Horst Eckert: Wolfsspinne

 
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Horst Eckert: Wolfsspinne
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783805250993

Informationen zum Buch

Seiten
496

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Sie kommen fast jede Nacht in mein Zimmer.

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Eisenach, 2011: Zwei Männer liegen tot in ihrem Wohnmobil. Sie waren Teil eines rechtsextremistischen Terror-Trios, das Deutschland Jahre lang unerkannt in Angst und Schrecken versetzt hat.
Aber was passierte wirklich? Ein Mann hat den "Nationalistischen Untergrund" für den Verfassungsschutz beobachtet. Er kennt die Wahrheit. Doch er muss schweigen.

Jahre später ermittelt der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih im Mordfall der Promiwirtin Melli Franck. Die Spur führt ins Drogenmilieu. Aber als weitere Morde geschehen, stößt Vincent auf eine Fährte, die in die Vergangenheit weist: zur "Aktion Wolfsspinne", die eng mit dem NSU verknüpft ist…

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Horst Eckert at his best

Der Düsseldorfer Kriminalkommissar Vincent Che Veih ermittelt im Fall Melli Franck. Die Wirtin eines Promilokals wurde brutal vergewaltigt und ermordet. Schon bald zeigt sich, dass es um ihr "Greens" nicht sonderlich gut steht und erste Spuren führen ins Drogenmilieu...
Veih, der gerade mit Seinesgleichen Probleme hat, da er als Privatperson eine Anti-Pegida-Demo besucht hat und in den Augen einiger Kollegen auffällig wurde, findet bei seinen Nachforschungen Verbindungen zu einer älteren Aktion, die "Wolfsspinne" genannte wurde. Sie stand in direktem Zusammenhang mit der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund, die einige Jahre zuvor eine Mordserie begangen hat.

Parallel zu den Ermittlungen des KK 11 im Jahre 2015 gibt es einen weiteren Handlungsstrang, der 2011 mit einem Banküberfall startet und im angeblichen Selbstmord zweier männlicher Terroristen mündet. Hier steht ein V-Mann des Verfassungsschutzes im Mittelpunkt, der den NSU bereits geraume Zeit infiltriert hat.

Während die Rolle des Verfassungsschutzes und seiner V-Leute im Zusammenhang mit dem NSU und seinen Taten bis heute unklar ist, zeigt der vorliegende Krimi eine realistische Möglichkeit der Verstrickungen des Inlandsnachrichtendienstes auf. Gemeinsam mit den Ermittlungspannen, Widersprüchen und bis dato anhaltenden Verschleierungstaktiken wirft dies alles kein gutes Bild auf die entsprechende staatliche Einrichtungen und erzeugt auch zum jetzigen Zeitpunkt bei mir mindestens noch ein sehr mulmiges Gefühl.

Horst Eckert hat mit "Wolfsspinne" wieder einmal bewiesen, dass er nicht nur ausgezeichnet recherchiert hat, sondern ein brillanter Erzähler mit einem politischen Gewissen ist. Denn eines ist klar: dem Autor ist wichtig, dass seine Leser begreifen, was sich rund um den NSU zugetragen hat. Hier geht es nicht nur um kaltblütige Morde, sondern darum, wie der deutsche Staat lange Zeit geschlampt und Hinweise ignoriert hat. Obwohl in zumindest einer seiner Behörden genügend Wissen vorhanden sein musste... Da von dieser Seite bis heute geschwiegen wird, verbindet Horst Eckert hier harte Fakten mit Fiktion - in meinen Augen aber sehr glaubhaft und ebenso spannend wie intelligent verpackt!

Ganz nebenbei hat er mit Vincent Veih eine Hauptfigur geschaffen, die Ecken und Kanten hat und zudem keine ganz einfache Biografie. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um die in vielen Krimis fast schon obligatorischen düsteren Stimmungen, sondern um eine interessante Familienkonstellation: mit einem überzeugten Nazi als Großvater und einer Mutter, die für ihre Taten als Mitglied der RAF lange Zeit ihres Lebens im Knast gesessen hat, hat sich Vincent Veih ausgerechnet entschieden, zur Polizei zu gehen. Dies führt nicht nur zur ein oder anderen Auseinandersetzung mit der nicht gerade reuigen Mutter, sondern beweist zeitgleich, dass es ihm ernst war und ist: er ist in meinen Augen ein Ermittler durch und durch.

Ich kann es kaum erwarten, neue Fälle von Vincent Veih zu lesen, denn für mich ist klar, dass Horst Eckert einer DER Krimiautoren überhaupt ist! Mich überzeugt seine Rechercheleistung - gepaart mit einer intelligenten Entwicklung der Geschichte, Authentizität, präzisen Schilderungen und der gekonnten Spannung einfach komplett.

