Tom Rob Smith: Kind 44

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Tom Rob Smith: Kind 44
Verlag
ET (D)
2008
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Child 44
ET (Original)
2008
ISBN-13
9783832180560

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Da Maria beschlossen hatte zu sterben, würde ihre Katze sich allein durchschlagen müssen.

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Handlungsort

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Moskau, 1953. Auf den Bahngleisen wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Nackt. Fürchterlich zugerichtet. Doch in der Sowjetunion der Stalinzeit gibt es offiziell keine Verbrechen. Und so wird der Mord zum Unfall erklärt. Der Geheimdienstoffizier Leo Demidow jedoch kann die Augen vor dem Offenkundigen nicht verschließen. Als der nächste Mord passiert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und bringt damit sich und seine Familie in tödliche Gefahr...

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Meine ersten Gedanken waren: klasse, ein Krimi, der in Russland spielt und noch dazu zu einer solch "interessanten" Zeit. Aber, zugegeben, ich war auch skeptisch: kann das ein noch so junger Autor überhaupt schreiben? Der zudem ein solches Leben nie selbst erfahren hat? Stimmen die historischen Fakten und Zusammenhänge?

Vorweg: ich habe während der Lektüre immer wieder bestimmte Dinge (Orte, Gebäude, Hierarchien, etc.) recherchiert und siehe da: Tom Rob Smith bleibt zumindest -soweit ich das berurteilen kann- immer bei der historischen Wahrheit.

Aber nun zum Buch an sich. Über weite Strecken der 507 Seiten würde ich Kind 44 nicht als Krimi oder gar Thriller im herkömmlichen Sinne bezeichnen. Es ist zu jeder Zeit spannend (auch dank eines gelungenen Aufbaus) - aber es geht weniger um den Kindsmord als um Leo Demidows Entwicklung. Anfangs noch als linientreuer und auch nicht gerade zimperlicher NKWD-Agent unterwegs, fängt er schon recht bald (im Buch) an, das System innerlich zu hinterfragen. Zunächst bleibt es bei diesen Fragen, aber Leo wird bewusst, dass er mit diesen Fragen zunehmend Gedanken zulässt, die die Kritik an der stalinistischen Diktatur immer deutlicher heraufbeschwört. Aber ebenso klar wird ihm die stetig wachsende Gefahr, in die er sich damit begibt, denn schließlich kennt er Methoden und Gefängnisse des Geheimdienstes nur zu gut.

Diese Entwicklung Leos ist im Grunde in eine Art "Sittengemälde" der 1950er Jahre in der Sowjetunion eingebettet. Und nun kommt das eigentlich entscheidende für mich: dieses Buch "verfolgt" mich. Kind 44 hat während des Lesens eine derartige Beklemmung ausgelöst, wie es vermutlich keine SchwarzWeiß-Dokumentation zur damaligen Zeit schaffen hätte können. Anhand der beschriebenen Personen konnte ich mich unglaublich gut in so manche Situation einfühlen und deshalb beschäftigt mich dieses Buch nahezu durchgängig, obwohl ich es "zwanghaft" an einem Stück lesen "musste".

Für mich ist Kind 44 eine totale Überraschung und ich kann mir schon gut vorstellen, dass dieses Buch in einigen Monaten einen echten Durchbruch erreicht - wenn es von einigen wirklich "entdeckt" worden ist.

Es ist deutlich mehr als ein Krimi, es ist aber auch nicht nur ein historischer Roman - vermutlich kann man es auf beide Arten lesen, aber vielleicht sollte man diesmal Schubladendenken einfach komplett vermeiden.
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Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich über die reine Lesezeit hinaus so beschäftigt hat. Ich bin absolut von der Geschichte fasziniert.

Die Krimihandlung spielt in diesem Roman eine eher untergeordnete Rolle. Bedeutender ist die persönliche Entwicklung der Hauptperson Leo Demidow, die sich im Laufe der Geschichte komplett wandelt. Smith beschreibt sehr genau, was in Demidow vorgeht, wie er sich zunächst in allem was er tut völlig sicher ist und wie ein Körnchen Zweifel nach dem anderen dazukommen, wie Leo selbst und sein Leben völlig zusammenbrechen und wie er schließlich lernt, sich der Realität zu stellen und seinen Weg zu gehen. Alle Hauptfiguren sind sehr glaubwürdig beschrieben und handeln für den Leser nachvollziehbar. Aber den größten Eindruck hinterlässt ohne Zweifel Leo – selten habe ich einen Protagonisten kennengelernt, der so tief charakterisiert wird.

Nur eine Person lässt für mich ihre Motive verschlossen, das ist Leos Intimfeind Wassili. So ganz klar wurde mir der Grund des Hasses nicht, mit dem er Leo verfolgt hat.

