Herbert Beckmann: Die Konitzer Mordaffäre

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Herbert Beckmann: Die Konitzer Mordaffäre
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783839218013

Informationen zum Buch

Seiten
241

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Konitz, Westpreußen im März 1900. Die Leiche des Schülers Ernst Winter wird grausam zugerichtet gefunden. Die örtliche Polizei und die preußische Justiz erweisen sich schnell als überfordert. Wut und Hysterie in der Bevölkerung brechen sich Bahn. Antisemiten vor Ort und in Berlin schüren erfolgreich das Gerücht, die Juden hätten Ernst Winter rituell ausbluten lassen und dann zerstückelt, um die Christen zu verhöhnen. Pogromstimmung macht sich breit. Berlin schickt den jungen Kommissar Wehn und den erfahrenen Inspektor Braun nach Konitz. Die Katastrophe ist dennoch nicht mehr aufzuhalten.

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Eine Spirale der antisemitischen Gewalt

Die Kleinstadt Konitz in Pommern. Im März des Jahres 1900 wird die Leiche des 18jährigen Gymnasiasten Ernst Winter auf einem noch zugefrorenen See gefunden. Die Art und Weise, wie er zu Tode gekommen ist, legt nahe, dass der Mörder sich sehr gut auf das Schlachten oder die menschliche Anatomie verstanden hat. Doch die Ermittler der Polizei und der Justiz sind schon sehr rasch überfordert.
Und so geraten die öffentlich verbreiteten ersten Ermittlungsergebnisse schon bald außer Kontrolle: Teile der Bevölkerung gehen von einem Ritualmord, den Juden begangen haben, aus: immerhin ist der Kreisphysikus, der die Autopsie durchgeführt hat, zu der Erkenntnis gekommen, dass der Schüler vollkommen blutleer aufgefunden wurde... Nachdem ortsansässige Antisemiten das Gerücht von einem rituellen Ausbluten streuen, bricht sich Hysterie und Hass seine Bahn. Und so sieht sich nicht nur der örtliche Fleischermeister den Verdächtigungen ausgesetzt, sondern 'selbstverständlich' auch der jüdische Schächter.
Während Bürgermeister Deditius - der auch gleichzeitig der Polizeichef der Kleinstadt ist - dem Fall möglichst unvoreingenommen nachgehen möchte, sind sich der Staatsanwalt und der Kreisphysikus, der nebenbei völlig ungeeignet für eine derartige Untersuchung ist, sicher, dass es sich nur um einen Juden gehandelt haben kann, der Ernst Winter geschächtet hat. Als dann weitere Körperteile des Opfers auftauchen und eine Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgerufen wird, mehren sich Verleumdungen, falsche Zeugenaussagen und hanebüchene Hinweise, was zu einer deutlichen Pogromstimmung anschwillt. Daraufhin entsendet das preußische Innenministerium zwei Ermittler nach Westpreußen - darunter einer der angesehensten Kriminalisten Preußens. Dieser unternimmt zwar die richtigen Schritte und lässt Profis ans Werk, die sowohl die sterblichen Überreste Ernst Winters als auch andere Beweisstücke untersuchen. Doch zu viel wurde schon zerstört, da eventuell wichtige Gegenstände weggeworfen, Spuren vernichtet und Aussagen nicht richtig aufgenommen wurden. Und nicht nur das - auch der Mob ist letztlich nicht mehr zu stoppen. Mehrere Tausend Antisemiten verüben Anschläge auf jüdische Wohnhäuser und Geschäfte. Die Feuerwehr wird mit Steinen beworfen, als sie versucht, einen Brand zu löschen, der auf die Synagoge überzugreifen droht. Schließlich entsendet Berlin sogar Militär, um die jüdischen Bewohner Konitz' und ihren Besitz zu schützen.

Ehrlich gesagt habe ich nicht gewusst, dass das Buch von Herbert Beckmann auf einem wahren Fall beruht. Da der Mord gleich zu Anfang geschieht, kann man "Die Konitzer Mordaffäre" auch als Kriminalroman lesen, aber nachdem ich wusste, dass das alles genau so vonstatten ging, ja, selbst die historischen Figuren mit ihren richtigen Namen auftauchen, habe ich das Buch mit noch mehr Interesse und Aufmerksamkeit gelesen. Auch wenn wir aus heutiger Sicht wissen, in was der stetig wachsende Antisemitismus dieser Zeit mündete: es ist sehr erschreckend, was ein einfacher, leicht hingesagter Satz für Folgen haben konnte. Die Antisemiten stürzten sich wie die Aasgeier darauf und verbreiteten jede Menge Hass und Unwahrheiten. Und all das verselbständigte sich, förderte schlechte Eigenschaften bei Menschen und gipfelte in purer Gewalt...