Fazit: Lesen, unbedingt lesen!

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Spannender politischer Thriller

In Düsseldorf wird die bekannte Wirtin eines Promirestaurants ermordet. Nicht nur, dass das Restaurant finanziell schlecht dastand, auch scheint das Opfer Kontakte zur Crystal Meth-Szene gehabt zu haben. Hauptkommissar Vincent Veih stößt bei seinen Ermittlungen auf eine Spur, die zur „Aktion Wolfsspinne“ führt, einer Aktion, die in direktem Zusammenhang mit der NSU und den Ereignissen 2011 in Eisenach steht.

Da dieses Buch mein erstes Buch von Horst Eckert ist, kenne ich bisher noch nicht die ersten beiden Fälle des Düsseldorfers Hauptkommissar Vincent Che Veih. Man kann den dritten Fall jedoch auch gut ohne Vorkenntnisse der ersten beiden Bücher lesen.

Der Thriller beginnt mit zwei unterschiedlichen Handlungssträngen: einmal erlebt der Leser den Banküberfall in Eisenach 2011 und die nachfolgenden Geschehnisse mit, die zum Tod der zwei NSU-Terroristen führt. Und zwar aus der Sicht von Ronny Vogt, der den NSU für den Verfassungsschutz in Thüringen jahrelang beobachtet hat. Der Autor erzählt hier eine Version der Vorgänge, die offiziell als Verschwörungstheorie abgetan wird und doch in ihrer Logik besticht.
Der zweite Handlungsstrang spielt Jahre später und dreht sich um den Mord an der Wirtin.

Inwiefern und wie tief waren Verfassungsschutz und Geheimdienst in die NSU-Affäre wirklich verwickelt? Dieser Roman gibt eine Antwort darauf, wie ein mögliches und erschreckendes Szenario ausgesehen haben könnte. Sehr gut beschreibt der Autor die Auswirkungen seiner verdeckten Arbeit auf Ronny Vogt, der sich jahrelang in der rechten Szene aufgehalten hat. Und welche Gefahr sich dahinter verbirgt, die ganze Wahrheit zu wissen.

Vincent Che Veih ist ein spannender Charakter, alleine schon aufgrund seiner Familienverhältnisse: die Mutter ist eine ehemalige RAF-Terroristin, der Großvater war Polizist und Nazi. Das Verhältnis zwischen Vincent und seiner Mutter Brigitte ist nicht ganz unbelastet. Brigitte kam mir anfangs sehr kalt vor, aber den Eindruck musste ich revidieren, je näher ich sie kennengelernt haben.

Neben den Mordermittlungen muss sich Vincent noch mit anderem Ärger herumschlagen: als er an einer Demonstration gegen Rechtsradikalismus teilnimmt, gerät er in Konflikt mit den Kollegen vor Ort. Die Konsequenzen, aber auch das Verhalten seiner direkten Kollegen und Vorgesetzten im Kriminalkommissariat, werfen einen kritischen Blick auf die Polizei.

Das Ende des Romans ist spannend und zwar rein fiktiv, aber ich denke, nicht völlig aus der Luft gegriffen. Abgerundet wird das Buch durch einen fiktiven Prolog und Epilog, in dem die Angehörige eines der NSU-Opfer zu Wort kommt, sowie einer Liste aller Opfer rechtsradikaler Gewalt seit der Wiedervereinigung.

Ein durchdachter und gut recherchierter Thriller. Und es wird nicht mein letztes Buch des Autors sein.

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Glück und Verderben: Wolfsspinne - Horst Eckert

Vincent Veih ermittelt im Fall der ermordeten Melli Franck, der Besitzerin eines In-Restaurants, als er ausgebremst wird und den Fall an seine Mitarbeiterin Anna verliert. Man wirft ihm vor, bei einer Demo handgreiflich geworden zu sein, dabei hat er sich nur gewehrt. Doch das will keiner hören. Vincent lässt sich den Fall aber nicht aus der Hand nehmen und hat noch einige Kollegen, die auf seiner Seite stehen.
Ronny, ein V-Mann des Verfassungsschutzes, der jahrelang im NSU eingeschleust war, hat einen neuen Fall. Er bespitzelt die Bischoffs, eine Familie mit einer Reihe von Imbisslokalen, bei denen vermutet wird, dass sie in ihren Buden Drogen verkaufen. Doch Ronny merkt schnell, dass auch die Rechten nicht weit entfernt sind und er sich seiner Vergangenheit stellen muss.

