J. J. Preyer: Nahtod

 
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J. J. Preyer: Nahtod
Untertitel
Ein Fall für Wolf
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
978383921831

Informationen zum Buch

Seiten
273

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Kunstmäzen Oscar Furtner und dessen Frau Nora sterben kurz nacheinander. Anonyme Briefe an den Chefinspektor der Steyrer Polizei, Viktor Grimm, legen nahe, dass sie ermordet worden sind. Im Laufe der Ermittlungen befürchtet der Chefinspektor, dass sein Freund, der Psychotherapeut David Gründler, der Mörder sein könnte und lässt sich beurlauben. Journalist Christian Wolf holt ihn aus der tiefen persönlichen Krise zurück und dringt mit ihm in die Komplexität der menschlichen Psyche vor, um den Fall zu lösen.

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Langatmiger Psychokrimi

Die Schriftstellerin Nora Furtner gibt auf einer Lesung ihren Ausstieg aus dem Literaturbetrieb bekannt - und kurz darauf sterben sowohl sie als auch ihr Mann auf mysteriöse Art und Weise. Ein Fall für den Chefinspektor Viktor Grimm, der sich allerdings aufgrund einer persönlichen Verwicklung in den Fall außerstande sieht, die Ermittlungen aufzunehmen. Daher muss sein Freund Christian Grimm einspringen, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen...

Der stimmungsvolle Anfang des Kriminalromans gefiel mir recht gut; eine Autorenlesung unter freiem Himmel, ein erster Kontakt zu einigen der Hauptfiguren, Dramatik bei Noras Bekanntgabe, ihre Karriere zu beenden und in der gleichen Nacht noch der erste Mord - ein temporeicher und spannender Auftakt. Leider ging es nicht so weiter, aus verschiedenen Gründen fing ich ziemlich bald an mich zu langweilen.

Da ich die Vorgängerbände von Christian Wolfs Bände nicht kannte, musste ich mich zunächst sehr darauf konzentrieren, die vielen Figuren kennen zu lernen und richtig einzuordnen. Christian Wolf und der Chefinspektor Viktor Grimm wohnen mit mehreren anderen Parteien in einer großen Villa, und sämtliche Mitbewohner erhalten im Laufe der Handlung eine Rolle. Noch dazu kommen Angehörige der Steyrer Polizei, Familienmitglieder der Furtners, Teilnehmer an der Lesung, so dass es eine Weile dauerte, bis ich einen Überblick hatte.

Viktor Grimm klinkt sich zunächst aus dem Fall aus und verabschiedet sich in Richtung Kurort; so kommt es, dass vor allem Christian Wolf und ein junger Nachwuchsermittler im Mittelpunkt stehen, unterstützt von Mitbewohnern der Villa. Sie schmieden Pläne über das weitere Vorgehen, und mir kam es so vor, als ob das Pläneschmieden einen viel breiteren Raum einnimmt als deren Ausführung.

Die Handlung wird vielfach gar nicht vom Leser selbst erlebt, sondern besteht oft lediglich darin, dass sich die Figuren gegenseitig über ihre Ermittlungsergebnisse berichten, und das in oft sehr hölzernen Dialogen. Diese Erzählweise fühlte sich für mich recht statisch an und sorgte dafür, dass sich kein richtiger Spannungsbogen aufbauen wollte. Dazu noch wird bei den konspirativen Treffen der Gruppe gerne in allen Einzelheiten beschrieben, was es zu essen gibt; ein nettes Detail, aber für den Fall völlig irrelevant und einer weiterer Ausbremser, was die Spannung betrifft.

Im Laufe der Handlung betritt dann ein echter Bösewicht die Bühne - eine interessante Figur, denn der Mann erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig: böser Chef, Verbrecher - und am Ende Opfer. Leider lernt ihn der Leser wiederum nur aus Erzählungen kennen; als er zum ersten Mal tatsächlich in die Handlung eintritt, ist er auch schon tot. Schade um dieses Potential, ich hätte sehr gerne mal eine Szene mit ihm gelesen.

