Brigitte Aubert: Im Dunkel der Wälder

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Brigitte Aubert: Im Dunkel der Wälder
Verlag
ET (D)
1997
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
La Mort des Bois
ET (Original)
1996
ISBN-13
9783442721634

Informationen zum Buch

Seiten
284

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Handlungsort

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Sie war jung, schön und wohlhabend. Doch der Bombenanschlag, der ihren Freund getötet hatte, verbannt Elise in die absolute Dunkelheit. Sie ist bewegungsunfähig, blind und stumm - doch ihr Geist ist rege wie immer, auch wenn außer ihrer Haushälterin und Pflegerin Yvette niemand daran zu glauben scheint.

Eines Tages beginnt ein kleines Mädchen mit ihr zu reden, ganz zutraulich -- und es erzählt eine ganz unmögliche Geschichte, eine Geschichte von kleinen Jungen, die ermordet worden sind, von einer Bestie im Wald - und sie hätte dabei zugesehen. Abends, in den Nachrichten, hört Elise, dass ein Junge im Wald gefunden wurde - ermordet, und zwar genau so, wie das kleine Mädchen es erzählt hatte. Die Begegnung mit diesem Mädchen verändert Elises Leben schlagartig. Endlich hat jemand verstanden, dass sie sich mit ihrem Zeigefinger verständigen kann, und die Eltern des kleinen Mädchens, Paul und Hélène, nehmen sie überallhin mit in ihren Freundeskreis. Endlich hat die Einsamkeit ein Ende - und, eigenartigerweise, erzählt jeder ihr Details aus dem Leben, die sie nie für möglich gehalten hätte. Das Schlimme ist nur: Sie kann nie nachfragen, noch weitere Details erfragen, die das Erzählte für sie klarer machen würden, denn meist enden diese Gespräche so unvermittelt wie sie auch beginnen.

Die Morde gehen weiter. Immer wieder erzählt das kleine Mädchen Elise Dinge, die sie eigentlich nicht wissen dürfte, erzählt von Morden, die kurz darauf auch genauso passieren. Und dieser Mörder, den die Kleine gut zu kennen scheint, den sie nie beim Namen nennt - dieser Mörder bedroht nun auch Elises Leben, die sich nicht wehren kann.

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gelungenes Kammerspiel

Elise Andrioli ist, nachdem sie zufällig Opfer eines Attentats wurde, blind, stumm und völlig gelähmt. Gleichwohl funktioniert ihr Gehirn und als ein kleines Mädchen Vertrauen zu ihr fasst und ihr das Geheimnis anvertraut, dass sie weiß, wer für die Kindermorde der letzten Zeit verantwortlich ist, versucht Elise nicht nur zu schlussfolgern, wer der Mörder ist, sondern sich auch irgendwie verständlich zu machen und ihr Wissen anderen mitzuteilen – und zwar bevor der Mörder beschließt, sie besser völlig zum Schweigen zu bringen.

Brigitte Aubert ist mit "im Dunkel der Wälder" ein hervorragendes Kammerspiel gelungen. Dem Leser wird das Geschehen vollkommen aus Elises Perspektive präsentiert, die nur nach Tonfall entscheiden kann, wie etwas gemeint ist und nur an der Stimme und manchmal noch am Geruch oder Schritt bemerkt, wer sich gerade in ihrer Nähe befindet. Das wird faszinierend realistisch geschildert und der Leser erlebt die Einschränkungen, denen Elise unterliegt, hautnah mit. Wenn ihre Gedanken wie wild kreisen, ohne dass sie in der Lage ist sich mitzuteilen, spürt man ihre Frustration ganz genau.

Die Aufklärung der Verbrechen ist aus den gleichen Gründen, die die "Ermittlungen" so interessant machen, allerdings etwas dröge. Nach einem übertrieben wirkenden Action-Spektakel wird dann lang und breit erklärt, wer wie warum gehandelt hat. Das ist langweilig, auch wenn ich nicht weiß, wie die Autorin das, bei all den Einschränkungen, hätte besser machen können.

"Im Dunkel der Wälder" ist insgesamt allerdings ziemlich faszinierend und mal etwas ganz anderes in der Krimi-Landschaft.

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Elise Andrioli war eine erfolgreiche Kinobesitzerin und lebte in einer glücklichen Beziehung, als ein Bombenanschlag auf eine Bank in Irland ihr Leben mit einem Schlag völlig veränderte: ihr Lebensgefährte Benoît war sofort tot, sie selbst überlebte schwerverletzt, nur Geruchssinn und Gehör sind noch intakt. Blind, stumm und fast vollkommen bewegungsunfähig verbringt sie ihre Tage im Rollstuhl, liebevoll umsorgt von Yvette, der alten Haushälterin.

Wie so oft, nimmt Yvette sie an einem schönen Sommertag mit in den Supermarkt. Und während Elise darauf wartet, dass Yvette die Einkäufe erledigt hat, macht sie Bekanntschaft mit einem kleinen Mädchen. Virginie raunt ihr vertraulich eine unglaubliche Geschichte über eine Bestie in den Wäldern zu und einen kleinen Jungen, der verschwunden ist - eben jener achtjährige Michael, dessen Ermordung seit ein paar Tagen die Nation erschüttert.

Kurze Zeit später verschwindet erneut ein kleiner Junge, eine Frau begeht angeblich Selbstmord, ihr Mann verschwindet...