Vincent Che Veih hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sondern auch eine spektakuläre Familiengeschichte zu bieten: der tote Großvater ein Nazi, aber auch Polizist, die Mutter eine RAF-Terroristin, mittlerweile auf freiem Fuß und in Asylfragen engagiert, die Ex-Freundin, bald wieder Freundin, die ihn auf die Demo mitgenommen hat, die ihm dann den Ärger beschert. Fast schon an ein Wunder grenzt es, wie normal Vincent ist. Loyal zu seinem Team, offen für alle Hinweise und Ermittlungsansätze – und sich auch nicht zu schade, die Biotonne zu durchwühlen. Recht und Gerechtigkeit sind ihm wichtig, zu seiner Mutter hat er ein gespaltenes Verhältnis. Vincent ist ein „guter Bulle“ und zeigt doch Vielschichtigkeit, seine Teilnahme an der Demo überrascht selbst seine Mutter, die ihn gerne ins Lager der Konservativen steckt.

Ronny hat als V-Mann quasi nur seinen Verbindungsoffizier Bastian Schwenk. Naturgemäß hat er keinen Kontakt zu Familie oder Freunden, wenn denn welche übrig sind. Doch Ronny war jahrelang für den Verfassungsschutz tätig, hat Taten ausgeführt, die er lieber ungeschehen machen würde und sehnt sich nach einem normalen Leben: einem Einkaufsbummel, einem Schreibtischjob, einer Freundin. Normale Dinge eben, nichts Kriminelles. Doch abhängig von Schwenk, den er als einzigen Freund ansieht, lässt er sich wieder auf eine verdeckte Ermittlung ein.

Zwei Handlungsstränge verzwirbelt der Autor hier geschickt miteinander. 2011 verfolgen wir Ronny in seiner Rolle bei der NSU, 2015 ermittelt Vincent in dem Mordfall und Ronny ist erneut undercover. Die abwechselnden Erzählstränge treiben die Story voran, wenn auch der Kriminalfall um Melli Franck dabei etwas unterzugehen droht, was auch an Vincents persönlichen Problemen wegen der Demo liegt. Der Fokus liegt auf dem Hauptthema „NSU“ und so stellt Ronnys Erzählstrang Vincents Ermittlungen mitunter in den Schatten. Was bei Vincent im Drogenmilieu beginnt, zieht seine Kreise bis in die Vergangenheit und vermischt die Geschehnisse rund um den NSU mit einer fiktiven Version um die ungelösten und immer noch nicht klaren Vorgänge um die Ermittlungen gegen die NSU. Die Namen sind verändert, doch wer sich mit dem Thema befasst hat, kann hier die Hauptakteure erkennen. Komplex und hintergründig webt der Autor ein Bild, welches man erst zum Ende hin erkennt, in dem man erst spät die Geschehnisse alle miteinander zu kombinieren weiß und den Knoten lösen kann.

Ich muss zugeben, ich bin im Moment noch skeptisch gegenüber Vincent Veih – er scheint mir einfach zu gut für die Welt. Doch ich kenne ja die ersten Teile nicht und vielleicht hat er ja da ein paar Macken offenbart oder tut dies noch in den nächsten Teilen, denn soviel darf ich bestimmt verraten: der Autor tippt schon am nächsten Band. Auch die Beteiligung an der Demonstration, bzw. die Konsequenzen hiervon nehmen doch einen guten Teil des Buches ein, so dass der Mordfall ein wenig kurz kommt. Den Ausgleich schafft der Erzählstrang rund um Ronny – ob nun 2011, eingeschleust bei der NSU, oder 2015, verdeckt im Drogenmilieu. Es bleibt ein spannender Plot rund um das politisch hochbrisante Thema der NSU, den Verfassungsschutz und das unglaublich gefährliche und anstrengende Leben von V-Leuten, gewürzt mit Drogen, Geld und rechtspopulistischem Gedankengut.

Die Natur des Kriminalfalles ist es, sich mit den Tätern zu beschäftigen, und so bleiben die Opfer oft unerwähnt, doch diesem Umstand hat der Autor ein Schnippchen geschlagen, denn der Anfang und das Ende ist den Opfern gewidmet und verleiht dem Buch somit eine stille Tiefe, die mich als Leser mehr bewegt hat als jegliche Aufarbeitung der Täterprofile es je könnte. Ein Kniff, der dem Krimi das gewisse Extra verleiht.

Fazit:
Politisch brisant, mitreißend geschrieben und mit ausgefeilten Charakteren – der neue Fall von Vincent Veih pendelt zwischen Drogen und NSU, Demo und Familiengeschichte und zeichnet ein mögliches, fiktives Bild der Vorfälle rund um den NSU. Äußerst spannend!
Dies wird ganz sicher nicht mein letzter Vincent Veih sein.

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