Inge Löhnig: Mörderkind

Hot
 
4.3 (6)
 
4.4 (4)
1442   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Inge Löhnig: Mörderkind
Verlag
ET (D)
2014
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783548612263

Informationen zum Buch

Seiten
464

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Er roch das Salz, schmeckte es auf den Lippen, sog es mit der tobenden Luft in seine Lunge.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Sie liefen ihr nach und schrien: »Mörderkind, Mörderkind!«

Ihr Leben lang war sie für alle nur das Mörderkind. Fionas Kindheit war ein Alptraum. Und nun ist ihr Vater tot. Seine letzten Worte galten ihr: »Ich bin kein Mörder.« Widerstrebend macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Beginnt nachzuforschen, befragt ihre Familie. Und stößt auf ungeheuerliche Geheimnisse und eine Intrige, deren tödliches Gift bis heute wirkt …

Autoren-Bewertungen

6 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.3
 
4.2  (6)
 
4.3  (6)
Zeige alle Einträge Zeige die hilfreichsten
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Mörderkind

Da ich die Krimis um Kommissar Dühnfort sehr schätze, war es für mich keine Frage, ob ich auch einen sogenannten 'Stand Alone" von Inge Löhnig lese. Zum Glück, so viel kann ich schon jetzt verraten.
Fionas Kindheit war ein Albtraum: als sie gerade einmal sieben Jahre alt war, wurde ihr Vater als Mörder verurteilt und sie war künftig selbst für ihre beste Freundin das 'Mörderkind'. Als dann kurz darauf auch noch ihre Mutter bei einem Unfall stirbt, kommt sie zu ihrem Onkel und dessen Frau und wächst dort unter ziemlich guten Umständen auf. Doch das Erlebte und die Fiesheiten der Mitschüler hinterlassen selbstverständlich ihre Spuren und so weiß Fiona auch mit 25 Jahren noch nicht so recht, was sie machen möchtet. Sie hangelt sich von Job zu Job um sich über Wasser zu halten - das Studium hat sie längst sausen lassen und obwohl sie ein neues vor Augen hat, kann sie sich schlicht und ergreifend nicht aufraffen. Zu ihrem Vater hatte sie all die Jahre keinen Kontakt - auch als er nach seiner Haftentlassung vor ihrer Tür steht und um ein Gespräch bittet, verweigerte sie dieses. Und nun ist er tot. Keine schlechte Nachricht für Fiona, die sich dadurch nicht betroffen sieht.
Auch als am Tag nach dieser Nachricht ein junger Rettungsassistent vor ihr steht und ihr eine letzte Botschaft ihres Vaters überbringt, lässt diese Fiona erst einmal kalt. Doch ganz allmählich breitet sich die Wirkung der letzten Worte ihres Vaters doch aus, immerhin galten sie seinen Gefühlen für seine Tochter und der Beteuerung, dass er kein Mörder war. Warum sollte er seine letzten Worte an eine Lüge verschwenden? Diese Frage lässt Fiona ganz langsam zu...
Abwechselnd erzählt die Autorin die Geschichte von damals und heute. Das ist so geschickt gemacht, dass man auch als Leser lange im Dunkeln bleibt - auch wenn man durch die Rückblenden Fiona immer einen kleinen Schritt voraus ist. Und auch wenn man die ein oder andere Spekulation zwischendurch entwickelt, so bleibt der Krimi dennoch bis zum Ende sehr spannend!
Besonders gut gefallen hat mir, dass Fiona keine einfache Person ist, die dann aber das Heft in die Hand nimmt und somit im Grunde die Ermittlern ist. Dabei entwickelt sie sich sehr glaubhaft, denn die anfängliche sarkastische und verbitterte junge Frau hatte durchaus ihre Berechtigung. Zu dieser langsamen Veränderung gehört auch, dass Fiona versteht, dass sie lernen kann, nicht immer alles alleine in Angriff zu nehmen, sondern auch wieder auf andere Menschen zu vertrauen.
Inge Löhnig hat hier keinen Thriller geschrieben, der durch gnadenlose Spannung funktioniert, sondern einen Krimi, der über ein beinahe zerstörtes Leben einer jungen Frau funktioniert, die plötzlich begreift, dass sie ihrem Vater vielleicht die letzte Chance geben und seine letzten Worte glauben sollte. Darüber und mit dem sehr flüssigen Schreibstil der Autorin entwickelt sich eine gekonnte Spannung. Dass am Ende alle Fäden gekonnt zusammengeführt werden, ist bei Inge Löhnig selbstverständlich, oder?

