M. R. C. Kasasian: Mord in der Mangle Street

M. R. C. Kasasian: Mord in der Mangle Street

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M. R. C. Kasasian: Mord in der Mangle Street
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Mangle Street Murders
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783455600513

Informationen zum Buch

Seiten
400

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Erster Satz
Eliza Shepherd war ermordet worden.

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Handlungsort

Stadt
Kontinent
Handlungsorte
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London 1882. Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich die junge March Middleton in die Obhut ihres Patenonkels: Sidney Grice, Englands berühmtester Detektiv, der vor einem neuen Rätsel steht. Eine Frau ist brutal ermordet worden, der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Mit jeder neuen Wendung des Falls ist Sidney stärker von der Schuld des Ehemanns überzeugt und March von seiner Unschuld. In die dunkelsten Ecken des East End führen die Ermittlungen die junge Frau mit dem Faible für Gin und den bärbeißigen Spötter mit dem Glasauge. Wer von ihnen wird wohl recht behalten?

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Kopie oder Hommage?

Wenn man sich auf einen viktorianischen Krimi einlässt, dann lässt sich ein Vergleich zu Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes einfach nicht vermeiden. Zu gut kennen wir Krimileser die Zeit, die Gesellschaft, die Umstände in London zu Zeiten Königin Victorias. Wenn man nun also einen Krimi schreibt, der in dieser Zeit spielt, einen Detektiv einsetzt, der logisch schlussfolgert und mit einer gewissen Arroganz in Fällen stöbert, und diesem eine medizinisch nicht unwissende Begleiterin an die Seite stellt, fragt man sich schon: Kopie oder Hommage? Der Autor geht mit diesem Konflikt recht offen um und versucht erst gar nicht, den Vergleich abzuwenden, sondern spielt bewusst mit diesem Kniff. Ein Pluspunkt in diesem viktorianischen Krimi, der mich mit einem mittelmäßig bis gutem Eindruck zurück lässt.

William Ashby wurde wegen des Mordes an seiner Frau verhaftet und bittet Sidney Grice, den besten Privatdetektiv von London, per Brief und durch seine Schwiegermutter, Mrs. Dillinger, um Hilfe. Doch erst die finanziellen Mittel, welche March Middleton, die erst kürzlich zu Mr. Grice als Mündel gestoßen ist, anbietet, können ihn dazu überreden, den Fall anzunehmen. Doch Marchs Hilfe ist an eine Bedingung gebunden: sie möchte bei den Ermittlungen dabei sein. Grice ist von Anfang an von Ashbys Schuld überzeugt, derweil March für Ashbys Unschuld plädiert. Also macht sich das ungleiche Paar auf - zum Tatort, zum Leichenschauhaus, zum Gefangenen. Und da March nun eben nicht das zartbesaitete Wesen ist, welches Männer immer gern haben möchten, gibt sie dem eingebildeten, kaltherzigen Ermittler mit dem Glasauge, immer wieder fleißig Kontra und trägt so ihren Soll zu den Ermittlungen bei. Doch letztendlich bleibt die Frage: ist Ashby schuldig oder unschuldig?

Sidney Grice erinnert sehr stark an Sherlock Holmes, doch ein paar Unterschiede gibt es schon. Er ist wesentlich arroganter und selbstgefälliger, ein eitler Fatzke, der sich immer im Recht glaubt oder es zur Not auch so auslegt, dass er Recht hat. Warum er March als Mündel aufgenommen hat, ist höchst fraglich, wobei er durch den ersten Fall natürlich finanzielle Vorteile hat. Sein Kopf tüftelt nebenbei immer an Ideen für Erfindungen und so ist es kein Wunder, dass er bald wohl einen Vorgänger der Thermoskanne mit sich herumträgt. Schließlich ist das einzig anständige Getränk, welches den Namen verdient, Tee, und dieser hat gefälligst niemals lau zu sein oder gar mit Milch versetzt. Vegetarier ist Grice im Übrigen auch noch.
Im Gegensatz hierzu stellt der Autor March Middleton in den Ring. Die junge Frau zieht nach dem Tod ihres Vaters, einem Arzt, zu Sidney Grice in die Großstadt. March mag zwar eine Landpflanze sein, doch mit ihrem Vater war sie auch im Krieg und hat Verwundete versorgt, so dass sie der Besuch im Leichenschauhaus nun nicht schrecken kann. Als Frau muss sie sich natürlich Bemerkungen - von beleidigend bis arrogant - anhören, was eine Frau so zu tun und zu lassen hat. Und dazu gehört natürlich keinesfalls Gin zu trinken oder zu rauchen - und so macht sie das mehr oder minder heimlich. Natürlich ist es ungewöhnlich, eine Frau in dieser Zeit so selbstbewusst auftreten zu sehen. Doch meines Erachtens bleibt der Geschichte gar nichts anderes übrig - eine zurückhaltendere Frau würde neben dem extrovertierten und bestimmenden Mr. Grice völlig untergehen.
Dieses absonderliche Paar macht zwar auf der einen Seite Spaß, auf der anderen Seite ist es aber auch an manchen Stellen sehr anstrengend, da beide eben Stereotype bedienen. Zu überzogen ist Grice, zu liberal March, auch wenn die dadurch wie Zahnräder ineinander greifen. Aber eben das ist das Problem: es gibt keine Überraschung in ihrem Verhalten - man weiß von Anfang an, worauf man sich einlässt.

