Hans-Henner Hess: Herrentag

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Hans-Henner Hess: Herrentag
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783832162467

Informationen zum Buch

Seiten
383

Serieninfo

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Der Fickel steht als Rechtsanwalt am Meininger Gericht auf der Karriereleiter ganz unten. Er ist Terminvertreter (im Fachjargon "Terminhure") und springt in Verhandlungen ein, wenn der richtige Anwalt verhindert ist. Dass so einer Verteidiger in einem Mordverfahren wird, kann nur in einem Nest wie Meiningen passieren: Sylvia Kminikowski, designierte Amtsgerichtsdirektorin, wird ermordet im Englischen Garten aufgefunden. DNA-Spuren führen zu René Schmidtkonz, dem Enkel von Fickels Vermieterin. Also gibt der Fickel sich einen Ruck und vergräbt sich in den Fall. Obwohl er sich im Strafrecht nicht besonders gut auskennt, stößt er schon bald auf Ungereimtheiten, die seinen Mandanten entlasten könnten. Ein massives Problem jedoch bleibt: die Oberstaatsanwältin Gundelwein, die im Allgemeinen auf Männer nicht gut zu sprechen ist und im Besonderen auf den Fickel. Sie ist Fickels Exfrau und sähe nichts in der Welt lieber, als dass er sich in seinem ersten großen Fall bis auf die Knochen blamiert.

Fickel: Ableitung der Koseform "Fick" zum Rufnamen Friedrich (1387 Fyckel, 1388 Viggel, 1508 Fickel). Außerdem bedeutet Fickel umgangssprachlich so viel wie Ferkel: Wenn jemand beim Essen gern kleckert, ist er eben ein Fickel.

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Herrlich schräg

Am Gericht des südthüringischen Meiningen ist der Fickel als Terminvertreter tätig, d.h. er springt bei Verhandlungen ein, wenn der Anwalt kurzfristig verhindert ist. Damit steht er in der Hierarchie zwar ganz unten, und reich wird er damit auch nicht, aber da der Fickel sowieso nichts von zuviel Arbeit hält, ist er zufrieden, da ihm dadurch noch genügend Zeit bleibt, sich seinem Hobby, der Kakteenzucht, zu widmen. Mit der Ruhe ist es allerdings vorbei, als die scheidende Gerichtsdirektorin Driesel ihm die Verteidigung eines Tatverdächtigen, der des Mordes beschuldigt wird, zuschanzt. Nur blöd, daß sich der Fickel gar nicht gut im Strafrecht auskennt – und damit ein gefundenes Fressen für seine Exfrau, die Oberstaatsanwältin Gundelwein, ist, die nur auf eine Gelegenheit wartet, ihren Ex bloßzustellen.

Mir hat dieser Regionalkrimi sehr gut gefallen, der sich von anderen Krimis abhebt: der schräge Humor, der sich durch das ganze Buch zieht, hat dabei einen großen Anteil. Der Lokalkolorit des thüringischen Meiningen wird durch die ortstypische Sprache und Grammatik sehr gut dargestellt, ein weiterer Höhepunkt ist die oftmals ironische Darstellung der Charaktere. Trotz der schrägen Figuren hatte ich aber nicht das Gefühl, daß die Figuren oder der Landstrich um Meiningen ins Lächerliche gezogen werden.
Im Gegenteil, die Charaktere gefielen mir auch deshalb so gut, weil sie sehr detailliert und liebevoll beschrieben werden, mit all ihren Stärken und Schwächen.

Die Krimihandlung nimmt im ersten Viertel des Buches noch wenig Platz ein, vielmehr werden die wichtigsten Charaktere vorgestellt. Durch die Eröffnung mehrerer Handlungsstränge konnte ich als Leser lange Zeit nur spekulieren, ob und wie sie mit dem Mord zusammenhängen könnten. Auch wenn sich zum Ende des Buches eine Richtung abzeichnet, in der das Motiv liegen könnte, hat mich das Ende sehr überrascht.