Fazit: Ein spannender Krimi fast ohne Polizei, dafür mit einer sehr speziellen Hauptfigur und einem sehr interessanten Mordfall. Unbedingt lesen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Mörderkind

Fiona Jacoby hat Probleme mit menschlichen Kontakten. Die Ursache liegt in ihrer Vergangenheit, denn sie musste Schreckliches erleiden, nachdem ihr Vater wegen des Mordes an seiner Geliebten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Mit erst sieben Jahren war Fiona das „Mörderkind“ von dem sich alle Freunde abwandten. Auf den Verlust des Vaters folgte noch der Verlust der Mutter und so war Fiona schon früh auf sich alleine gestellt, auch wenn sie bei Onkel und Tante aufgenommen wurde. Ihrem Vater gibt Fiona für das alles die Schuld und so ist sie auch zunächst keineswegs erschüttert als sie von dessen Tod erfährt. Doch mit den durch einen Rettungssanitäter übermittelten letzten Worten ihres Vaters kommen Fiona Stück für Stück Zweifel an der eigenen Meinung. Schließlich hat ihr Vater immer beteuert unschuldig zu sein, nur hat niemand ihm geglaubt. Und jetzt steht für Fiona die Frage im Raum, ob der Tod des Vaters tatsächlich nur ein Unfall war, oder ob mehr dahintersteckt. Gemeinsam mit dem Rettungssanitäter begibt sich Fiona auf die Suche nach der Wahrheit und deckt dabei unglaubliche Dinge auf.

Die Autorin Inge Löhnig lässt ihren Krimi auf zwei Zeitebenen spielen. So erfährt der Leser was sich heute abspielt und was damals geschah und wie es zu der Verurteilung von Fionas Vater kam. Als Leser weiß man so immer ein wenig mehr als Fiona selbst, aber lange nicht genug um frühzeitig zu erkennen, wer hier der wahre Täter ist.

„Möderkind“ ist eine tolle Geschichte. Nicht nur der raffiniert erzählte Fall, sondern auch die Protagonistin Fiona hat mich hier auf ganzer Linie überzeugt. Fiona ist keine Sympathieträgerin und das soll sie wohl auch keinesfalls sein. Ihre schrecklichen Erlebnisse haben sie geprägt und zu dem unangenehmen Menschen gemacht, der sie nun ist. Dennoch geht von ihr eine große Faszination aus und der Leser erlebt wie sich Fiona entwickelt und zum Positiven verändert, auch wenn vor ihr noch ein steiniger Weg liegen mag.

Wer nicht nur einen Krimi, sondern auch eine Geschichte über Liebe, Freundschaft, Eifersucht und Hass lesen möchte, der sollte „Mörderkind” zur Hand nehmen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Mörderkind

Inhaltsangabe:

Die 25-jährige Fiona lebt in München und schlägt sich mehr schlecht als recht mit Gelegenheitsjobs durch. Als sie sieben Jahr alt war, wurde ihr Vater Ben wegen Mordes an seiner Geliebten Julia verurteilt. Auch Fiona ist von seiner Schuld fest überzeugt und will nach seiner Entlassung nichts von ihm wissen. Etwa ein Jahr nach seiner Entlassung stirbt Ben bei einem Unfall, und seine letzten Worte sind „Ich bin kein Mörder“. Als der Rettungssanitäter diese Worte Fiona überbringt, ist diese alles andere als erfreut, denn sie wollte von ihrem Vater nie wieder etwas hören. Doch der Rettungssanitäter Matthias alias „Mr. Darcy“ beharrt hartnäckig darauf, dass Ben die Wahrheit gesprochen hat und schließlich sät er Zweifel in Fiona. Zusammen beginnen sie, sich mit dem Mord an Julia zu beschäftigen und geraten dabei selbst in große Gefahr, denn auch Bens Tod muss nicht unbedingt ein Unfall gewesen sein ...