Der Kriminalfall, der von Anfang an eine Frage aufwirft, die einen geübten Krimileser schon auf die Lösung bringen kann, war aufgrund dessen zwar nicht sonderlich spektakulär, aber durch das Setting und das Flair der verdreckten Großstadt London äußerst vergnüglich. Wenn March und Grice durch den Kanal hinter dem Tatort waten, die verzogenen Türen weder auf noch zu gehen und es eben keinen kümmert, dass das Zündholzmädchen, welches vor dem Eingang sitzt, dort immer noch sitzt, weil es verstorben ist – so ist das London dort, wo keiner hinsehen will. Ein paar bessere Gegenden gibt es natürlich auch (als ob der beste Detektiv von London in einem Dreckloch hausen würde), aber genau diese Gegensätze der Metropole zeigen ein authentisches Bild.

Zum einen ist es die Atmosphäre, die das viktorianische Zeitalter so spannend macht, aber eben auch die Art der Ermittlung. Die Forensik steckt in den Kinderschuhen, ach was, in den Babysöckchen, Befragungen sind das A und O, die Polizisten sind gespickt von Vorurteilen und oft ist nur durch Beobachtungsgabe der Täter zu ermitteln. Da kommt ein Ermittler mit der herausragenden Fähigkeit zur Beobachtung natürlich recht, vor allem, wenn er noch ein Faible für Erfindungen hat und auch ein Pülverchen bieten kann, um Blutspuren nachzuweisen. Ob das Blut dann tatsächlich von der Tat stammt, ist natürlich wieder eine andere Sache. Wie sehr sich die Ermittler doch heutzutage auf die Forensik verlassen, wie wenig die Ermittler damals hatten und nur über Vermutungen drauf gekommen sind, wie es sich abgespielt haben könnte. Denn letztendlich ist damit dann oft ein Geständnis heraus gekitzelt worden und nur so konnten die Vermutungen bestehen.

Eigentlich bin ich nicht dafür Bücher oder auch Serien zu vergleichen, doch hier springt einem der Vergleich quasi ins Gesicht, so dass man sich dem nicht erwehren kann. Und da muss man leider sagen: an das Original kommt einfach keiner ran. Wenn man sich allerdings von diesem Vergleich löst, bleibt eine vergnügliche Ermittlung in der viktorianischen Zeit übrig, die mit einem sonderbaren und sich gegenseitig triezenden Paar aufwarten kann. Für mich war der Ausflug ins viktorianische Zeitalter eine erfrischende Abwechslung.

Fazit:
Im Vergleich zum Vorbild muss das Buch leider Federn lassen, doch wenn man sich nicht darauf versteift, bleibt ein vergnüglicher Ausflug in die viktorianische Zeit mit natürlich dem (fast) besten Ermittler Londons.

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(Aktualisiert: 05 September 2016)
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Old School. Ein Genuss!