All das lässt Elise nicht mehr los, sie spürt die Gefahr, kann aber niemanden warnen, ihre Vermutungen nicht äußern.

Dieser Krimi hat mich von Anfang an gefesselt. Die Erzählweise aus der Sicht dieser Frau, die völlig auf fremde Hilfe angewiesen ist und nicht mit ihrer Umwelt kommunizieren kann, aber geistig voll da ist und sowohl mit den schrecklichen Ereignissen um sie herum als auch mit dem Trauma der Explosion und ihrer totalen Hilflosigkeit fertigwerden muss, gefiel mir sehr gut, einmal etwas anderes als die üblichen wechselnden Perspektiven zwischen Täter, potentiellen Opfern und Ermittlern oder der reinen Ermittlersicht.

Auf nur knapp 300 Seiten entwickelt sich die Geschichte nach einem relativ ruhigen Anfang immer mehr zum Pageturner, die Spannung steigt und steigt, und man möchte Elise so gerne helfen, sich zu äußern, zu warnen, zu handeln, hofft auf ein Wunder, dass sie sich doch irgendwie wieder mitteilen kann.

Die Auflösung kam für mich zwar nicht völlig überraschend, aber schlüssig und glaubwürdig.

Von der Thematik her ist das Buch wahrlich nichts für schwache Nerven, hebt sich für mich aber positiv von der breiten Krimi-Masse ab.

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Rezensionen

Elise Andrioli, die Ich-Erzählerin dieses Romans, wurde auf einer Urlaubsreise in Irland Opfer eines Bombenattentats, wobei ihr Verlobter ums Leben kam und sie seitdem gelähmt ist. Sehr intensiv und anschaulich schildert sie das Leben als Behinderte. Ihr einziger Kontakt zu Mitmenschen ist zunächst nur ihr Gehör, da sie weder sehen noch sprechen kann. Erst nach einer Weile kann sie ihren Zeigefinger bewegen und damit als Kommunikationsmittel einsetzen. Sehr anschaulich wird die Abhängigkeit von Elise dargestellt, die völlig auf die Hilfe andere angewiesen ist, ohne Wünsche äußern zu können. So beschreibt sie, wie gerne sie ein Bier trinken würde und dennoch von der treuen Pflegerin nur Kräutertee eingeflößt bekommt, den sie abgrundtief verabscheut. Dabei ist die Sichtweise und Sprache nicht sentimental und zimperlich, sondern eher sarkastisch und derb. Elise bezeichnet sich selbst als hilflosen Mehlsack.

Diese unfreiwillige Untätigkeit steigert sich ins Unerträgliche als sie eines Tages das Nachbarmädchen Virginie kennen lernt. Das Mädchen erzählt ihr von Morden an Kindern, u.a. von dem Mord an ihrem Bruder und legt dabei ein enormes Detailwissen an den Tag. Elise kann nichts unternehmen, sie kann weder jemanden erzählen, was Virginie ihr offenbart hat noch kann sie das Mädchen beschützen, denn sie ist davon überzeugt, dass es in Gefahr ist.
Aber auch andere im näheren Umfeld vertrauen sich Elise an. Sie, die niemals nachfragen oder das Gehörte weitererzählen kann, ist als passive Zuhörerin anscheinend sehr beliebt.
Gerade macht sie sich noch Sorgen um Virginie, als sie Schritte heran kommen hört und ertragen muss, wie jemand sie berührt, ohne ein Wort zu sagen...

Der Krimi ist schon allein aufgrund seiner ungewöhnlichen Erzählperspektive und seiner erfrischenden Sprache interessant. Er liest sich sehr flott und ist so spannend, dass man ihn nur ungern zur Seite legt. Daher sind einige logische Schwächen schon verzeihlich: Man kann sich fragen, warum das Kommunikationsmittel Zeigefinger nur zu Ja/Nein-Spielchen verwendet und nicht weiter ausgebaut wird. Enttäuschender ist da die Auflösung des Falles, die wirklich haarsträubend ist. Das wertet den sonst sehr gelungenen Roman ab.

Brigitte Aubert konnte leider der Versuchung nicht wiederstehen, einen weiteren Krimi mit Elise Andrioli anzufügen, obwohl sich diese eigentlich nicht als Serienfigur eignet, da deren Außergewöhnlichkeit durch ein nochmaliges Aufwärmen trivial wird. Wie mir eine Freundin und begeisterte Krimileserin berichtete ist "Tod im Schnee" nur noch ein müder Abklatsch mit einer wenig durchdachten Story. Sehr schade.

Und noch etwas für Kümmelspalter:
Ich – selbst bekennende Kümmelspalterin – bin außergewöhnlich glücklich, einen Fehler entdeckt zu haben: Auf Seite 57 erfährt Elise, dass Virginies Familie nach dem Tod des Bruders in ein neues Haus gezogen ist. Auf S. 142 müssen aufmerksame Leser mit Erstaunen feststellen, dass Elise bei dieser Familie übernachtet und zwar im Zimmer dieses Bruders! Die hilfsbereite Virginie beschreibt ihr die Umgebung und erzählt, dass an der Wand Striche zu sehen sind, mit denen die Größe ihres Bruders dokumentiert wurden. Da wurde der Umzug glatt unterschlagen.

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