Meine Meinung zum Buch:

Die Geschichte ist sehr spannend aufgebaut und obwohl man schon bald ahnt, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln wird, konnte mich das Ende sehr überraschen.

Die Hauptperson Fiona ist eine etwas zwiespältige Figur. Auf der einen Seite mochte ich ihre schlagfertige und widerborstige Art, auf der anderen Seite erlaubt sie sich Dinge, die man nur einem Kleinkind durchgehen lassen würde. Mit der Zeit und mit dem Wissen über ihre frühen Erlebnisse beginnt man jedoch, Verständnis für ihre Art zu entwickeln und vor allen freut man sich, wenn man mit erleben kann, wie sie im Lauf der Zeit an den Ereignissen wächst und schließlich zu einem (relativ) verantwortungsvoll handelnden Menschen wird.

Die zweite Hauptperson, der Rettungssanitäter Matthias alias „Mr. Darcy“ ist fast zu gut um wahr zu sein, aber jemand anderes hätte wohl bei Fiona auch schnell die Flucht ergriffen. Insofern passt er gut als Gegenpol zur anfangs halsstarrigen Fiona.

Natürlich tummeln sich noch viele Nebenfiguren um Fiona und Matthias, allen voran die noch lebenden Familienmitglieder von Fiona oder (in Rückblenden) Fionas Vater Ben, seine Geliebte Julia und deren Mutter Regine. Sie sind alle sehr bildhaft beschrieben und man erfährt auch immer etwas über ihre Vergangenheit, so dass die Handlungsmotive überwiegend nachzuvollziehen sind. Über Ben hätte ich mir noch ein paar mehr Informationen gewünscht, um mir ein rundes Bild von ihm zu machen, aber bei ihm muss ich mir eben den letzten Teil Verständnis selbst zusammenreimen.

Gefallen hat mir auch, dass die Geschichte in zwei Handlungsebenen erzählt wird. Auf der einen Seite begleiten wir Fiona und Matthias bei ihren Recherchen, auf der anderen Seite werden die früheren Ereignisse um Ben und Julia erzählt. Oft geht es mir dann so, dass ich einen Handlungsstrang lieber mag als den anderen und den dann ungeduldig überfliege, aber hier waren beide Erzählungen gleichwertig und ich habe beide sehr gerne gelesen.

Mein Fazit: Buchtipp!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Auch ohne Dühnfort sehr empfehlenswert

Fionas Vater war ein Mörder. Er hat seine Geliebte umgebracht und wurde dafür mit lebenslänglich bestraft. Mit diesem Wissen ist sie aufgewachsen und es hat ihr ihre Kindheit zur Hölle gemacht. Doch nun ist Ben tot und vor ihrer Tür steht der Rettungssanitäter, der in Bens letzten Minuten bei ihm war. Der junge Mann hat versprochen, Fiona die letzten Worte ihres Vaters zu übermitteln, in denen er noch einmal versichert hat, kein Mörder zu sein. Zuerst schmeißt Fiona den Überbringer der Nachricht raus, sie will mit Ben nichts mehr zu tun haben, sie will sich keine Gedanken über ihn machen und an ihrem Urteil über ihn ist nicht zu rütteln. Oder vielleicht doch? Ganz allmählich und mit einiger Nachhilfe durch Mats beziehungsweise Darcy, wie Fiona den gutaussehenden jungen Mann nennt, fängt sie an zu überlegen, ob Bens Tod wirklich ein Unfall gewesen ist. Und wenn nicht, was dann noch alles anders ist, als sie immer geglaubt hat?