Mittendrin taucht dann Viktor Grimm wieder auf, denn er muss sich dem Fall stellen, der unter Umständen auch seine Beziehung zu dem verdächtigen Psychotherapeuten David Gründler betrifft. Dafür verschwinden andere Figuren wieder in der Versenkung und ich fragte mich bei manchen der Mitwirkenden, was wohl aus ihnen geworden ist.

Die Grundidee, der Auflösung des Falles eine literarische Komponente zu verpassen, fand ich ganz gut. Mehrere Figuren lesen das letzte Buch des Opfers in der Annahme, dort im Verborgenen das Muster zu erkennen, das zu den Morden geführt hat. Die verschiedenen Perspektiven der lesenden Ermittlunger brachten ein wenig Abwechslung in den Fall. Den Mörder am Ende mit psychologisch-literarischen Mitteln zu überführen, war für mich ein ganz neuer Ansatz, den ich innovativ und originell fand.

Trotzdem war mir die Durststrecke zwischen dem gelungenen Auftakt und den temporeichen letzten Kapiteln viel zu lang. Über viele Passagen hinweg fand ich die Handlung schlicht langweilig und mühselig zu lesen. Schade, trotz guter Grundidee konnte mich dieser Krimi nicht überzeugen.

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Symbiose

Als der Architekt und Kunstmäzen Oscar Furtner im Schlaf stirbt, gehen alle von einem natürlichen Tod durch Herzversagen aus. Doch kurze Zeit später stürzt seine Frau, die bekannte Schriftstellerin Nora Furtner, die Kellertreppe herunter und rückt den Tod ihres Mannes in ein anderes Licht. Untersuchungen ergeben, dass er mit einem Mittel, das bei totkranken Tieren Verwendung findet, regelrecht eingeschläfert wurde, was wiederum auf eine mögliche Beteiligung des Tierarztes Dr. Gustav Lemberger hindeutet oder hindeuten soll.

Chefinspektor Viktor Grimm und sein Freund, der ehemalige Journalist Christian Wolf, haben zunächst zwei Morde zu lösen. Dabei wird es jedoch nicht bleiben...

Mit „Nahtod“ kehrt J. J. Preyer zurück nach Steyr, jener Stadt in Oberösterreich, die bereits in „Mörderseele“ und „Hassmord“ Schauplatz zahlreicher Verbrechen wurde.

Abermalig vermag es der Autor, dem Leser ein umfassendes und illustratives Bild der örtlichen Gegebenheiten zu vermitteln, in dem er zahlreiche Schauplätze mit realen Vorbildern vor Ort und in der nahen Umgebung verwendet, die Einheimische und Kenner der Region wahrscheinlich auf den ersten Blick erkennen werden.

Preyer weiß erneut mit seinem ruhigen Schreibstil zu unterhalten. Die psychologische Geschichte lebt von vielen Gesprächen, durch die der Autor intensiv das komplexe Seelenleben seiner Protagonisten, insbesondere das Verhältnis zwischen Opfern und Täter auslotet, Tiefen ergründet.

Wie auch schon in den vorhergehenden Bänden der Reihe, steht neben der Ermittlung in den Mordfällen, die lebenslange Freundschaft von Christian Wolf und Viktor Grimm im Mittelpunkt. Noch immer kann diese sich auf ein stabiles Fundament stützten, ist allerdings etwas abgekühlt, seit sich Grimm mehr oder weniger offiziell zu seiner Homosexualität bekannt hat und eine Beziehung mit dem Psychotherapeut David Gründler führt.

"... Es ist einerseits möglich, dass Liebe blind macht, dass man lange Zeit etwas nicht wahrhaben möchte, weil man den Menschen, von dem Böses ausgeht, liebt..." (Seite 252)

David erscheint Wolf mehr als Alter Ego seines Freundes Grimm. Der Psychotherapeut ist wie jener korpulent, lächelt oft und umständlich und ist scheinbar zu keiner Aggression fähig, jedoch mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen, sobald ihm etwas zuwiderläuft. Es ist offensichtlich, dass sich Grimm und Gründler sich in das jeweilige Spiegelbild verliebt haben und nun eine symbiotische Partnerschaft bilden.