Sehr beklemmend ist die Atmosphäre in diesem Buch. Ich konnte mir nie vorstellen, wie groß der Druck in der Stalinzeit auf die Bevölkerung tatsächlich war! Die Ereignisse in diesem Buch haben mich zunächst den Kopf schütteln lassen, denn sie widersprechen jedem gesunden Menschenverstand. Dass es in der perfekten stalinistischen Gesellschaft keine Verbrechen geben kann und daher jeder Mord, egal wie offensichtlich, entweder als Unfall deklariert werden muss oder der Mörder zwangsläufig nur ein Verrückter oder ein feindlicher Ausländer sein muss – wie kann man so etwas festlegen? Und wie können denkende Menschen sich danach richten und danach handeln? Wie eine meiner Vor-Rezensentinnen habe ich auch bei diesem Buch angefangen, über die Stalinzeit zu recherchieren und bin auf Dinge gestoßen, die mich aus allen Wolken haben fallen lassen. Ich habe begriffen, was „Staatsterror“ sein kann. Über diese Zeit will ich unbedingt mehr erfahren!

Von der Sprache her ist dieses Buch sehr gut und flüssig zu lesen. Die Sätze sind klar, nicht verschnörkelt, und das mag ich bei Büchern.

Die Spannung, die sich durch dieses Buch zieht, hat es mich oft nicht aus der Hand legen lassen, auch wenn mir in der Nacht schon fast die Augen zufielen. Aber ich musste einfach weiterlesen. Dabei haben wir hier keine „Thrillerspannung“, bei der ein Ereignis das andere jagt, sondern die Spannung wird durch eine wachsende Beklemmung begleitet und man fragt sich, wie Leo sich aus der Auswegs- und Hilflosigkeit befreien kann, um seine Sache weiter zu verfolgen. Man ist beim Lesen ganz „dabei“.
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Die eigentliche Geschichte beginnt damit, dass MGB (Vorgänger des KGB) -Mitarbeiter Leo der Familie eines kleinen toten Jungen erklärt, dass es kein Verbrechen, sondern ein Unfall war und die Gerüchte, der Junge wäre nackt gewesen, Lügen. Würden die Eltern darauf bestehen, wäre das staatsfeindliches Verhalten – und welche Folgen das in der stalinistischen Sowjetunion hat, weiß jeder der Anwesenden und auch dem Leser wird das System deutlich gemacht:

Ein vielsagendes Beispiel, wie man im MGB aufsteigen kann: V. hat seinen Bruder wegen eines Anti-Stalin-Witzes (in betrunkenem Zustand gemacht) angezeigt und damit ins Gulag gebracht. Das hat ihm zu einer Beförderung verholfen. Als der Bruder dann aber ausbrach, kam es zu einer Degradierung. Und da er keinen weiteren Bruder zum Denunzieren mehr hatte, sucht er nun andere Möglichkeiten zum Aufstieg...

Doch dann wird Leo aufgefordert wird, zu untersuchen, ob seine Frau eine Spionin ist. Und es gilt die Devise, dass verdächtig im Normalfall mit schuldig gleichgesetzt wird!

Leo ist ein Überzeugungstäter. Solange er glaubt, für ein gutes Ziel zu arbeiten, rechtfertigt das Ziel praktisch sämtliche Mittel. Aber als er seinen Glauben ans System verliert, ist er genauso bereit, für ein anderes Ziel alles zu riskieren und zu opfern. Er ist von einer Konsequenz, die man in gewisser Weise nur bewundern kann und kann deswegen, trotz manchmal unsympathischer Handlungsweisen, die Sympathie des Lesers erringen. Seine Frau wirkt am Anfang wie ein blasses Anhängsel, entwickelt sich aber im Verlauf der Geschichte zu einer Persönlichkeit. Das Verbrechen, welches Leo auf eigene Faust untersucht, hat zwar einige Schwächen bezüglich der Motivation des Täters, ist aber gut geschildert und würde alleine bereits für jeden durchschnittlichen Thriller ausreichen. Es spielt aber trotzdem für mich nur eine Nebenrolle, neben der Darstellung eines unmenschlichen Systems. Ich wusste ja eigentlich schon, dass die Stalin-UdSSR eine miese Diktatur war und auch dass unzählige Personen in Lagern verschwanden, aber die Dimensionen, mit denen dieser Staat in das Leben der einzelnen, eigentlich unpolitischen Menschen eingegriffen hat, waren mir nicht so sehr bewusst.

Ich konnte mir bis kurz vor Schluss von „Child 44“ nicht vorstellen, wie der Autor ein glaubwürdiges Ende hin bekommen sollte, das eine Fortsetzung erlaubt, aber er hat das Problem sehr gut gelöst und deswegen steht der Folgeband bereits auf meinem Wunschzettel, ich hoffe er wird genauso interessant und spannend wie dieses Buch.
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