Inge Löhnig steht drauf, aber kein Dühnfort steckt drin? Ja, das gibt’s und es lohnt sich auch ohne den gewohnten Protagonisten!

Fiona ist kein ganz einfacher Charakter, gerade zu Beginn der Handlung wirkt sie äußerst sperrig und immer auf Krawall gebürstet. Aber je mehr man von ihrer Vergangenheit erfährt, desto verständlicher wird ihr abweisendes Verhalten. Dass sie sich damit selbst keinen Gefallen tut, muss sie erst noch lernen. Darcy ist da ein wohltuender Ausgleich, allerdings kam er mir streckenweise fast zu gut vor, um wahr zu sein.

Parallel zu Fionas Erlebnissen und Nachforschungen in der Gegenwart erfährt der Leser auf einer zweiten Zeitebene, was damals wirklich passiert ist. Es gibt also zwei Fälle aufzuklären, den vermeintlichen Mord an Bens Geliebter damals und seinen angeblichen Unfalltod heute. Der Leser ist Fionas Ermittlungen im Hinblick auf Bens Tat bald ein ganzes Stück voraus, dennoch fehlen bis zum Ende genügend Puzzlestücke, so dass das Bild nicht ganz zu erkennen ist und die Spannung erhalten bleibt.

Ich freue mich auf den nächsten Fall mit Dühnfort, würde aber auch jederzeit wieder zu einem Einzelband der Autorin greifen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Eine teuflische Intrige

Zeit ihres Lebens war Fiona davon überzeugt, daß ihr Vater ein Mörder ist. Wie hat sie als Kind unter den Gehässigkeiten ihrer Mitschüler gelitten, als Mörderkind zu gelten. Wie hat sie ihren Vater dafür gehasst, daß er sie und ihre Familie im Stich gelassen hat. Und nun ist ihr Vater tot – seine letzten Worte galten seiner Tochter, in denen er beteuert, daß er kein Mörder sei. Fiona will ihm nicht glauben, aber die Zweifel lassen sich nicht mehr einfach weg schieben. Zusammen mit einem Freund macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit und stößt dabei auf eine teuflische Intrige.

Obwohl die Autorin in diesem Buch ein spannendes Thema aufgreift, bin ich lange Zeit nicht damit warm geworden, da mir die Handlung zu Beginn etwas zu langatmig war. Manche Wendungen empfand ich als zu konstruiert, manche Punkte waren aber auch sehr raffiniert gelöst, gerade bei Kleinigkeiten, die im Endeffekt eine große Wirkung hatten.

Ich hatte direkt am Anfang einen Verdacht, von dem ich im Laufe der Lektüre abgerückt bin, um ihn dann doch wieder vorzuholen: dieser Verdacht hat sich dann auch bestätigt, jedoch etwas anders als ich ursprünglich gedacht hatte.

Ein weiterer Grund, warum ich meine Probleme mit dem Buch hatte, waren die Figuren: ich empfand sie zu eindimensional und teilweise mit zu vielen Klischees behaftet, dadurch erschienen sie mir zu extrem. In der zweiten Hälfte des Buches hat sich das dann gewandelt, daher hat mir dieser Teil auch wesentlich besser gefallen.

Fiona Jacoby ist eine junge Frau, die sich aufgrund des frühen Verlusts ihrer Familie und ihren Kindheitserfahrungen einen harten Panzer zugelegt hat. Sie gestattet niemanden, diesen Panzer zu durchdringen, um nie wieder verletzt zu werden. Dadurch wirkt sie egozentrisch und kaltherzig. Der sympathische Rettungsassistent Matthias Stiller, der Fionas Vater kurz vor dessen Tod versorgt hat, läßt sich aber nicht so leicht abwimmeln und schafft es immer wieder, die richtigen Fragen zu stellen. Fiona kann aber auch ziemlich stur sein und ist nicht so leicht von ihrem Weg abzubringen.