Und genau durch die Beziehung zu David gerät Viktor in Zwiespalt. Einerseits ist er David zugetan, weil er so außergewöhnlich ist und sich scheinbar keine Schranken setzt, keine Grenzen kennt. Andererseits erwartet er Ehrlichkeit, und ist enttäuscht, als dieser wegen der Behandlung von Dominik, dem Sohn der ermordeten Furtners, vor Lügen nicht Halt macht und nicht nur deswegen verschlossen reagiert. Letzten Endes führt genau dies dazu, dass der Psychotherapeut selbst in Verdacht gerät, etwas mit den Morden zu tun zu haben.

„Der Kapitän muss das Schiff steuern, damit nicht die Ratten das Kommando übernehmen." (Seite 149)

Grimm zieht die Reißleine und sich selbst zurück. Er hadert mit sich und fällt in ein tiefes Loch. Eigentlich will er für immer Ruhe haben, aber vor den mit dem Sterben verbundenen Anstrengungen – Angst und Schmerz – schreckt er zurück, und er schiebt es auf. Er wird sich bewusst, dass er – dem eigentlich nur die Begegnung mit Menschen genügt, die Betrachtung der Natur und das Sammeln von Eindrücken und Gegenständen, den falschen Beruf gewählt hat, er nicht die Wahrheit finden und keine Fälle lösen will.

Und so überlässt er Wolf die Ermittlungen. Diesem wiederum liegt das Sammeln von Details nicht, er findet die Beschäftigung damit ermüdend. Deshalb bedauert er, dass Grimm verschwunden ist und diesen Teil der Ermittlungen nicht wie üblich übernommen hat. Bislang hatten die zwei eine Arbeitsteilung. Grimm versorgte Wolf unermüdlich und mit innerer Ruhe gegen unvorhergesehene Entwicklungen gewappnet mit einer Vielzahl an Beobachtungen und Erkenntnissen, und Wolf sichtete und ordnete diese.

Um nicht zu scheitern, unternimmt er alles, um Grimm zurück an den Platz zu bringen, an den er gehört. Bis dahin bekommt er dieses Mal unter anderem auch Hilfe von Grimms Sekretärin, Yvonne Beranek, die beispielsweise Gelegenheit hat, ihre (verdeckten) Ermittlerfähigkeiten in einem Swingerclub unter Beweis zu stellen.

In diesem Zusammenhang sei ein Manko des Romans erwähnt: Es wird ständig getrunken, zu jeder Gelegenheit und bei jedem Treffen. Nicht nur Frau Beranek benötigt immer einen Tropfen Alkohol, damit sich ihre Zunge löst. Es zieht sich wie ein roter (Rotwein)Faden durch die Handlung und stößt beim Lesen leider negativ auf.

"Ich glaube an das, was ist, und sehe, dass es nirgendwo nur Gutes oder nur Schlechtes gibt. Es gibt nicht die absolute Helligkeit oder das absolut Finstere, nur Übergänge zwischen den fiktiven Extremen." (Seite 243)

Wolf fällt es schwer, in diesem Fall klar zu sehen. Immer wieder steht er wie vor einer Wand, die er mit dem Kopf nicht einrennen kann. Stattdessen muss er ein paar Schritte zurücktreten, um nach einer Tür zu suchen, die ihn der Lösung des Falles näher bringt. Denn neben der Aufklärung des mörderischen Geschehens beschäftigt Wolf noch etwas anderes:

Als er Maria Schadend der Schwester der toten Nora Furtner, begegnet, ist ihm die große, beinahe priesterlich wirkende Frau, deren ruhiger Blick Intelligenz und menschliche Tiefe verrät, sofort sympathisch. Sie hat eine starke Wirkung auf ihn und verwirrt ihn gleichzeitig. Ihr Lächeln macht ihn unruhig, und er ist im Begriff, sich in sie zu verlieben, weil sie ihm ein Gefühl von Heimat vermittelt und bei ihr an ein Ziel zu gelangen scheint, das er sich nicht mehr vorstellen konnte.