M.R.C. Kasasian - Mord in der Mangle Street - Atlantik

London, 1882
March Middleton hat schlimme Dinge gesehen, aber sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken, denn sie und ihr Vater versorgte Schwerverwundete in einem Lazarett in Kalkutta, der blutige "Gevatter" ihr ständiger Gast.
Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich March in die Obhut ihres Patenonkels Sidney Grice, er gilt als Englands berühmtester Dedektiv. Jeder Kutscher kennt den Weg in die Gower Street 125, jeder Gossenjunge zieht die geklaute Mütze vor dem humpelnden Mann mit dem Glasauge. Natürlich auch in der Hoffnung, eine Information für ihn zu haben, sodass etwas "Kupfer" hineinfällt.
Trotz seiner äußeren Defizite ist er ein eitler Fatzke, der mit schrulliger Scharfsinnigkeit um sich wirft. Der Mann ist ein soziales Desaster und ein Widerspruch in sich. Er ist Vegetarier aus Prinzip und irgendwo - gut versteckt - ein Herz aus Gold. So was in der Art..
Seiner Schlussfolgerung nach, darf dies keiner wissen, denn es könnte den Zusammenbruch ganz Londons provozieren.
Sein Mündel schockiert so leicht nichts, weder die Leichenhalle noch ein Aufstand brüllenden Mobs. Tatkräftig steht sie ihrem Patenonkel zur Seite:
"Ich hob die Stange auf. Sie war schwer, und da ich den Mann mit der Flasche in der Hand nicht umbringen wollte, klopfte ich ihm nur einmal auf den Kopf."
Sidney Grice lernt seine blaustrümpfige Assistentin zu schätzen und das, obwohl sie gerne einen Gin trinkt und heimlich raucht. Schon ihr erster Fall entzweit die beiden, ein forscher Inspektor stellt sich auf March´ Seite.
"Das ist kein Mitmensch, das ist ein Polizist!"
Eine junge Frau wird mit 40 Messerstichen ermordet, der Ehemann schlief nichtsahnend im Nebenzimmer. Das Kuriose daran, seine Schwiegermutter ist von seiner Unschuld überzeugt und bittet Sidney, diese zu beweisen. Die Frau in Trauer, befindet sich in anderen Umständen. Der große Detektiv scheint kein Interesse an einem sozialen Fall zu haben, doch March verspricht ihm die Rechnung zu übernehmen.
Die Bedingung: Er muss sie überall mithinnehmen, vom Polizeirevier bis zu den Kunden eines Gerichtsmediziners.
Ein Investigieren, Schulter an Schulter.

"Als Gott die Narren erschuf, steckte er die größten unter ihnen in Uniformen und setzte ihnen Helme auf, weil keine Gedanken in ihre Köpfe dringen sollten."

Ein Leseerlebnis ab der ersten Seite, große Schmunzler, aber auch tiefe Seufzer ob der herben Realität auf Londons viktorianischen Straßen, großer Beifall für diese zynisch-herzliche Meisterleistung. Dieser spannende Krimi um das neue Ermittlerpaar Grice/Middleton ist Kult.
Hiermit eine uneingeschränkte Empfehlung zum Nächtedurchlesen!
Bitte mehr davon! Ich bin begeistert und warte sehnsüchtig auf die Fortsetzung!

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Viktorianischer Krimi

Ein viktorianischer Krimi mit allem Zipp und Zapp - das hatte ich mir gewünscht und so habe ich mich riesig auf diesen Krimi gefreut von M.C.R. Kasasian gefreut, der in den Zeiten von Sherlock Holmes spielt. Der Autor selbst hingegen lebt im Gegensatz zu seinem Kollegen Arthur Conan Doyle im Hier und Jetzt und hat uns lediglich literarisch in auch aus seiner Sicht längst vergangene Zeiten verbracht.

Zeiten, in denen wir auf die junge March Middleton treffen, die nach dem Verlust ihres Vaters auf sich gestellt ist und von ihrem ihr selbst persönlich bisher unbekannten Patenonkel Sidney Grice, seines Zeichens Detektiv, eingeladen wird, ihr weiteres Leben nun bei ihm zu verbringen. March wähnt sich freundlich aufgenommen, doch trifft sie in London auf einen Sonderling und Egozentriker, der seinesgleichen sucht und nicht gerade durch seine Nächstenliebe glänzt. Doch March ist keine, die sich die Butter vom Brot nehmen lassen würde und so mischt sie sich alsbald in die Geschäfte ihres Vormundes ein bzw. mischt munter mit bei den anstehenden Ermittlungen, wobei ihr vorlautes Mundwerk nicht nur ihr selbst bald im Weg steht.

Eine originelle Person, diese March. Ich wünschte, das könnte ich auch von Sidney Grice behaupten, der mir eher wie eine Kreuzung aus Sherlock Holmes und Hercule Poirot vorkommt. Wobei er einem netten Hobby frönt - er ist nämlich Erfinder. Aber auch das ist schon mal dagewesen!

Der Fall - es geht um eine junge Frau, die ermordet aufgefunden wurde und deren Gatte nun seinem Todesurteil entgegensieht - ist nicht übermäßig originell, doch durchaus charmant und auch unterhaltsam - wenn er nicht im Mittelteil mit ausgesprochenen Längen aufwarten würde. Auch der Schlagabtausch zwischen Sidney Grice und Inspector Pounce, der hier sozusagen sein Gegenpart von offizieller Seite ist, könnte schlagfertiger gestaltet sein.

Alles in allem ganz nett - aber ein Kann, kein Muss. Man verpasst wenig - böse Zungen könnten sogar behaupten, kaum was - wenn man das Buch nicht liest.

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