Die Handlungsstränge teilen sich in zwei Zeitebenen auf: der Leser begleitet Fiona in der Gegenwart bei ihrer Suche nach der Wahrheit, in der Vergangenheit wird er Zeuge der Geschehnisse, die zur Verurteilung von Fionas Vater führen. Dadurch ist der Leser Fiona und Matthias einen Schritt voraus, was die Wahrheit angeht – und doch gibt es noch ein weiteres Geheimnis.

Sehr gelungen fand ich die Darstellung der tragischen Folgen der Intrige, an der nicht nur eine Familie zerbrochen ist.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Alle Literaturschock-Rezensionen anzeigen

Benutzerkommentare

4 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.4
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.5  (4)
Charaktere 
 
4.0  (4)
Sprache & Stil 
 
4.8  (4)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
4.0

„Wer nach Rache strebt, hält seine eigenen Wunden offen.“ (Sir Francis von Verulam Bacon)

Fiona hat sich im Leben eingerichtet, es war ein langer Weg voller Verdrängung. Sie ist hart geworden nach außen, hat sich aber ein tiefes Gefühl für Menschen erhalten und verbirgt es unter einem Panzer. Da kommt ein Sanitäter ins Haus und bringt ihr eine Nachricht ihres Vaters. Dessen letzte Worte beteuern seine Unschuld. Jemand will den Panzer anbohren, das geht nicht. Die Wahrheit, die sie gelernt hat zu ertragen, wird in Frage gestellt. Jahrelang hat sie sich eingeredet, dass der Vater schuld war, hat sich von dem Vater verabschiedet, den sie verehrte und liebte und von dem sie sich geliebt fühlte, der sie verraten hatte. Er ist fortgegangen und nicht zurückgekommen. Er ist schuld am Tod der Mutter. Nein, sie hat alle Emotionen für ihn vergraben.
Aber es ist zu spät, das Loch ist gebohrt und der Panzer ist undicht. Also wie wird sie damit fertig? Würde ein Mensch im Sterben lügen?
Kinder sind grausam. Wie muss das sein, wenn man überall zum Außenseiter wird, weil der Vater ein Mörder ist. Man ist völlig schuldlos, verliert als Kind seine Eltern und plötzlich hat man niemanden mehr außer Verwandten, denen man eher Ballast ist. Wie übersteht ein Kind so was? Ich kann es mir nicht vorstellen. Dabei gesund zu bleiben, ist wohl kaum möglich. Fiona hat es nach außen hin geschafft. Sie hat ein eigenständiges Leben und sie ist stabil. Es muss ein schwerer Weg gewesen sein. Ich habe sie bewundert. Auch wenn sie manchmal ruppig ist, ich konnte ihre Handlung verstehen. Verdrängung war das Mittel, mit dem sie sich erhalten hat. Wo waren denn die Lehrer, Sozialarbeiter, Kirchenvertreter oder was auch immer, die sich hier hätten kümmern müssen?
Es ist also eine sehr faszinierende Persönlichkeit, die kaputt ist, und wir erleben als Leser mit, wie sie beginnt, an ihrer eigenen Heilung zu arbeiten, indem sie den Tod ihres Vaters erforscht. Dabei erfährt sie viel über die Familie, was als Kind nicht durchschaubar war. Sie hat Hilfe in dem Sanitäter, der sich als Hobbypsychologe erweist und die richtigen Anstöße gibt. Er hat eine Engelsgeduld. Aber man sieht auch, dass ohne eigene Arbeit an sich selbst keine Heilung erfolgen kann.
Klingt das jetzt mehr nach Psychologieroman als nach Krimi? Dann wäre das total falsch. Es ist absolut spannend, den Ermittlungen der beiden zu folgen und es ist kaum vorstellbar, welche Lösung hinter den Rätseln steckt.
Vieles erfährt der Leser auf einer zweiten Erzählstrecke. Auch dort ist es spannend nachzuverfolgen wie sich das Schicksal dieser Personen entwickelt. Als Leser fährt man wohl ein wenig Karussell, denn manche Menschen vergiften ihr eigenes Leben ohne Rücksicht und manche Menschen können mit den Folgen ihres Tuns nicht leben.
Ich persönlich hatte die ganze Zeit einen Gedanken im Hinterkopf: Was wäre, wenn der Vater unschuldig wäre und Fiona erfährt es erst jetzt. Wie würde sie damit leben, ihm nicht geglaubt zu haben?
Ich hatte bisher noch keinen Krimi von der Autorin gelesen und war nach dem Klappentext ziemlich skeptisch, aber ich bin absolut begeistert von der Erzählweise und von der Art des Spannungsaufbaus.
Fazit:
Ein spannender Krimi, mit einem intelligenten Rätsel und vielschichtigen Persönlichkeiten. Absolut lesenswert.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Mörderkind