So sind letzten Endes auch Wolf und Grimm gezwungen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Bedeutung eine Beziehung in ihrem Leben zukommt, wie symbiotisch diese sein darf, und welche Gefahren von zu viel Nähe ausgehen kann. J. J. Preyer gelingt diesbezüglich eine glaubhafte und nachhaltige Darstellung.

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Keine leichte Kost!

Zu Beginn der Geschichte finden wir uns auf einer Lesung wieder. Nora Furtner liest wenigen ausgewählten Menschen mit musikalischer Untermalung aus ihrem neusten Werk "Wahlverwandtschaft" vor und gibt an eben diesem Abend - zum Entsetzen ihres Ehemannes Oscar Furtner - bekannt, dass dies ihr letzter Roman sei und sie mit ihrer schriftstellerischen Karriere aufhören würde. Doch nicht nur ihr Ehemann ist entsetzt, auch die umstehenden Leute können es nicht glauben. Chefinspektor Viktor Grimm und dessen Freund Christian Wolf sowie der Psychotherapeut David Gründler wohnen der Lesung bei. Doch keiner von den dreien hätte geahnt, dass sie noch weitaus mehr über die Familie Furtner in Erfahrung bringen würden und sich noch mehr in dunkle Machenschaften und Netze aus Intrigen, Erpressung, Verrat und Mord wiederfinden würden. Kurz nach dem bedeutenden Abend wird Oscar Furtner aufgefunden - was zunächst wie ein natürlicher Tod aussieht, lässt aufgrund eines anonymen Briefes schnell auf Mord schließen. Und tatsächlich - nach der Untersuchung steht fest: Oscar Furtner wurde hinterlistig ermordet! Für seine Frau ist es allerdings kein Grund der Trauer zu verfallen, stattdessen findet auch sie ein jähes und schmerzliches Ende, in dem sie die Kellertreppe hinunterstürzt. Ob hier wohl von einem Unfall ausgegangen werden kann? Immerhin passieren gerade im Haushalt die schlimmsten Unfälle! Oder handelt es sich auch hier um einen Mord?
Grimm übernimmt nach kurzem Zögern die Ermittlungen und stößt mit seinem Freund Wolf auf zwielichtige Machenschaften, bis er schließlich selbst mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird und für sich selbst herausfinden muss, was es mit symbiotischen Beziehungen auf sich hat.

Ich kannte Wolf und Grimm bislang noch nicht, doch bin von beiden Charakteren begeistert! Allein die Namensgebung (Wolf = IseGRIM) war für mich schon interessant zu sehen, doch muss ich auch zugeben, dass ich keinen so leichten Start mit der Lektüre hatte. Es war für mich anfangs sehr schwer nachzuvollziehen wer eigentlich wer war und wer mit wem, was zu tun hatte! Doch mit der Zeit löst sich dieses Gespinst doch tatsächlich auf und man überblickt das beschauliche Leben der einzelnen Charaktere recht gut. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war die Tatsache das "Buch im Buch" zu lesen und zu deuten. Der Krimi hat tatsächlich viele psychologische Elemente und nicht zuletzt die Bedeutung der Symbiose und der Schizophrenie helfen einem hier weiter. Mitunter waren die einzelnen Kapitel doch ziemlich langatmig geschrieben und beinhalten nicht immer die gewünschten Informationen, sondern waren eher ein kleiner seichter Fluss, der neben den Morden vor sich hin plätscherte.

Doch alles in einem kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass mir die Geschichte gefallen hat und auch spannend war bis zum Schluss! Das Buch als solches kann ich nur empfehlen, rate jedoch jedem Leser, dies nicht gerade abends zu tun, wenn der Verstand am wegdämmern ist und die Augen sich zu schließen drohen, denn gerade für diese Lektüre benötigt man die volle Aufmerksamkeit.

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