Mich hat dieses Buch sehr in seinen Bann gezogen. Der schnörkellose Erzählstil Herbert Beckmanns passt sehr gut zum Geschehen, das schlicht und ergreifend für sich steht. In meinen Augen hat der Autor sehr gut recherchiert und dichtet den damaligen Ereignissen auch nichts dazu. Wer sich also vom Ende überraschen lassen möchte, sollte zuvor nicht zur 'Konitzer Mordaffäre' googeln...

Fazit: Klare Leseempfehlung für alle historisch Interessierten!

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Antisemitische Agitation

Im März 1900 werden am Mönchsee in Konitz Leichenteile des Schülers Ernst Winter gefunden. Bald schon sind Polizei und Justiz überfordert. Der Verdacht, dass die Juden den Schüler rituell haben ausbluten lassen, führt dazu, dass die Antisemiten alles tun, um die Ermittlungen in die gewünschte Richtung zu bringen. Selbst die Unterstützung aus Berlin kann nicht mehr aufhalten, was sich dann zur Konitzer Mordaffäre entwickelt.
Dieses Buch ist leicht und flüssig zu lesen. Die Geschichte ist tatsächlich geschehen. Erzählt wird sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Zunächst wird aus der Perspektive des Bürgermeister Deditius, der gleichzeitig der Chef der örtlichen Polizei ist. Da er nicht als Polizist ausgebildet ist, beruft er einen gerade erst pensionierten Polizisten wieder zurück in den Dienst. Der macht eine fatale Bemerkung am Fundort „der Körper ist vollkommen blutleer“, was die Gaffer mitbekommen. Diese Bemerkung setzt eine Spirale von Verleumdung, Falschaussagen und Interpretationen in Gang, die einen Ausblick auf kommende antisemitische Ausschreitungen gibt.
Während der Bürgermeister die Klärung sachlich angehen will, hat der Staatsanwalt sehr schnell eine vorgefasste Meinung. Er hat sein Ohr am Volk und schnell ist der Täter ausgemacht. Es kann nur ein Jude sein, der Ernst Winter geschächtet hat. Auch der Kreisphysikus Dr. Müller bestätigt diese Annahmen, obwohl er nicht qualifiziert war. Die Zeitung greift die Meinung der Bürger auf und verstärkt dadurch noch die Gerüchteküche. Als eine erkleckliche Summe auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt wird, wird dem Denunziantentum Tür und Tor geöffnet.
Dann lernen wir die Perspektive des jungen Berliner Kommissar Wehn kennen, der auf Wunsch des Bürgermeisters nach Konitz kommt. Aber auch er kann den Täter nicht fassen, denn die Vielzahl von Hinweisen behindern die Ermittlungen.
Dann soll es der erfahrene Inspektor Braun richten. Wir lernen auch seine Sichtweise kennen. Seine privaten Probleme lassen ihn auch in Konitz nicht los. Er lässt erstmal die Beweisstücke von Fachleuten und die Leichenteile von einem Pathologen untersuchen. Aber es ist zu spät! Die Agitationen gegen die jüdischen Mitglieder der Gemeinde sind in Gang gesetzt und lassen sich nicht mehr aufhalten. Furchtbare Gewaltexzesse geschehen in Konitz, der Mob ist nicht mehr zu bändigen. Selbst die Synagoge wird angezündet. Sogar das Militär wird eingesetzt, um die jüdischen Bewohner zu schützen.
Es ist erschreckend, wie Getratsche, Gerüchte, Falschaussagen und vorgefasste Meinungen zu dieser schrecklichen Katastrophe führen, die einen Vorgeschmack auf spätere Pogrome liefern. Selbst sachliche Argumentation und Fakten kommt nicht an gegen üble Nachrede und Denunziantentum. Ist erst einmal das Flämmchen entzündet, kommt es schnell zu einem Flächenbrand.
Ich hatte einen Krimi erwartet und wollte gerne die Ermittlungsarbeit jener Zeit kennenlernen. Aber ich habe einen schrecklichen Tatsachenbericht erhalten, der die Abgründe der Menschen zeigt. Trotzdem oder gerade deshalb war die Geschichte spannend, aber auch erschreckend und bedrückend.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

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