Ihr Vater Ben hatte ihr versprochen, dass er zurückkommt. Aber er wurde inhaftiert und als Mörder an seiner Geliebten Julia verurteilt. Damit wurde die siebenjährige Fiona zum Außenseiter, denn sie war ein Mörderkind. Ben sucht 18 Jahre später den Kontakt zu Fiona, aber sie schlägt die Tür zu. Sie ist wütend, sie ist verletzt und sie hat eine Mauer um sich herum aufgerichtet. Niemand soll sie mehr verletzen.
Etwa ein Jahr später taucht der Rettungsassistent Matthias Stiller bei ihr auf, um ihr die letzten Worte ihres sterbenden Vaters mitzuteilen: „Ich bin kein Mörder.“ Fi will nichts davon hören. Aber die Einwände, die Darcy, wie Fi Matthias nennt, hat, werfen Fragen auf und so macht sich Fiona mit Darcys Unterstützung an die Aufarbeitung der Vergangenheit.
Fiona ist schwierig, stets auf Krawall gebürstet und hat auch ihren Weg noch nicht gefunden. Sie wird immer von Wut beherrscht. Da ist es gut, das es den geduldigen und beharrlichen Darcy gibt, der sich von Fionas Art nicht abschrecken lässt. Fiona ist nicht sonderlich sympathisch, aber je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, umso mehr kann man Verständnis für sie aufbringen. Auch wenn Fionas Art meist nervend ist, so gibt es doch immer wieder Momente, wo man sich über ihr Verhalten amüsieren kann.
Die Geschichte wird in zwei, sich abwechselnden Zeitebenen erzählt. Neben Fionas Ermittlungen, wird in der anderen Ebene die Geschichte von Ben und Julia erzählt, wie sie tatsächlich passiert ist. Der Leser weiß also irgendwann mehr als Fiona, aber dennoch fehlen wichtige Aspekte, die sich erst zum Schluss klären. Das sorgt dafür, dass der Spannungsbogen erhalten bleibt. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und fesselnd. Die Charaktere sind authentisch beschrieben. Die Handlung ist in sich stimmig.
Das Buch ist spannend und hat mich gut unterhalten.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Was verbirgt sich hinter der Fassade?

Zum Inhalt:

Als Fiona sieben Jahre alt ist, wird ihr Vater vor ihren Augen von der Polizei abgeführt. Des Mordes an seiner Geliebten beschuldigt, wird er zu über einem Jahrzehnt verurteilt. Ihre Mutter begeht kurz darauf Selbstmord. Nun beginnt ein tragische Kindheit als Mörderkind. Als Erwachsene begibt sie sich auf Spurensuche, denn die letzten Worte ihres Vaters "Ich bin kein Mörder" lassen sie stutzig werden und so bringt sie Geheimnisse zutage, deren Hüter sie lieber im Dunkeln gelassen hätten.