Wie ich schon geschrieben habe, sind die Charaktere sehr abwechslungsreich beschrieben. Fickel, der als Terminhure (Fachjargon für Terminvertreter) arbeitet, ist ehemaliger Anschieber des Bobs Oberhof II und zeichnet sich durch mangelnden Ehrgeiz in seinem Beruf aus. Er hat es lieber etwas gemütlicher, liebt seine Kakteen und ist einem guten Essen oder Schnaps nicht abgeneigt. Aber als er die Verteidigung des Tatverdächtigen übernimmt, wird doch sein Gerechtigkeitssinn geweckt, außerdem hat er das Gefühl, daß hier etwas nicht stimmt.
Unterstützt wird er durch den Kriminalrat Recknagel, der mir sehr gut gefallen hat, da er scheinbare Lösung weiterhin skeptisch beobachtet und eine sehr gute Kombinationsgabe hat. Fickel und Recknagel kennen sich sowieso von den gemeinsamen Skatrunden her recht gut.

Fickels Exfrau, die Oberstaatsanwältin Gundelwein, ist das ganze Gegenteil von ihm: ehrgeizig, ein Arbeitstier, und da sie in den Paragraphen sehr gut bewandert ist, läßt sie keine Gelegenheit aus, ihren Exmann bloßzustellen. Aber um der Gerechtigkeit willen, kann sie ihre persönlichen Animositäten auch mal beiseite lassen.

Die scheidende Gerichtsdirektorin Driesel hat sich eigentlich auf ihren Ruhestand gefreut und wollte die letzten Tage bei Gericht ruhig auslaufen lassen, als ausgerechnet ihre Stellvertreterin und Nachfolgerin ermordet wird. Da sie Fickel schon lange kennt, ernennt sie ihn zum Pflichtverteidiger des Tatverdächtigen.

Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist die DDR-Nostalgie, die sich durch das Buch zieht, da sowohl Driesel als auch Fickel in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Dabei bekommen sowohl der Sozialismus als auch der Kapitalismus immer mal wieder sein Fett ab. Und ich weiß nun, warum Kartoffelklösse in Meiningen Hütes heißen.

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Fickels erster Tag

Meiningen ist eine kleine Stadt in Südwest-Thüringen. Am dortigen Gericht arbeitet Anwalt Fickel als sogenannte „Terminhure“. Da ihm selber das Wissen um Recht und Gesetz höchstens oberflächlich bekannt ist, springt er als Vertreter bei Verhandlungen ein, wenn der eigentliche Anwalt verhindert ist. Sein Job ist es dann praktisch nur, um Vertagung zu bitten. Nicht besonders anspruchsvoll und dementsprechend auch nicht gerade gut bezahlt, aber dem Fickel reicht es, die Arbeit soll ja auch nicht zu anstrengend werden.

Doch dann wird er eines Tages von der scheidenden Amtsgerichtsdirektorin mit einem richtigen Fall betreut: ihre designierte Nachfolgerin Sylvia Kminikowski, die Frau des örtlichen Landrats, wurde im Park ermordet, ein Verdächtiger ist schnell gefunden und ausgerechnet der Fickel soll diesen vertreten!

Dabei hat der Fickel noch nie in einem Strafprozess einen Mandanten vertreten und dass die zuständige Oberstaatsanwältin seine Exfrau ist und sich schon die Hände reibt, ihren ungeliebten Ex vor Gericht in der Luft zu zerreißen, macht die Sache nicht besser.

Doch irgendwie packt ihn nun zwar nicht unbedingt der Ehrgeiz, aber immerhin die Neugier und so beginnt er nachzuforschen und findet immer mehr Ungereimtheiten sowie das eine oder andere tiefe politische Sumpfloch!

Von Humor und Sprache ist das Buch sicher nicht jedermanns Sache. Ich jedoch habe mich nach kurzen Einstiegsschwierigkeiten köstlich amüsiert. Das Buch ist umgangssprachlich geschrieben, es wird recht konsequent ein Artikel vor den jeweiligen Namen gesetzt (was auch der Grund ist, warum ich in meiner Rezension „der Fickel“ schreibe) und es gibt reichlich humoristische Seitenhiebe auf den Osten, Juristen, Politiker und so einiges mehr. Diverse Fußnoten ergänzen die Handlung.
Der Kriminalfall beginnt eher behäbig trotz des Mordfalls zu Beginn, entwickelt sich im weiteren Verlauf dann doch recht spannend und gipfelt in einem ziemlich fulminanten Ende.

Der Untertitel „Anwalt Fickels erster Fall“ lässt hoffen, dass es bald einen zweiten geben wird und glücklicherweise ist dieser bereits für Oktober 2014 angekündigt. Ich freue mich in jeden Fall auf ein Wiedersehen mit dem Fickel und den anderen in Meiningen!

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