänsehaut. Hut ab vor dieser Leistung. Es ist inzwischen nicht mehr so leicht, mich auf eine falsche Fährte zu locken, aber Henrike Spohr ist es doch glatt mit ihrem Debüt auf Anhieb gelungen. Somit ist "Heilbronn 37°" eine klare Leseempfehlung und ich warte gespannt auf die weiteren Bücher der Autorin.

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Drückende Schwüle




Ich habe diesen Roman lesen wollen, weil ich ein wenig mehr über Heilbronn erfahren wollte. Sicher werde ich beim nächsten Besuch dort die Straßen und Gegenden einmal suchen. Für Leser, die diese Stadt genauer kennen, war es sicher spannend, die Gegenden wieder zu finden.
Der Titel enthielt ja außer dem Namen der Stadt noch die Angabe 37°. Diese konnte man beim Lesen auch fast fühlen. Die Handlung spielt in einem sogenannten „Jahrhundertsommer“. Die Luft ist schwül und drückend, so wie die Angst, die auf Tamara lastet. Eine Angst, die kein frischer Wind hinweg wehen kann und die kein Regenschauer abspült. Eine Angst geboren aus einem Trauma, welches aus ihrer Kindheit unverarbeitet in ihr immer wieder aufbricht. Zwei Wochen war sie in einem Keller eingesperrt und bis heute hat sie niemandem verraten, wer ihr Entführer war. Sie ist Künstlerin und versucht in ihrer kreativen Arbeit mit dieser Angst fertig zu werden. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Ehemann Paul, der sich bemüht, mit ihren Panikattacken und Flashbacks klar zu kommen. Er liebt Tamara und ist zunehmend verzweifelt, denn sie ändert sich gerade.
Anna ist eine Frau in einem goldenen Käfig. Sie hat alles, was man sich wünschen kann, ein Haus mit allem Komfort, wenn auch viel zu groß für sie und ihren Mann. Aber ist sie freiwillig in diesem Käfig? Sie liebt ihren erfolgreichen Mann und lebt scheinbar nur für ihn, aber der ändert sich gerade.
Ihr Mann, Andreas, ist ein Anwalt mit reicher Klientel und politischen Ambitionen. Er fragt sich, warum seine Frau nicht glücklich ist. Er würde das gern ändern.
Als Kontrapunkt zu diesen beiden Paaren mit großen Schwierigkeiten gibt es Pauls Bruder, der eine glückliche Ehe führt mit zwei ziemlich lebendigen Kindern. Das andere Ende der Skala ist eine bereits gescheiterte Ehe, ein Privatdetektiv, der durch Spielsucht sich und seine Familie ruiniert hat, Frau und Tochter nur noch von Weitem sehen kann.
Kann er durch einen großen Coup alles wieder einrenken?
Wird Tamara ihr Trauma überwinden? Kann Paul auf Dauer Tamaras Gefühlsausbrüche ertragen? Was ist mit Andreas los? Warum ist Anna so einsam?
Ein riesiges Paket an Problemen, welches die Grundlage für einen spannenden Psychokrimi bildet, in dem eine schwarze Katze schnurrend und kratzend auf sich aufmerksam macht.
Obwohl ein paar Kleinigkeiten für mich zu konstruiert waren und ein wenig in Richtung Horror weisen (ohne aber wirklich die Handlung in diese Richtung zu treiben) und trotz der drückenden Schwüle des Heilbronner Sommers war es spannend, der Lösung der verschiedenen Fragen nachzuspüren. Ein Buch gleichzeitig zum Nachdenken über Psychische Belastungen und Coabhängigkeiten.

Fazit:
Ein Krimi dessen Spannung aus psychischen Konflikten entsteht, voller Lokalkolorit und mit einer so eindringlichen Beschreibung der Situationen, dass der Leser sie fast körperlich empfindet.

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Um ehrlich zu sein: ich bin ein wenig enttäuscht ...

Der Titel klingt originell, das Cover ist ein Hingucker und der Text auf der Buchrückseite macht auch recht neugierig. - Hatte ich dadurch vielleicht zu hohe Erwartungen? - Ich glaube schon.
Einen kleinen Dämpfer habe ich schon mal erhalten, als ich gemerkt habe, dass die Malerei in dem Buch eine Rolle spielt. Für Kunst interessiere ich mich nämlich überhaupt nicht, das ist leider absolut nicht mein Thema, deswegen bin ich auch des Öfteren abgeschweift, wenn es ums Malen, Farben, Bilder und die Vernissage ging. Und das ist (für mich) blöderweise auch nicht unbedingt wenig thematisiert worden.

Die Grundstimmung der Geschichte ist eher (be)drückend (wie das Wetter, das auch oft, gerne und ausführlich beschrieben wurde) und angespannt. Aber angespannt nicht im Sinne von nervenaufreibend oder spannend für den Leser, sondern eher angespannt im Sinne von psycho für die Protagonisten selbst.
Ich würde das Buch auch niemals ins Krimigenre einordnen, eher in die Psycho(thriller)ecke. Trotzdem war die gesamte Geschichte für mich als Leserin irgendwie nicht spannungsgeladen genug. Ich habe gemerkt, dass sich die Autorin bei der Skizzierung ihrer Protagonisten wirklich versucht hat, Mühe zu geben, aber leider ist der Thrill, die Ängste, die Sorgen, die die Charaktere verspürt haben, nicht bei mir angekommen. Nichts dergleichen habe ich auch nur annähernd nachempfinden können, und das hat mich schon etwas enttäuscht. Möglicherweise lag es daran, dass die Informationen über die Vergangenheit der Charaktere, mit denen diese Ängste zu tun hatten, erst gegen Ende (und da auch nicht so richtig) enthüllt wurden und ich mich deswegen während dem Lesen also gar nicht in irgendjemanden hineinversetzen konnte. - Ich hoffe, dass ich das halbwegs verständlich erklären konnte, wie es mir beim Lesen der Geschichte ergangen ist.

Ziemlich negativ ist in dem Buch auch das Allgemeinbild einer Katze weggekommen. Die Katze war hierin immer irgendwie negativ behaftet. Sei es, dass sie Unheil bringt, wenn man sie sieht/hört, oder dass sie einem den Atem nimmt, wenn sie sich auf die Brust legt, während man schläft, ... - Die negative Darstellung der Katze ist mir immer wieder gegen den Strich gegangen!

Meinen Geschmack hat das Buch also leider nicht getroffen, was ich schade finde, da ich mich anfangs ja sehr darauf gefreut habe. Auch ein paar mehr Informationen am Schluss hätten es meines Erachtens ruhig sein können, da ich etwas unbefriedigt zurückgelassen wurde, weil ich keine vollständige Klarheit über alles hatte.
Mir ist es sehr schwer gefallen, Sympathie für die Protagonisten aufzubringen und deren Gefühle nachzuvollziehen, weil ich eben gewisse Hintergrundinformationen vermisst habe.
Nehme ich all meine Kritikpunkte zusammen, dann käme ich auf gefühlsmäßige 2,5 Sterne. Da ich aber normalerweis keine halben Sachen mache, runde ich auf 3 Sterne auf.

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