Zum Buch:

Ich wurde von dem Buch nicht enttäuscht, mir hat sich ein spannender Thriller mit authentischen Figuren geboten, deren Leidensweg nachvollziehbar aufgebaut wurde. Zwar zeichneten sich die waren Hintergründe bereits zeitig ab und auch der Mörder konnte schon früh enttarnt werden, auch wenn er erst kurz vor Schluss einen Namen bekam.

Mir haben die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut gefallen, so erfuhr man die Fakten aus erster Hand und nicht zusammengefasst aus dem Mund eines Dritten und man vergisst es nicht mehr so schnell.

Ein Kritikpunkt war aber, da das Verbrechen an sich, für das der Vater von Fiona ins Gefängnis musste, auf mich etwas zu konstruiert wirkte, als es an die Beschreibung dessen ging. Dafür dass beim Verüben kein Profi am Werk war, wirkte es auf mich ein wenig zu perfekt.

Aber alles in allem war es ein spannender Krimi, den ich trotz kleiner Schwächen weiterempfehlen kann.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Die letzten Worte eines verurteilten Mörders

Tiefverwurzelter Hass und eine bodenlose Wut prägen Fionas Leben, auf die Welt allgemein, ihre sie mobbenden Schulkameraden, die unterkühlte Familie, aber allen voran auf ihren Vater. Einem Mörder. Als dieser vor neunzehn Jahren an dem Mord seiner damaligen schwangeren Geliebten angeklagt und verurteilt wurde, zerstörte das das Leben der kleinen siebenjährigen Fiona von Grund auf. In der Schule laufen ihr die Kinder hinterher, rufen ihr gehässig Mörderkind zu und schließlich begeht die manisch-depressive Mutter aus Verzweiflung Selbstmord. Fiona kommt zu ihrer Tante und Onkel, die selbst nie an Kinder gedacht hatten, und wächst dort bei der gleichgültigen Verwandtschaft auf. Von zu Hause ausgezogen kämpft sie sich von einem schlecht bezahlten Job zum nächsten, sich selbst aus Trozt nicht eingestehend, dass sie, wie ihr mordender Vater, eine begabte Künstlerin ist. Mittlerweile ist die Haft verbüßt, doch Fiona unterbindet jeglichen Versuch ihres Vaters mit ihr in Kontakt zu treten, bis ein Rettungssanitäter sie aufsucht und ihr mitteilt, er wäre verstorben. Seine letzten Worte gelten ihr: „ Ich bin kein Mörder“.
Wie ein jeder glaubt auch sie felsenfest an dessen Schuld, weist die letzten Worte als Lüge ab, doch lassen sie ihr keine Ruhe. Sie begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Zunächst, um die Lüge auch als Lüge zu beweisen, aber je mehr sie gräbt, desto mehr enttarnt es sich als eine einzige Intrige: Um die Geliebte zu ermorden und ihren Vater als deren Mörder zu brandmarken. Doch wer hegte gegen beide einen solch enormen Groll?
Mittlerweile unterstützt auch der Rettungssanitäter Fionas zum Teil illegalen Ermittlungen und wird wegen der Ähnlichkeit zur berühmten Romanfigur von Jane Austen nur neckend Mr. Darcy genannt. Immer tiefer verstricken sich die beiden in die verworrene Intrige, bis sie schlussendlich hinter die entsetzliche Wahrheit kommen. Allerdings nicht nur sie allein.
Inge Löhning hat mit ´Mörderkind´ einen fantastischen Krimi hingelegt: von Anfang an bis zuletzt spannend, mit nachvollziehbaren und tiefgründigen Charakteren, einer interessanten Grundidee hinter der Geschichte, sowie nicht vorhersehbare Wendungen, die mich zum Teil wirklich überrumpelten. Ich selbst lese eher ungern Kriminalgeschichten, doch diese hat mich positiv überrascht, nicht zuletzt, da das Buch in keinster Weise künstlich in die Länge gezogen wurde und dadurch konstant spannend blieb. Absolut empfehlenswert.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue